G R O U N D F E V E R
  Anamnese
 

In dieser Rubrik werden im Blog-Stil kurz die besuchten Partien abgehandelt, die nicht im Rahmen eines Tour-Berichtes Würdigung finden. Ein 'Klick' auf die eingefügten Bilder vergrößert deren Ansicht.

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THE WIND OF CHANGE...

Regelmäßigen Besuchern meiner hiesigen Plattform wird aufgefallen sein, dass die Chronik stagniert. Das hat natürlich einen Grund... dieser Internet-Auftritt wird nämlich nicht fortgeführt. Ich habe die Seite immer gern gepflegt und es hat auch meistens Spaß gemacht, Euch meine wirren Ergüsse auf den Bildschirm zu schmirgeln. Leider fehlt mir aber zunehmend die Zeit, der Website in dem ausführlichem Umfang gerecht zu werden, wie es mein Anspruch unter der zugrunde liegenden Struktur ist. Daher habe ich den Entschluss gefasst, diese Homepage mit einem sauberen Abschluss zum Ende der abgelaufenen Saison 2017/2018 einzufrieren. Die Seite bleibt aber im Netz besuchbar.

Gar nix mehr machen ist aber auch keine Lösung, daher wird die Story in einer veränderten Form fortgeführt. Mit dem Beginn der neuen Saison habe ich einen Foto-Blog eingerichtet, der die besuchten Spiele nun in Bildern dokumentiert. Kurzberichte und Tour-Erzählungen wird es aber nicht mehr geben. Ich möchte meine Freizeit schließlich mit Erlebnissen und nicht hauptsächlich mit der Dokumentation meines Hobbys füllen.

Wer meinen Weg weiter verfolgen will, möge zukünftig bitte
https://groundfever.com/
aufrufen. Viel Spaß damit.


Sa. 30.06.2018, 14:30 – Liatroim vs Mhuineachain 0-09:1-19
8.000 Zuschauer, Pairc Sean Mac Diarmada , GAA Championship Qualifiers
Sa. 30.06.2018, 19:45 – Sligo Rovers FC vs Waterford FC 2:3
1.702 Zuschauer, The Showgrounds, League of Ireland Premier Division

BildZeitdruck hatte ich keinen, daher hatte ich nach einem 'Full Irish breakfast' noch Gelegenheit, am 'Tolka Park' des Shelbourne FC vorbei zu tingeln. Hätte da gern ein paar frische Fotos gemacht, aber wie üblich war alles verriegelt und verrammelt wie Fort Knox. So blieb nur ein Blick von außen auf den alten flachen Main Stand mit seinem charakteristischen halbrunden Dach. Danach schlich ich mal in aller Ruhe los mit Kurs Nordwest. Erster Unterhaltungs-Tagesordnungspunkt sollte das Spiel der 'GAA Gaelic Football Qualifiers'-Runde in Carrick-on-Shannon sein, einem hübschen Städtchen in der Grafschaft Leitrim. Bild In der GAA, der Gaelic Athletic Association, sind die Nationalsportarten Hurling und Gaelic Football vereint. In Carrick-on-Shannon kämpften die benachbarten Grafschaften Leitrim und Monaghan um einen Platz in der Finalrunde um die Meisterschaft im Gaelic Football. Das Quali-System ist kompliziert. Erst geht es auf Provinz-Ebene los, dann folgen weitere überregionale Runden, in denen unterlegene Teams eine zweite Chance erhalten. Das Spiel ist nicht uninteressant, für den Fan des klassischen Fußball eher gewöhnungsbedürftig, aber die Regeln sind beim Zusehen schnell verstanden. Die Spielzeit beträgt zwei Mal 35 Minuten. Das hört sich nach wenig an, aber das Spiel ist sehr temporeich und laufintensiv. Das Spielfeld ist deutlich größer als beim Fußball und die Mannschaften bestehen aus 14 Feldspielern und einem Torwart. Gepasst wird per Wurf, der Ball (kein Ei) wird also mit den Händen bewegt, nicht mit den Füßen. Es können Punkte erzielt werden, in dem man den Ball im Tor unterbringt (schwierig) oder ihn zwischen die darüber befindlichen Stangen donnert (relativ einfach). Bild Bild Daher gibt es für ein richtiges Tor auch drei Punkte und für den Stangenball nur einen. Gezählt werden diese separat und am Ende gibt es die große Schlussrechnung. Also wenn Ihr Euch das Ergebnis oben anschaut, bedeutet es, dass die Gastgeber kein richtiges Tor und 9 Treffer durch die Stangen, die Gäste aus Monaghan dagegen ein Tor und 19 Stangendinger erzielten. Klarer Away-Sieg also. Das Spiel wurde fair aber auch äußerst hart geführt. Wenn mal einer liegen blieb, konnte man sicher sein, dass er auch wirklich Schmerzen hatte. Ansonsten standen die Recken wieder auf und spielten einfach weiter. Ist halt nicht so ne Pussi-Sportart wie der klassische Fußball. Support gab es keinen, war eher sowas zwischen Vereinsfest und Familienausflug. Schlecht besucht war die Partie prinzipiell nicht, aber irgendwie doch, denn Gaelic Football ist zusammen mit Hurling Sportart Nummer eins im Land, gefolgt von Rugby und dann interessiert man sich mit Abstand erst für den klassischen Fußball. Im 'Croke Park', dem Mekka des Gaelic Football in Dublin, gehen die Spiele regelmäßig vor 50tsd und mehr Zuschauern über die Bühne. Das betagte Stadion in Carrick-on-Shannon ist ganz nett anzusehen und es gibt auch das gute, alte Terracing, die Stehplätze. Witzige Rand-Info... da es die Sportart ja auf ernsthafter Ebene nur in Irland gibt, hat man einen Regel-Konsens mit dem Australian Rules Football getroffen, um auch mal Länderspiele austragen zu können. Weiter ging es nach Sligo, das nicht mehr sehr weit entfernt war und daher noch genügend Zeit für einen Strandbesuch blieb. Bild Bild War übrigens heute mit 30 Grad ein für irische Verhältnisse ungewöhnlich heißer Tag. Eine derartige Temperatur erreicht das Wetter auf der Insel ja meist nicht mal an zwei Tagen zusammen gerechnet. Vor dem Kick gönnte ich mir dann noch einen exzellenten Burger in einen Pub direkt gegenüber des kleinen Stadions. Auch in den 'Showgrounds' im Norden des Landes habe ich vor beinahe 25 Jahren schon einmal gestanden. Bild Bild Mindestens die heutige Haupttribüne gab es damals in dieser Form nicht und auch die ungedeckte Hintertor-Tribüne hatte ich nicht in Erinnerung. Eine weitere überdachte Tribüne ziert die Gegenseite des schlichten Stadions. Die kleine Fanszene der Rovers präsentierte zum Intro neben zwei großen Schwenkern einen überdimensionalen Doppelhalter mit dem Konterfei eines jungen Mannes, einem 15jährigen Rovers-Sup, der kürzlich verstorben war. Das Gäste-Team von der Südküste, als Verfolger der Top-Teams aus Dundalk und Cork die aktuelle Überraschung der Liga, brachte etwa 40 Fans mit, die sich allerdings verbal nicht offenbarten. Die Rovers-Fans versuchten dagegen ihrer stark abstiegsbedrohten Mannschaft mit regelmäßigen Gesängen den nötigen Halt zu geben. Zunächst aber vergebens, da Waterford schnell mit zwei Toren in Führung ging. Genauso schnell war diese Führung aber binnen weniger Minuten wieder egalisiert, was doch eigentlich Sicherheit hätte geben müssen. Grober Irrtum, denn mit dem Pausenpfiff lagen die Gäste zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt wieder in Front. So ereignisreich der erste Durchgang war, so schwach war der zweite. Während die erste Halbzeit auch spielerisch ganz ansehnlich war, konnten beide Teams dann nicht mehr an die Leistung anknüpfen. So geschah auch nichts Zählbares mehr und die Rovers rutschen damit bedrohlich nah an den ersten Abstiegsrang heran. Da es mit dem Sonnenuntergang nun doch verdammt kühl geworden war, wurde es höchste Zeit sich in einem richtig guten Pub mit ein paar Guinness aufzuwärmen.

Fr. 29.06.2018, 19:45 – Bohemians FC Dublin vs St.Patrick's Athletic FC 1:0
3.000 Zuschauer, Dalymount Park, League of Ireland Premier Division

Bild Im zarten Alter von 17 Jahren führte mein Weg im Jahr 1990 zum ersten Mal nach Irland - zusammen mit meinem Vater. In diesem noch beinahe unschuldigen Alter war mein Interesse für den internationalen Fußball längst geweckt und Stadien, die 'am Weg lagen', wie die Grounds in Limerick oder Cork, die ja damals noch viel rudimentärer aussahen als heutzutage, wurden trocken, also ohne Spiel, mal angetischt. Kann mich auch erinnern, dass damals die WM in Italien lief und wir das Halbfinale in einem Pub in Cork verfolgt haben und sich alle Iren natürlich auf unsere Seite schlugen und den Sieg im Elfer-Schießen über die 'geliebten' Nachbarn mit uns feierten. Bild Ein Jahr später ging es erneut auf die grüne Insel, dieses Mal mit drei Kollegen. Dabei rückte der Fußball aber erst recht in den Hinter- und stattdessen der Guinness-Konsum in den Vordergrund. Aber irgendwie landeten wir in Killarney, im Südwesten der Insel, mitten in einem auf uns sehr gewöhnungsbedürftig wirkenden Hurling-Match zwischen zwei Grafschaften, das 'very cowded' war. 1995 führte mich dann noch mal ein gemeinsamer Trip mit meinem Dad nach Irland. Mit ein paar Tagen Aufenthalt in London - mit dem 'Selhurst Park', wo Tottenham mit Jürgen Klinsmann bei Crystal Palace und 'Highbury' (jaja, ich hab das geile alte Teil gemacht) wurde damals der Länderpunkt England eingetütet - eibelten wir mit dem Auto bis nach Irland. In Dublin wurde bei Shelbourne der Länderpunkt Irland gefeiert und einigen Stadien in Dublin stattete ich auch so mal einem Besuch ab, unter anderem dem alten Nationalstadion an der Lansdowne Road. Ich kann mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern, woher ich meine Infos hatte, wer in welchem Stadion kickt. Die Liga-Ansetzungen gab es aus dem Kicker, aber woher kamen die Infos zu den Stadien in einer Anfang der 90er ja recht exotisch wirkenden kleinen Liga?? Internet war ja noch nicht. Hab ich echt keinen Schimmer mehr. Egal. Jedenfalls wurde auch der Dalymount Park mit meiner Anwesenheit beehrt. Alles war verriegelt und verrammelt, aber plötzlich kam der Greenkeeper aus einer Tür. Mit meinem damals unterirdischen Englisch stammelte ich mein Anliegen und schon hatte ich eine kostenlose Stadionführung. Der gute Mann hatte damals sicher auch noch nicht im Entferntesten geahnt, dass der Tempel mal zu einem kleinen Mekka für Hoppermistvögel wird. Bild Alte, damals geschossene Papier-Fotos beweisen, dass der Main Stand mittlerweile erneuert wurde, denn auf meinen Fotos sieht man noch ein schönes Giebeldach, welches man heute vergeblich zu erblicken versuchte. Bild Es wurde nun jedenfalls Zeit, diese schöne alte Bude zu besuchen, was mir bei meinen beiden jüngeren Irland-Trips in den letzten Jahren nicht gelungen war. Denn ein kurzfristig zu beginnender Neubau für eine neue Heimat, die dann gemeinsam mit dem aktuellen Zweitligisten Shelbourne FC bespielt werden soll, ist beschlossen. Es wurde dann aber eine verdammt knappe Nummer. Der Stau auf der A3 hätte mich warnen sollen - fast 90 Minuten ab Essen bis Köln/Bonn sind jedenfalls Highscore. Hatte aber genug Zeit. Dass Herr Ryan mich entgegen der Gewohnheit mit einer Stunde Verspätung nach Dublin flog, versprach dann zumindest etwas Hektik. Landung in Dublin daher erst kurz nach 18:00 Uhr Ortszeit und die Wege im Dubliner Airport sind ja weit. Aber schnellen Schrittes an allen vorbei, dadurch zügig durch die Passkontrolle und ich hatte ja ne Mietwagen-Bude mit Desk im Terminal gebucht. Das dann aber nur auf dem Papier, verdammte Axt! Danke Merkel! Also doch per Shuttle zu den Mietwagen-Stationen. Aus dem Shuttle-Bus als erster raus gedrängelt, dadurch vorn am Schalter. 19:03 saß ich im Mietwagen (zum Glück nicht 19:04), mautfrei rein nach Dublin und Im zweiten Versuch fand ich einen kostenfreien Parkplatz hinter einem Pub. Bild Bild Schnell die letzten paar hundert Meter zum Ground gehechelt, der ja so megageil zwischen diesen typischen Reihenhäusern liegt. 19:42 durchschritt ich die engen Turnstiles. Punktlandung!! Aber eben unter Zeitdruck. Bild Eigentlich ein Grund, die ganze Scheiße wieder zu hinterfragen - den Stress braucht beim Hobby ja kein Mensch. Aber diese traumhafte alte Hütte gibt einem dann ja doch Recht, die Mühen auf sich zu nehmen. Nicht-Stadionbegeisterte werden es nicht verstehen können, aber nachdem ich mir ein 1/4 lb Cheeseburger geholt hatte und die ersten Minuten genoss, bekam ich beim Rundblick echt ne leichte Gänsehaut. Kann Fußball authentischer stattfinden? Fernab von jedem Kommerz- und Event-Gekasper, kam einem dieses unglaubliche Fehlpass-Festival auf miesem Rasen in diesem unfassbar geilen Ground beinahe vor wie die Wiedergeburt des Fußballs. Ich hätte am liebsten jeden einzelnen der mäßig begabten 22 in den Arm genommen und Danke gesagt. Und den Zuschauern auch. Gut anzuschauen war die Nummer nicht und das Tor konnte eigentlich auch nur fallen, wie es fiel, nämlich mit einer 30-Meter-Verzweiflungstat genau in den Torwinkel. Während sich die Sangeswilligen unter den knapp 250 Gäste-Supporter selten zu Wort meldeten und eher lustlos eine Trommel malträtierten, konnte mich der etwa 200-250 Köpfe starke, etwas links angehauchte Heim-Block durchaus überzeugen. 90 Minuten wurde das eigene Team beinahe ohne Unterbrechung unterstützt, kurz vor dem Ende sogar eine Fackel angerissen und am Ende ein wichtiger Sieg gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf gefeiert. Der Rest des Abends ertrank in ein paar Guinness, aber die hatte ich mir ja dann auch wirklich verdient.

So. 24.06.2018, 14:30 – VV Alfa Sport vs DAW Schaijk 2:4
300 Zuschauer, Sportpark De Potacker, Relegation zur 2e Klasse Zondag

So langsam wurd es dünn mit Pflichtspielen. Zumindest mit dem, was unter der Überschrift 'Nahverkehr' zusammenzufassen war. Neben dem Relegations-Gerümpel im Kreis Duisburg, konnte noch ein gut erreichbares Spiel in den Niederlanden eruiert werden. In Someren, nahe Helmond, wurde auf neutralem Feld noch ein Startplatz für die zweite Amateurklasse, der siebten Liga, ausgeknobelt. Tobias und Martin aus der Domstadt begleiteten mich in die Provinz Nordbrabant. Bild Der 'Sportpark De Potacker' liegt am Ortsrand zwar ganz nett im Grünen und hatte auch die übliche kleine Sitztribüne zu bieten, aber vom Zuschauer-Zuspruch hatte ich doch ein paar hundert Leute mehr erwartet, zumal diejenigen, für die das Spiel wirklich interessant war, einen Anfahrtsweg von nur je knapp 60 Kilometern zu bewältigen hatten. So zog die Partie nur knapp 300 Leute an. Überrascht wurden wir dann mit einem richtig guten und interessanten Spiel. Wenn ich daran zurück denke, was für ein Gegurke ich eine Woche vorher ein Stufe höher geboten bekam, dann wirft der Quervergleich echt Fragen auf. Das Team von Alfa-Sport aus dem limburgischen Oirsbeek war das bessere von zwei guten Teams. Weil Ergebnisse aber nicht immer dem Spielverlauf entsprechen, ging die Mannschaft aus dem brabantischen Schaijk mit einer Zwei-Tore-Führung in die Pause. Die Limburger ließen sich nicht beirren und erarbeiteten sich den verdienten Ausgleich. Der Treffer zur Spielstand-Egalisierung bot das Kuriosum, dass ein Einwechselspieler die Kirsche nach einer Ecke mit der ersten Ballberührung volley in die Maschen dampfte. Alfa versäumte es dann mit dem Wind des Ausgleiches im Rücken den tödlichen Treffer zu setzen. Im Gegenteil - in den letzten Spielminuten fing man sich zwei Konter und die Schaijker (zum Glück nicht die Schalker) konnten sich mit ihren mitgereisten Anhängern über den Sieg und damit über den Aufstieg freuen.

Do. 21.06.2018, 19:30 – SC Hertha Hamborn vs FC Albania Duisburg 1:2
300 Zuschauer, Sportplatz Iltisstraße, Relegation zur Kreisliga A Duisburg/Mülheim/Dinslaken

Bild Bild Sportlich sind die unteren Kreisliga-Ebenen ja nun wirklich nicht mein größtes Steckenpferd, zu frisch ist noch die Erinnerung an die eigene grausige Karriere, und Asche-Plätze sind auch sicherlich nicht das bevorzugte Zielgebiet. Aber die Relegation hebt die Attraktivität des Dargebotenen ja nun doch einige Prozent an und auch der ungeliebte 'rote Rasen' bietet gerade im Pott einige Schätzchen. Der südliche Platz der Sportanlage an der Iltisstraße in Duisburg - auf dem nördlichen geht Hamborn 90 dem Kreisliga-Gegurke nach - ist ein solch kleines Juwel, Bild das auf der Hauptseite mit einer fast durchgängigen vierstufigen Stehtraverse und einer kleinen Sitztribüne mit exakt 57 Sitzen entzücken kann. Da ja Fußballspiele momentan rar gesät sind, traf ich auf ein paar Gleichgesinnte und konnte den Kick so mit Daniel und Tobias entspannt verlabern. Passte gut, da das spielerische Element auf dem roten Rasen etwas zu kurz kam. Ganz so schlecht war es dann aber auch wieder nicht, zumal das Spielgerät auf dem bei diesem trockenen Wetter harten und staubigen Untergrund ja auch durchaus schwer zu kontrollieren war. Die Albaner machten das aber definitiv etwas besser als die Gastgeber, daher fand diese Veranstaltung auch ihren verdienten Sieger. Garniert wurde die holprige Vorstellung durch das anwesende Volk, da zeigen sich im alten Kohle-Revier ja immer wieder unfassbare Gestalten, selbst wenn man meint, dass man schon alles und jeden gesehen hat. Auch die Dialoge wussten oft genug zu begeistern. Beispiel gefällig? Als ich am Getränke-Stand einen Einkauf getätigt hatte und noch mein Geld sortierte, wandte sich die Dame (geschminkt und toupiert bis unter das Dach, dafür fehlten ein paar Schneidezähne) an den nächsten Kunden mit den Worten "Und Du?", Antwort "Zwei Stück!", Nachfrage: "Ja wat denn?", erneute Entgegnung "Ja zwei Pils, oder wie seh ich aus?". Einfach herrlich, man muss uns Ruhrpott-Bewohner einfach lieb haben.

So. 17.06.2018, 14:00 – SC Bemmel vs Wageningse AVV 1:2 n.V.
800 Zuschauer, Sportpark Ressen, Relegation zur 1e Klasse Zondag

Als ich so auf holländischen Fußball-Websites nachlas, wer noch in den letzten auszuspielenden 'Nacompetities', den Relegationsspielen um Liga-Startplätze, zugange ist, stolperte ich über den SC Bemmel. Hm, Bemmel, da war doch was. Irgendwo hatte ich letztens ein Bild der Tribüne des 'Sportpark Ressen' gesehen und war mal wieder erstaunt welch großzügige Anlagen in den unteren Klassen zu finden sind. Bild Der SC Bemmel spielt gerade mal auf sechstklassigem Niveau, hat auch nie höhere Sphären erreicht und verfügt trotzdem über ein niegelnagelneues Funktionsgebäude und eine stattliche Tribüne mit knapp 450 Sitzplätzen. Bild Irgendwie scheint bei Sponsoren und Kommunen im Nachbarland das Geld für den Amateursport deutlich lockerer zu sitzen. Könnten sich die deutschen Pendants mal eine Scheibchen von abschneiden. Die Dame des Herzens begleitete mich zum heutigen Relegations-Finale um einen Startplatz für die 'Eerste Klasse', die ja nur die sechste Liga ist, war die WAVV aus Wageningen zu Gast. Während es für die Gastgeber gegen den Abstieg ging, spielten die Gäste um den Aufstieg. Allerdings war die Frage berechtigt, wie es beide Teams in das Finale geschafft hatten, denn geboten wurde Fußball zum abgewöhnen, aber schieben wir es mal darauf, dass aus Sicht der Beteiligten viel auf dem Spiel stand. Etwa 20 Minuten vor dem Ende gelang der WAVV aber dann der Führungstreffer, der auch von den angereisten Fans - mehr als die Hälfte der Zuschauer trugen die Farben des Gäste-Teams - frenetisch gefeiert wurde. Die WAVV-Anhänger hatten reichlich pyrotechnische Produkte mitgebracht. Rauchfackeln in den Vereinsfarben grün und rot gingen Dutzend-fach an, aber auch Bengalos und Böller wurden reichlich gezündet. Hinter dem Tor, hinter dem die WAVV-Fans standen, sah es nachher aus, wie nach einer Sylvester-Party. Zunächst gelang aber dem SC Bemmel der späte Ausgleich kurz vor dem Schlusspfiff, was Verlängerung bedeutete. In dieser hatten die Gäste das besser Ende für sich und konnten den Aufstieg feiern.

Mi. 13.06.2018, 19:30 – DJK Arminia Lirich vs FC Sterkrade 72 6:0
900 Zuschauer, Heinrich-Jochem-Platz, Relegation zur Bezirksliga Niederrhein

Eine besondere Konstellation hatte die Relegation zur Bezirksliga im Kreis Oberhausen-Bottrop zu bieten. Aufgrund eines noch nicht rechtskräftigen Einspruchs, waren in der Kreisliga A am Ende drei Mannschaften punktgleich, so dass eine Relegationsrunde notwendig wurde. Bild Das Team von Dostlukspor aus Bottrop war aufgrund der selbst erspielten Ergebnisse am letzten Spieltag der Einfach-Runde nur noch chancenloser Zuschauer. Den möglichen Aufstieg machten also die heutigen Kontrahenten unter sich aus, wobei den Gastgebern ein Remis gereicht hätte, die Gäste aber zum Siegen mit zwei Toren Unterschied verdammt waren. Dieser Zahn war den Sterkradern aber bereits zur Halbzeit gezogen, denn die Arminen führten verdient mit 2:0. Dass die Gäste nicht mehr an ihre Chance glaubten, wurde im zweiten Durchgang offensichtlich, denn das Team brach völlig zusammen und fing sich eine richtig fette Packung. So konnte also die Arminia nach dem Abpfiff den möglicherweise errungenen Aufstieg feiern. Zynischer Weise steigt aber die heutige unbeteiligte Elf von Dostlukspor auf, wenn der in erster Instanz bestätigte Einspruch in zweiter Instanz noch abgewiesen würde. Das Liricher Team ließ sich von dieser unklaren Situation aber nicht beirren und stattdessen der Freude freien Lauf. Die kleine, unspektakuläre Sportanlage besticht eigentlich nur durch die enge Lage in unmittelbarer Nachbarschaft des Oberhausener Müllheizwerkes, das eine imposant-beklemmende Kulisse bietet. Außer knapp 50 unüberdachten Sitzschalen, die in zwei Reihen angelegt sind, bietet der Platz keinerlei Ausbau.

So. 10.06.2018, 15:00 – SG Alemannia Scharnhorst vs Türkischer SC Kamen 1:0
1.400 Zuschauer, Sportplatz Am Holzgraben, Relegation zur Bezirksliga Westfalen

Bild Die Suche nach dem nächsten Relegations-Drama führte in den Dortmunder Nordosten, in den Stadtteil Scharnhorst. Im Rückspiel um einen Platz in den westfälischen Bezirksligen empfing die Alemannia den Türkischen SC aus Kamen. Bei diesem gab es vor wenigen Tagen einen Trauerfall zu beklagen, denn nur wenige Stunden nach dem Spiel der ersten Runde gegen die IG Bönen verstarb einer der Aktiven an einem Herzinfarkt. Bild Aus diesem Grunde gab es heute vor der Partie eine Schweigeminute, während dieser der Spielführer des Gäste-Teams ein großes Foto seines verstorbenen Mitspielers hielt. Schon eine etwas beklemmend-ergreifende Situation und ich glaube auch, dass es für einige Spieler des TSC keine einfache Situation war. Das Spiel wurde von beinahe 1500 Zuschauern verfolgt, von denen mehr als die Hälfte aus Kamen angereist waren und dem türkischen Team die Daumen drückten. Die Anlage 'Am Holzgraben' liegt von Bäumen gesäumt in einem Grüngürtel zwischen Feldern, einem Abwasserkanal und einem Bahndamm. Einziger Ausbau ist eine kleine Überdachung mit einigen Sitzgelegenheiten auf der Gegenseite. Aber genau durch diese und das Clubhaus und eine separate Grillbude im Eingangsbereich hat der Sportplatz absoluten Charme. Es wurde eine enge Partie, in der sich die Mannschaften nichts schenkten, Torchancen blieben aber Mangelware. Die Alemannen waren über die gesamte Spielzeit gesehen eine Nuance besser und erzielten nach einer Stunde einen sehr schön herausgespielten Treffer nach einer Konter-Situation. Der TSC vergab die späte Chance zum Ausgleich aus fünf Metern freistehend vor dem Tor. Auch zur Freude der anwesenden Mannschaft des FC Hellweg, die abwechselnd sich selbst und die Alemannia feierte, und die den durch den Aufstieg der Scharnhorster freiwerdenden Platz in der Kreisliga A einnehmen wird.

