G R O U N D F E V E R
  Finnland
 

07.-09.06.2014 --- Im Land der tausend Seen

Es ist Ende April. Ich sitze so mit meinem Cousin Stephan (eigentlich Großcousin, aber egal) in der Dampfbier-Brauerei zu Essen-Borbeck. Wir schlürfen ein 'Zwickel-Bier' nach dem anderen und quatschen über Gott und die Welt. Irgendwann kommt das Gespräch auf Pläne und anstehende Reisen und ich erläutere, dass aufgrund bevorstehender Sommerpause und WM erst mal nix geplant ist, ich aber über Pfingsten gern noch irgendwo hin möchte. Ich lasse das Wort 'Finnland' fallen und gebe die Info dazu, dass ich günstige Verbindungen ab Bremen nach Tampere entdeckt hatte. Irgendetwas muss in der angeschickerten Birne Stephans, der mit Fußball eigentlich nicht viel am Hut hat, "Klick" gemacht haben, denn er bekundet spontanes Interesse und ab diesem Abend bohrte er beinahe im Tagesrhythmus nach, wie es denn mit der Tour aussähe. Eigentlich war ich nicht sehr überzeugt von der Nummer. Auf der anderen Seite hatte ich mit dem Land noch eine Rechnung offen, da es bisher nur zu einem Zweitliga-Spiel gereicht hatte und nun mit einem Kick in Lahti nicht nur die Erstliga-Lücke geschlossen werden, sondern auch ein Ground mit sehr interessanter Kulisse besucht werden konnte. Sofern die Partie denn im 'Lahden Stadion' über die Bühne gehen würde. Unterkünfte sind in Skandinavien bekanntermaßen alles andere als billig, so wurde mit dem 'Dream Hostel' in Tampere für 28 Euro pro Nacht und Nase im 4er-Dorm die günstigste Variante gewählt. Ein paar Tage vor der Tour, bekam ich dann Wind von einer 20%-Rabatt-Aktion des Online-Portals 'Ebookers', die uns die Buchung eines 'Scandic'-Hotels für 45 Euro pro Person und Nacht mit Frühstück ermöglichte. Also Hostel storniert und Hotel gebucht, denn die Privatsphäre und die inkludierte erste Mahlzeit des Tages rechtfertigten den erhöhten finanziellen Einsatz auf jeden Fall.

Sa. 07.09. 16:00 - TPV Tampere vs FC Kerho 07 1:0 (Kakkonen länsi), 300 Zuschauer (0 Gäste)

Um kurz nach zwei Uhr riss mich der verhasste Wecker aus dem Schlaf. Stephan sammelte mich ein und dann gab es noch einen Stopp am Bahnhof in Essen-Borbeck, wo wir Dion einsammelten. Dion? Wo kam der nu her? Wir hatten zwei Wochen vorher festgestellt, dass wir denselben Hinflug absolvieren würden und da er keinen eigenen fahrbaren Untersatz besitzt, nahmen wir ihn eben mit, um ihm die Bahnanreise nach Bremen zu ersparen. Unspektakuläre zwei Stunden und ein paar Minuten später wurde der Wagen im Gewerbegebiet am Flughafen Bremen abgestellt, wo man dankbarerweise für Umme parken kann. Stellte sich noch die wichtigste Frage der Tour. Nämlich wie man sich günstig mit entsprechenden Produkten versorgt, um dem latenten Gewohnheitsalkoholimus gerecht zu werden. Denn am Zielort waren da ja nicht gerade die hiesigen branchenüblichen Preise zu erwarten. Zum einen hatte ich in einem Supermarkt ein paar Flachmänner Wodka im 100 Milliliter-Format erworben und diese natürlich zu den Hygiene-Artikeln in den durchsichtigen Druckverschlussbeutel gepackt. Wodka-Flachmann im Supermarkt? 99 Cent. Bier in Finnland? Auf jeden Fall teurer. Das Gesicht des Sicherheits-Fuzzi an der Gepäck-Kontrolle, wenn er statt auf Hygiene-Zeugs auf kleinformatige Schnapsflaschen schaut? Unbezahlbar!! Punkt zwei des Versorgungsplans ordnete die Sichtung des Angebotes im 'Shopping-Bereich' hinter der Gepäck-Durchleuchtung an. Die Wahl fiel auf eine Palette 0,33er Becks zum Dosenpreis von 1,50 Euro. Kein Schnapper, aber vermutlich günstiger als in Finnland. Glaubten wir zumindest. Mit wenigen Minuten Verspätung um 6:40 abgehoben, landeten wir überpünktlich in Tampere-Pirkkala, was uns natürlich den bekannten nervigen Ryanair-Jingle verschaffte, in dem sich die Airline immer selbst für die vielen pünktlichen Ankünfte feiert. Kann man langsam auch nicht mehr hören den Scheiß. Zur Fortbewegung sollte in den nächsten 48 Stunden eigentlich der Zug herhalten, der im Frühbuchertarif gar nicht mal so teuer gewesen wäre. Nach einiger Überlegung hatten wir uns dann aber entschieden, die verdammt teure Mietwagen-Karte zu ziehen. Allerdings waren dafür fette 107 Euro zuzüglich Kraftstoff fällig. Verdammte Menge Holz, aber wir wollten uns einfach den Luxus gönnen, uns ein wenig durch die faszinierende Landschaft zu schlagen, statt alles nur durch schmutzige Zug-Fenster betrachten zu können. Für zwei Tage durften wir nun einen Polo neuester Generation unser Eigen nennen.