Sa. 09.06.2018, 18:00 – SC Union Nettetal vs Sportfreunde Niederwenigern 6:4 n.E.
1.000 Zuschauer, Christian-Rötzel-Kampfbahn, Relegation zur Niederrheinliga

Eigentlich war es gar nicht der Plan, dieses Spiel mit meiner Anwesenheit zu veredeln, aber da es auch keine wirklich interessanten Alternativen gab und das Hinspiel am vergangenen Donnerstag wirklich gut anzuschauen war, entschloss ich mich recht kurzfristig nach Nettetal in den Ortsteil Lobberich zu eibeln. An die 200 Niederweniger, oder Wenniger, wie sich selber bezeichnen, taten es mir gleich und 800 Nettetaler vervollständigten das Publikum. Die 'Christian-Rötzel-Kampfbahn' ist auch durchaus einen Zweit-Besuch wert. Bild Mit überdachter Sitz- und Stehtribüne auf den Längsseiten und einer ungedeckten Stehtribüne hinter einem Tor ist das echt ein schniekes Teil und hält Oberliga-Ansprüchen allemal stand. Die Gäste-Fans begrüßten ihr Team mit einem großen Spruchband und ein paar Konfetti-Kanonen und versuchten sich danach in einigermaßen ungeübtem Support. Bild Die Gastgeber legten zielstrebig los und ließen keinen Zweifel daran, dass sie die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel egalisieren werden. Nach zehn Minuten war es auch schon so weit, als eine 25 Meter-Bogenlampe über dem zu weit vor dem Tor stehenden Sportfreunde-Keeper in die Maschen fand. Leider war der Treffer Gift für das Spiel, denn in der Folgezeit konnte man die Angst beider Teams, einen möglicherweise entscheidenden Treffer zu kassieren, quasi riechen. Daher war es nun offensichtlich Priorität, hinten sicher zu stehen. Es gab viele Fehlpässe und viele Zweikämpfe, wirklicher Spielfluss kam nicht mehr zustande. Also ging es mal wieder in die Verlängerung, in der die Partie immer hitziger wurde und es noch einen Platzverweis hüben wie drüben gab, wobei der rote Karton für die Gäste stilecht an einen Reserve-Spieler ging - muss man ja auch erst einmal schaffen. Ein Gesamt-Sieger des Vergleichs konnte in den heutigen 128 Spielminuten nicht gekürt werden, daher durfte dieses das undankbare Elfer-Schießen übernehmen. Die Dinger wurden, trotzdem ja einiges auf dem Spiel stand, extrem souverän geschossen. Erst dem allerletzten Schützen versagten ob des Drucks die Nerven und der Union-Schnapper avancierte zum Helden des Tages. Fieses Bild, wie der Keeper unmittelbar neben dem hemmungslos weinenden Gäste-Schützen unter einer jubelnden Spielertraube begraben wurde. Fußball kann echt ein Arschloch sein.

Do. 07.06.2018, 19:30 – VfB Kirchhellen vs SC Reken 0:0
670 Zuschauer, Stadion Löwenfeldstraße, Relegation zur Bezirksliga Westfalen

Und es wird munter weiter relegiert. Mit Kegelbruder Malle verständigte ich mich zu Wochenbeginn darauf, am heutigen Tage eine Partie gemeinsam zu verfolgen. Bild Die Wahl fiel auf den Bottroper Stadtteil Kirchhellen. Das kleine, aber wirklich hübsche Stadion an der Löwenfeldstraße war mir zwar schon bekannt, aber in der Relegationszeit, kann man auch bekannte Jagdgründe immer wieder gut aufsuchen. Warum alle Bottroper Vereine im Fußballverband Niederrhein aktiv sind, aber der zugegeben nördlich etwas abgegrenzte VfB Kirchhellen als einziger Bottroper Vertreter nicht nur in einem anderen Kreis, sondern gleich in einem anderen Verband, dem Westfälischen nämlich, eingruppiert wurde, wird wohl das Geheimnis der Verbands-Onkels bleiben. Gegner war der Fusions-Club aus dem westmünsterländischen Reken. Dass der VfB hier überhaupt in Hin- und Rückspiel antreten musste, war der eigenen mangelnden Konzentration geschuldet, denn in der vorherigen Runde führte man bis kurz vor Schluss, um dann noch den Ausgleich und in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer durch die Zwote des SV Horst-Emscher hinnehmen zu müssen. Bittere Nummer. Dem schlechten Wetter geschuldet kamen heute ‚nur‘ knapp 700 Leute zum Spiel, da wäre sonst sicherlich mehr los gewesen. Spielerisch passten sich die Kontrahenten dem Wetter an. Puh, war das ein Gebolze, das dann ohne wirkliche Torchancen folgerichtig torlos endete.

Mi. 06.06.2018, 19:30 – Sportfreunde Niederwenigern vs SC Union Nettetal 1:0
850 Zuschauer, Glück Auf Sportplatz, Relegation zur Niederrheinliga

Der ‚Glück Auf Platz‘ in Niederwenigern gehört ja zu der Sorte Sportanlagen, die mich eher weniger reizen. Ehemaliger Asche-Platz mit Laufbahn, mittlerweile umgewandelt in Kunstrasen, aber die Anlage bleibt weitläufig. Auf der Hauptseite wurde eine kleine überdachte Tribüne errichtet, außerdem steht dort ein ganz nettes Clubheim. Bild Jedenfalls sagte ich mir letztens noch, da muss es schon ein besonderes Spiel her, dass ich mich da oben mal blicken lasse. Und siehe da, da kam das Spiel schneller als erwartet. Da sich der KFC Uerdingen in die Drittklassigkeit verabschiedet hat, es aber keinen Absteiger in die Regionalliga West gibt, die Zweitvertretung der Düsseldorfer Fortuna dadurch in der Regionalliga verbleiben darf, wurde ein weiterer Startplatz in der Oberliga frei, den nun die beiden Tabellen-Dritten der Landesligen in Hin- und Rückspiel unter sich ausmachen. Schöner Rattenschwanz, der sich noch weiter bis in die unteren Ligen durchzog. Es entwickelte sich von der ersten Minute an ein richtig gutes, spannendes Spiel, in dem sich die Spieler beider Mannschaften nichts schenkten, aber doch im fairen Rahmen blieben. Das konnte man sich richtig gut ansehen und mit dieser Leistung gehören eigentlich beide aufgestiegen. Die Gastgeber hatten mit dem Minimal-Sieg das Glück auf ihrer Seite. Auf Grund der Europapokal-Arithmetik ist die Ausgangslage damit nicht so übel. Es hätte auch weitere Tore auf beiden Seiten fallen können, aber beide Torhüter zeigten sich exzellent aufgelegt. Niederwenigern ist ein Stadtteil von Hattingen, durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Essener Stadtteil Burgaltendorf in den Ruhr-Höhen fühlt es sich aber eher an, als wäre man noch in Essen. Die Sportfreunde können jedenfalls auf guten Rückhalt in ihrem Dorf zählen, so kam zum heutigen Kick auch beinahe eine vierstellige Zahl an Zuschauer um das Team zu unterstützen.

So. 03.06.2018, 15:30 – TV Herkenrath vs SV Bergisch Gladbach 09 3:2
1.100 Zuschauer, Sportplatz Braunsberg, Mittelrheinliga

Nach einem in Fett gegarten Frühstück in einer Frituur am Eupener Stadtrand entschied ich mach gegen den direkten Heimweg und für den Besuch des Orts-Derby in Bergisch Gladbach. Der kleine Ortsteil-Club TV Herkenrath probt den Aufstand und ist auf bestem Wege in die Regionalliga West. Theoretisch hätte der Aufstieg bei eigenem Sieg und gleichzeitiger Niederlage der Mitstreiter aus Hennef schon heute realisiert werden können, was der größere Verein der Stadt natürlich verhindern wollte. Bild Bild Der 'Sportplatz Braunsberg', ein Kunstgras-Platz mit Leichtathletikbahn, war mit einer knapp vierstelligen Zahl an Zuschauern ordentlich gefüllt. Ausbau gibt es nur auf einer Längsseite mit ein paar Stufen und einem kleinen überdachten Abschnitt. Der TVH hatte zunächst große Mühe . Möglicherweise war die Mannschaft nach einer überraschenden Niederlage in der Vorwoche etwas verunsichert. So ging der SV 09 auch zunächst in Führung. Kurz nach dem Seitenwechsel konnten die Gastgeber mit einem Elfer den Ausgleich erzielen, die etwa zehn Minuten vor dem Ende mit dem Führungstreffer, ebenfalls per Strafstoß, veredelt wurde. Beide Treffer waren glücklich, denn der Gäste-Keeper tauchte beide Male in die richtige Ecke ab. Nun wurde es dramatisch, denn nur zwei Minuten nach der Führung fiel der Ausgleich und es sah bis in die Schlussminute nach einem verdienten Remis aus, aber die Gastgeber erzielten noch den Siegtreffer stilecht mit der Hacke. Der Jubel nach dem Abpfiff kannte natürlich keine Grenzen, denn obwohl Hennef ebenfalls siegte, ist der TVH einen Spieltag vor Saisonende bei drei Punkten Vorsprung und einem deutlich besseren Torverhältnis quasi aufgestiegen. Die Heimspiele werden dann in der kommenden Spielzeit gänzlich im Stadion in Bergisch Gladbach stattfinden, da der 'Braunsberg' Regionalliga-Ansprüchen natürlich nicht standhält.

Sa. 02.06.2018, 20:30 – Real Valladolid CF vs CA Osasuna 2:0
22.287 Zuschauer, Estadio José Zorrilla, Segunda División

Als ich mich Anfang der Woche mit Nobbi kurzschloss, was man denn so am Wochenende aufzäumen könnte, kam er kurz danach mit der Idee den Kick zwischen Valladolid und Osasuna der 'Segunda Division' in Spanien um die Ecke und lieferte die Flug-Info gleich dazu. Für unter 60 Geldeinheiten war der Return von Charleroi, südlich von Brüssel, und Madrid mit dem bekannten irischen Günstig-Flugdienstleister zu bekommen und fünf Minuten später auch gebucht. Marius sprang auch noch auf und so bewegte ich mich am Samstag-Morgen bis Mönchengladbach, wo ich in das Nobbi-Mobil umstieg. Marius sammelten wir in Aachen ein und dann ging es ab in die Wallonie. Bild Da sich schon reichlich Fluggäste, welche Ihr Vehiculum in Charleroi außerhalb der offiziellen Flughafen-Parkplätze abgestellt haben, danach ungewollter Dauer-Frischluftzufuhr erfreuen durften, musste in den sauren weil kostspieligen 24 Stunden-Appel des Parkplatz 2 gebissen werden. Herr Ryan war pünktlich unterwegs, so dass wir nach Übernahme des Mietwagens in Madrid alle Ruhe hatten, um uns nach Valladolid in Kastilien zu bewegen. In Valladolid verstarb übrigens ein gewisser Böötchen-Fahrer namens Christoph Columbus, der dort zurückgezogen seine letzten Lebensjahre verbrachte. Aus der zweithöchsten Spielklasse Spaniens steigen zwei Teams direkt auf. Die Mannschaften auf den Plätzen zwei bis sechs spielen einen weiteren Aufsteiger aus. Bild Vor diesem letzten Liga-Spieltag hatten fünf Clubs die Chance sich einen der beiden noch vakanten Plätze - Gijon und Zaragoza waren bereits qualifiziert - für die Relegation zur 'Primera Division' zu sichern. Cadiz hatte die besten Chancen, Numancia und Oviedo eher schlechte, und mit Valladolid und Osasuna trafen noch zwei direkte Konkurrenten aufeinander. Etwas komplizierter wird es in Spanien dadurch, dass bei Punktgleichheit nicht das Torverhältnis sondern der direkte Vergleich zählt. Das bedeutete, dass den Gästen ein Remis gereicht hätte, Valladolid aber zum Siegen verdammt war. Das 'Estadio José Zorrilla' war nicht ganz ausverkauft, aber bei einem Fassungsvermögen von 26tsd mit über 22tsd Zuschauern gut gefüllt. Die Bude erinnert mit der mehrstöckigen Logen-Wand auf der nördlichen Hintertor-Tribüne ein wenig an eine südamerikanische Cancha. Auf drei Seiten ist das Stadion doppelstöckig und überdacht, nur die südliche Hintertor-Seite ist ungedeckt. Bild In der 'Fondo Norte' sammelten sich etwa 200 Heim-Fans in Lila-Weiß zur Unterstützung ihres Teams, das liebevoll mit dem Namen 'Pucela', dem Kosenamen der Stadt Valladolid, gerufen wird. Im Gästebereich sammelten sich etwa 500 Amigos und Amigas aus der knapp 350 Kilometer entfernten Stierläufer-Stadt Pamplona, aus der das Team von Osasuna - das Wort Osasuna bedeutet ins Deutsch übersetzt 'Gesundheit' - stammt. Bild Für spanische Verhältnisse gar keine schlechte Zahl und der Bedeutung des Kicks durchaus angemessen. Die Jungs aus der Navarra legten auch mit ganz gutem Support los, ließen aber auch schnell stark nach. Ebenso wie die 'Fondo Norte', aber das ist halt Spanien, es gibt keine Stimmungshöllen und die kräftigsten Organe haben sie ja auch nicht, die kleinen Iberer. Laut wurde es nur, wenn das ganze Stadion in die Anfeuerung einstieg - warum nicht immer so. Nach dem Intro mit einer gestreiften Blockfahne in den Club-Farben, rissen die elf Lila-Weißen auf dem Grün das Spiel an sich. Große Chancen waren zunächst Mangelware und so hielt ein wunderbar getretener Freistoß in den Torwinkel für die Führung her. Im zweiten Spielabschnitt versuchte Osasuna mehr Druck aufzubauen. Es gab auch einige wenige Chancen, aber die Kirsche rutschte halt nicht rein und so entschied ein Strafstoß nach etwas mehr als einer Stunde die Partie schon recht früh, da man einfach nicht das Gefühl hatte, dass die Gäste hier und heute noch einmal in die Partie zurück kämen. Zurück kamen ab wir und zwar zum Flughafen Barajas und nun standen einige unbequeme Stunden an., denn aufgrund der frühen Abflugzeit, hatte die Buchung einer Unterkunft einfach nicht gelohnt. Irgendwie fand jeder irgendwo ein bisschen Schlaf, aber Erholung bedeutete das nicht wirklich. Hatte mir eigentlich geschworen, derartiges nicht mehr zu machen, die Knochen sind mittlerweile einfach zu alt dafür, aber man muss mit seinen Prinzipien ja auch mal brechen. Der Rückflug wurde komplett verpennt und ich fühlte mich danach unerwartet erholt.

Do. 31.05.2018, 15:00 – SV Schermbeck vs DSC Wanne-Eickel 3:2 n.V.
1.035 Zuschauer, Sportanlage Hagenstraße, Relegation zur Oberliga Westfalen

Es ist Relegationszeit und das Entscheidungsspiel um den letzten freien Platz in der Oberliga Westfalen war mein Ziel. Angestoßen wurde es auf neutralem Boden im Sportpark an der Hagenstraße in Marl. Bild Ein kleiner Tribünenbau bietet den einzigen Ausbau, ansonsten sind nur noch ebenerdige Stehplätze am Stankett die Alternative. Eine knapp vierstellige Zahl an Leuten zog diese Partie an und der ehemalige Zweitligist aus dem Wanne-Eickel durfte sich sogar der akustischen Unterstützung einer 20-köpfigen Gruppe erfreuen. Offenbar beschwingt davon erzielte die Mannschaft den frühen Führungstreffer, der aber nur zwei Zeiegrumdrehungen später schon wieder egalisiert wurde. Als sich die Schermbecker dann schon nach einer halben Stunde durch einen Platzverweis dezimierten, schien die Bahn frei für den Aufstieg des Deutschen Sport-Club. Aber wie schon beim zuletzt gesehenen Spiel, dem Luxemburger Pokalfinale, war auch dieses hier eines der Spiele, in dem zahlenmäßige Überlegenheit keinen Vorteil bringt. Der SVS kämpfte wie ein verletztes Raubtier und erzielte Mitte der zweiten Hälfte sogar den Führungstreffer, den der DSC aber ganz spät noch ausgleichen und sich in die Verlängerung retten konnte. In dieser ging Schermbeck dann erneut in Führung und davon erholte sich Wanne-Eckel nicht mehr. Was folgte war Jubel in Rot und Weiß und ein Beinahe-Handgemenge zwischen den Anhängern der beiden Teams.

Do. 31.05.2018 – Ein trauriges Jubiläum
Heute jährt sich der vielleicht schwärzeste Tag der Vereinsgeschichte des glorreichen RWE zum zehnten Mal. Kein Abstieg und kein Lizenzentzug, nicht einmal die Insolvenz im Jahr 2010, hatten eine derartige Wirkung wie der 31. Mai 2008. Ein Jahr zuvor waren die Roten erst aus der Zweiten in die Dritte Liga abgestiegen, auch das lief schon sehr unglücklich. Am vorletzten Spieltag war man im Heimspiel gegen Burghausen mit einer 1:0-Führung gerettet, kassierte aber nach einer ängstlichen Schlussphase den ganz späten Ausgleich. Am letzten Spieltag war dann auswärts beim MSV, der in diesem Spiel noch die Punkte für den Aufstieg brauchte, erwartungsgemäß nix zu holen. Andere machten es in den parallel laufenden Spielen besser und der RWE stieg mal wieder ab. In der folgenden Drittliga-Saison war es dann wichtig, am Ende unter den ersten zehn zu sein, denn die noch zweigleisige dritte Ebene wurde zu einer eingleisigen Dritten Liga reformiert. Ich ging eigentlich davon aus, dass dieses relativ unaufgeregt funktionieren sollte, aber das Team baute im Saisonverlauf immer mehr ab und Mitte der Rückrunde war der Rückstand auf den zehnten Tabellenplatz schon auf einige Punkte angewachsen. Mit einer unglaublichen Aufholjagd wurde dann aber noch der Anschluss an die Qualifikationsplätze hergestellt und am vorletzten Spieltag ging es zum direkten Konkurrenten nach Magdeburg, wo unbedingt ein Sieg her musste. Ich gebe zu, ich habe nicht daran geglaubt, sah meinen Herzensverein schon gescheitert und wäre nicht hingefahren. Aber mein Kumpel Olli provozierte mich und das Prinzip Hoffnung und so fuhren wir dann, wie gut 2tsd weitere Rote, in die Bördestadt. Wo das für mich Unglaubliche geschah - der RWE gewann den Kick mit dem Minimal-Ergebnis. Ich kann mich noch erinnern, dass ich beim entscheidenden Treffer in der ersten Hälfte, einem mir fremden Menschen, der aber mir wohlbekannte Farben trug, jubelnd in den Armen lag, mit diesem umfiel und durch den Gästeblock rollte. In einer Wahnsinns-Abwehrschlacht in der Schlussphase wurde das Ergebnis über die Zeit gebracht und nach dem Verlassen des Stadions den patrouillierenden Ossi-Backpfeifenkommandos erfolgreich ausgewichen. Nun musste am letzten Spieltag 'nur noch' ein Sieg gegen den bereits abgestiegenen VfB Lübeck her. Klar musste das Spiel auch erst einmal gewonnen werden, aber seien wir Roten mal ehrlich - daran gezweifelt, die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass das noch schief geht, hat doch vor dem Kick eigentlich keiner. Diesem entscheidenden Spiel konnte ich dann nicht persönlich beiwohnen, da ich aus beruflichen Gründen auf der schottischen Insel Islay weilte. Was ich gar nicht so schlecht fand, denn um mein Nervenkostüm ist es in wichtigen Spielen ja meist nicht so gut bestellt und die Tatsache, einfach nur knackig das positive Endresultat zur erfahren, gefiel mir ganz gut. Als die Partie dann vorüber sein musste, rief ich meinen besten Freund an, der live an der Hafenstraße dabei war. War gar nicht so einfach auf der Insel eine Stelle zu finden, die mir ein stabiles Mobilfunknetz bot. Letztlich war es auf dem kleinen Pier der 'Ardbeg Distillery', direkt am 'North-Channel' der Irischen See wo ich halbwegs vernünftigen Empfang feststellen konnte. Als ich dann die Info "Abgestiegen. Wir haben 1:0 verloren." vernahm, dachte ich zunächst an einen ganz schlechten Scherz meines Kumpels. Es dauerte einige Momente um zu realisieren, dass er schlicht die Wahrheit gesagt hatte. Mehr gab es in diesem kurzen Gespräch nicht mehr zu klären. Ich kann mich nebulös erinnern, dass ich zunächst schwer geschockt war und sich dann eine ziemliche Leere breit machte. Ich ging zurück zu meinen Kollegen und sprach dem Erzeugnis der Destillerie zu. Die Umstände dieses Spiels wurden in vielen Mutmaßungen breit diskutiert. Die anerkannteste These ist die, dass viele Spieler schon neue Verträge bei anderen Clubs unterzeichnet hatten und daher nicht mehr mit vollem Einsatz auftraten oder den Abstieg sogar begrüßten, um die Gültigkeit der neuen Kontrakte nicht zu gefährden. Dagegen spricht der große Kampf in Magdeburg in der Vorwoche. Die wahren Ursachen werden wohl nie aufgedeckt. Tatsache ist, dass dieses Ereignis bis heute wie eine dunkle Regenwolke über dem Vereins schwebt. Diese wird sich wohl erst dann verziehen, wenn irgendwann, vielleicht irgendwann, der Tag kommt, an dem die Rückkehr in die Drittklassigkeit gefeiert werden darf.

So. 27.05.2018, 17:00 – US Hostert vs Racing FC Union Lëtzebuerg 3:4 n.E.
3.273 Zuschauer, Stade Josy Barthel, Coupe de Luxembourg Finale

Eigentlich war das Vorhaben heute zum Relegations-Rückspiel nach Mannheim zu fahren, denn es war klar, dass es ein heißes Spiel würde und es bei Nichterreichen des Aufstieges zu einer 'interessanten Sachlage' kommen könnte. So war es dann ja auch, aber eine Verkettung unterschiedlicher Faktoren führte dazu, dass ich mich nicht so richtig zu Hause loseisen konnte und daher die natürlich nicht annähernd so attraktive Alternativ-Idee griff, das Luxemburger Pokal-Finale zu beehren. Da die Tage des Nationalstadions des kleinen Landes, des 'Stade Josy Barthel', dass man lediglich mit Länderspielen, Europapokal-Partien oder eben dem Cup-Final bei einem Fußballspiel besuchen kann, gezählt sind und ich dort noch nicht war, ergriff ich die Gelegenheit und fuhr kurz nach Mittag in aller Ruhe los. Bild Um die Sache weiter schön zu reden, sei darauf hingewiesen, dass eine entspannte Fahrt über die Landstraßen der Eifel deutlich angenehmer ist, als zum fünfhundertachtundsechzigsten Mal die A3 gen Süden runter zu eibeln. Pokalfinale in Luxemburg - hört sich eh noch besser an, als es letztlich ist, denn in den letzten Jahren fanden nur um die 2500 Zuschauer zum Spiel. Da sollte die heutige Zahl von über 3000 ja schon beinahe als Fußball-Euphorie zu werten sein. Von den Anwesenden waren mindestens zwei Drittel dem Team aus Hostert zugetan. Diese mussten aber auch nur eine gewaltige Strecke von 13 Kilometern aus dem Heimatort bis zum Stadion zurücklegen, für die Racing-Fans war es natürlich noch näher. Ging ja schon fast als Derby durch, allerdings massiert sich der höherklassige Fußball des kleinen Landes ja eh um die Hauptstadt und den dicht besiedelten Süden des Großherzogtums, da ist ja eigentlich jedes Spiel eine Art Derby. Die Gegengerade teilte sich in der Mitte schon in Grün für Hostert und Blau für den Hauptstadt-Club und aus dem grünen Block stieg doch als Intro tatsächlich eine dicke gleichfarbige Wolke in den Himmel. Pyro-Wahnsinn in Luxemburg - unfassbar. Nee im Ernst, das sah gar nicht schlecht aus und derartiges hatte ich nun wahrhaft nicht erwartet. Die Jungs und Mädels aus Hostert, oder auf Letztebürgisch 'Hueschtert', bemühten sich dann auch fast über die gesamte Spielzeit um Support, der allerdings etwas einfach daher kam. Aber Luxemburg ist halt keine Fan-Nation, es gibt kaum Szene-Leute beim Fußball, daher war auch keine riesige Stimmungs-Show zu erwarten. Bild Auf Racing-Seite hörte man lange Zeit nichts, dann rafften sich zur Halbzeit mal ein paar Leute auf, die aber ebenso schnell wieder verstummten. Erst in der Verlängerung hörte man wieder ein paar Sprechchöre. Eigentlich hätte es zur Verlängerung aber gar nicht kommen dürfen. Zum einen war Hueschtert eh die überlegenere Mannschaft und zum anderen dezimierte sich Racing zwanzig Minuten vor Schluss um den ersten und zehn Minuten vor Ende um den zweiten Spieler durch Gelb-Rot, aber Hostert wusste die zahlenmäßige Überlegenheit nicht zu nutzen. Racing verlegte sich spätestens in der Extra-Time nur noch auf die Verteidigung und wollte seine Chance ganz offensichtlich in der Elfer-Lotterie suchen. Und die bekamen Sie und nutzten sie auch. Den Spielanteilen wurde das natürlich nicht gerecht, aber wenn man es in 50-minütiger Überzahl nicht schafft, das entscheidende Ding zu machen, dann gewinnt der tapfer kämpfende Gegner wiederum auch nicht unverdient. Während die Spieler in Grün mit hängenden Köpfen zu ihren Anhängern schlichen, verließ ich das betagte 'Josy Barthel', das etwas bröckelig und verblichen ein wenig Ostblock-Charme versprüht und bald Geschichte sein wird. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird südlich vor der Stadt das neue 'Stade National de Luxembourg' fertig gestellt, eine kleine Fußballarena für 9.600 Zuschauer.

Do. 24.05.2018, 19:00 – KFC Uerdingen 05 vs SV Waldhof Mannheim 1:0
18.162 Zuschauer, MSV-Arena, Relegation zur 3.Liga

So langsam entwickle ich mich zum Waldhof-Experten, das war das dritte Spiel mit Mannheimer Beteiligung in den letzten sechs Wochen. Aber ich mache ja auch kein Geheimnis aus meiner Sympathie für den Verein und ein Relegationsspiel vor der Haustür kann man ja sowieso immer gut mitnehmen. Die Krefelder durften die Partie wegen Sicherheitsmängeln nicht in der heimischen ‚Grotenburg-Kampfbahn‘ austragen, sondern mussten dafür an die Wedau umziehen. Dasselbe würde im Falle des Aufstieges erforderlich sein, denn für die Dritte Liga bekäme die ‚Grotenburg‘ keine Zulassung. Die sicherheitsrelevanten Einrichtungen sind dort veraltet und müssten mit einer Millionen-Investition erst auf den aktuell geforderten Stand gebracht werden. Die ‚Ultras Krefeld‘ postierten sich im Oberrang der MSV-Kurve. Der MSV hatte die Nutzung des Stehplatzbereiches untersagt, also Gebietsansprüche durchgesetzt, was ich auch absolut gut finde. Daumen hoch dafür, denn in der eigenen Kurve hat keine andere Szene etwas verloren. Bild Würde man in vergleichbarem Falle in Essen sicher schön verpennen und sich nachher über eine zugeklebte und zugesprühte Kurve wundern. Erst mit einer halben Stunde Verspätung ging es los. Beim KFC kennt sich mit großen Kulissen halt keiner aus, da kommt man gern auf den letzten Drücker, daher wurde der Anpfiff verschoben. Der Away-Bereich wurde von mehr als 3tsd Waldhöfern bevölkert. Die Ultra-Fraktion startete kurz nach dem Anpfiff eine ordentliche Pyro-Attacke, während der auch locker zwei Dutzend gar nicht mal so leise Böller hochgingen. Von Krachern im Stadion halte ich ja gar nix, aber bei einem derartigen Pöbel, wie dem aus der Quadrate-Stadt, gehört so ne Nummer ja beinahe dazu. Nach kurzer Abtast-Phase übernahmen eher die Gäste das Kommando. Beim hochgejubelten Russen-KFC lief nicht viel zusammen, aber brenzlig wurde es trotzdem nicht - es stand halt viel auf dem Spiel. Auch nach dem Wechsel zeigte sich kein großartig verändertes Bild. Bild Der Waldhof trat unheimlich diszipliniert und konzentriert auf, woran die Uerdinger sich schön die Zähne ausbissen. Nach einer Stunde Spielzeit wurde es dann auch in den Strafräumen mal interessanter. Mannheim zunächst mit der Riesenchance zur Führung, aber der Treffer fiel dann nach einem Bilderbuch-Konter auf der anderen Seite für die Exil-Gastgeber. Danach ging es gut hin und her, auch emotional, war keine einfache Partie für den Referee. Waldhof bemühte sich stark um den Ausgleich, denn so knapp ein 0:1 im Hinspiel auch ist, so undankbar ist das Ergebnis – mit nur einem Uerdinger Auswärtstor am Sonntag könnte die ganze Geschichte schon erledigt sein. Bild Es bot sich auch noch eine Riesenchance für die Gäste und der KFC hatte ein ebenso fettes Ding für den zweiten Treffer auf dem Schlappen, aber es sollte beim 1:0 bleiben. War keine hochklassige Partie aber die Schluss-Viertelstunde entschädigte allemal. Der Waldhof-Anhang machte seinem Team nach dem Schlusspfiff Mut für das Rückspiel. Die Kurve zeigte insgesamt wieder eine sehr gute Vorstellung genau nach meinem Geschmack. Dazu habe ich mich ja schon bei den anderen kürzlich miterlebten SVW-Auftritten geäußert. Auf Seiten der Krefelder wurde es auch einige Male ordentlich laut, aber nur dann, wenn das normale Publikum mit in die Anfeuerungen einstieg. Die innere KFC-Szene selber kann nach wie vor nicht sonderlich überzeugen, dafür ist sie zahlenmäßig auch einfach zu klein. Was ich gar nicht mag, ist wenn die rhythmische Trommel von einer Snare und weiterem Trommelzeugs unterstützt wird. Ehrlich, damit kann man meinetwegen auf nem schottischen Festival aufkreuzen, im Stadion ist das mal sowas von fehl am Platze. Hört sich oft genug an, als ob einer die akustische Unterstützung an seiner Bontempi-Orgel eingeschaltet hat. In den Snare-Phasen war dann die Ultra-Gruppe auch auf sich allein gestellt – wen wundert’s, das ist halt übelster Ultra-Schrott und einfach nur stimmungstötend, da hat doch keiner Bock drauf, der ins Stadion geht, um seine Gurkentruppe mit ein paar Sprechchören und simplen Gesängen zum Sieg schreien will. Beim Rückspiel in Mannheim dürfte man aber von Uerdinger Seite aber eh nicht viel hören, denn dort werden über 21tsd Waldhöfer versuchen, Ihr Team zum Aufstieg zu schreien.

Mo. 21.05.2018, 17:00 – Rot-Weiß Oberhausen vs Rot-Weiss Essen 2:1
13.000 Zuschauer, Stadion Niederrhein, Niederrheinpokal Finale

Das Niederrheinpokal-Finale fand leider seinen von mir erwarteten Ausgang, allerdings nur was das nackte Resultat betrifft. Ich habe ja nun bestimmt schon zehn Spiele des RWE an der Emscher miterlebt und dabei nur einen Sieg gesehen, daher war die Erwartungshaltung entsprechend gering. Rund um das Spiel bot sich mal wieder ein Szenario, als ob sich alle Gewalttäter Deutschlands vereinigt hätten, so groß war das Polizeiaufgebot. Schon die Szene, die sich auf der Konrad-Adenauer-Allee vor dem Schloss Oberhausen bot, war absurd. An einem Shuttle-Bus war eine Scheibe zu Bruch gegangen - klar, Sachbeschädigung ist totale Scheiße, find ich ja auch - aber dass dieser Bus dann von (nicht übertrieben!) locker vierzig Polizei-Wannen eingefangen wurde und sich alle Insassen einem Erschießungskommando ähnlich vor dem Bus aufstellen mussten, entbehrte jeder Verhältnismäßigkeit. Bild Aber völlig übertriebene Maßnahmen sind ja bei den letzten Lokal-Duellen gegen RWO oder den MSV längst Trumpf, da fällt es schwer, sich zu wundern. Die neue Hintertor-Tribüne des 'Stadion Niederrhein' ist ja endlich fertig gestellt und gibt der RWO-Szene endlich eine würdige Heimat. Aus Sicht des Gästeblocks in der 'Kanalkurve' bietet sich nun tatsächlich ein Anblick, der ein wenig nach Stadion aussieht. Die Perspektive aus der flachen Gästekurve bleibt natürlich beschissen und trotzdem steh ich dort gar nicht so ungern, weil einem ein wohltuendes 80er-Jahre-Gefühl vermittelt wird. Die 'Emscherkurve' eröffnete mit einer großen Blockfahne und der Aufforderung den Pokal zu gewinnen. Nicht hochgradig innovativ, sah aber trotzdem ganz ordentlich aus. Der Spielverlauf stellte sich dann grundsätzlich anders dar, als ich es befürchtet hatte. Kann mich nicht erinnern, den glorreichen RWE in Oberhausen jemals so dominant gesehen zu haben. Die Roten rissen sofort das Zepter an sich und gaben es auch beinahe über die gesamte Spielzeit nicht aus der Hand. In Hälfte eins führte das allerdings noch nicht zu gefährlichen Aktionen im Oberhausener Strafraum. Die einzig gefährliche Aktion fuhr stattdessen RWO kurz vor der Hälfte, als die rot-weisse Hintermannschaft nach abgewehrter Ecke pennte und einen zweiten Ball serviert bekam, den Ex-Essener Nakowitsch von der Strafraum-Grenze mit Mach3 in die Maschen donnerte. Das war aber kein Genickbruch, denn der RWE machte nach dem Wechsel genauso weiter wie vor diesem, mit dem Unterschied, dass es vor dem Tor nun endlich gefährlich wurde. Das führte zum schnellen Ausgleich und danach war bei drei oder vier richtig fetten Dingern die Möglichkeit da, den Nachbarn zu erlegen, denn ich bin sicher, RWO hätte sich von einem zweiten Gegentor nur schwer erholt. In den Schlussminuten ging beim RWE dann die Ordnung verloren und die Gastgeber konnten sich ein wenig befreien. Der Siegtreffer in der Schlussminute resultierte dann aus einer Verkettung von Missständen. Dem Zuspiel aus dem Halbfeld ging eine unstrittige Abseitsposition voraus. Bild Schnappmann Heller machte dann das einzige Mal am heutigen Tage eine unglückliche Figur und ob der Ball final hinter der Linie war oder eben doch noch davor geklärt wurde, wird sich wohl nie klären lassen. Im Fußball zählen aber nun einmal Tore und daher heißt der glückliche Sieger RWO. Klar war die beschriebene Szene spielentscheidend, aber vorher hatten die Roten mehrfach die Gelegenheit die Geschichte zu erledigen, daher ist mir das Lamentieren über die Unzulänglichkeit des Referee-Gespann in dieser Szene ein wenig zu einfach. Das Auftreten der Mannschaft macht aber Mut. Offenbar können ein paar Leute ja doch kicken und Neu-Trainer Neitzel scheint den Nerv zu treffen. Mit ein paar Verstärkungen auf den richtigen Positionen kann in der nächsten Saison vielleicht etwas weiter oben mitgespielt werden. Die Stimmung war übrigens auf beiden Seiten bescheiden. Da zählt auf Gäste-Seite die Ausrede der schlechteren Voraussetzungen nur bedingt. Klar ist eine weitläufige, flache Kurve ohne Dach nicht die beste Ausgangslage, aber letztlich schwappte die Stimmung des aktiven Blocks, der nach der Streikphase wieder organisiert zusammen stand, zu selten auf die gut 5tsd RWE-Anhänger über. Auf der Gegenseite hatte die RWO-Kurve mehr aus den neuen Gegebenheiten machen müssen. Mit dem Dach über dem Kopf muss einfach mehr gehen, aber es war eigentlich wie immer gegen RWO - anständig laut wurde es nur bei Pöbel-Gesängen. Scheint ein grundlegendes Problem zu sein, dass die Kurve lieber bei Beleidigungen am Start ist, statt mal das eigene Team zu unterstützen. An Komplexe mag ich nicht glauben und ich muss als RWE-Anhänger auch sicherlich vorsichtig sein... ihr wisst schon... Glashaus und so... aber wenn man sich mal die RWO-Kunden so anschaut, gehören die ja auch nicht grad zu High Society. Sei's drum - Emotionen gehören zum Fusek dazu und ich lass mich lieber 90 Minuten ansicken, als mir dieses ethisch-faire Gehampel mancher Szenen antun zu müssen. So kann nun endlich eine Buchhalternase unter die miese Saison gezogen werden und es bleibt die Erkenntnis, dass die kommende Spielzeit irgendwie eigentlich nur besser werden kann. Eigentlich!

Sa. 19.05.2018, 14:30 – HFC EDO vs Sv Buitenveldert 3:2
115 Zuschauer, Noordersportpark, 2e Klasse Zaterdag A
Sa. 19.05.2018, 18:00 – VV Katwijk vs Koninklijke HFC 1:2
1.500 Zuschauer, Sportpark De Krom, Tweede Divisie

Bild RWE-Gefährte Marcel konnte als Mitfahrer für den Tagestrip in die Tulpen-Nation gewonnen werden. Erstes Ziel war der 'Noordersportpark' in Haarlem, ein schickes kleines Stadion, das sich von den Playmobil-Einheitsanlagen der Niederlande abhebt. Alles ist etwas in die Jahre gekommen, alles ist etwas gammelig, was sich vor allem an der moosüberwachsenen Stehtribüne auf der Gegenseite zeigt, die schief und krumm ist, da sich das Erdreich über die Jahrzehnte offensichtlich etwas in Bewegung gesetzt hat. Bild Hier spielt der 'Haarlemsche FC Eendracht doet overwinnen', was in etwa ‚Eintracht bringt den Sieg‘ bedeutet. Der Verein verfügt über eine Sonntags- und eine Samstags-Mannschaft. Für die Unwissenden: der niederländische Amateur-Fußball teilt sich unterhalb der dritten Ebene in Sonntags- und Samstags-Spielbetrieb auf. Das Zaterdag-Team, das wir zu sehen bekamen ist die klassenniedrigere Mannschaft dieses Vereins, welche in der Zweiten Amateurklasse dem Getrümmer nachgeht. Die Sonntags-Truppe kickt auf insgesamt sechstklassigem Niveau auch nur eine Liga höher, war aber vor zwei Jahren noch viertklassig. Vermutlich werden am Sonntag ein paar Hände voll mehr Zuschauer erscheinen als zum Hafer der Samstags-Stolperer. In den Niederlanden wird ja vor Spielbeginn gern mal ein bisschen Feuerwerk in die Luft gejagt, aber was wir hier erleben sollten, stellte alles bisher Erlebte in den Schatten. In aller Ruhe zündete ein Ersatzspieler der Gastgeber hinter einer Werbebande auf der gegenüberliegenden Seite eine Batterie an und kam relaxt zurück gelatscht. Zunächst stiegen zwei Raketen auf und dann brach der totale Krieg aus! Es gab einen Donnerschlag, dass Marcel beinahe die Fritten aus der Schale sprangen. BildEs folgten gut zehn weitere ohrenbetäubende Schläge, dass es einem Angst und Bange um das Trommelfell wurde und man schon Ausschau nach dem nächsten Schützengraben hielt. Mit dem letzten Doppelknall zersprang die Bande, hinter welcher das Teufelszeug explodierte, verteilte sich in Dutzenden Teilen auf dem Kunstrasen und einige Auto-Alarmanlagen gingen durch die Druckwelle in Betrieb. Danach war der Waffenstillstand offenbar ausgehandelt. Leck mich am Arsch, war das eine Explosion, das hat man vermutlich noch im Rotterdamer Hafen gehört und die Wasserpolizei war auf dem Weg. Keine Ahnung, ob das so geplant war oder etwas aus dem Ruder gelaufen ist, aber so einen lauten Scheiß hab ich bisher nicht einmal in Polen gehört! Geiler Scheiß! Völlig skurril war, dass sich niemand, nicht die Opas am Stankett, noch die Spielerfrau mit dem Neugeborenen, noch das Schiri-Gespann oder irgendein Spieler, daran störten. Nach dem die Alarmanlagen beruhigt waren, nahmen alle wieder ihren Smalltalk auf und der Schiri pfiff ungeachtet der Trümmerteile auf dem Spielfeld an. Bild Wir kamen uns ein wenig vor wie bei der versteckten Kamera. In der ersten Spielunterbrechung tauchte dann der Platzwart mit nem Besen auf, fegte grob zusammen und das war's. Es wurde einfach weiter geblötscht, als wäre nie etwas passiert. Und das gar nicht mal so gut. Die aus grauen Schläfen und Bierplauzen bestehende Gastgeber-Elf hatte ihre Mühe mit der eigenen Fitness und bei den in der Tabelle höher stehenden Gästen aus Amsterdam mangelte es etwas am Talent. Letztlich fuhr der HFC einen in den Schlussminuten etwas hektisch zustande gekommenen Sieg ein, aber der verblasste definitiv hinter dem Kriegs-Szenario vor Beginn der Partie. Der 'Noordersportpark' befindet sich übrigens in Wurfweite des alten Stadion des Traditionsclubs HFC Haarlem, von dem nur noch die Haupttribüne steht. Der HFC, bei dem Ruud Gullit seine Profi-Karriere begann, ist nach seiner Pleite vor einigen Jahren in einer Fusion aufgegangen. Bild Bild Zweites Ausflugsziel war Katwijk an Zee und zwar der dortige 'Sportpark De Krom' der sich seit zwei Jahren einer flatschneuen Tribüne erfreuen darf. Unvermittelt kamen wir aus dem Bürgerkrieg in Haarlem in die Pyro-Hölle von Katwijk. Bild Zum Einlauf der Teams wurde gezündelt, dass es eine wahre Freude war. Bei wichtigen Amateur-Spielen in den Niederlanden geht ja gern mal ne Fackel an, aber das hier war schon besonders. Zumal es beinahe während der gesamten Spielzeit irgendwo mal qualmte. Grundsätzlich ist ja das unterklassige Gegurke bei den Käsigen selten kurzweilig, aber heute hatten wir wohl die richtige Auswahl getroffen. Der VV Katwijk schickt sich dazu an, das Aufstiegsrecht zu erspielen, was heute bei eigenem Sieg und gleichzeitigem Punktverlust des direkten Konkurrenten auch wasserdicht gewesen wäre. "Wäre, wäre, Fahrradkette" um es mit Loddars weisen Worten zu sagen. Zwar kam der Mitbewerber nicht über ein Remis hinaus, aber Katwijk wurde nach früher Führung mit dem umgehenden Ausgleichstreffer der Zahn gezogen und das Team kam nicht mehr wirklich in die Partie. Das machten sich die Gäste zu Nutze, die gleich alle drei Zähler mitnahmen und der Liga damit ein absolutes Kracher-Finale am nächsten und letzten Spieltag bescherten, wenn der Zweite, die Kozakken Boys aus Werkendam, den nur einen Punkt besseren VV Katwijk empfängt. Nach intensivem Frituur-Erlebnis traten wir den Heimweg an.

Do. 17.05.2018, 19:00 – SW Wattenscheid 08 vs FC Frohlinde 2:2
115 Zuschauer, BSA Dickebankstraße, Landeslliga Westfalen Gruppe 3

Die kleinen Schwarz-Weißen aus Wattsche kämpften um bitter benötigte Punkte gegen den Abstieg aus der Landesliga. Mit einem Sieg gegen die bereits gesicherten Gäste aus Castrop-Rauxel wäre man safe gewesen. Bild So gab es ein umkämpftes, teilweise überhart geführtes Spiel zu sehen, in dem die Gastgeber Mitte der ersten Hälfte mit einem Doppelschlag in Führung gingen. Lange sah es so aus, als ob die Schwarz-Weißen den Platz als Sieger verließen, Bild aber der Anschlusstreffer eine Viertelstunde vor Schluss ließ offensichtliche Panik entstehen und brachte die Mannschaft völlig aus der Ordnung. Daraus resultierte schließlich der ganz späte Ausgleich in der Nachspielzeit, der umso bitterer schmeckte, weil der direkte Kontrahent, der Dortmunder Großkreutz-Club aus Kemminghausen, parallel überraschend auswärts gewann. Damit verbleiben die Bochumer Vorstädter auf dem ersten Abstiegsplatz. Schön waren mal wieder die Rahmenbedingungen. Die Platzanlage ist jetzt nicht die spannendste des Reviers, aber es auch gibt sicherlich langweiligere, denn zumindest auf der Hauptseite, gibt es ein wenig Ausbau inklusive eines kleinen Vereinsheims. Aber wahrhaft besonders war halt das Publikum, das eigentlich in jeder anwesenden Person den Ruhrpott widerspiegelte. Himmel, was waren da für Gestalten zu beobachten. Ob Vokuhila, Kalif vorm Herrn oder der Ordner, der aussah, als käme er grad von einer Karnevals-Veranstaltung - ein absoluter Traum, der eben die Besuche solcher Spiele mehr als rechtfertigt. Ein Sucuk-Brötchen vom Grill rundete die Veranstaltung dann noch brilliant ab.

So. 13.05.2018, 15:30 – 1.FC Heidenheim vs SpVgg Greuther Fürth 1:1
14.850 Zuschauer, Albstadion, 2.Liga

Für heute sollt es dann noch mal eine etwas interessantere Nummer werden. Die Wahl fiel auf den Abstiegs-Kracher in Heidenheim, wo Emotionen und blanke Nerven vorprogrammiert waren. Die Gäste aus Fürth waren zum Punkten verdammt, da sie sich auf einem Abstiegsrang befanden. Der FCH hatte zwar von den sieben potentiellen Abstiegskandidaten mit dem SV Sandhausen die beste Punktzahl, bei ungünstigen Ergebnissen war aber der Sturz in die Drittklassigkeit durchaus noch möglich. 150 Personen fehlten, damit das 'Albstadion' 'ausverkauft' melden konnte. Bild Aus dem Fränkischen waren 1500 Kleeblätter angereist, die als Intro eine von grünen und weißen Luftballons untermalte Motivations-Botschaft an Ihr Team richteten und danach einen wirklich guten Auftritt hinlegten. Was aber auch am ebenso guten Auftritt der Elf auf dem Rasen lag, die mutig nach vorne spielte. Die Heim-Kurve riss dagegen nicht gerade Bäume aus, was aber zu erwarten war, handelt es sich ja nicht grad um eine zahlenmäßig große Szene. Zu allem Überfluss hatte ich mir nicht den besten Standort ausgesucht, da nur wenige Meter neben mir der selbsternannte Super-Fan des FCH stand, der sich in einem eher von passiven Besuchern genutzten Block ständig bemühte, alle Umstehenden zum Support zu animieren. Bild Als Höhepunkt versuchte er gegen Ende der Partie minutenlang erfolglos eine 'La Ola' zu starten, ohne im Ansatz darauf zu reagieren, dass sein Gegröhle und Gehampel keine Sau interessierte sondern er eher mitleidig dafür belächelt wurde. Richtiger Pflegefall also - manche merken halt auch einfach gar nix mehr. Aber wohin, wenn nicht nach Heidenheim, passen solche traurigen Gestalten?! Die Fürther Spieler belohnten sich für Ihre Bemühungen kurz nach dem Seitenwechsel endlich mit dem hochverdienten Führungstreffer. Da die anderen Partien entsprechend standen, torpedierte das meinen niederträchtigen Wunsch hier und heute Abstiegs-Tränen fließen zu sehen, denn selbst bei einer Niederlage konnte den Gastgebern nix mehr passieren. Der FCH spielte danach weiter völlig planlos und verunsichert, während die Kleeblätter den zweiten Treffer verpassten. Also kam es mal wieder wie so oft - aus dem Nichts erzielte Heidenheim in der Schlussphase den Ausgleich, wodurch die Greuther nach dem letzten bekannten Ergebnisstand auf den Relegationsplatz rutschten, was eine sofortige Schockstarre des Away-Sektors zur Folge hatte. Da das Mobilfunknetz völlig überlastet war, wusste keiner wie es wirklich auf den anderen Plätzen aussah und erst als die Gästespieler nach dem Abpfiff jubelnd in Richtung der eigenen Fans stürmten, begriffen diese, dass das Remis offenbar gereicht hatte, denn keiner hatte den späten Treffer der Darmstädter Lilien gegen die Erzgebirgler mitbekommen, der diese statt der Kleeblätter in die Ausscheidungsspiele schickte. Erleichterung auf allen Seiten also. Auf große Jubel-Arien hatte ich wenig Bock, also machte ich mich auf den nicht zu kurzen Rückweg in den Ruhrpott.