Dion wurde am Bahnhof von Tampere entsorgt und Stephan und ich steuerten das 'Scandic Rosendahl' an, das knapp zwei Kilometer vom Zentrum entfernt am See 'Pyhäjärvi' liegt, in der Hoffnung dass wir zu dieser frühen Uhrzeit - die Zeitverschiebung beträgt plus eine Stunde, es war nun kurz nach 10:00 - schon in unser Zimmer konnten. Dem war so. Es war genau ein Zimmer fertig, das wir dann zugesprochen bekamen. Bild Nachdem die Brocken abgelegt worden waren, führte der nächste Weg zum Supermarkt. Allerdings nicht auf ganz direktem Wege. Ich hatte auf der Fahrt zum Hotel eine Holztribüne an einem Kunstrasen entdeckt, die es verdient hatte, fotografiert zu werden. Nun aber weiter zum Supermarkt. Ich hatte einen Einweg-Grill im Gepäck, da meine grenzenlos romantische Ader mir sagte, dass es ein angenehmes Erlebnis sein muss, am See ein paar Stücke Fleisch auf dem Rost vor sich hin brutzeln zu sehen. Hatte zwar nicht geglaubt, den Grill durch die Gepäckkontrolle zu bekommen, von wegen brennbarem Zeug und so, aber ich wurde positiv überrascht. Die Show wäre allerdings gar nicht notwendig gewesen, denn im 'Lidl' gab es dann alles, was man für spontane Grill-Sessions benötigt, u.a. eben auch Einweg-Grills. Wir benötigten aber zunächst nur Fleisch und Wurst. Außerdem stellten wir fest, dass es beim 'Lidl' durchaus erschwingliches Bier mit normalem Alkohol-Gehalt gibt. Auch 'Aktion Becks' wäre also nicht nötig gewesen. Ich hatte ja bisher mit dem damaligen Tages-Ausflug von Tallinn nur einige Stunden in diesem Land erlebt und konnte daher auch das Preisniveau nicht recht einschätzen. Insgesamt scheint mir Finnland im Alltagsgebrauch aber im Vergleich zu Schweden und vor allem Norwegen eher erträglich zu sein. Mit ein bisschen Obacht kann man jedenfalls zu vertretbaren Kursen speisen und trinken. Nachdem wir unsere Einkäufe in der Minibar unseres Zimmers untergebracht hatten, starteten wir zum Rundgang durch die Stadt.

Bild Der Weg führte uns zunächst zur 'Kauppahalli', einer alten Markthalle, die 1901 erbaut wurde. Diese wird auch heute noch als Markthalle genutzt. Allerdings nicht im klassischen Sinne. Es werden überwiegend Luxusartikel und kulinarische Genüsse angeboten. Bild Bild Stolpert man zur Hauptstraße 'Hämeenkatu' aus der Halle raus, steht man schon mehr oder weniger auf dem 'Keskustori', dem zentralen Platz der 200tsd-Einwohner-Stadt. Dieser wird flankiert von Rathaus und Stadt-Theater. Außerdem befindet sich hier noch die 'Vanha kirkko', die 'Alte Kirche' aus dem Jahre 1825. Wir verließen den 'Keskustori' nach Norden, wo sich die 'Finlayson'-Fabrikhallen anschließen. Bild Als Stadt existiert Tampere seit Ende des 18.Jahrhundert. In der ersten Hälfte des folgenden Jahrhundert entwickelte sich Tampere dann zu einem Industriezentrum und erwarb sich später den Beinamen 'Manchester des Nordens'. Der Schotte Finlayson gründete eine Textilfabrik, Bild deren Hallen auch heute noch teilweise industriell aber auch kulturell genutzt werden. Hinter den Fabriken wechselten wir auf die andere Seite des 'Tammerkoski', der Stromschnelle, die die beiden Seen 'Näsijärvi' und 'Pyhäjärvi' verbindet. Achtzehn Meter Höhenunterschied bringt das Wasser hinter sich. Die entstehende Kraft wird bis heute als Energiequelle genutzt. Nun fing es leider an zu regnen und das relativ heftig. Der perfekte Zeitpunkt, um im 'Tuomiokirkko', dem Dom von Tampere, Zuflucht zu suchen. Bild Dieser kommt im Vergleich mit anderen Domen recht klein daher, ändert aber nix an seinem Status als Hauptkirche des evangelisch-lutherischen Bistums. Da der Regen einfach nicht nachlassen wollte, hieß die einzig sinnvolle Konsequenz 'Kneipe'. Schräg gegenüber des Bahnhofs hatten wir Glück und fanden einen Pub, der den Halben für EUR 3,60 raus haute. Perfekt. Ein überdachter Außenbereich bot uns Gelegenheit mal ein wenig die vorbeikommenden Leute zu beobachten. Teilweise schon merkwürdige Gestalten darunter. Kam es mir nur so vor oder war Anteil der Menschen, die man der verzeckten Fraktion oder der Heavy Metal-Sparte zuordnen konnte deutlich höher als in Deutschland? Mit Tätowierung scheint man in Finnland sowieso schon auf die Welt zu kommen. Beinahe jeder ist in irgendeiner Form bemalt. Das soll alles nicht wertend gemeint sein. Warum auch? Es wirkte eher interessant.

Bild Bild Mit einem Schlenker vorbei an der orthodoxen Kirche, die von außen größer wirkt, als sie dann von innen tatsächlich ist, schlugen wir den Weg zum 'Tammelan Stadion' ein, wo in der West-Gruppe der Dritten Liga der Tampereen Pallo-Veikot den FC Kerho 07 erwartete. Bild Der TPV, der es bei gerade einmal fünf Spielzeiten in der höchsten Liga immerhin auf einen Meistertitel brachte, spielt momentan hinter dem Zweitligisten Ilves nur die zweite Geige in der Stadt. Über einen Erstligisten verfügt die zweitgrößte Stadt (wenn man den Ballungsraum Helsinki und Espoo als eine Stadt betrachtet) seit dem Ausschluss von Tampere United aufgrund von zwielichtigen Sponsor-Verbindungen zu einem wegen Wettmanipulationen bekannt gewordenen Singapurer Geschäftsmannes gar nicht mehr. Die Gastmannschaft ist die zweite Mannschaft des Erstligisten SJK. Bild Eine sinnvolle Begründung, warum diese dann nicht als SJK II bezeichnet wird, habe ich nicht gefunden. Gut 300 Zuschauer hatten sich eingefunden und kurz vor dem Anstoß drehte dann auch Petrus endlich den Wasserhahn zu. Insgesamt war bestimmt ein Dutzend Deutsche im Stadion. Bild Einerseits völlig krank, andererseits auch irgendwie die logische Folge aus günstiger Flugverbindung und pausierenden Ligen in den meisten Ländern Europas. Der Ground ist ein reines Fußballstadion mit vier (eigentlich fünf) einzelnen Tribünen, die alle aus einer Holz-Stahlrohr-Konstruktion bestehen. Für finnische Verhältnisse aber eine ganz ordentliche Bude. Der Kick war nicht so wirklich schlecht. Das Salz in der Suppe fehlte halt irgendwie. Erst in der Nachspielzeit fand der TPV dann doch noch den Salzstreuer und netzte zum einzigen Treffer des Spiels ein, der folgerichtig drei Punkte auf die Habenseite brachte. Dion, den wir beim Spiel wiedergetroffen hatten, begleitete uns noch auf ein Bier in die Pinte vom Nachmittag und begab sich den per Zug nach Helsinki. Wir machten uns alsbald auf zu unserem Hotel, griffen uns die Grill-Klamotten und ein paar Dosenbier und begaben uns in eine Bucht am See, unterhalb des Hotels. Vollgestopft mit Fleisch, Wurst, Nudelsalat und Baguette klang der Tag dann im Hotelzimmer bei TV- und Internetberieslung aus.