Sa. 12.05.2018, 16:00 – FC Dornbirn 1913 vs FC Hard 1:1
452 Zuschauer, Stadion Birkenwiese, Regionalliga West
Sa. 12.05.2018, 18:30 – SC Rheindorf Altach vs SKN St.Pölten 1:3
3.613 Zuschauer, Stadion Schnabelholz, Bundesliga

So richtig vom Hocker riss mich das für heute erwählte Programm eigentlich nicht. Dieses aufzuwerten hätte aber einige hundert Mehr-Kilometer bedeutet, so dass halt diese zwei prinzipiell relativ sinnlosen Spiele auserkoren wurden. Bild Bild Dabei wusste zumindest die Spielstätte des FC Dornbirn, das Stadion Birkenwiese, zu gefallen. Für die Gastgeber ging es in der Regionalliga West nur noch um die goldene Ananas im Tabellen-Mittelfeld. Auch die Gäste aus dem nahen Hard am Bodensee gingen als Drittletzter sorglos in die Partie, da lediglich der Letzte der 16er-Liga den Gang in die Landesliga antreten muss. Die Dornbirner durften sich der Unterstützung einer kleinen, etwa zehnköpfigen Szene erfreuen, die einen etwas links-gerichteten Eindruck vermittelte. Da es um nichts mehr ging, entwickelte sich ein biergetränkter Sinnlos-Support, währen dessen sogar zwei dünne rote Rauchwölkchen ihren kurzzeitigen Auftritt feiern durften. Spielerisch war die Geschichte auch nicht grad die ganz große Nummer. Wenige Kilometer weiter südlich wird im 6500-Einwohner-Ort Altach Bundesliga-Fußball gespielt. Bis vor etwas mehr als zehn Jahren war der SC Rheindorf ein regionaler Fußballverein, der sich auf Landes- und Regionalliga-Niveau bewegt hatte. Dann gelang der Aufstieg in die zweitklassige Erste Liga und der Durchmarsch ins Fußball-Oberhaus. Zwar ging es zwischendurch wieder runter, aber auch wieder hoch und In den letzten drei Jahren wurde mit zwei Europapokal-Teilnahmen Erfolgsgeschichte geschrieben. Bild Die aktuelle Saison läuft dann wiederum als Drittletzter nicht so erbaulich und der SCR war wohl dankbar, mit dem abgeschlagenen, designierten Letzten einen vermeintlich leichten Gegner begrüßen zu dürfen. Bild Die Geschichte lief dann aber eben nicht wunschgemäß, da sich die Gäste nach frühem Rückstand in die Partie kämpften und nach neun sieglosen Partien in Folge im 34. Spiel der Saison den dritten Sieg einheimsten, was die sechs Anhänger, welche die beinahe 600 Kilometer einfache Strecke auf sich genommen hatten, entsprechend mit ihren Helden feierten. Der Torschütze zum Ausgleich ist ein übrigens nordkoreanischer Nationalspieler, der auch beim Länderspiel gegen Hongkong getroffen hatte. Seit dem Quali-Spiel in Pyongyang war ihm kein Treffer mehr gelungen. Vielleicht sollte er mich als persönliches Maskottchen anheuern, denn in den letzten beiden Spielen, in denen er genetzt hatte, war ich ja live dabei. Das nach dem Club-Sponsor benannte 'Stadion Schnabelholz' ist ein kleines reines Fußballstadion, das auf der Südseite aktuell mit einer neuen überdachten Hintertor-Tribüne ausgestattet wird. Nach deren Vollendung muss nur noch die gegenüberliegende Seite erneuert werden, dann ist der Umbau abgeschlossen. Über die Atmosphäre braucht kein Wort verloren zu werden. Die heimische Fanszene lasse ich zu deren Schutz besser unkommentiert und insgesamt hing die Geschichte irgendwo zwischen Jugend-Länderspiel und Pre-Season-Friendly.

Fr. 11.05.2018, 20:30 – FC Wacker Innsbruck vs SV Ried 3:1
6.891 Zuschauer, Tivoli Stadion Tirol, Erste Liga

Vier Jahre nach dem letzten Abstieg aus der österreichischen Bundesliga klopfte der FC Wacker mit einer bärenstarken Saison wieder ans Tor des Oberhauses an. Bild Vier Spieltage vor Saisonende fehlte nur noch ein mickriges Pünktchen, um die Rückkehr in die höchste Spielklasse klar zu machen. Als Gegner stellte sich der Mitbewerber aus Ried vor. Der FC Wacker blickt auf eine turbulente Geschichte zurück, die aus Abspaltungen, Umbenennungen, Insolvenz, Neugründung und in der jüngeren Geschichte aus Auf- und Abstiegen besteht. Die erfolgreichste Zeit des Clubs waren zweifelsfrei die 70er Jahre mit mehreren Meistertiteln und Pokalsiegen. Davon ist man aktuell natürlich weit entfernt und von einer wirklichen Euphorie kann man auch nicht sprechen, denn nicht einmal 7tsd Zuschauer kamen, um den möglichen Aufstieg mitzuerleben. Bild Bild Zwar lag die Besucherzahl damit beinahe doppelt so hoch wie in den normalen Ligaspielen, aber an diesem Tag, mit dem direkten Kontrahenten als Gast, hätte die Bude ja ruhig mal aus allen Nähten platzen dürfen. Das 'Tivoli Stadion Tirol', rundherum überdacht mit geschlossenen Ecken, hebt sich nicht von anderen Arenen dieser Größenordnung ab. Das war zur Zeit der EM2008 noch anders. Damals wurde an drei Seiten ein zweiter Rang aufgesetzt, der nach dem Turnier wieder zurückgebaut wurde. BildDie Frage der Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme für drei Spiele stellt sich bei Gesamtkosten von über 30 Mio Euro nicht, aber da eine Mindestkapazität für 30tsd Zuschauer für EM-Stadien gefordert ist, blieb keine andere Wahl. Im heutigen Zustand fasst der 'Tivoli' 16tsd Menschen, was für die Bundesliga-Ansprüche des FC Wacker wohl ausreichen sollte. In der Nordkurve hat die Wacker-Szene ihren Standort, die das Team mit einer kleinen Choreo begrüßte. Aus Ried waren etwa 120 Anhänger angereist, die unter Führung der 'Supras' einen guten Auftritt hinlegten, die Unterlegenheit ihres Teams aber damit nicht wettmachen konnten. Von der Heim-Seite hatte ich etwas mehr erwartet, allerdings scheint es um die Akustik mit den offenen Rückseiten im Stadion auch nicht zum Besten gestellt. Wacker gewann die Partie ungefährdet und verdient und sicherte sich nicht nur den Aufstieg, sondern dank des Punktverlustes des Tabellenzweiten aus Hartberg auch die Meisterschaft. Der Platzsturm nach dem Schlusspfiff war natürlich obligatorisch.

Do. 10.05.2018, 11:00 – SV Ebersbach vs TSV Weilimdorf 2:2
150 Zuschauer, Stadion 'Strut', Landesliga Württemberg Staffel 2
Do. 10.05.2018, 15:30 – FC Wangen 05 vs VfB Neckarrems 1:0
300 Zuschauer, Allgäustadion, Verbandsliga Württemberg

Auf dem Weg in die eigentliche Zielregion bot sich der Besuch des Landesliga-Spiels in Ebersbach an der Fils an. Die deutlich zu protzig bezeichnete Anlage 'Stadion Strut' wirkte live erlebt noch lieb- und farbloser, als es vorher betrachtete Bilder vermuten ließen. Bis auf eine fünfstufige Stehtraverse auf einer Längsseite, welche durch ein Sprecherhäuschen unterbrochen wird, gibt der Platz nicht viel her, so dass es nicht einmal Foto wert ist. Den trüben Eindruck kann auch die in den Vereinsfarben gestrichene kombinierte Ticket- und Cateringbude nicht grundlegend beschönigen. Also nix wie weg nach dem Kick und ab ins Allgäuer Vorland, genauer gesagt nach Wangen, der letzten Württembergischen Bastion, bevor man ins Bajuwarische eindringt. Bild Dort spielt im wunderschönen 'Allgäustadion' der FC Wangen als südlicher Ausreißer der Verbandsliga Württemberg. Während sich bis auf wenige Ausnahmen der Großteil der Clubs in dieser Spielklasse entlang der Achse Reutlingen-Stuttgart-Heilbronn massiert, haben die Allgäuer zu ihren Auswärtsspielen gewaltige Kilometer abzureißen. 105 Kilometer sind es zum nahesten Gegner in Ehingen, während die Strecke zum am weitesten entfernten Kontrahenten in Hollenbach satte 250 Kilometer beträgt. Zum Vergleich - den längsten Weg, den der glorreiche RWE in der Regionalliga zurücklegen muss, führt über 172 Kilometer nach Rödinghausen. Bild Finde ich schon bemerkenswert, dass man auf diesem Niveau derartige Entfernungen und Strapazen auf sich nimmt. Es gibt genug Vereine, die unter diesen Bedingungen auf ihr Startrecht verzichten würden. Das 'Allgäustadion' ist ein von Bäumen gesäumtes Mehrzweck-Stadion mit einer schicken überdachten Tribüne, neben der sich rechts und links Stehplätze befinden. Weitere Stehplätze findet man auf der Gegenseite, während die Kurven nicht ausgebaut sind, sondern lediglich über einen begrünten Wall verfügen. Vor fast 28 Jahren durfte der RWE hier das Spiel in Runde eins des DFB-Pokals bestreiten. Die legendäre Truppe um Frank Kurth, 'Putsche' Helmig, Dirk Pusch - und auch ein gewisser Mario Basler war dabei - quälte sich letztlich mit einem erst zwei Minuten vor dem Ende sicher gestellten 2:1-Erfolg in die nächste Runde. Ähnliche Mühe hatte der FCW mit dem heutigen stark abstiegsbedrohten Gegner aus Neckarrems. Selbst benötigten die Gastgeber noch einen Sieg um bereits vier Spieltage vor Schluss die nächste Spielzeit in der Verbandsliga sicher planen zu können, der aber am Ende mit hohem Aufwand sicher gestellt wurde.

Sa. 05.05.2018, 14:00 – Rot-Weiss Essen vs TuS Erndtebrück 2:1
7.507 Zuschauer, Stadion Essen, Regionalliga West

Zum letzten Heimspiel der Saison hatte der glorreiche RWE noch einmal eine Rabatt-Aktion rausgehauen und verbilligte Tickets an den Mann, Frau, Kind, Vereine und Schulen gebracht. Hatte mir ja nach dem letzten Familientag geschworen, den Scheiß nicht mehr mitzumachen und entsprechenden Heimspielen fernzubleiben, da die Geschichte dann immer in eine Art Straßen-Fest ausartet. Hunderte Rotzige rennen unkontrolliert durch die Gegend und stolze Eltern tragen ihren gelangweilten Nachwuchs, der ja einfach nur Pommes haben will, im Kinder-Trikot über die Tribünen. Mag ja sein, dass Kinder allgemein als das Glück der Erde angesehen werden - im Stadion nerven sie definitiv! Da es eh um nix mehr ging und noch ein Ticket-Deal für das Niederrheinpokal-Finale abgewickelt werden musste, schleppte ich mich also hin, um die Gurkentruppe noch mal zu beobachten. Heraus kam ein verdienter und glanzloser und am Ende unnötig in Gefahr geratener Sieg gegen den designierten Absteiger aus dem Sauerland. Jedes weitere Wort zu dieser Veranstaltung wäre Verschwendung. Over and out!

Mi. 02.05.2018, 15:00 – FC Nöttingen vs SSV Reutlingen 3:4
371 Zuschauer, Panoramastadion, Oberliga Baden-Württemberg

Bild Bild Neuer Tag, dieselbe Liga. In Begleitung einer reizenden Dame wurde großenteils dieselbe Strecke wie am Vortag zurückgelegt, denn Nöttingen ist ein Ortsteil von Remchingen, das wiederum in unmittelbarer Nachbarschaft Pforzheims liegt. Das ‚Panoramastadion‘ erweckt den Eindruck, über Jahre nach und nach erweitert worden zu sein. Wirkt etwas zusammengeschustert, aber durch die halb in einen kleinen Hang gebaute Lage, sieht die kleine Anlage recht schnuckelig. BildAuf der Hauptseite befindet sich das Funktionsgebäude mit ein paar Sitzplätzen, einem langen Balkon, von dem das Spiel beobachtet werden kann, einem kleinen VIP-Bereich, Presseplätzen und sogar einer Polizeiwache. Wirkt schon etwas speziell. Hinter den Toren gibt es keinen Ausbau, eine der Seiten dient als Verbindung zwischen den Geraden. Auf der Gegenseite ist eine mehrstufige Stehtribüne errichtet worden, auf der sich auch der Gästeblock befindet. Dieser beherbergte etwa 50 Gäste, von denen wiederum etwa 30 der aktiven ‚Szene E‘ zuzuordnen waren. Die Jungs legten ganz ordentlichen Dauer-Support hin und das verdient meinen Respekt, denn um Jahr für Jahr eine durchschnittliche Truppe in der Oberliga zu supporten und über die Dörfer zu eibeln, muss man schon Durchhaltevermögen haben. Da weiß ich wovon ich rede, denn es geht ja schon fürchterlich auf den Sack das ganze Spiel, wenn auch in Gesellschaft von einigen tausend anderen, eine Liga höher mitzumachen. Es entwickelte sich dann im ersten Durchgang eine recht wilde Partie, so dass das Endresultat schon zum Seitenwechsel feststand und alle sieben Tore innerhalb einer halben Stunde fielen. Da Fußball unberechenbar bleibt und manchmal auch völlig bekloppt läuft, passierte in der zweiten Hälfte gar nix mehr. War den Gästen sicher recht, denn so steuert der SSV in einer guten Rückrunde einer guten Platzierung im oberen Tabellendrittel entgegen. Würde dem Verein schon allein wegen seiner kleinen aber treuen Fan-Szene einen baldigen Aufstieg wünschen.

Di. 01.05.2018, 15:00 – 1.CfR Pforzheim vs FC Astoria Walldorf II 1:0
300 Zuschauer, Stadion Holzhof, Oberliga Baden-Württemberg

Bild Vor ein paar Monaten wurde bekannt, dass der CfR bald aus dem ‚Stadion Holzhof‘ ausquartiert werden soll, da dieser in einem Wasserschutzgebiet liegt und da Gelände renaturiert werden soll. Also ‚högschte‘ Zeit dort mal aufzuschlagen. Der CfR entstand 2010 aus dem traditionsreichen 1.FC und dem VfR Pforzheim. Der Grund für die Fusion waren wie so oft, finanzielle Probleme der Clubs. Der 1.FC ging 2004 in die Insolvenz und hangelte sich dann bis zum Zusammenschluss über Jahre durch. Dem VfR war schon in den 90ern die Luft ausgegangen und seitdem dümpelte der Club in unteren Gefilden auf Kreis-Ebene herum. Bild Aktuell tritt der 1.CfR in der Oberliga vor den Ball und benötigt noch dringend einige Punkte, um den Abstiegsrängen zu entfleuchen. Da kam die Zweitvertretung des Sinnlos-Vereins aus Rhein-Neckar gerade recht. Die Gastgeber machten von Beginn an Druck, erzielten auch die frühe Führung, versäumten es aber, den Deckel drauf zu machen und kamen am Ende noch unnötig in Bedrängnis. Ging aber gut, das Ganze. Der Holzhof ist schon ein richtig kuscheliges Teil mit einer relativ großen überdachten Tribüne und Stehrängen um das Spielfeld, die hinter einem Tor allerdings wegen Baufälligkeit gesperrt sind. In eine Ecke wurde zwar ein hässliches VIP-Zelt gepflastert, das mindert den Charakter aber nicht maßgeblich. Der Holzhof ist das Stadion des alten VfR. Bild Bild Der 1.FC war im ‚Stadion im Brötzinger Tal‘ beheimatet, welches saniert und umgebaut wird und dem Verein als zukünftige Spielstätte dienen soll. Zeit hatte ich reichlich, daher fuhr ich mal ans andere Ende der Stadt um den Status Quo zu überprüfen und fand eine fiese Baustelle vor. Bild Bild Ein neues Funktionsgebäude wurde auf der Hauptseite gerade fertig gestellt und die schöne alte Tribüne frisch dem Erdboden gleich gemacht. Auf den anderen drei Seiten gammelt alles vor sich hin, alte Graffiti und Kleber zeugen von der Vergangenheit. Eigentlich sollte der CfR im Sommer ins Brötzinger Tal ziehen. Das passt aber im Leben nicht, das sieht ein Blinder und dazu findet man im Netz auch entsprechende Berichte der ‚Pforzheimer Zeitung‘. Wenn die Anlage im Tal fertig ist, sieht es dort wohl ganz ansprechend aus, denn es soll ja auch wieder ein Tribünchen errichtet und die Stehränge auch wieder hergerichtet werden. Mal sehen wann das so weit ist, insgesamt läuft die Nummer ja so schleppend, wie es für Stadion-Neubauten in Deutschland üblich ist.

So. 29.04.2018, 15:00 – FC Union Heilbronn vs FSV Schwaigern 4:0
210 Zuschauer, Union-Stadion am See, Kreisliga A Unterland Gruppe 1

Es geht doch nix über gute Kumpel. Marco gab mit den Tipp zum ‘Stadion am See’, wo Union Heilbronn der Fußlümmelei nachgeht. Der Verein ist erst sechs Jahre alt, kann jedoch trotzdem prinzipiell auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. 1908 ging der FV Union Böckingen aus zwei Vorgänger-Clubs hervor. Bild Bis in die 70er Jahre spielte der Verein leidlich erfolgreich auf Amateur-Ebene mit, eher er aus den überregionalen Ligen verschwand. Der bekannteste und erfolgreichste Verein VfR Heilbronn, der Mitte der 70er eine kurze Episode in der neu installierten zweiten Liga erlebte, musste Anfang des Jahrtausends in die Insolvenz und fusionierte mit der Heilbronner Spielvereinigung zum FC Heilbronn, der aber aufgrund der Altlasten der Fusionsvereine nie aus den Kinderschuhen herauskam. Bild Um Kräfte zu bündeln wurde dann 2012 die Fußballabteilung von Union Böckingen aus dem Stammverein abgespalten und mit dem FC Heilbronn zum FC Union verheiratet. Nebenbei sei erwähnt, dass vor wenigen Wochen ein neuer VfR Heilbronn gegründet wurde, der in der kommenden Saison in der untersten Spielklasse einsteigt. Dem FC Union hat die Fusion bisher keine großen Vorteile gebracht, allerdings befindet er sich aktuell an der Tabellenspitze der Kreisliga und darf auf den Aufstieg in die Bezirksliga hoffen. In dieser spielt mit dem Aramäischen SV aktuell der klassenhöchste Club der Stadt – Heilbronn erlebt also derzeit ein trauriges Fußball-Zeitalter. Aber was schreib ich hier – auf ähnliche Art widerfährt meiner Heimatstadt das auch seit Jahrzehnten. Zu Gast im ‘Union-Stadion’ war der Tabellen-Vierte, der die Unioner aber nicht vor größere Probleme stellte. Das Stadion ist wirklich sehenswert. Um das Spielfeld herum zieht sich ein fünfstufiger Stehrang, der auf der Hauptseite durch eine überdachte Sitztribüne gekrönt wird. Auf einer der Hintertor-Seiten wird der Stehrang zugunsten des Vereinsheimes unterbrochen.

Sa. 28.04.2018, 14:00 – TSG 1899 Hoffenheim II vs SV Waldhof Mannheim 2:2
1.500 Zuschauer, DietmarHopp-Stadion, Regionalliga Südwest

Dietmars kleine Buben empfingen den SV Waldhof, da war die Spielauswahl für den heutigen Tag einfach. Ganz am Ortsrand von Hoffenheim liegt das alte, kleine Stadion des TSG-Geschwür an einem ansteigenden Hang. Bild Die Gegengerade fungiert mit drei Stufen und dahinter liegender hoher Wand eher als Lärmschutz, ansonsten hat die Bude drei vollwertige Tribünen zu bieten. Aus Mannheim waren gut 1tsd Anhänger angereist, da hätte ich eigentlich noch ein paar mehr erwartet. Ultras Mannheim dann mit ansprechendem Support über die gesamte Spielzeit. Bild Auf typische Szene-Trällerei wurde vollends verzichtet, stattdessen gab es knackige, eingängige Gesänge und Schlachtrufe, mal aus der Oldschool-Schublade, mal etwas zeitgemäßer. Für meinen Geschmack ziemlich exakt die richtige Mischung – genauso oder so ähnlich sollte man es machen, dann bekommt man auch den ganzen Block mit ins Stimmungsboot, das wurde hier und heute bewiesen. Eine Spur spielbezogener hätte man noch agieren können, aber das war wie gesagt schon eine ziemlich gute Linie, die da verfolgt wurde. Ganz nebenbei scheint die Symbiose zwischen Kurve und Mannschaft beim Waldhof äußerst gut. Das sah nach einer Einheit aus, denn das Team wurde nach dem eigentlich enttäuschenden Remis minutenlang gefeiert und es war auch während der gesamten Spielzeit nicht ein Pfurz von einem Pfiff zu hören. Da gab es allerdings wenig Grund zu, wenn überhaupt dann hinsichtlich der Chancenverwertung. Denn der Waldhof drückte die Gastgeber bis auf eine ganz kurze Anlaufphase nach der Pause das gesamte Spiel über in die eigene Hälfte. Nur vor dem Tor wurden zu viele eigensinnige und oft falsch Entscheidungen getroffen und daher zwei wertvolle Punkte auf dem Weg in die Relegation unnötig liegen gelassen.

Do. 26.04.2018, 18:30 – FC Freya Limbach vs SV Neckarburken 2:2
97 Zuschauer, Freya-Stadion, Kreisliga Mosbach

Bild Und weiter geht es mit dem Kreisliga-Krempel. Kann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals in so kurzer Zeit so viel Basis-Fußball geschaut habe. Aber ich hab ja hier abends keine Verpflichtungen, also spricht auch nichts wirklich dagegen. Eintrittskarten scheinen in dieser Gegend unseres Landes echt aus der Mode gekommen zu sein. Traurig, traurig. Die Spielstätte des FC Freya sticht lediglich durch den kleinen Tribünenbau heraus, aber dieser ist auch wirklich ganz charmant. Hier wurde ich Zeuge eines echten Keller-Duells und das war großenteils wirklich nicht schön anzusehen. Zeitweise kam es mir vor als ob ich mich mitten in einer etwas überzeichneten Fußball-Satire befände. Was da bedingt durch fehlende Athletik, fehlendes Talent und bis an den Spielfeldrand zu spürende Panik offenbart wurde, Bildwar schon etwas speziell. Hinsichtlich der Tatsache, dass es noch zwei weitere Spielklassen unterhalb der Kreisliga gibt, wird einem Angst und Bange, wenn man sich ausmalt, was da wohl abgeliefert wird. Aus Verzweiflung drang ich ins Clubheim ein, orderte die auf einer Tafel feilgebotene Paprika-Wurst und verzog mich mit der Peitsche Richtung Eckfahne. Als ich dann hinein biss, sah ich auf einmal Feen um mich herumtanzen, Engel läuteten zart mit güldenen Glöckchen und ein Regenbogen endete direkt vor meinen Füßen. Hatte ich doch den altbekannten Geschmack einer guten böhmischen Klobasa im Mund! Herrlich! Als mein Blick zum Tribünchen schweifte, wähnte ich mich für einen kurzen Moment tatsächlich wie in Tschechien, denn das Bauwerk hat ja durchaus den Stil kleiner tschechischer Fußballplätze. Sauscharf war das Wurstviech. Ich vermute, ich habe einige Millimeter meiner Zunge eingebüßt und fühlte mich an Havirov erinnert, wo damals ein ähnlich pikanter Schlauch auf die Pappe gezaubert wurde. Zur Vollendung fehle eigentlich nur noch eine pappige Scheibe Kümmelbrot und der gelbfahle Senfklecks. Nach dieser Geschmacksexplosion sah ich den Kick mit ganz anderen Augen und fühlte mich letztlich ganz gut unterhalten.

Mi. 25.04.2018, 18:30 – Mosbacher FV 1919 II vs SV Robern 3:3
82 Zuschauer, MFV-Stadion, Kreisliga Mosbach

Spiele von zweiten Mannschaften zu besuchen und sich damit quasi einen Ground zu ‘erschleichen’ ist ja eigentlich so gar nicht meine Philosophie. Das nette kleine Stadion des MFV drängte sich mir aber quasi auf, so dass es auch nicht enttäuschen wollte. Bild Statt Landesliga-Fußball musste ich mich dafür mit Kreisliga-Gestolper begnügen – irgendwat is ja immer. Man muss halt auch mal über seinen Schatten springen. Belohnt wurde ich mit einem qualitativ nicht sehr hochwertigen, aber dafür spannenden und in der Schluss-Viertelstunde äußerst emotionalem Spiel. Bild Die Gäste hatten den besseren Start in die Partie, aber die Zwote des MFV stellte den Kick mit einer 2:0-Führung nach 20 Minuten auf den Kopf. Der SVR konnte noch vor der Pause verkürzen und nach einer Stunde Spielzeit dann ausgleichen, was zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr wirklich verdient war. Mit einem kuriosen Treffer nach einem Pressschlag eines MFV-Stürmers mit dem Gäste-Keeper gingen die Gastgeber wieder in Führung und mit dieser Szene begann die emotionale Phase des Spiels, da die Roberner eine Regelwidrigkeit erkannt haben wollten. Es kam viel Hektik auf, der mittlerweile wieder verdiente Ausgleich fiel und einen Platzverweis gegen einen MFV-Spieler gab es auch noch. Für die Aktiven und deren Fans war es sicher Stress, für den neutralen Beobachter war es aber kurzweilig. Das kleine Stadion verfügt auf der Gegenseite über vier auf der ganzen Länge des Spielfeldes überdachte Stufen. Auf der Hauptseite befinden sich vor der Club-Gaststätte eine kleine Terrasse und ungedeckte Stehränge. Einige Parkbänke bieten dort noch einige Sitzgelegenheiten.

So. 22.04.2018, 15:00 – SG Bad Wimpfen vs TSV Meimsheim 3:0
90 Zuschauer, Kurwald-Stadion, Bezirksliga Unterland

Bild Bild Nur fünf Kilometer vom stationären Wohnort war man direkt in einem anderen Landesverband, nämlich dem Württembergischen. Leider änderte das nichts an der Eintrittskarten-Misere. Unfassbar, das reisst einige Lücken in die Trophäen-Sammlung. Dann fiel direkt auf, dass im WFV offenbar ein größerer Schiri-Mangel herrscht, als im Nordbadischen. Während in Baden selbst auf Kreisliga-Niveau mit Gespann gepfiffen wird, war hier in der Bezirksliga nur ein Hauptschiedsrichter am Werk. Zu Gast im schnuckeligen ‘Kurwald-Stadion’ oberhalb des Neckartals war der Tabellenletzte, der sich auch als solcher präsentierte. Da ging nicht viel. Die SG brauchte aber auch etwas Anlaufzeit, bis es zum ersten Mal klingelte. Allerdings war der Sieg auch nie gefährdet und fiel eigentlich zu dünn aus. Dem Sozialbau der Anlage wurde zur Spielfeld-Seite hin ein nettes Tribünchen mit Holz-Elementen angebaut. Die übrigen Seiten sind nicht ausgebaut, aber hinter einem Tor und auf der Gegenseite vermitteln Graswälle etwas Stadion-Atmosphäre.

Sa. 21.04.2018, 16:00 – VfB Eppingen vs Fortuna Heddesheim 0:3
200 Zuschauer, Hugo-Koch-Stadion, Verbandsliga Nordbaden

Bild Bild Im Oktober 1974 schrieb der VfB Eppingen Fußball-Geschichte und machte sich Deutschland-weit bekannt. Der amtierende Tabellenführer Hamburger SV war zu Gast und verabschiedete sich in Runde zwei mit einer 2:1-Niederlage aus dem DFB-Pokal. Der VfB überstand dann sogar noch die nächste Runde und schied erst im Achtelfinale gegen den SV Werder aus. Bild Von diesen Erfolgen ist der Club heute weit entfernt. Aktuell fristet der Verein sein Dasein in der Verbandsliga, spielt dort aber eine ganz ordentliche Rolle im Verfolgerfeld des Tabellenführers, ohne aber noch eine reelle Chance auf den Aufstieg zu haben. Zu Gast war der Tabellen-Dritte, der bereits nach zwanzig Sekunden den Führungstreffer erzielte. Eppingen war danach am Drücker, aber gut sah es nur bis zum Sechzehner aus. In der Box wurden dann meist die falschen Entscheidungen getroffen, was sich auch in Hälfte zwei nicht änderte. Die Fortuna wusste dann die Konter-Möglichkeiten gut zu setzen und legte den Gastgebern noch zwei Eier ins Nest. Das ‘Hugo-Koch-Stadion’ ragt aus den üblichen Amateur-Spielstätten deutlich heraus. Während auf der unausgebauten Hauptseite ein schickes neues Sozialgebäude mit aufgesetztem Clubheim steht, befinden sich auf den drei übrigen Seiten mehrstufige Ränge, die sowohl zum Sitzen als auch zum Stehen genutzt werden können. Auf den Hintertor-Seiten fallen die Ränge sanft zur Hauptseite hin ab. Ist schon ein richtig schöner unterklassiger Ground. Zufällig hatte ich mich genau zwischen die kleine Gruppe der mitgereisten Gäste und eine Gruppe VfB-Anhänger gesetzt und wurde Zeuge von heißen Diskussionen über strittige Entscheidungen des nicht allzu konsequenten Referee, die das eine oder andere Mal unter der Gürtellinie entgleisten. Finde ich ja immer äußerst amüsant. Einfach herrlich, wenn sich Spieler-Eltern und Opas, die wohl den Sieg gegen den HSV als junge Männer live miterlebt haben, in die Köppe kriegen und sich mit Schimpftiraden überhäufen. Nicht so herrlich war, dass es selbst auf Verbandsliga-Niveau keine Eintrittskarten ausgegeben wurden.

Fr. 20.04.2018, 19:00 – VfR Wormatia Worms vs KSV Hessen Kassel 1:1
1.080 Zuschauer, Wormatia-Stadion, Regionalliga Südwest

Und weiter wird an der Serie ‘Oldschool-Grounds’ Süddeutschlands gestrickt. Das Stadion der Wormatia hätte ich natürlich bestenfalls mit dem glorreichen RWE besuchen können, aber wie schon öfters angedeutet, unterlag ich in den Jahren, als die Roten auch mal eine Spielzeit lang die Liga mit dem VfR teilten, einer kleinen Auswärts-Faulheit. Bild Eine grundsolide Bude haben sie da in den Wormser Westen gebaut. Seit 1924 spielt die Wormatia an dieser Stelle. Natürlich sah das Stadion, dass im Dritten Reich auch einmal den Namen ‘Adolf-Hitler-Kampfbahn’ trug, in seiner ursprünglichen Version anders aus als heute. 25tsd Zuschauer fanden einmal Platz, heute ist das Fassungsvermögen aus Sicherheitsgründen auf knapp 5.500 Zuschauer begrenzt. Eine überdachte Haupttribüne, welche an die des Salmtal-Stadion des FSV Salmrohr erinnert, wird von zwei ungedeckten Sitzplatz-Tribünen flankiert. Die Gegenseite bietet ungedeckten Stehrang, die Kurven verfügen auch über Stufen, sind aber wegen Baufälligkeit gesperrt. Lediglich ein Block der Südkurve ist für die Gäste-Fans saniert worden. Dieser füllte sich heute ganz ordentlich, denn aus Nordhessen waren gut 150 Leute angereist, die über die gesamte Spieldauer gute Stimmung verbreiteten. Bild Die ultra-orientierte Gruppe traf erst zehn Minuten nach Spielbeginn ein. Bis dahin wurde mit richtigen Oldschool-Anfeuerungen gearbeitet, die laut und knackig ins Rund gebrüllt wurden. Als Ultra dann eintraf, die Stimmungshoheit okkupierte und zunächst mit Singsang anfing, konnte man deutlich den Unterschied ausmachen, dass Oldschool einfach viel lauter rüber kommt, als das Geträller. Das ist mit ein Grund dafür - nicht nur, aber auf jeden Fall mitverantwortlich - warum die Essener Hafenstrasse von einem Hexenkessel zum Kirchenchor verkommen ist. Bild In Essen wird für meinen Geschmack einfach zu viel geträllert. Das heißt – momentan ja nicht, da sich die Essener Szene ja im Streik befindet. Die Kasseler Bande bekam das dann nach und nach besser hin, wechselte zwischen Oldschool- und Ultra-Anfeuerung und nahm so möglichst viele der Mitgereisten mit ins Sanges-Boot. Die Wormatia-Szene im kleinen Stehblock unter der Haupttribüne trat nur sporadisch in Aktion, war dann aber durchgängig im Oldschool-Bereich unterwegs. Aber ich will mich hier nicht wieder in meiner persönlichen Oldschool-Ultra-Diskussion verzetteln. Beides hat sicher seine Reize, aber der regelmäßige Leser wird mittlerweile verstanden haben, welcher Stil mir näher liegt. Leider schaffen es die wenigsten Szenen, die Vorzüge beider Stile zu filtern und der Kurve die maximale Kraft und Energie daraus zu verpassen. Ein gemeinsamer Weg ist nämlich durchaus machbar. So, Schluss damit. Der KSV zeigte das bessere Spiel und konnte durch einen Strafstoß nach einer Stunde Spielzeit endlich verdient in Führung gehen. Die Wormatia wachte erst in den letzten zehn Minuten auf, warf alles nach vorne und erzielte den glücklichen Ausgleich. Dabei blieb es – ein Remis, das keinem von beiden Clubs im Abstiegskampf entscheidend weiter hilft. Zu erwähnen wäre noch die Drachenwurst, eine sauscharfe Rindswurst, die ihrem Namen alle Ehre machte. Brannte zwei Mal, das Mistviech!

Do. 19.04.2018, 19:00 – VfB Bad Rappenau vs FC Zuzenhausen II 2:1
75 Zuschauer, Waldstadion, Kreisliga Sinsheim

Bild Heimspiel! Der Verein meines aktuellen Wohnorts rief, da war es natürlich Ehrensache, mit meiner Anwesenheit zu glänzen. Negativ fiel direkt wieder auf, dass keine Eintrittskarten ausgegeben wurden, wie schon in selbiger Spielklasse im benachbarten Obergimpern in der letzten Woche. Bild Das kleine Stadion am Ortsrand hat nur auf einer Seite Ausbau in Form einer fünfstufigen Stehtraverse. Die anderen Flächen um das von einer Laufbahn umgebene Spielfeld sind ebenerdig. Am Ende des Stehranges befindet sich das Clubhaus mit den Sozialräumen. Der VfB befand sich auf den Verfolgerplätzen hinter den Spitzen-Teams ohne noch ernsthaft Ambitionen nach oben haben zu dürfen. Zunächst gingen die Gäste aber früh in Führung und hatten wenig Mühe, den Vorsprung mit in die Pause zu nehmen. Nach dem Seitenwechsel agierten die Gastgeber dann druckvoller, allerdings zunächst ohne dabei gefährlich zu werden. Eine Viertelstunde vor dem Ende gelang dann mit einem schulmäßigen Kopfball der Ausgleich, der die nötigen Energien freisetzte, um die Partie dann noch gewinnen zu können.

Mi. 18.04.2018, 17:30 - Karlsruher SC vs SV Waldhof Mannheim 4:0
14.264 Zuschauer, Wildparkstadion, Badischer Pokal

Für das nordbadische Derby im wunderschönen 'Wildparkstadion' kann man die 80 Kilometer vom temporären Wohnort ja mal auf sich nehmen. Die beiden Erz-Rivalen trafen zuletzt vor fünf Jahren aufeinander, damals ebenfalls im Verbandspokal, allerdings in Mannheim. Der KSC konnte damals in der Kurpfalz siegen. Die Polizei war heute mit einem Großaufgebot vor Ort. Unter anderem mit zwei Wasserwerfern gab man optisch zu verstehen, dass eine Null-Toleranz-Linie verfolgt wurde. Bild Zum Einlauf der Teams zeigte Ultra1894, der Zweck-Zusammenschluss der größten Karlsruher Gruppierungen, eine Choreo, die an Stephen Kings 'Es' angelehnt war. Pennywise grinste fies von einer Blockfahne, das kleine Papierboot fand auch seinen Weg in den Gulli und auf einem langen Zauni prangte der Ausspruch "Köstliche, köstliche, wunderbare Angst". Bild Rechts und links krochen dann noch zwei blaue Rauchsäulen empor. Sah sehr gut aus. Waldhof beschränkte sich auf ein Intro aus großen Schwenkfahnen. Der Support aus beiden Blöcken war dann wirklich stark, allerdings konnte nur Ultra1894 das Niveau halten. Dort ging wirklich durchgängig gut die Post ab. Auch die Mischung des Liedgutes wurde ziemlich optmal getroffen. Der Ultra-Singsang hielt sich stark in Grenzen, statt dessen wurde die Masse mit eingängigen Songs und ein wenig Oldschool-Liedgut eingefangen und mitgenommen. Beide Seiten geizten natürlich nicht mit Schmähgesängen gegeneinander. Der Away-Sektor um Ultras Mannheim ließ nach etwa 20 Minuten nach und nur noch der Kern zeigte Aktivität. Allerdings haben die Gäste im Wildpark aufgrund des fehlenden Dachs ja auch einen Standort-Nachteil. Insgesamt schien Waldhof Bock zu haben, die Aktivität auf die Bereiche außerhalb des Stadions auszuweiten, wie sie auch mittels einiger Spruchbänder mitteilten. Da waren schon einige sportliche Leute am Start. Bild Mit Beginn von Hälfte zwei brachten dann auch die Gäste eine Pyro-Aktion, aber weißer Rauch und Fackeln sehen bei Tageslicht nun mal leider nicht so gut aus. Frecherweise mussten meine Ohren dann mit anhören, wie der KSC-Block eine Nachahmung des 'Schreck vom Niederrhein' brachte. Sorry, das geht gar nicht und grenzt an Majestäts-Beleidigung! Der Schreck gehört einzig und allein an die Hafenstraße und sonst nirgendwo hin!! Sechs, setzen! Bild Auf dem Feld hatte der KSC die Nase vorn. Zwar war zwischen den Strafräumen kein wirklicher Klassenunterschied auszumachen, aber die Gastgeber konnte zwei Defensiv-Fehler zu Toren nutzen. Mit dem dritten Treffer, einem traumhaften Fallrückzieher 20 Minuten vor dem Ende, war die Nummer dann durch und nun kam auch der Waldhof-Block wieder auf, da sich die Anspannung wohl löste. Mit Tor Nummer vier in der Nachspielzeit wurde das Resultat dann endgültig zu deutlich. Der Waldhof wird es mit Fassung getragen haben, da die volle Konzentration dem Erreichen und Bestreiten der Relegation gelten dürfte. Mit einer halbstündigen Sperre des Gästeblock nach Spielende wurde den Erlebnisorientierten unter den Zuschauern endgültig der Zahn gezogen. Zum Stadion muss ja wohl nicht viel erzählen. Ein weiteres Mitglied der Gruppe 'Schönste Oldschool-Grounds Deutschlands', auch wenn die erneuerte Haupttribüne in den 90ern durch einen Neubau ersetzt wurde. Seit über zehn Jahren wird in Karlsruhe über einen Neubau diskutiert und das Projekt immer wieder verschoben. Letzter Starttermin sollte eigentlich das Frühjahr 2018 sein - also jetzt - aber davon ist noch nicht im Ansatz etwas zu erkennen.

So. 15.04.2018, 15:00 - SV Waldhof Mannheim II vs FV Brühl 3:1
110 Zuschauer, Seppl-Herberger-Stadion, Landesliga Rhein-Neckar

Bild Seit 1924 ist das 'Stadion am Alsenweg' die Keimzelle des SV Waldhof. Nach den Bundesliga-Jahren in den 80ern, als man ins 'Südwest-Stadion' nach Ludwigshafen auswich, kehrte die 1.Mannschaft noch einmal hierhin zurück, bis man nach der Fertigstellung des 'Carl-Benz-Stadion' im Jahre 1994 in dieses umzog. Bild Seitdem ist das mittlerweile nach dem ehemaligen Waldhof-Spieler und 1954er Weltmeister-Trainer Sepp Herberger benannte Stadion Spielstätte des Nachwuchses und der Reserve des Vereins. Auch hier zieht die Bezeichnung Oldschool-Stadion, auch wenn die 1983 erneuerte Haupttribüne jüngeren Datums ist. Neben der überdachten Tribüne werden die übrigen Seiten von ungedeckten Stehrängen gesäumt. Simpel und authentisch. Hier kann man den ungeschönten Fußball-Sport aus jeden bröckeligen Betonritze riechen. Ein Hingucker ist die Außenfassade der Haupttribüne, die vor einigen Jahren mit Fragmenten des Waldhof-Emblems und des Mannheimer Stadtwappens über die gesamte Fläche bemalt wurde. Sieht klasse aus. Auf dem Vereinsgelände, das noch Trainingsplätze, eine Tennisanlage und eine Sporthalle beherbergt, kann man ein weiteres schönes Grafitti finden. Bild Bild Im Innenleben der Haupttribüne gibt es eine wunderbare Stadion-Kneipe mit Fotos und Erinnerungen vergangener Tage. Auch wenn die Schankstube nicht den Charakter der Kneipe im Bauch des alten 'Georg-Melches-Stadion' erreicht, kamen unweigerlich Erinnerungen auf. Die Zweitvertretung der Waldhöfer kämpft noch um den Aufstieg in die Verbandsliga. Die ersten vierzig Minuten waren die Gäste aus dem nahen Brühl - das Brühl, in dem Tennis-Star Steffi Graf gelebt hat - das bessere Team, aber die Gastgeber fanden mit dem eher unverdienten Führungstreffer den Dosenöffner und legten in den fünf Minuten bis zum Seitenwechsel noch zwei weitere Kirschen nach. Nach dem Wechsel warfen sich die Brühler weiter mutig in den Kampf, kamen aber trotz guter Gelegenheiten nur noch zum Anschlusstreffer. Auf der Gegenseite wussten die Waldhof-Buben ihre Konterchancen nicht zu nutzen.

Sa. 14.04.2018, 12:30 - TSV München von 1860 vs VfB Eichstätt 5:0
12.500 Zuschauer, Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße, Regionalliga Bayern

Im Juli 1993 weilte ich das bisher einzige Mal an der Grünwalder Straße. Der glorreiche RWE war mal wieder in die 2.Liga aufgestiegen und das erste Auswärtsspiel führte den Deutschen Meister von 1955 auf die Giesinger Höhen. Nachdem die Löwen nun nach dem Lizenz-Entzug im Sommer nach Giesing zurückgekehrt waren, nahm ich mir vor, dort mal wieder ein Spiel zu schauen. Grundsätzlich gehören die Sechz'ger zu den Clubs, die meine Sympathie haben. Bild Da traf es sich gut, dass der Lauterer Kumpel Seb Kontakte zur Löwen-Szene hat und dieses Spiel zusammen mit einem weiteren FCK-Anhänger auch selber ansteuerte. Frühzeitig trafen wir ein und begaben uns zum Treffpunkt des Fanprojekts unterhalb des Stadions, wo wir mit den Löwen-Kontakten zusammentrafen. Mit dem Fanmarsch ging es hoch zur Westkurve, wofür wir auch Tickets erhalten hatten, allerdings nahmen wir keine Plätze in den Szene-Blöcken ein, sondern im benachbarten Sektor. Da sich in den vergangenen Monaten durch private Kontakte zu viele fremde Farben und Wappen in der Kurve gezeigt haben, wurde in der Löwen-Szene klargestellt, dass nur noch die engsten Freunde aus Perugia, Napoli und Nürnberg in die Szene-Blöcke dürfen Bild und alles andere zwar willkommen ist - zumindest Anhänger der Clubs, die nicht zu den Rivalen gehören - sich aber bitte andere Plätze suchen möge. Klare Kante finde ich prinzipiell gut und ich bin sowieso der Meinung, dass man, sofern man nicht Angehöriger einer eng befreundeten Szene ist, in fremden Kurven nichts zu suchen hat. Wunderte mich nur, dass der FCK als Uralt-Verbündeter eben nicht im Kern geduldet ist. Ich als Essener hatte dort aber natürlich sowieso nix verloren. Die Kontakte meiner beiden Lauterer gesellten sich zu uns und verbrachten die Partie in unserem Block. Zum Grünwalder Stadion brauche ich ja nicht viel schreiben. Seit 1911 ist dieses die Heimat des TSV 1860. Für mich einer der schönsten Oldschool-Grounds des Landes, auch wenn durch den Neubau der Ostkurve ein wenig des Flair abhanden gekommen ist. Aktuell ist die Bude für 12.500 Leute zugelassen und so viele waren natürlich drin, inklusive 400 Gästen vom Dorf. BildIn der nächsten Spielzeit dürfen 2.500 Leute mehr rein, wenn die noch gesperrten Blöcke zwischen Westkurve und Stehhalle Nord freigegeben werden. Da die neue Osttribüne so konzipiert ist, dass man einen zweiten Rang darauf setzen kann, ist theoretisch noch was drin, ob das aber alles reicht, wenn die Löwen irgendwann mal wieder ans Tor der Zweiten Liga klopfen, ist fraglich. Aufgrund der mittelfristig ungeklärten Situation mit dem jordanischen Investor, der sein Geld dem TSV ja nicht geschenkt, sondern als Darlehen zur Verfügung gestellt hat, wartet aber eh noch eine große Herausforderung auf den Verein. Aktuell ist die Lage aber rosarot. Man kann deutlich spüren, dass Verein, Szene und Umfeld die unbeschwerte Situation nach vielen fiesen Jahren genießen. Dafür, dass dieses auch so bleibt, sorgte Ex-RWE-Ikone Sascha Mölders, der auch bei den Löwen bereits Kult-Status genießt und mit einem lupenreinen Hattrick in Hälfte eins, die Geschichte schon klar stellte. Im zweiten Durchgang hätten die Gäste dann auch richtig untergehen können, konnten aber von Glück sagen, dass die Sechz'ger nach dem fünften Treffer satt waren und weitere Chancen ungenutzt ließen. Damit dürfte den Giesingern bei elf Punkten Vorsprung der Meister-Titel nicht mehr zu nehmen sein. Theoretisch kann der Relegations-Gegner der 1.FC Saarbrücken werden, womit dann zwei Teams aufeinander träfen, die ihre jeweiligen Ligen klar beherrschen. Unfassbar, dass immer noch kein Modell gefunden wurde, dass den Regionalliga-Meistern den Aufstieg garantiert. Scheiß DFB! Wir ließen den Nachmittag mit den Löwen-Fans auf einem stadionnahen angemieteten Gelände ausklingen und machten uns dann auf den Rückweg.

Do. 12.04.2018, 19:00 - TSV Obergimpern vs VfB Epfenbach 3:2
120 Zuschauer, Krebsbach-Arena, Kreisliga Sinsheim

Bad Rappenau wird für die nächsten drei Wochen mein Wohnort sein und im Ortsteil Obergimpern fand heute ein Kreisliga-Nachholspiel statt. Bild Also die fünf Kilometer absolviert und die kleine aber feine, etwas protzig mit 'Krebsbach-Arena' getaufte Anlage betreten, die auf einer Seite etwas ausgebaut ist. Bild Die landschaftlichen Bedingungen wurden genutzt, eine Naturtribüne zu erschaffen auf der das Sozialgebäude mit Vereinsheim thront, dem ein paar Stufen und eine Terrasse vorgelagert ist. Das Ganze liegt schön im hügeligen Grünen. Wieder einmal erstaunlich, wie viele Zuschauer sich in ländlicher Gegend so einen Hafer reinziehen, denn ein wirkliches Derby war es nicht. Das sportliche Niveau war dann erwartet überschaubar, was ja auch so ein Markenzeichen unterklassiger Spiele in der Provinz ist. Das sah teilweise schon arg panisch, wenig organisiert und nicht allzu athletisch aus. Eigentlich erschreckend wenn man bedenkt, dass die Kreisliga-Ebene im Kreis Nordbaden den Unterbau zur Landesliga bildet. Aber es war ja auch Abstiegskampf pur, der geboten wurde. Spannend war es jedenfalls, denn die Gastgeber schafften es, den 0:2-Rückstand aus der ersten Hälfte zu drehen, und landeten sprichwörtlich einen Last-Second-Sieg, weil der Unparteiische die Partie direkt nach dem Siegtreffer beendete.

Mi. 11.04.2018, 20:00 - SC Borussia Fulda vs SC Waldgirmes 2:0
250 Zuschauer, Stadion der Stadt Fulda im Sportpark Johannisau, Hessenliga

Vor ein paar Jahren War ich schon einmal in der Johanisau, doch da wurde frecherweise auf dem Nebenplatz angestoßen. Bild Da passte mir das heutige Nachholspiel der Hessenliga auf dem Weg gen Süden ganz gut in den Kram. Eigentlich absurd, dass tatsächlich im Stadion mit einer Kapazität von 18tsd Plätzen angepfiffen wurde, da gerade einmal 250 Leutchen die Portale passierten. Das 'Stadion im Sportpark Johannisau' ist so ein richtig schönes Oldschool-Oval mit einer etwas angestaubt wirkenden Haupttribüne und weiten Rängen rundherum. Das ist authentisch und da macht das Fußball schauen richtig Spaß. Im Stadion vermisste ich die kleine aktive Szene der Borussia, sah dafür eine entsprechend große Gruppe vor den Toren und konnte mir schon denken, was geschossen wurde. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Verein mit dem ärgsten Rivalen, dem Vorort-Club TSV Lehnertz, fusionieren wird, um Kräfte für höhere Aufgaben zu bündeln. Bild Auch ein Vereinsname ist schon gefunden. SG Barockstadt Fulda-Lehnertz soll das Konstrukt heißen und genau das ist der Kritikpunkt der Fans, nicht das Vorhaben an sich. Dass Fulda die finanzielle und sportliche Qualität der Vorstädter gut gebrauchen kann, wenn es noch einmal nach oben gehen soll, ist den Fans bewusst. Bild Aber der Name 'Borussia' soll zwingend Bestandteil der neuen Club-Bezeichnung sein, das ist die schlichte Forderung. Kurz nach dem Seitenwechsel zog die Szene dann in einer andächtigen Beerdigungs-Prozession mit Priester, Tragekreuz, Glockengeläut und einem Sarg, der das Kürzel 'SCB' trug, ein. Im Block wurden dann gut hundert Grablichter aufgestellt und ein Spruchband gezeigt, dass auf Schmähgesänge der Spieler des neuen Bündnispartners gegen den SC Borussia abzielte. Danach wurde die Verein mit einer kleinen Andacht symbolisch beerdigt und man verzog sich in den Nachbarsektor, wo man Protestgesänge und -sprechchöre gegen die Entscheidung anstimmte ohne dabei auf ein Niveau unter der Gürtellinie abzurutschen. Mein persönlicher Favorit: "Wir wollen keine - Turnsportvereine!". Insgesamt eine innovative, stilvolle und gelungene Aktion. Da verkam das Geschehen auf dem Rasen zur Nebensache, wo die in der unteren Tabellenhälfte platzierte Borussia einen nicht unbedingt zu erwartenden Sieg gegen den Tabellenfünften aus der Nähe von Wetzlar einfuhr.