So. 08.09. 18:30 - FC Lahti vs Vaasa PS 1:1 (Veikkausliiga), 3.341 Zuschauer (30 Gäste)


Bild Gegen halb zehn quälten wir uns aus den Federn. Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir dann etwas später als anvisiert gegen halb zwölf. Bild Bild Erster Anlaufpunkt war das 'Ratinan Stadion', das größte Stadion der Stadt. Dieses wird derzeit nicht für Fußball genutzt. Zuletzt hatte hier der angesprochene Club Tampere United gespielt. Die Tore standen offen, so dass dieses schmucke Teil bei bestem Wetter in aller Ruhe gespottet werden konnte. Obwohl es ein klassisches Mehrzweckstadion mit Laufbahn und Wurfkäfig ist, ist es mit den extravaganten Flutlichtmasten und der im oberen Bereich aus einzelnen Segmenten bestehenden Westkurve irgendwie speziell. Knapp 17tsd Zuschauer finden in diesem komplett mit roten Sitzen ausgestatteten All-Seater Platz. Der Weg führte uns als nächstes ins knapp achtzig Kilometer entfernte Hämeenlinna, wo wir uns die dortige 'Burg Häme' näher ansehen wollten. Diese liegt auf einem kleinen Hügel an einem See und hat ihren Ursprung im 13. Jahrhundert. Wie es sich für ne anständige Burg gehört, erlebte das Gemäuer im Laufe der Jahrhunderte eine ganz Menge. Viele verschiedene Herrscher lebten in ihr. Bild Sie hatte unterschiedliche Funktionen und wechselnde Bedeutung. Mitte des 19.Jahrhunderts wurde die Burg zum Gefängnis umgebaut und mit einem entsprechendem Funktionsgebäude erweitert. Bild In den frühen 50er Jahren hatte die Burg genug von den Straftätern. Sie entschied, sich zur Ruhe zu setzen und beendete ihre Aufgabe als Gefängnis. Seit Ende der 70er Jahre ist die Burg ein Museum. Im benachbarten ehemaligen Gefängisgebäude befindet sich das historische Museum der Stadt, sowie das Gefängnismuseum. Auf dem benachbarten Gelände befindet sich das Militärmuseum. Alle vier Museen kann man mit einer Kombi-Karte besuchen. Uns reichte aber die Burg, denn wir wollten ja auch noch weiter. Der alte Kasten ist im Grunde recht unspektakulär und eher für denjenigen interessant, der sich generell gern zwischen alten Mauern bewegt. Exponate gibt es nicht viele, aber da ich eh ein Typ bin, der eher selten alte Münzen, Waffen oder Steine anglotzt, sondern lieber durch die Gebäude schlendert, war das schon okay. In einer Stunde hat man aber spätestens alles gesehen, da die Bude auch eher klein ist, wenn auch mehrere Stockwerke hoch. Da wir uns vorher informiert hatten, dass die großen Supermarkt-Ketten auch am Tag des Herrn geöffnet haben, stand nun als nächstes die Aufgabe an, erneut einen Einweg-Grill und Grillgut zu erwerben. Wir mussten aber die Erfahrung machen, dass an diesem Sonntag die Uhren anders gehen, da eben ein besonderer Tag des Herrn war, nämlich Pfingsten, und daher alle Geschäfte geschlossen waren. Wir fanden aber noch eine Art 'Tante Emma Laden', der alles hatte, was wir benötigten, wenn auch für ein paar Euro mehr.