So. 08.04.2018, 15:00 - SG Gürzenicher FC Düren 99 vs SV Eilendorf 3:2
150 Zuschauer, Westkampfbahn, Landesliga Mittelrhein Gruppe 2

Große Pläne in Düren. Zur neuen Spielzeit wird ein Großverein 1.FC Düren an den Start gehen, der aus Fusion des FC Düren-Niederau mit der SG GFC Düren 99, die selber erst vor ein paar Jahren aus dem GFC Düren 09 und der SG Düren 99 entsprang, entsteht. Damit vereinigen sich die aktuell stärksten Dürener Clubs, denn beide Vereine zieren die beiden Aufstiegsplätze der Landesliga-Gruppe 2 des Verbandes Mittelrhein, womit sichergestellt sein dürfte, dass die erste Mannschaft des neuen Vereins in der nächsten Saison in der Oberliga an den Start geht. Bild Langfristig wird die Regionalliga als Ziel genannt und auch das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein, wird doch von einer maximal möglichen Drittliga-Teilnahme gesprochen. Man wird sehen - mit hehren Zielen sind schon ganz andere Clubs brutal gescheitert und von der Bildfläche verschwunden. Aktuelle Ambitionen unterstrich der Tabellenführer aber heute mit einem hart erarbeiteten Sieg gegen einen abstiegsbedrohten SV Eilendorf, der von vier zähen Rentnern mit Trommel, Kuhglocken und Vuvuzelas 'unterstützt' wurde. Ich find es ja eigentlich immer ganz charmant, wenn sich ein paar Leute aufraffen, ihr local team anzutreiben. Unter diesen Bedingungen hat das aber mal überhaupt nichts mit Fußball-Support zu tun und raubt einem einfach nur den Nerv. Mit seinem einem Krempel kann man vielleicht beim Wasserball auftrumpfen oder maximal noch beim Handball landen, aber bei der schönsten Bild Nebensache der Welt hat das doch nun wirklich nichts zu suchen. Ich erwarte ja nicht, dass der 70jährige Opa oberkörperfrei mit ner Fackel auf dem Stankett balanciert, aber ein wenig bodenständigere Anfeuerung würde ich mir dann doch wünschen. Möglich gemacht wurde der letztlich verdiente Sieg übrigens vom Tormann der Gäste, der bei zwei Treffern nicht ganz schuldlos wirkte. Sollte das Regionalliga-Ziel des neuen 1.FC verwirklicht werden, soll die 1914 erbaute 'Westkampfbahn' Spielort bleiben. Dazu soll diese dann saniert und ausgebaut werden. Eine schmucke Anlage mit einem nagelneuen Clubheim ist das. Die alte Haupttribüne mit dem charakteristischen Giebeldach wurde vor vier Jahren saniert, da der Einsturz drohte. Rechts und links neben der Tribüne findet man auf einer mehrstufigen Stehtraverse Platz, auf den übrigen Seiten wird das Spielfeld von einem begrünten Wall umschlossen. Für Oberliga-Fußball reicht der aktuelle Zustand auf jeden Fall aus. Die Getränke- und Wurstpreise wurden aber zur Sicherheit schon mal auf Regionalliga-Niveau angehoben.

Sa. 07.04.2018, 14:00 - Rot-Weiss Essen vs SV Rödinghausen 1:2
5.311 Zuschauer, Stadion Essen, Regionalliga West

Da ist der kleine Aufwärtstrend direkt mal wieder gestoppt. So unfassbar es klingt, aber der Gegner aus der ostwestfälischen Siedlung ist der absolute Angstgegner des glorreichen RWE. In nun acht Spielen gegeneinander gelang den Roten genau ein Sieg, und dieser nicht einmal daheim. Bild Mit einer derart blutleeren Vorstellung wie heute bekommt man die Bilanz allerdings auch nicht aufpoliert. Trotz erneut annähernd 100% Spielkontrolle gelang es den Stolperprinzen nicht, wirklich gefährlich vor dem gegnerischen Tor zu werden. Die zwei, drei echten Chancen wurden kläglich versiebt und der Treffer resultierte aus einem Geschenk des Gäste-Schnappers, der ja auch schon an der Hafenstraße die Handschuhe angezogen hat. Dazu ermöglichte man durch zweimaliges stümperhaftes Abwehrverhalten, den Westfalen genau zwei Möglichkeiten, welche diese dann clever nutzten. Die Heimschwäche in dieser Saison nimmt abstruse Formen an. Sieben Niederlagen auf heimischem Geläuf steht nur eine einzige auf fremden Plätzen gegenüber. Bei allem Abstand, den ich zum rot-weissen Geschehen gewonnen habe, nervt es eigentlich nur noch, sich das Gegurke anzusehen. Zum Glück bekomme ich aus privaten Gründen in dieser Saison nur noch einmal die Chance ein Heimspiel zu sehen. Da die Kurve weiterhin im Streik ist, konnte sich eine halbe Busladung Gäste-Fans eine entspannte Heimspiel-Atmosphäre herbeizaubern.

Do. 22.03. bis Mi. 04.04.2018 - Nordkorea und China
Eine Reise zu den Kims, zunächst in eines der aktuell geheimnisvollsten Länder des Globus und anschließend in das bevölkerungsreichste. Den Bericht zu diesem Trip findet Ihr HIER.

Mi. 21.03.2018, 19:30 - Rot-Weiss Essen vs TV Jahn Hiesfeld 5:0
2.675 Zuschauer, Stadion Essen, Niederrheinpokal Halbfinale

Niederrheinpokal-Halbfinale und das unter keinen guten Vorzeichen nach den letzten Spielen. Der Oberligist aus Dinslaken reiste dagegen ohne Druck an und wurden von gut 500 Leuten unterstützt inklusiver kleiner aktiver Gruppe, deren Leuten ich unterstellen mag, dass sie sich sonst eher im Dunstkreis des RWO oder MSV bewegen. Sei 's drum, der Trainer der Gäste hatte die letzten Spiele des glorreichen RWE offenbar gut studiert und stellte dementsprechend zwei Fünfer-Riegel auf den Rasen. Dass sich die Roten gegen tiefstehende Gegner und mit der Aufgabe, das Spiel zu machen, äußerst schwer tun , ist ja kein Geheimnis. Bild Daher hieß die Devise des TV Jahn, hinten dicht machen und vorne hilft der liebe Gott. Tat er aber nicht. Zwar dauerte es eine Stunde, bis die Kämpen in Rot und Weiss letztlich den ersten Treffer setzten, damit war dann aber der Bann gebrochen und der Dinslakener Maurer-Gilde wurde reichlich eingeschenkt, so dass am Ende ein mehr als standesgemäßes Resultat stand, dass auch den Spielanteilen durchaus gerecht wurde. Heute wurde der Kick mal aus der Hintertor-Perspektive beobachtet, da die Nordtribüne aufgrund des geringen Zuspruchs gar nicht erst geöffnet wurde. Da die aktive Essener Szene nach den letzten Glanzleistungen der Mannschaft mitgeteilt hatte, den Support bis zum Saisonende einzustellen, war wirkliche Fußball-Atmosphäre nicht vorhanden, wenn man von den Bemühungen der Gäste absieht. Ich hab dazu gar keine wirkliche Meinung. Die Stimmung litt in den letzten Monaten eh unter der Abwärtsspirale und ich hab durchaus Verständnis, dass nach Jahren des Regionalliga-Mittelmaß irgendwann mal das Fass überläuft, erst recht nach den beiden letzten unglaublichen Schlussphasen in den Heimspielen gegen Wattenscheid und den KFC. Helfen tut man einer völlig verunsicherten Mannschaft bei der Suche nach dem Schlüssel zum Erfolg aber damit sicher auch nicht.

So. 18.03.2018, 14:00 - FC Winterswijk vs HVV Tubantia 1:1
330 Zuschauer, Sportpark Jaspers, 1e Klasse Zondag E

Die Herzdame veranstaltete einen Kosmetik-Event in den heiligen Hallen, da konnten auch Temperaturen um den Gefrierpunkt und fiesester Polar-Wind nicht schocken - die einzige Alternative war die Flucht. Witterungsbedingt musste mal wieder ein Kunstgras her. Die Wahl fiel auf Winterswijk, ein kurzes Stück hinter der Grenze zu den Niederlanden. Das Kürzel FC im Vereinsnamen steht nicht für 'Fußballclub', sondern 'Fusieclub', denn der FC Winterswijk entsprang vor fünf Jahren aus der Fusion dreier Vereine des Ortes. Bild Als Geburtstagsgeschenk gab es direkt einen komplett überholten Sportpark dazu. Was der 'Sportpark Jaspers' anbietet ist schon nicht schlecht, wie man ja überhaupt oft feststellen darf, dass den Amateurclubs im Nachbarland sehr schmucke und großzügige Anlagen gebaut werden. In den Niederlanden ist das Verständnis in den Kommunen und bei den Sponsoren den Breitensport zu unterstützen irgendwie ausgeprägter als bei uns. Schmuckstück des Sportparks, der auch einen Hockey- und einen Korbball-Club beheimatet, ist der überdachte, gar nicht mal so kleine Tribünen-Bau, in dessen Bauch sich die Sozialräume und im Obergeschoss die von den Rängen aus zugängliche Kantine befinden. Für einen sechstklassigen Kick bei kaltem Wetter war der Besuch mit deutlich über 300 Augenpaaren gar nicht so schlecht. Spielerisch, so würde ich behaupten, war das Gezeigte dem sportlichen Niveau angepasst. Ob das nun positiv oder negativ zu sehen ist, darf sich der geschätzte Leser selber aussuchen. Die frühe Führung der Gastgeber glich das Team aus Hengelo, vor den Toren Enschedes gelegen, noch im ersten Durchgang aus.

Fr. 16.03.2018, 20:00 - ESC Moskitos Essen vs EV Landshut 2:1
2.365 Zuschauer, Eissporthalle am Westbahnhof, Oberliga Aufstiegs-Playoff zur 2.Liga

Und noch mal ging es zum Westbahnhof. Die Jungs haben sich den Besuch und die Unterstützung einfach verdient. Das ist ja ein überwiegend blutjunges Team, viele wichtige Leute sind gerade mal knapp über 20 Jahre alt, da finde ich es schon beachtlich, was geleistet wird. Natürlich hat da auch die polarisierende Personalie des Trainers Frank Gentges, einem Urgestein des Eishockey-Sports, mit zu tun, der in Essen äußerst gute Arbeit leistet und den richtigen Draht zum jungen Team zu haben scheint. Nach der 7:0-Packung im dritten Spiel in Landshut am Dienstag, die in dieser Höhe wohl etwas fragwürdig zustande kam, war der Vergleich also wieder etwas offener ohne dass der EVL aber nun einen psychologischen Vorteil gehabt hätte. Bild Es waren mit fast 2400 Zuschauern noch einmal ein paar mehr in der Blechbüchse als am Sonntag. Nur der Zuspruch von der Isar war etwas enttäuschend. 150 Niederbayern waren angekündigt, aber dann waren es doch eher ein paar weniger als beim ersten Spiel in Essen. Eine enge Partie war zu erwarten und die wurde es dann auch. Die Mücken legten wieder eine brillante Anfangsphase hin und in den Minuten, in denen sich die Landshuter endlich befreien konnten, fiel dann der verdiente Führungstreffer für die Moskitos, als die Gäste die Scheibe nicht aus dem eigenen Drittel bekamen. Die Partie wurde hart, aber noch am Rande des Erlaubten geführt und der Referee fand auch das richtige Händchen, nachdem es gegen Ende des ersten Drittels aussah, als würde ihm die Partie entgleiten. Bild Der Treffer zum 2:0 entsprang einem Wechselfehler der Bayern, so dass von der eigenen Hintertor-Bande ein ganz langer Pass an die blaue Linie gesendet wurde, die vom technisch starken Kanadier Pelletier aufgenommen und dann nach feinem Zuspiel zum mitgelaufenen Stürmer in einer 2:1-Überzahlsituation verwandelt wurde. Der EVL verkürzte in Minute 35 und man hätte nicht erwartet, dass dieses der letzte Treffer des Spiels sein sollte. War es aber, vor allem weil der ESC im Schlussabschnitt mega-diszipliniert auftrat, während sich Landshut immer mal wieder dezimierte. Die Mücken kamen ohne jegliche eigene Strafe aus, was auch gut war, denn der EVL spielt ja ein exzellentes Powerplay. Das war also der dritte und entscheidende Sieg, der Essen ins Viertelfinale brachte. Dort wartet sehr wahrscheinliche der Deggendorfer SC, was aber eigentlich auch kein härterer Gegner sein kann, da die Top-Teams aus dem Süden ja so ziemlich auf demselben Niveau unterwegs sind. Für die Mücken gilt, man kann gegen jeden verlieren aber auch jeden schlagen, so sollte es also eine weitere spannende Runde werden. Die Stimmung in der Halle war auch wieder richtig klasse. Wenn viele bis alle auf der Stehtribüne mitmachten, dann schepperte das wirklich ganz ordentlich durch die Dose. Im besten Falle kann ich mich davon im Halbfinale noch einmal überzeugen. Das Viertelfinale bleibt mir aufgrund meiner kommenden Reise verwehrt.

Di. 13.03.2018, 19:30 - Rot-Weiss Essen vs KFC Uerdingen 05 2:2
6.587 Zuschauer, Stadion Essen, Regionalliga West

Und wieder ein Flutlichtspiel an der Hafenstraße - das bedeutete füher eine Punkte-Garantie. Vorab sei klargestellt, dass der Punkt für den KFC mehr als verdient war und bei normalem Spielverlauf hätte sich auch niemand beklagen können, wenn sogar alle drei Zähler in die Seidenstadt gegangen wären. Der Spielverlauf war aber eben erneut nicht normal, denn die glückliche Zwei-Tore-Führung wurde durch zwei Treffer in der Nachspielzeit ausgeglichen. Und wie schon gegen Wattenscheid, wurde nach dem letzten Gegentreffer gar nicht erst wieder angepfiffen. Nun frage ich mich, was mich mehr schockieren soll - die Unfähigkeit der Stümper in Rot und Weiss eine Führung über die Zeit zu bringen oder Tatsache, dass mich sowas gar nicht mehr groß aufregt. Die Gurkentruppe hat mich schon wieder dermaßen gleichgültig gespielt, dass sie nicht mehr in der Lage ist, tiefere Emotionen in mir zu provozieren. So wich die Fassungslosigkeit über das Gesehene binnen Minuten und schon beim Aufschließen der Wohnungstür war die Nummer abgehakt. Eigentlich konnte ich schon mehr darüber schmunzeln, dass mich die (wechselnden) Mannschaften alle Jahre wieder mit außergewöhnlichen Peinlichkeiten überraschen können. Muss wohl doch am Trikot liegen. War es vor zwei, drei Jahren diese einschläfernde Serie von acht Unentschieden in Folge, ist es nun die Fähigkeit, in zwei aufeinander folgenden Spielen innerhalb von vier Tagen jeweils gleich zwei Gegentore in der Nachspielzeit zu bekommen und dabei fünf von sechs Punkten einzubüßen, die nach neunzig Minuten sicher gewesen wären. Bild Dieser Verein bleibt halt besonders - kommt nur auf den Blickwinkel an, aus dem man ihn betrachtet. Sieht man die Situation aber kritisch, muss man ernsthaft fragen, was mit diesen Figuren nicht stimmt. Da ist doch irgendwas im Kopp nicht in Ordnung, anders kann man sich diese Schlussphasen-Panik nicht erklären. Ganz offensichtlich ist aber, dass absolut der Zeitpunkt gekommen ist, den zum Saisonende scheidenden Trainer nun schon freizustellen. Dabei ist es erst einmal egal, ob ein neuer Mann bereit steht. Es ist glasklar, dass die Symbiose zwischen Mannschaft und Noch-Trainer nicht zielführend ist, daher ist dringend die Reißleine zu ziehen, um noch mal eine neue psychologische Grundlage herbeizuführen. Anderenfalls kann es in der Endphase der Saison vielleicht doch noch mal eng werden. Noch ein Wort zum KFC-Anhang. Ich mag den Verein nicht sonderlich, aber trotzdem sehe ich den Uerdinger Kurven-Pöbel in seiner aggressiven und ordinären Art ganz gerne. Das ist eine so herrlich ehrliche Art, die ich in einer Zeit, in der viele Kurven immer weiter nach 'political and social correctness' gieren, als angenehm empfinde. Wenn es in den Kurven der Republik mal unethischer und verwerflicher zugeht, macht das unser Land auch nicht schlechter als es sowieso schon ist. Da die Blau-Roten aber mehr damit beschäftigt waren, sich am Gegner abzuarbeiten und diesen beinahe pausenlos zu beleidigen versuchten, statt mal das eigene Team zu unterstützen, muss man sich fragen wie tief das Selbstwertgefühl in den vergangenen Oberliga-Jahren gesunken ist. Das war am Ende eigentlich nur noch lachhaft und so war das insgesamt mal wieder ein gebrauchter Abend.

So. 11.03.2018, 15:00 - SG VfL/Westfalia Suderwich vs Gençlerbirliği Resse 2:6
170 Zuschauer, Sport- und Freizeitanlage Suderwich, Bezirksliga Westfalen Gruppe9
So. 11.03.2018, 18:30 - ESC Moskitos Essen vs EV Landshut 6:3
2.097 Zuschauer, Eissporthalle am Westbahnhof, Oberliga Aufstiegs-Playoff zur 2.Liga

Nicht so wirklich überzeugt vom eigenen Handeln, machte ich mich auf den letzten Drücker mal auf die Socken. Die Entscheidung war auf den Recklinghäuser Stadtteil-Club gefallen, mit der Option, dass ich meine Entscheidung bereuen würde. Die Anlage um den Rasenplatz im Sport- und Freizeitzentrum wirkte dann auch nicht ganz so charmant, wie es die Bilder der bunten Internet-Welt weismachen wollten. Lag allerdings daran, dass hinter einem Tor eine Baumaßnahme begonnen hat, die vermutlich in einem von Banden umfassten Kleinspielfeld enden wird, und dass den Bäumen noch jegliche Blätter fehlten. Bild So zeigte sich dann eine eher trist-graue Vorort-Szenerie. Zu meiner Freude bot der Grill-Mann aber Sucuk-Brötchen an, das hob die Laune direkt, denn auf die gegrillte Knofel-Wurst steh ich ja total. Überraschenderweise war dann aber tatsächlich das Spiel das eigentliche Highlight. Zwar rumpelte es angesichts teilweise begrenzt begabter Teilnehmer und aufgrund eines Spielfelds der Marke Kartoffelacker oft genug dahin, aber kurzweilig war es allemal. Die Gäste, als Tabellen-Schlusslicht angereist, schenkten den Gastgebern ordentlich ein. Zur Halbzeit stand es bereits 3:0, nach dem Wechsel passierte aber lange nichts. Zwanzig Minuten vor dem Ende erlebte die für einen Bezirksliga-Kick recht stattliche Kulisse von 170 Augenpaaren den vermeintlichen Anschlusstreffer. Wäre nicht das erste Mal, dass trotz wenig verbleibender Spielzeit eine Partie auf unterklassigem Niveau noch einmal eine völlig andere Richtung bekommen hätte. War aber nicht so. Zunächst wurde es doch noch etwas farbig, als sich zwei Akteure Suderwichs in ein und derselben Situation mit Gelb-Rot unter die Dusche verabschiedeten. BildDann wussten die Türken die neu gewonnenen Freiheiten zu nutzen und der Spielstand wurde exakt verdoppelt, denn auch den Gastgebern gelang noch ein Treffer. Der Ausbau des Rasenplatzes besteht aus einer kleinen Stehtribüne, die parallel zur einer der Spielhälften verläuft. Unter der darüber liegender Überdachung sind auch Grill- und Getränkestand eingebaut. Es bildete sich sogar eine mehrköpfige Support-Fraktion, der natürlich durch den Spielverlauf schnell der Zahn gezogen war. Allerdings wurde vor dem Spiel ein Protestbanner gegen die Stadt am Zaun befestigt, denn seit Jahren wird mittlerweile über den Bau eines Sportzentrums auf dem benachbarten Gelände diskutiert und nichts tut sich. In aller Ruhe ging es zurück nach Essen. Für den Abend hatte ich mich mal wieder dem Eishockey verschrieben. BildIn der guten, alten Blechbüchse am Westbahnhof stand das erste Playoff-Heimspiel um den Aufstieg in die DEL2 an. Gegner im Achtelfinale ist der EV Landshut, der mit seinem Namen ein wenig traditionelles Flair versprüht. Aufgrund des Overtime-Sieges im ersten Spiel war die Stimmung in Essen-West natürlich bestens und aus Landshut reiste eine Doppeldecker-Ladung an, die ihr Team über die ganze Spielzeit lautstark unterstützte. Das Spiel war überraschend gut, ich kann mich gar nicht dran erinnern, wann ich in Essen zuletzt mal so eine intensive und schnelle Partie gesehen habe - da machte das Zusehen mal richtig Laune. BildNach starkem Beginn, kamen die Bayern aber gut ins Spiel und gestalteten die Partie offen. Die zu diesem Zeitpunkt noch überraschende Gäste-Führung konnte schnell egalisiert werden. Im zweiten Durchgang gingen die Gäste von der Isar nach zwei Essener Scheibenverlusten im Angriffsdrittel und schlechtem Stellungsspiel durch zwei Konter mit zwei Toren in Führung. Nun war klar, dass es ein hartes Stück Arbeit gegen diese kompakte Mannschaft würde. Diese machte dann den Fehler den Vorsprung in trügerischer Sicherheit verwalten zu wollen. Der Anschluss in der fünften Minute des Schluss-Abschnitts war dann der Dosenöffner. Binnen weiteren fünf Minuten war die Partie gedreht und zwei Empty-Net-Goals in den letzten 60 Sekunden schraubten das Resultat dann etwas zu hoch. Geile Sache, da wachte die alte Begeisterung für den Scheiben-Sport wieder auf. Gefeiert wurde nach der Schlusssirene noch nix, das gibt es in den Playoffs traditionell erst nach dem Ende einer Serie. Das kann bei 'Best of five' theoretisch schon nach dem nächsten Spiel der Fall sein, aber das dürfte noch ein eisiger Weg werden.

Fr. 09.03.2018, 19:30 - Rot-Weiss Essen vs SG Wattenscheid 09 2:3
6.347 Zuschauer, Stadion Essen, Regionalliga West

Bis knapp zehn Minuten vor dem Ende ging ich eigentlich davon aus, hier in einem wenig spektakulären Fünf-Zeiler von einem recht sicheren und souveränen Sieg gegen den Nachbar-Club berichten zu können. Dann schlug eine verunglückte Flanke aus dem Halbfeld über dem zu weit vor dem Tor postierten Robin Heller ein, egalisierte den Führungstreffer aus Hälfte eins und es wurde turbulent. Verdient war der Treffer für die SGW beileibe nicht, denn bis dahin hatte der glorreiche RWE die Gäste dominiert und keine großartige Torchance zugelassen. Mit dem ersten Angriff nach dem Wiederanstoß gingen die Roten erneut in Führung, Fußball schien ausnahmsweise mal gerecht zu sein und die fahrlässig vergebenen Chancen sich nicht rächen zu wollen. Was dann folgte, war eine unglückliche Kombination aus fehlender Cleverness, mangelnder Wachsamkeit, individuellen Fehlern und Wattenscheider Effektivität. Provozierte der Ausgleich in der Schlussminute noch Ärger über ein unnötiges Unentschieden, wich dieser drei Minuten später fassungslosem Erstaunen – soweit das überhaupt noch möglich ist – als den Gästen mit der allerletzten Aktion des Spiels der mehr als glückliche Siegtreffer gelang. Die unverdiente Niederlage allein am Schlussmann festzumachen, der an allen drei Gegentreffern einen maßgeblichen Anteil beanspruchen darf, ist trotzdem zu einfach. Mit jedem ertraglosen Spiel wird einfach deutlicher, woran es hapert. Die Mannschaft spielt teilweise ordentlichen Fußball und bringt sich dann am Ende um den verdienten Lohn. Ein Spiel dauert eben neunzig Minuten und mehr. Wenn Fußballspiele nur 45 Minuten dauern würden, wäre der RWE Dritter in der Tabelle mit nur zwei Punkten Rückstand auf die Spitze. Es fehlen echte Typen und ein richtiges Sieger-Gen. Bild Man vermisst den Glauben und diesen absoluten Siegeswillen, den die Schwarz-Weißen eben gestern trotz ihrer offensichtlichen Unterlegenheit nie aufgegeben haben und damit gewinnt man dann auch mal ein Spiel, das eigentlich nicht zu gewinnen ist. Das ist es auch, was die Bochumer Vorstädter trotz des vermutlich kleinsten Liga-Etats im gesicherten Tabellen-Mittelfeld sorgenfrei aufspielen lässt. Es reicht in der Regionalliga eben nicht, halbwegs vernünftig vor den Ball treten und geradeaus laufen zu können, sondern man muss über die gesamte Spielzeit brennen und an sich glauben. Damit ist in meinen Augen auch das Konzept des Drei-Jahres-Plans schon zur Hälfte gescheitert, eine Mannschaft sukzessiv zur Aufstiegsreife aufbauen zu wollen. Das Fundament ist vorhanden, aber es fehlt einfach ganz offensichtlich in der Breite und im Sommer muss eigentlich bis auf die wenigen Eckpfeiler das gesamte Team umgebaut werden, wenn man sich mal vom Status-Quo der ‚Grauen Maus‘, die dieser Verein, der ja ganz andere Ansprüche kommuniziert, mittlerweile ist, positiv weg bewegen will! Der Frust in der Szene sitzt nun wieder tief – eine schlechte Basis für die kommenden wichtigen wie schwierigen Aufgaben. Am Dienstag gegen Uerdingen hängen die Trauben wieder hoch und es droht danach der Abstiegskampf. Und es dürfte auch schwierig werden, das angeschlagene Selbstvertrauen bis zum Verbandspokal-Halbfinale in zehn Tagen zu stabilisieren. Was die Liga angeht, gehe ich mal einfach davon aus, dass es wieder gut gehen wird, denn die Teams auf den Abstiegsplätzen wirken schwach, was sich in der von immer von Panik gezeichneten Saison-Endphase natürlich auch als trügerisch erweisen kann. Da kann man absurderweise fast froh sein, dass fast zwei Drittel der verbleibenden Spiele auswärts ausgetragen werden, denn die Roten präsentieren sich in der Ferne stabiler als an der Hafenstraße. Der Heimvorteil ist trotz nach wie vor für Viertliga-Verhältnisse sehr guten Zuspruchs schon seit Jahren keiner mehr, aktuell hat der RWE die schlechteste Heimbilanz der ganzen Liga – auch so ein Punkt, der einem die Spielbesuche arg verleidet. Schön für die Gegner und so verhalf man der SGW – und ich finde es grundsätzlich sympathisch, wenn Vereine mit kleinem Etat über Ihre Verhältnisse spielen – zur Party der Saison und die etwa 250 Gäste, die neunzig Minuten akustisch kaum existierten, feierten den letztlich noch unerwartet errungenen Sieg zurecht wie einen Aufstieg.

So. 04.03.2018, 14:30 - SG Eintracht Mendig-Bell vs SV Morbach 2:1
195 Zuschauer, Junkers-Proff-Stadion, Rheinlandliga

Das Wochenende an der Mosel sollte natürlich mit der schönsten Nebensache der Welt garniert werden, was sich angesichts der aktuellen Großwetterlage als nicht so einfach herausstellte. Der eigentlich angedachte Exkurs nach Worms zum Spiel gegen den SV Waldhof wurde mir bereits früh durch den Spielplangestalter genommen. Der eine oder andere als kuschelig eingestufte Rasenplatz auf Landes-oder Bezirks-Niveau wurde mir dann von Petrus vergällt. Also musste eine Plastikwiese her, doch auch dieser Untergrund ist bei mehreren frisch vom Himmel gefallenen Zentimetern Schnee einfach nicht bespielbar. Aber die am Samstag-Nachmittag einsetzenden milden Temperaturen öffneten dann für den heutigen Tag doch noch ein paar Türchen. Bild Die Wahl fiel auf das Spiel der Verbandsliga in Mendig. Die Gastgeber entstanden durch Fusion der Fußballabteilungen dreier Vereine. Das kleine Stadion ist auf der dem Vereinsgebäude gegenüberliegenden Seite mit ein paar Stufen ausgestattet und erfährt durch den dahinterliegenden begrünten Wall eine optische Aufwertung. Blickfang ist aber die als Hauptsponsor fungierende 'Vulkan-Brauerei', deren Brau-Gebäude direkt oberhalb der Gegenseite liegt. Das Spiel plätscherte in Halbzeit eins noch ziemlich dahin, wurde aber durch eine lange zu großzügige Auslegung des Referee immer nickeliger und verbissener, was schließlich in zwei Rote und diverse Gelbe Karten mündete. Durch einen Doppelschlag gingen die Gastgeber nach gut einer Stunde Spielzeit mit zwei Toren in Führung, für die Gäste aus dem Hunsrück gereichte es nur noch zum Anschluss. Hervorzuheben ist noch das aus verschiedenen Wurst-Variationen und hausgemachten Frikadellen bestehende kulinarische Angebot. Und auch das Erzeugnis aus der benachbarten Brauerei schmeckt nicht so verkehrt.

So. 25.02.2018, 13:30 - FC St.Pauli vs Kieler SV Holstein 3:2
29.546 Zuschauer, Millerntor-Stadion, 2.Liga

Mein letzter Besuch am Millerntor fand im September 2003 statt, als ich einen 2:1-Sieg des glorreichen RWE bewundern durfte. Über diesen Sieg freute ich mich noch im 'alten' Millerntor auf den unbefestigten Stufen einer unüberdachten Hintertor-Tribüne. War also durchaus mal Zeit, sich einen Eindruck vom neuen 'Millerntor-Stadion' zu verschaffen. Übrigens wieder ein herrliches Beispiel für eine der viel bemühten Fragen der Hopping-Szene - neuer Ground oder nicht? Für meinen Begriff ist die Antwort eindeutig, da lediglich das Spielfeld - welches ja nicht das Stadion ist - als einziges Relikt der alten Anlage übrig geblieben ist. Bild Dennoch sehen das viele Leute anders, aber unter dem Strich ist die Frage auch nur für die Leute wichtig, die das Hobby mehr als Beruf(ung) denn als Freizeit-Vergnügen ansehen - für mich ist die Antwort also zweitrangig. Das Nord-Duell gegen die Kieler Störche schien mir ein würdiges Ereignis zu sein, zumal durch die Vorfälle aus dem Hinspiel in Kiel die Brisanz noch einmal gesteigert wurde. Kurzform: irgendeine Pauli-Gruppe hat ein Banner der Kieler 'Supside' erbeutet, was durch die Störche-Ultras mit einem Platzsturmvor dem Hinspiel beantwortet wurde. Dabei wurde kurzzeitig Material von Pauli-Gruppen erbeutet, allerdings hatten die Kieler wohl nicht mit dem Rückgrat der Pauli-Spieler gerechnet, die noch mit dem Aufwärm-Programm beschäftigt waren, und im Verbund mit dem Ordnungsdienst die Fahnen von den Angreifern zurückholen konnten. Die Ticket-Beschaffung war dann auch mal etwas anspruchsvoller. Ich kontaktierte die mir bekannten Quellen, aber weil selbst schnelles Handeln unmittelbar nach Start des Online-Verkauf für Mitglieder noch zu langsam war, ging die erste Runde verloren. Prinzipiell ja nicht weiter schlimm, ich bin eh zwei- bis drei Mal im Jahr in der Hansestadt, irgendwann hätte sich die nächste Chance ergeben und Alternativen gibt es ja an der Elbe genügend. Ein paar Tage vor dem Spiel meldete dann aber eine Bekannte, dass sie eine Zutrittsermächtigung für mich organisieren konnte. BildBesten Dank, liebes Sabinchen. Mit ihr traf ich mich dann neunzig Minuten vor dem Spiel, denn wir hatten uns länger nicht gesehen und es gab einige Neuigkeiten auszutauschen. Mein Platz war auf der Südtribüne im Sitzbereich oberhalb der 'Ultras St.Pauli'. Lieber wäre mir ein Platz auf der Geraden gewesen, aber bei diesem Spiel konnte ich mir halt den Platz nicht aussuchen, sondern der Platz suchte mich aus. Bild Deshalb blieb mir auch die Botschaft der kleinen Choreo verbogen ("Stay rude, stay rebel") und sah die dazu gehörige Rauchwand in Rot-Grün-Gelb nur von hinten. Sofern eine Rauchwandüberhaupt Vorder- und Rückseite hat - ihr wisst schon, wie es gemeint ist. Sowohl der Choreo-Titel, als auch die Wahl der panafrikanischen Farben erschloss sich mir nicht wirklich, auch wenn Motto das Motto dem Punk-Spektrum und die Farben eher linker Politik zugeordnet werden dürften und damit ein Bezug zur Pauli-Szene hergestellt wäre. Jedenfalls wirkte es optisch ganz ordentlich und ich habe auch gar nicht immer Lust und Anspruch den tiefen intellektuellen Sinn jeder Choreo verstehen zu wollen. Kiel trat optisch nicht groß in Erscheinung. Etwa 3tsd Gäste-Anhänger versammelten sich hinter einem einzelnen simplen "Holstein Kiel"-Banner - eine ähnliche Situation wie im Hinspiel, als nach dem Banner-Raub der Zaun komplett unbeflaggt blieb. Bild Nach zerfahrenen Anfangs-Minuten nahm die Partie dann sofort Fahrt auf und nach zehn Zeiger-Umdrehungen führten die Gastgeber relativ unerwartet. Der Spaß für den Kiez-Club war aber acht Minuten später erst einmal vorbei, denn da hatte der Kieler SV Holstein die Partie gedreht. Pauli zeigte gewaltige Defensiv-Lücken und die Störche nutzten diese zu zwei Toren, auch wenn für einen Treffer ein Strafstoß herhalten musste. So blieb es bis zu Pause und damit waren die Hamburger noch gut bedient, denn die Verteidiger ließen den Gäste-Offensiven viel zu viel Raum, was zu einigen Chancen führte. In der zweiten Halbzeit war die Heim-Mannschaft dann präsenter, doch zwingend wurde es erst in der Schluss-Viertelstunde, was zunächst zum Ausgleich und dann, als niemand mehr damit rechnete, zum schmeichelhaften Siegtreffer führte. Das neue Millerntor gefällt mir gut, denn bekanntermaßen mag ich Stadien mit vier einzelnen Tribünen, was hier bis auf die geschlossene Südwest-Ecke der Fall ist. Da alle Tribünen über Seitenwände verfügen, geht auch die Stimmung nicht so verloren wie in Essen.

Sa. 24.02.2018, 14:00 - FC Hansa Rostock vs 1.FC Magdeburg 1:0
23.000 Zuschauer, Ostseestadion, 3.Liga

Bild Mit dem 'Ostseestadion' verhält es sich wie mit dem 'Schwarzwald-Stadion' - die Auftritte meiner Rot-Weissen habe ich seinerzeit nicht zum Besuch genutzt. Allerdings gab es auch nur zwei und davon ärgert mich auch nur das Versäumnis des ersten Spiels Mitte der 90er Jahre, denn da stand noch das alte DDR-Oval und noch nicht das schlichte aber durchaus ansehnliche neue Bauwerk aus dem Jahr 2001. Bild Trauern hilft da aber wenig, dadurch taucht die alte Bude auch nicht wieder auf. Und mit neuen Stadien hab ich ja eh nicht so die Eile, die laufen einem erst einmal nicht weg. Die recht unerwartet zum Spitzenspiel mutierte Partie gegen den Tabellenführer aus Magdeburg sollte es dann sein. Mit seherischen Fähigkeiten wurde bereits Wochen vorher ein Ticket online erworben, was sich in der Tat als clever erwies, denn einige Tage vor dem Spiel wurde dann tatsächlich 'ausverkauft' gemeldet. Im Falle dieses Spiels hieß es aber, dass es nach 23tsd Karten vorbei war mit dem Verkauf. Bei einem Fassungsvermögen von 29tsd Zuschauern wurden aufgrund der Brisanz des Kicks sage und schreibe mehr als 20% der Plätze zur Pufferung frei gehalten! Die Gäste aus der Börde erhielten exakt 10% der zur Verfügung stehenden Tickets. Das Wochenende verbrachte ich bei meiner Schwester in Hamburg. Bild Von dort startete ich am Morgen und traf mich in Lübeck mit Dominik und seiner Dame, mit denen der Weg nach Rostock gemeinsam herunter gekurbelt wurde. Da wir mehr als zwei Stunden vor dem Spiel am Stadion ankamen, latschte ich mal ein wenig durch den angrenzenden Stadtteil und da war er wieder, dieser Eindruck, der bei Spielbesuchen im Ostteil unserer phantastischen Republik nicht nur bei mir immer entsteht.... wenn es im Osten zum Fußball geht, kommt man sich eher vor wie in Polen, denn in Deutschland. Ist mit dem Blickwinkel aus unbedarften Wessi-Augen halt immer noch ne andere Welt und ich denke, auf diese differenzierende Feststellung würden die ostdeutschen Szenen sogar ausdrücklich bestehen. Auch der Support erinnert zum Großteil an die starre Orga aus den polnischen Stadien, vor allem der FCM-Anhang ist dafür ja ein Parade-Beispiel. Bild Bild Ob man sich da zu viel des Stils von der befreundeten Szene des KS Hutnik Kraków angeeignet hat, bleibt reine Spekulation. Der Supportstil hat jedenfalls Vor- und Nachteile. Zwar schallern die Sprechchöre und Gesänge mit einer verdammt intensiven Lautstärke durch die Stadien, aber dafür fehlt da auch ein ganzes Stück weit spontane Emotion. Gefällt natürlich trotzdem, wie auch das Intro der Gäste gefiel. Mittels kurzen Plastik-Folien im handlichen Schal-Format wurde der Block mittig in die Club-Farben unterteilt und in ebensolchem Color nebelte Rauch den Away-Sektor ein. Hansa beließ es bei einer einfachen Schalparade. Nach einem frühen Alu-Treffer des FCM verflachte die Partie zum umkämpften und nicht wirklich gut anzusehenden Mittelfeld-Duell. Trotzdem konnten die Gastgeber den Führungstreffer erzielen, vor allem weil der Tabellenführer extrem wenig zeigte. Was sich aber im zweiten Durchgang ändern sollte, denn da wurden die Börde-Städter immer stärker und schweißten sich in der Schlussphase in der Hansa-Hälfte fest, allerdings ohne noch den Ausgleich erzielen zu können. Der Jubel über den Sieg war nach dem Abpfiff natürlich groß, da die Kogge nun weiterhin beste Chancen hat, bei einem nachzuholenden Spiel, ein wichtiges Wort um die Vergabe der Aufstiegsplätze mitzureden. Könnte eine attraktive Zweite Liga werden in der nächsten Saison.

Sa. 17.02.2018, 15:30 - SC Freiburg vs SV Werder Bremen 1:0
24.000 Zuschauer, Schwarzwald-Stadion, Bundesliga

Ein paar Lidl-Bahntickets wollten verbraten werden und die Wahl fiel auf den Kick der Jugendliebe SV Werder beim Auftritt im Breisgau. Klingt komisch, aber war tatsächlich ein neuer Ground für mich, denn bei den Gastspielen des glorreichen RWE im ‚Dreisam-Stadion‘, wie es damals noch hieß, war ich entweder verhindert oder ich hatte mich alternativ erfolgreich gedrückt. Als Begleitung wurde meine werte Mama auserkoren – der treue Follower weiß ja mittlerweile um die Werder-Affinität meiner geschätzten alten Dame. Die Bahn brachte uns pünktlich(!) – das darf ja durchaus mal Erwähnung finden - an die Dreisam, wo fiesestes Winterwetter herrschte und leichter Schneefall der Region eine nass-arschkalte Witterung bescherte. Über den Club von der Weser hatte ich Tix für den Sitzplatzbereich im Oberrang des bekanntermaßen beschissensten Gästeblocks der Bundesliga erworben. Von oben ist die Sicht schon nicht optimal, da der Block auf der über die Spielfeld-Breite hinaus gebauten Tribüne eigentlich eher seitlich außerhalb des Stadions liegt. Wenn man sich aber im flachen Stehbereich aufhält, kann man sich die Zeit eigentlich nur mit der Unterstützung des eigenen Teams vertreiben, denn von dort sieht man annähernd gar nix. Bild Absolute Frechheit was der Sportclub da anbietet! Keine Ahnung ob das der Grund war, aber der Support der Bremer Ultra-Fraktion ging mir heute mal so richtig gehörig auf den Sack. Mal wieder null spiel-bezogen wurde fröhlich vor sich hin geträllert. Der SVW spielte eine schwache erste Hälfte und gab im zweiten Durchgang dann richtig Gas, was eben auch eine brachiale Vollgas-Stimmung eher im Oldschool-Stil hätte provozieren sollen. Stattdessen trommelte man ein bisschen rum und sang ein paar fröhliche Lieder in denen Kund getan wurde, wie verliebt man in den Verein ist und wie weit man für ihn fährt. Aufgrund der Lage und Beschaffenheit des Blocks kam der Krempel wohl kaum bis weit über die fünf Meter entfernte Eckfahne hinaus. Ich behaupte, dass mehr Lautstärke wohl noch die zum Ausgleich notwendigen Prozente aus der Truppe heraus gekitzelt hätte. Aber selbst wenn bei erkämpften Eckbällen vorm Block das Nichtultra-Publikum lautstarke „Werder“-Rufe anstimmte, wurden diese gekonnt einschläfernd überträllert. Was soll das? Da kann man sich auch Sonntag-Vormittag auf irgendeiner beschissenen Wiese treffen und ein bisschen Ultra-Liedgut anstimmen – hat denselben Effekt. Sind die narzisstischen Ultra-Gruppierungen echt so geil auf sich selbst, dass sie fast immer nur für sich selber singen müssen? Kann denen doch auch nicht egal sein, ob der Verein absteigt, auch wenn bei Vielen nach Niederlagen eine ‚Ist halt passiert, aber was solls‘-Stimmungslage zu beobachten ist. Wenn man dann aber an den letzten drei Spieltagen plötzlich doch dem Abstiegsgespenst Auge in Auge gegenüber steht, ist das Geheul wieder groß und die Spieler werden bepöbelt, weil sie nicht alles für den Club gegeben haben. Selber haben sich die Boy- und Girlgroups natürlich nichts vorzuwerfen, denn man hat ja in jedem Spiel 93 Minuten alles rausgehauen. Bild Dabei wäre nach meiner bescheidenen Meinung mehr möglich, wenn man sich zurück besinnen und mehr mit Spielverlauf und Mannschaft interagieren würde. Ich will den Ultras nicht unterstellen, dass sie nicht an ihren Vereinen hängen, aber selbstkritisches Hinterfragen und ein Umdenken würde die Situationen in den Stadien und vor allem das Verständnis der nicht-ultraorientierten Kurven-Mitglieder sicherlich verbessern. Mein Ding ist Ultra ja eh nicht und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich die Lage irgendwann zumindest zum Teil wieder zurück entwickelt oder eine Symbiose zwischen Ultra und Oldschool entsteht, auch wenn ich das wohl nur noch mit Hörgerät erleben kann. Manche Szenen schaffen das aber schon heute. Und klar zaubern die Ultras auch farbenfrohe, aufwändige, teils phantastische Choreos in die Kurven. Aber das kann ja auch kein Totschlag-Argument sein, dass ohne Ultras in den deutschen Stadien nichts los wäre. Ist aber auch ein komplexes Thema, zu dem ich einen ganzen eigenen Artikel verfassen könnte. Puh, wieder völlig in Rage geschrieben… sorry, aber als Kurven-Junge der 80er und frühen 90er kann ich mit Ultra halt annähernd gar nix anfangen und das ist ja hier auch mein Portal, da darf ich mir die subjektive Meinung sicherlich erlauben. Ich bemühe zwar nie die „Früher war alles besser“-Nummer (war es nämlich eben auch nicht alles), aber so wie es heute läuft, mag ich es halt in den seltensten Situationen. Vielleicht kann der geneigte Leser so aber auch nachvollziehen, welche Situation ich in Freiburg erleben ‚durfte‘. Trotz absolut überlegener zweiter Halbzeit hatte der SVW Mühe, zwingend in den 16er der Freiburger zu kommen, denn diese standen defensiv wirklich gut und machten die Räume verdammt eng. In der Schlussphase hätte es – nicht nur nach meiner Meinung – Elfer nach Foul an Kruse geben müssen. Der Referee war anderer Meinung und auch die Video-Hanseln an den Monitoren in Köln waren wohl schon im Suff weggepennt – der Videobeweis ist halt genauso überflüssig wie Ultra-Support. Letztlich zumindest hinsichtlich des Stadion-Erlebnisses irgendwie ein gebrauchter Tag. Dass ich an der Haltestelle im stärker werdenden Schneefall mit der kleinen Mudder im Arm noch eine geschlagene halbe Stunde um einen Platz in der Tram kämpfen musste, rundete das Erlebnis nur ab.

Fr. 16.02.2018, 19:30 - Rot-Weiss Essen vs Bonner SC 0:1
6.111 Zuschauer, Stadion Essen, Regionalliga West

Der glorreiche Deutsche Meister von 1955 bat zum ersten Meisterschaftsspiel des neuen Jahres und auch wenn die Saison bereits wieder gelaufen ist, verspürte ich durchaus Vorfreude ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen, mit denen man in derselben Sache gefangen ist. Mit dem Club aus der Ex-Hauptstadt kam eigentlich ein dankbarer, weil schlagbarer Gegner zur Hafenstraße, so dass ich von einem bei zwei, drei Stauder entspannt zu verlabernden Spiel ausging. Es wäre aber nicht der RWE, wenn ich nicht einer vollumfänglichen Fehlannahme aufgesessen wäre. Prinzipiell hatte man den BSC über die gesamte Spielzeit im Griff, denn die Gäste zeigten sich in den Mitteln noch beschränkter als die Roten und kamen nur ein einziges Mal gefährlich vor das Tor, was letztlich vollends ausreichen sollte. Bild Das heißt, gefährlich war es gar nicht mal, sondern wurde es erst dadurch, dass ein RWE-Defensiver das Schätzeisen nicht richtig justiert hatte und an einem recht harmlosen Flankenball vorbei hüpfte. Der Rest war Formsache für den Bonner Stürmer. Eigentlich hätte das kein Problem sein dürfen, denn die Roten erspielten sich nicht viele, aber eben doch drei oder vier zwingende Möglichkeiten, die man dann auch einfach mal machen muss. Aber die Offensive zeigte sich mal wieder völlig harmlos und so ging der Kick dann halt verloren. Meine Fresse, wenn ich daran denke, was das alte Georg-Melches-Stadion mal eine Festung war! Da senste irgendein Roter mal direkt nach fünf Minuten seinen Gegenspieler vor dem Fanblock um und ab da brannte die Hütte! Und in die neue Bude kommen nun die langweiligsten Gegner und nehmen reihenweise die Punkte mit. Heimstärke? War einmal. Kann man ja dankbar sein, dass in jedem Jahr die halbe Liga noch schlechter aufgestellt zu sein scheint, als der RWE. So blieb aus rot-weisser Sicht der Höhepunkt des Spiels die kleine Wunderkerzen-Aktion zum 111-jährigen Bestehen des Vereins zu Beginn der zweiten Hälfte.