Noch ein paar Kilometer fuhren wir über die A3 Richtung Helsinki, dann bogen wir bei Turenki auf die Landstraße 292 ab, über die wir uns quer durch die Botanik auf die A12 nach Lahti schlagen wollten. Außerdem hofften wir dort irgendwo an einem See ein angenehmes Fleckchen für die Grill-Aktion zu finden. Irgendwo bogen wir dann von in eine Nebenstraße und schließlich auf deine Schotterpiste zu einem See ab. Allerdings scheiterten wir an der Tatsache, dass beinahe jeder Flecken am See mit einem Wochenend-oder Ferienhaus belegt war. Bild Zwar frei zugänglich, aber Privatgelände wollten wir dann doch nicht einfach unerlaubt betreten. Ein Hingucker sind ja diese "Briefkasten-Sammelstellen", wo die Anwohner eines bestimmten Bereichs Ihre Postkästen zentral befestigen, damit die Zusteller nicht jede entlegen Adresse ansteuern müssen. Bild Versuch Nummer Zwei an einer anderen Stelle schlug fehl, weil man wegen Sumpfgebiet nicht ans Wasser ran kam. Also eibelten wir noch ein paar Kilometer weiter und versuchten unser Glück am nächsten Gewässer. Auch hier alles mit Ferienhäusern belegt. Der Schotterweg führte aber manchen Stellen recht dicht am Wasser entlang. Da dort die Häuser auf der dem Land zugewandten Seite der Straße standen und nur die Sauna-Hütte am Wasser lag, nutzten wir dort die Chance. Die jeweiligen Gelände sind eh nicht abgezäunt, so dass sich im Grunde nicht wirklich klären lässt, Bild wo man sich auf Privatbesitz befindet und wo nicht. Nebenbei wollten wir ja auch nur Grillen und uns nicht in Vandalismus üben. Ein Stündchen später machten wir uns gestärkt auf die letzte Etappe nach Lahti, wo wir gegen 17 Uhr eintrafen. Ich hatte mir vorher per Email vom Verein bestätigen lassen, dass die Partie auch tatsächlich im 'Lahden Stadion' über die Bühne geht, dass sich unterhalb der 'Salpausselkä'-Schanzen befindet. Bild Manche Spiele werden nämlich im deutlich unspektakulärer gelegenen kleinen 'Kisapuisto' in der Stadt gespielt. Eigentlich hatten wir nun vor, noch mit dem Aufzug auf die größe Schanze raufzufahren, von der man einen phantastischen Blick über die Gegend hat. Diese hat aber nur bis 17:00 geöffnet, also waren wir dafür zu spät. Wir liefen runter zum Auslaufbereich, in dem sich ein Freibad befindet, dessen Becken so aufgebaut ist, dass es sich im Winter ohne großen Umbau in den Auslauf einfügt. Absperrungen gibt es hier nicht wirklich, so dass man ohne Probleme das Schanzengelände betreten kann. Bild Einmal um dem gesamten Auslaufbereich herum, kamen wir an der Aufsprungbahn der kleinen Schanze an, neben der eine Treppe zum Schanzentisch heraufführt. Auch hier war keine Absperrung, wenn man mal von einem grellen Schild in einer fremden Sprache absieht. Absolut keine Idee, was da wohl drauf stand... . Die Stufen erklimmend, machten sich mal wieder meine konditionellen und muskulären Defizite bemerkbar. Himmel, bin ich ne Wurst. Unterhalb des Schanzentisches hat man schon einen wirklich ordentlichen Weitblick über die Stadt, aber Cousin Stephan, war das natürlich noch nicht genug und er stellte fest, dass der Eingang zu Treppe, die unter der Anlaufbahn der kleinen Schanze nach oben zum Startpunkt führt, unverschlossen war. Ich verweigerte aber meine Begleitung, da ich einerseits wenig Interesse verspürte weitere Stufen zu steigen und zum anderen machte mir die Höhe heute irgendwie zu schaffen. Also ich steige zwar schon komplikationslos auf Türme und Berge. In Sachen Mut bin ich trotzdem nicht grad Weltranglistenführender und heute waren die Knie irgendwie etwas weich. Mir reichte der Ausblick unterhalb des Schanzentisches der mittleren Schanze.

Bild Langsam rückte nun der Anstoß näher, also machten wir uns auf zum Stadion. Das 'Lahden' ist ein Mehrzweckstadion, das auch für Leichtathletik genutzt wird. Auf der einen Geraden befindet sich eine große Tribüne mit in das Dach integriertem Businessbereich. Bild Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine unüberdachte Sitztribüne, für die die Hanglage genutzt wird. Wenn man so will, also eine Naturtribüne. Die eine Kurve bietet Stehplätze, die aber nicht genutzt werden, während in der zu den Schanzen gewandten Kurve nur eine fette drehbare Anzeigetafel steht, die sowohl für das Stadion als auch für Sprungwettbewerbe genutzt werden kann. Das Fassungsvermögen ist mit 15tsd angegeben. Die Gastgeber spielen eine ganz ordentliche Saison und stehen zudem im Halbfinale des Landespokals. Zwar ist der nationale Vorzeige-Club aus Helsinki dem Feld schon ziemlich enteilt, aber ein internationaler Startplatz liegt im Bereich des Möglichen Die Gäste sind nach gutem Saisonstart im gesicherten Tabellen-Mittelfeld unterwegs. Bild Knapp 3.400 Zuschauer kamen zum Spiel, was für finnische Verhältnisse schon eher einem guten Besuch entspricht. Aktive Fanszenen Fehlanzeige. Ab und an ein wenig Geklatsche und ein paar Anfeuerungen - das war's. Wirkte alles wie ein Pre-Season Test-Kick in aller Freundschaft. Naja, der Nationalsport ist Fußball hier natürlich auch nicht. Die Gastgeber nahmen das Heft in die Hand und unternahmen die deutlicheren Bemühungen, einen Treffer zu erzielen. Davon zeigten sich die Gäste allerdings unbeeindruckt und gingen nach einer Viertelstunde in Führung, was etwa dreißig der Anwesenden zu Freuden-Bekundungen animierte. Das Gepöhle auf dem satten Grün würde ich mit schlechtem deutschen Drittliga-Niveau gleichsetzen. Es war nicht ganz talentfrei, was gezeigt wurde, riss aber auch nicht vom Hocker. Hatte ich aber auch nicht anders erwartet. In der Halbzeit latschte ich ein wenig rum und sah hinter der Tribüne eine abgegrenzten Bereich für die Raucher. Moment mal - warum rauchen die Leute denn auch außerhalb dieses Areals so unbeschwert? Nochmal genau hingesehen und festgestellt, dass es sich tatsächlich nicht um einen Raucher - sondern Biertrinker-Bereich handelte, da der Alkohol-Konsum in der Öffentlichkeit gesetzlich untersagt ist (wo sich aber auch keiner dran hält). Kurz nach dem Wiederanpfiff glichen die Gastgeber mit einem Distanzschuss aus. Zwar war der FC Lahti auch weiter das spielbestimmende Termin, aber die Bemühungen blieben unbelohnt. Nach dem Ende fuhren wir auf Wunsche einer bestimmten Person aus unserer zweiköpfigen Fahrgemeinschaft noch runter in die Stadt, da diese Person unbedingt die 'Sibelius-Konzerthalle', eine vollverglaste Holz-Beton-Mischkonstruktion sehen wollte. Bild Bild Anschließend machten wir uns an die knapp 130 Kilometer Rückweg. Die Sonne schien weiterhin, begab sich aber gemächlich in einen steileren Winkel. Aufgrund der nördlichen Lage und wegen der aktuellen Jahreszeit, waren die Nächte sehr kurz. Bild Richtig dunkel wurde es gar nicht, man kann es als tiefe Dämmerung beschreiben. Die Sonne verschwand so gegen 23:00 hinter dem Horizont und kam gegen 3:30 wieder zu Vorschein. So fuhren wir in der Dämmerung gen Tampere, hielten noch mal hier und mal da für ein Foto und setzten am Ende unsere Absicht um, in unserer Stamm-Pinte am Bahnhof noch ein Abschieds-Bier zu trinken. Wirklich skurrile Menschen in diesem Laden. Wir durften auch noch die etwas dralle Mari kennenlernen, etwas redselig und nach eigener Aussage arbeitslos, die mir dann noch ihre Deutsch-Kenntnisse präsentierte. Higlight: "Ich liebe Dich". Nee, lass mal. Bevor dass hier noch merkwürdigere Züge bekam, fuhren wir lieber zum Hotel und holten uns mit den verbliebenen Alkohol-Reserven die nötige Bettschwere.

Etwas zermatscht aufgewacht, nahmen wir unser Frühstück ein und fuhren zurück zum Airport. Auto abgestellt. Fast vergessen, den Schlüssel in die Box am verwaisten Europcar-Schalter eingeworfen und ab zum Boarding. Der wenig bewölkte Himmel gab den Blick auf Finnland und die vorgelagerten Schären frei - sah traumhaft aus. Ob es mich doch nochmal irgendwann nach Finnland treibt? Denn eigentlich bin ich der Meinung, mit dem Land nun fertig zu sein. Zugegeben - es ist wirklich schön. Aber obwohl ich absolut auf unberührte Natur stehe, ist es auch nicht das Land, dass meine Urlaubsvorlieben richtig erfüllt. Es fehlt irgendwie der Spannungsmoment. Vielleicht muss man die Zivilisation noch weiter hinter sich lassen und in die wirkliche Einsamkeit vordringen. Irgendwann in meinem Leben will ich ja mal am Nordkap stehen. Mal sehen, welcher Weg mich dahin führt. Gewohnt pünktlich lieferte uns Herr Ryan in Bremen ab und kurz nach 14:00 hatte uns der Ruhrpott wieder.

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(Manni Breuckmann)