Sa. 10.02.2018, 15:00 - FC Taxi Duisburg vs Duisburger SC Preußen 0:5
50 Zuschauer, Sportanlage Ottmar Schneider, Kreisliga B Duisburg/Mülheim/Dinslaken Gruppe 1

Eigentlich wollte man diesen Samstag ein wenig närrisch unterwegs sein und dem Stadteil-Karnevalszug in Oberhausen-Osterfeld frönen. Da aber die Herzdame durch gemeine Grippe-Viren in die Waagerechte gezwungen wurde, kam mal wieder alles anders. So richtig konnte ich mich allein nicht zum erzwungenen Frohsinn aufraffen, stattdessen wurde auf den letzten Drücker geprüft, ob in einem der benachbarten Kreise ne brauchbare Ansetzung zu finden war. Bild Und siehe da, der FC Taxi aus der Montanstadt bat zum Schlamm-Catchen auf seiner kultigen Anlage, an der ich schon unzählige Male vorbei gekommen, ein Spielbesuch aber noch nicht realisiert worden war. Bild Knapp wurde es und die unmittelbarer Nachbarschaft zur Arena des MSV machte die Sache anspruchsvoll, da nur wenige Minuten vor dem Kick-off des Kreisliga-Hafer das Spiel der Streifen-Esel gegen das Team aus der Stadt, die es gar nicht gibt, beendet wurde und daher tausende Fehlgeleitete aus dem Zebra-Gehege gelatscht kamen. Positiver Effekt waren freiwerdende Parkplätze, so dass ich unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln die Mühle direkt vor dem Taxi-Eingang parkieren und den Anpfiff mit Betreten der Anlage so eben noch miterleben konnte. Eintritt wurde keiner erhoben - die Taxista machen ihre Kohle an MSV-Heimspieltagen mit Bier- und Wurstverkauf, da geht einiges über die Tresen. Suff-Fest Karneval setzte der Geschichte natürlich das Häubchen auf, so dass die Bierwagen-Elsen am Folgetag vermutlich massiven Muskelkater in den Zapf-Extremitäten verspürt haben dürften. Bild Der Asche-Platz sah nach der Witterung der letzten Tage natürlich lecker aus. Am Morgen sicher noch hart gefroren, hatte sich das Geläuf mittlerweile in Schmierseife mit Treibsand-Qualitäten verwandelt, so dass die Akteure, egal ob gegrätscht oder ungegrätscht, nach zehn Zeiger-Umdrehungen aussahen wie nach einem Rudel-Schlammbad. Erstaunlicherweise war das Spiel aber gar nicht mal so schlecht anzusehen, wenn man es an den Faktoren Untergrund und Liga-Niveau bemaß. Die Anlage ist irgendwie Ruhrpott durch und durch. Bild Asche ist das eine, aber das begrenzende Ambiente verleiht dem Platz diese typische Atmosphäre, die man halt so irgendwie nur im Pott aufsaugen kann. Hinter der Stehtraversen mit dem schicken in den Clubfarben gestrichenen Holzverschlag zum Schutz vor dem Wetter, fließt ein versiffter Bach verschlafen vor sich hin. Nach Befreiungsschlägen darin landende Bälle wurden mit einem langen Kescher durch den Vereins-Hiwi geduldig aus der zweifelhaften Brühe gefischt. Für die Spieler, welche die Kirsche danach ohne Handschuhe zum Einwurf ergriffen, waren Hautkrankheiten vermutlich zwangsläufige Folge. Auf der anderen Längsseite türmen sich zwei Hochhaus-Bausünden aus den 60ern auf. Bei Betrachtung der Balkon-'Dekoration' war auch klar, welches Klientel diese Setzkästen bewohnt. Hinter dem einen Tor verlaufen A59 und die stark befahrene Bahnstrecke nach Düsseldorf, so dass alle drei Minuten ein Zug durchs Blickfeld huscht. Bild Von S-Bahn über ICE bis zum Frankreich-Sprinter Thalis war alles dabei. Hinter dem anderen Tor liegt eine Schotter-Fläche, die vermutlich auch eine einschlägige Bolzplatz-Vergangenheit hat, heutzutage aber als Parkplatz dient, der sich nun nach Ende des Zebra-Gegurke mehr und mehr leerte. Durch den Ausschank im Vereinsheim sahen geschätzt 500 Zuschauer den Kreisliga-Kick, aber niemals mehr als 50 Personen gleichzeitig. Ständig kamen und gingen welche, die sich unter Karnevals-Beschallung ein paar Minuten ehrlichen Fußball anschauten und dabei ihr Kaltgetränk schlürften - irgendwie eine ganz spezielle Szenerie. Die im unteren Tabellendrittel befindlichen Taxista wehrten sich gegen den Aufstiegsanwärter eine Halbzeit lang tapfer, dann setzte sich der Favorit aber deutlich und zwei, drei Tore zu hoch durch. Nach dem Abpfiff des übergewichtigen Referees, der während der 92 Minuten insgesamt vielleicht 180 Meter gelaufen war - erfahrene Kreisliga-Schiris leiten die Spiele grundsätzlich souverän aus dem Mittelkreis, natürlich ohne auch nur einmal bei einer Abseitsentscheidung daneben zu liegen - leerte sich die ausgebaute Seite des Platzes aber erst einmal gar nicht, da die meisten der Zuseher mittlerweile so stralle waren, dass sie einige Minuten benötigten um das Ende des Spiels zu realisieren. Ein herrlicher Ausflug - sowas kann einem kein Karnevalszug der Welt geben!

So. 04.02.2018, 14:00 - TuRU Düsseldorf vs Rot-Weiss Essen 4:5 n.E.
1.200 Zuschauer, Paul-Janes-Stadion, Niederrheinpokal

Das Viertelfinale des Verbandpokals führte einen mal wieder ins kleine Fortuna-Stadion am Flinger Broich, das ja aufgrund der Anzahl der mittlerweile absolvierten Besuche schon in einer Liga mit der Lohrheide und dem Kölner Südstadion spielt. Warum die TuRU den Kick nicht an der heimischen Feuerbachstraße austragen durfte, blieb das Geheimnis des Verbandes, denn dass sich das Zuschauer-Interesse im Grenzen halten würde, war doch offensichtlich. Klassische Pflichtaufgabe also, wobei es aufgrund der fehlenden Qualität des rot-weissen Teams momentan gar keine Pflichtaufgaben gibt, sondern nur Herausforderungen. Dabei ging es eigentlich ordentlich los. Der glorreiche RWE gewann schnell die Spielkontrolle und ging früh in Führung. Schien also zu laufen. Irgendwie lullte sich die Truppe aber mal wieder selber ein und die unklare Situation um den Trainerposten - Trainierer Agianikis entschied sich ja bereits nach wenigen Wochen auf dem rot-weissen Trainerstuhl zur neuen Saison nach Aalen zu wechseln - förderte ganz offensichtlich auch nicht das Selbstvertrauen. Bild Der schwer zu bespielende Untergrund gab noch auch seinen Beitrag, ebenso wie ein inkonsequenter Schiedsrichter und fertig war der Grotten-Kick. Eine Kombination aus Fehlentscheidung, einem auf der Schmierseife wegrutschendem Verteidiger und einem schönen Volley-Schuss aus der Drehung ergab dann den Ausgleich. Da die aktive Essener Szene ja die Verbandspokalspiele bei den Gegnern ohne aktive Fans nicht organisiert supportet, war auch die spärliche Anfeuerung schon kurz nach dem Führungstreffer verstummt, so dass einen die Atmosphäre eines Winterpausen-Testspiels beschlich. Im zweiten Durchgang setzte sich das Elend fort. Da Kapitän Baier einen rabenschwarzen Tag erwischte, fehlte im Team jemand, der die anderen mal aufrüttelte und mitriss. In solchen Situationen fällt mir immer auf, wie durchschnittlich die Truppe besetzt ist. Es gab kaum mal eine gefährliche Szene im Strafraum und so wurden die Anwesenden für ihr Kommen auch noch mit einer Verlängerung bestraft. Auch in der Extra-Time bestätigten alle Aktiven ihre Leistung, lediglich der Mann an der Pfeife wurde noch schlechter. Die Gastgeber hatten sich mittlerweile aufs Treten verlegt, um die etwas zielstrebigeren Bemühungen der Roten zu zerstören, aber statt einer oder zwei durchaus berechtigter Platzverweise für die TuRU gab es Freistöße gegen den RWE, so dass ich schon befürchtete, dass der 'Unparteiische' in der folgenden Penalty-Lotterie nur Elfmeter gegen die Roten pfeifen würde. Zum Matchwinner avancierte dann Schnappmann Manuel Lenz der drei Elfmeter der Gastgeber stark parierte und seine Leuten ins Halbfinale beförderte.

Sa. 03.02.2018, 15:00 - AGOVV Apeldoorn vs VV OWIOS Oldebroek 2:3
220 Zuschauer, Sportpark Berg en Bos, 2e Klasse Zaterdag G
Sa. 03.02.2018, 18:00 - Go Ahead Kampen vs KHC Kampen 1:1
1.000 Zuschauer, Sportpark Middenwetering, 1e Klasse Zaterdag D

BildSo richtig sicher war ich mir ja nicht, ob ich diesen Ausritt ins Tulpen-Ländle wagen sollte. Der sportliche Stellenwert war es sicher nicht, weshalb ich mich dann doch aufraffte. Der erste Kick wurde in Apeldoorn angestoßen. 'Alleen Gezamenlijk Oefenen Voert Verder' gegen 'OverWinnen Is Ons Streven'. 'Nur gemeinsames Üben führt weiter' gegen 'Überwindung ist unser Ziel'. Oder eben kurz AGOVV gegen OWIOS. Herrlich, diese Vereinsnamen der holländischen Amateur-Clubs. Der AGOVV war bis vor fünf Jahren mit einem Profi-Team in der zweiten Spielklasse vertreten, eine Insolvenz führte dann zur Löschung der Profi-Sparte. Die Amateur-Abteilung mit mehreren Mannschaften war aber von der Pleite nicht betroffen und konnte den Spielbetrieb fortführen und das höchstklassige dieser Teams geht auf siebter Ebene der Fußlümmelei nach. Bild Aus den Profi-Zeiten übrig geblieben ist ein recht brauchbares Stadion, das auf drei Seiten ausgebaut ist. Star der Anlage ist die alte Holztribüne, die vor ein paar Jahren altersbedingt Schaden genommen hat, aber dank einiger Gönner wieder restauriert wurde. Schickes Teil. Die kleine AGOVV-Fanszene aus den Profizeiten ist natürlich nicht mehr existent. Allerdings fanden sich im alten Fanblock auf der Hintertor-Tribüne drei jugendliche Fans ein, die ihrem Verein zumindest optische Unterstützung widmeten. So lieferten sie mit drei Fackeln und einer stattlichen weiß-blauen Rauchwolke den reinen 'Pyro-Wahnsinn'. Ich will das aber gar nicht mal ins Lächerliche ziehen. Bild Bild Klar wirkt das irgendwie absurd, wenn drei Hanseln nen Haufen Pyro hochgehen lassen, aber das sah ja gar nicht mal so übel aus. Ein paar kleinere Böller flogen auch noch, wovon ich ja nix halte, weil Explosivstoffe beim Fußball überhaupt nichts verloren haben, denn diese bieten null Optik und produzieren einfach nur Krach und Verletzungsgefahr. Aber trotz meiner Position dazu, fand ich es okay, dass sich hier keine Sau daran gestört hat, denn gefährdet wurde hier niemand. Bild Die Kracher gingen in 'unbemanntem' Bereich hoch und dann soll es meinetwegen so sein. Wenn man bedenkt, dass in unserem Polizei-Staat mittlerweile jede Wunderkerze in der Kreisliga sanktioniert wird, war das ein angenehmes Gegen-Beispiel. Unter den circa 50 Gäste-Anhängern kristallisierte sich ein halbes Dutzend als vermeintlich aktive Szene heraus, die sich aber nur darin aktiv zeigte, dass sie bei Verlassen des Spielort zur Halbzeit, noch eine Rauchdose als Gastgeschenk da ließ. Beim AGOVV hat übrigens Dries Mertens, Star-Stürmer des SSC Napoli, eine Vergangenheit. Außerdem ein namentlich nicht genannter Angreifer, der einige Jahre für den Unverein aus der verbotenen Stadt vor die Kirsche trat. Von derartigem Glanz ist der Club aktuell weit entfernt. Qualitativ war das jetzt nicht gerade ein Leckerbissen. Die glückliche 2:1-Führung des AGOVV glichen die Gäste in der Schlussminute aus. Dem Schiri hat es aber wohl gefallen, denn er gewährte satte elf Minuten Nachspielzeit, in deren achter Minute dann auch noch der Siegtreffer für die Gast-Mannschaft fiel. Bild Bild Weiter ging es nach Kampen an der Overijssel, wo das Stadt-Derby über die Bühne ging. Die kleine Pyro-Show zum Intro sah ich aufgrund eines kleinen Einlass-Rückstau nur von außerhalb. Die Amateur-Derbys kann man ja eigentlich immer ganz gut anschauen, da sich dann meist eine ansprechende Zuschauerzahl einfindet. Richtig spannend war es dann aber nicht, aber dafür bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und zeitweiligem Schneeregen umso kälter. Das Spiel litt aber weniger unter der Kälte als vielmehr unter eigenwilliger Regelauslegung des Haupt-Schiedsrichters, der mehr als einmal für Aufregung und Unverständnis bei Aktiven und Inaktiven sorgte. In einer Ecke der Tribüne sammelte sich ein kleiner Stimmungsblock mit Durchschnittsalter 16, der hollandtypisches Liedgut von sich gab, aber das war besser als nix. Als die Gastgeber die Führung der KHC, der 'Kampen Hercules Combinatie', ausglichen, ging auch noch mal ne Fackel an. Wenn man sich an den Nachmittags-Bolz erinnerte, war es überraschend zu sehen, wie groß der Unterschied in der Qualität des Spiels war. Hier wurde schon richtig Fußball gespielt. War also letztlich ein ganz gelungener Ausflug und nach entspannter Heimfahrt, saß ich um 22 Uhr neben der Dame auf der Couch.

Sa. 27.01.2018, 15:30 - Bradford City AFC vs AFC Wimbledon 0:4
19.103 Zuschauer, Valley Parade Stadium, League One

Früh morgens mit der Herzdame von Köln nach Manchester eingeschwebt, brachte uns die Regionalbahn durch das Tal des Flusses Calder nach Bradford. Landschaftlich schöne Strecke übrigens. Mit dem Besuch dieses Spiels betrieb ich ein Stück weit etwas Vergangenheitsbewältigung. In der Unterstufe meiner glorreichen Gymnasial-Laufbahn hieß mein Englisch-Lehrer Peter Hill und stammte aus Bradford. Der Mann war - und ist vermutlich noch - glühender Verehrer von Bradford City. Bild Jeden Montag-Morgen schleppte er unermüdlich den Schul-Kassettenrecorder in den Klassenraum und spielte die auf Tape aufgenommenen BBC-Football News vom Wochenende ab. Natürlich nicht, ohne ausführlich auf City einzugehen. In diesen Jahren pendelte City fröhlich zwischen dritter und vierter Liga. In den 90ern ging es dann stetig aufwärts, was 1999 schließlich im Aufstieg in die Premier League mündete. Das Abenteuer dauerte aber nur zwei Jahre und zudem hatte sich City auch noch hoffnungslos verschuldet, so dass ein harter Sparkurs eingeschlagen werden musste, der schließlich wieder auf viertklassigem Niveau endete. BildZumindest eine Etage hat der Club es wieder nach oben geschafft und landet dort auch regelmäßig in den Play-offs zum zweitklassigen Championship - zum Aufstieg hat es aber bisher nicht wieder gelangt. Im Mai des Jahres 1985 - wenige Wochen bevor die Heysel-Katastrophe in die Geschichtsbücher Einzug hielt - war das 'Valley Parade Stadium' Schauplatz eines der schlimmsten Unglücke, die je in Fußballstadien geschahen. Bradford City stand bereits als Aufsteiger in die zweite Division fest und wollte am letzten Spieltag gegen Lincoln City den Erfolg gebührend feiern. Gegen Ende der ersten Hälfte fing die alte, hölzerne Haupttribüne Feuer. Der ursprünglich recht kleine Brandherd wurde durch Windstöße angefacht. Durch die Bauweise des alten Tribünendachs sammelten sich die entstehende Hitze und Brandgase unter dem Giebel und es kam zum blitzschnellen Übergriff des lokalen Brandes auf die gesamte Holz-Tribüne, die innerhalb von einer Minute komplett in Flammen stand. Von der Entstehung des Brandes - der durch eine durch die Fugen in den unter der Tribüne liegenden Müll gefallenen Zigarette entstand - bis zum Zeitpunkt, als der gesamte Bau in Flammen stand, vergingen gerade einmal vier Minuten. Die Zuschauer hatten die Situation völlig unterschätzt und vielen gelang nicht mehr die Flucht aufs Spielfeld. Bild Da das Spiel als ausverkauft galt, hatte man auch die Notausgänge verschlossen, um Unbefugten den Zutritt zu verwehren. Dieses erwies sich als Falle für viele Besucher. Man findet zu diesem Unglück ein beeindruckendes Video auf YouTube, das auch vermittelt, dass viele den Ernst der Lage immer noch nicht begreifen, als die gesamte Tribüne schon lichterloh brannte. 56 Menschen fanden in den Flammen den Tod. Hinter der neuen Haupttribüne befindet sich eine Gedenktafel mit den Namen Todesopfer. Wenn man dort liest, dass Väter mit ihren jungen Söhnen in den Flammen den Tod fanden, teilweise beinahe ganze Familien ausgelöscht wurden, bekommt man angesichts dieser individuellen Tragödien, die sich vor einem offenbaren, ziemlich weiche Knie. Bild Aktuell steht City wieder ganz gut da und hat Chancen die Playoffs um den Aufstieg zu erreichen. Noch jedenfalls, denn die letzten drei Spiele gingen alle verloren. Aber City befand sich noch in den Play-off-Rängen und der 19. der Tabelle kam gerade recht. Was dann folgte war aber englischer Rumpelfussball par excellance. Ideen- und planloser Kick n Rush wie zu Stanley Mattews Zeiten auf allerdings zugegebenermaßen ganz fiesem Geläuf. Die Gäste erzielten einen frühen Treffer und mussten danach eigentlich nur geduldig auf Fehler warten. Taten sie auch. Und waren damit erfolgreich. Der Sympathie-Club aus dem Londoner Süden schenkte den Gastgebern ohne großen Ballbesitz ordentlich ein und sammelte damit wertvolle Punkte im Abstiegskampf. Bild Positiv fiel eine 'singing section' im Oberrang der Hintertor-Tortribüne auf. Als Intro wurde sogar mit großen Schwenkern etwas Optisches geboten, auf der Insel ja auch eine Ausnahme. Die Gruppe bemühte sich von einer Trommel unterstützt immer mal wieder um aktiven Support, allerdings blieb es Stückwerk und die Leistung der eigenen Mannschaft wirkte da auch nicht förderlich. Aber es gab keine Pfiffe und auch in der Schlussminute wurde immer noch ein Sprechchor rausgehauen. War das nun britische Zurückhaltung oder empathische Stärke? Die Zuschauer zeigten ihre Unzufriedenheit eher dadurch, dass unmittelbar nach dem vierten Treffer zehn Minuten vor dem Ende viele Zuschauer das Stadion verließen. Der AFC Wimbledon wurde von einigen hundert Fans begleitet, die ob des Spielverlaufs natürlich auch in Sangeslaune waren. Liest sich aber besser als es war. Unter dem Strich war das ein Spiel wie jedes andere auch auf der Insel. Bild Ab und an mal ein kurzer knackiger Gesang, der aber nach Sekunden wieder versiegte wie eine Quelle in der Wüste. Irgendwie faszinierend war auch das Verhalten der Gästespieler und -fans nach dem Ende. Man stelle sich vor, in Deutschland gewänne ein abstiegsbedrohter Club unerwartet bei einem Aufstiegs-Anwärter. Das hätte eine minutenlange Party in und vor dem Gästeblock zur Folge. Hier aber gingen die Akteure einige Schritte in Richtung Ihrer Fans, klatschten diesen kurz motivierend und dankbar zu und diese applaudierten zurück. Danach verschwanden die Spieler sofort im Kabinengang und die Fans durch den Ausgang nach draußen. Insgesamt findet Atmosphäre beim Fußball auf der Insel - von wenigen Ausnahmen abgesehen - einfach viel reservierter statt. Das einzige was auf der Insel im Stadion wirklich lebt, ist der Mythos und trotzdem schaue ich gern Fußball auf der Insel. Das Gesamtpaket passt einfach. Bradford City ist übrigens von deutschen Besitzern mit Ursprung in Baden-Württemberg geführt. Das erklärt auch, dass drei deutsche Spieler für City spielen, darunter zwei Torhüter, von denen einer, Lukas Raeder, der auch schon für den FC Bayern in der Bundesliga spielte, ein Essener Junge ist, der beim damaligen ESV 10/21 (mittlerweile fusioniert zum ESC Rellinghausen) zum ersten Mal vor den Ball trat. Nach dem Schlusspfiff gingen wir runter zum 'Bradford Interchange', fuhren mit dem Bus zum Nachtquartier in Manchester zurück und ließen den Abend entspannt bei einem Pint in einem Pub ausklingen.

So. 21.01.2018 12:30 - Atalanta Bergamasca Calcio vs SSC Napoli 0:1
19.098 Zuschauer, Stadio Atleti Azzurri d'Italia, Serie A

Bei blauem Himmel und Sonne ging es raus aus den unbequemen Federn und der Behausung für eine Nacht. Auch für das heutige Spiel gestaltete sich die Ticket-Beschaffung etwas anspruchsvoller. BildOnline war aufgrund der Tessera-Pflicht nix zu holen, alternative Türen wurden frühzeitig für verschlossen erklärt, auf Mails reagierte die für den Ticket-Verkauf zuständige Abteilung des Vereins nicht, der erste Anruf-Versuch wurde auf Nachfrage nach englischen Sprachkenntnissen mit einem souveränen Auflegen einseitig beendet und der zweite erst gar nicht mehr entgegen genommen. Mille grazie, Ihr Affen. Zur Öffnungszeit war ich dann im Atalanta-Shop in der Stadt. Und das nicht allein, denn sechs bis sieben Gleichgesinnte trieben sich dort herum. Es gab aber die Antwort, die ich schon am Abend auf dem Tür-Aushang zu deuten vermutete, nämlich dass die Rest-Karten nur noch am Stadion verkauft wurden. Also rüber zum 'Stadio Atleti Azzurri d'Italia', einem herrlichen betagten Oval, typischer italienischer Bauart der Vorkriegszeit. BildDort war ich an der Biglietteria einer der ersten. Bis zum Öffnen der Schalter und darüber hinaus wuchs die Schlange aber gewaltig an und Amtssprache war hier eindeutig Deutsch. Dass ich nicht der einzige Fremdling hier sein würde, war mir natürlich klar. Dass es aber mal wieder solche Ausmaße annahm, ließ mich mein Hobby mal wieder in Frage stellen. Natürlich - ich bin Teil des Ganzen und jeder genießt die Freiheit, welches Spiel auch immer zu schauen. Aber deshalb muss ich das ja nicht gut finden und dieses massive Aufkommen an hoppenden Personen bei manchen Spielen mag ich einfach nicht. Bild Liegt natürlich auch daran, dass ich jetzt nicht grad der Kontaktfreudigste in unserer Bewegung bin, gern in der Anonymität verschwinde und mein eigenes Ding mache. Für ein wenig Smalltalk bei ner Hopfen-Kaltschale bin ich ja prinzipiell zu haben, aber da die Gespräche meist in dieselbe Richtung abdriften, habe ich da schlicht und ergreifend zunehmend keinen Bock drauf. Zwangsläufig treiben sich immer mehr Kanonen rum, je größer die Szene wird. Die überschaubare Gruppe von Leuten zu denen ich regelmäßigen Kontakt pflege und mit denen ich regelmäßig fahre, habe ich schätzen gelernt und mit diesen bin auch gern unterwegs. Darüber hinaus bin ich an neuen, vor allem oberflächlichen Kontakten, nur begrenzt interessiert und prüfe genau, wem ich mich öffne und wem lieber nicht. Die Nummer hier in Bergamo war mir definitiv wieder zu viel und ich war froh als ich mein Ticket in der Hand hatte und mich trollen konnte. Zu allem Übel waren die einzige erschwinglichen Tickets nur noch für einen Block zu haben, so dass sich die ganze Meute nachher dort wieder auf den Füßen stand und sich argwöhnisch beäugte. Was soll's - einfach irgendwohin mitten unter die Einheimischen gehockt und sich dem Spiel und seinem Drumherum gewidmet. Aus Napoli waren wohl an die 1500 Leute angereist, die aber akustisch quasi nicht existent waren. Fragwürdig, da der Verein ja die Tabellenspitze schmückt. Was ist da los? Sind die 'richtigen' Napoli-Tifosi keine Tesserati? Ich weiß es nicht und habe auch keine Zeit dafür, mir einen Überblick zu verschaffen, welche Szene sich der Tessera beugt und welche nicht und ich kann mir das erst recht nicht merken. Bild Den besten Auftritt hatte der Anhang der Himmelblauen eigentlich, als eine Stunde vor dem Spiel einige Busse eintrafen und man sich einen herrlichen Pöbel-Wettstreit mit den Atalantini lieferte. Insgesamt waren knapp 20tsd Zuschauer im Stadion, was verwunderte, denn es wurde ein Beinahe-Sold out kommuniziert und bei einem aktuellen Fassungsvermögen von 22tsd war da ja noch etwas Luft. Bild Die Curva Nord war jedenfalls pickepackevoll und lieferte mir einen ausgezeichneten Sanges-Auftritt. Optisch gab es außer großen Schwenkern und vereinzelten Rauchfackeln nichts zu sehen, aber dahingehend hatte ich auch nichts erwartet. Lediglich zur Beginn der zweiten Hälfte wurde in der Curva Sud eine große Blockfahne hochgezogen. Da Atalanta ja eine blitzsaubere Saison spielt ist die Szene positiv gestimmt, das vermittelt sie auch und das versucht sie auch an die Mannschaft weiterzugeben. Die hatte mit den Gästen aber natürlich alle Mühe. Eigentlich war es eine technisch sehr gute Partie, allerdings wurden die Räume derart eng gemacht, dass das Spielgerät kaum mal in den Sechzehner fand und Torchancen ein seltenes Ereignis blieben. Bild Ein Remis wäre okay gewesen, aber den Unterschied machten letztlich die Cleverness der Neapolitaner und vor allem Dries Mertens, der mehrfach zeigte, warum er zu Europas Top-Stürmern gehört und einen Konter blitzsauber und bildschön mit dem Treffer des Tages abschloss. Bild Dass die Gäste das Tor dann vor der Heim-Kurve zelebrierten, brachte ihnen eine Hagel aus allem ein, was die Atalantini in die Finger bekamen, aber das dürfte sie letztlich wenig gestört haben. Das 'Atleti Azzurri' ist - wie schon angerissen - ein schönes, altes Teil und dürfte seit der Eröffnung außer dem Dach über der Gegentribüne kaum ein Lifting erfahren haben. Dabei ist es mit den offenen Kurven und der Leichtathletik-Bahn von der Bauweise her ja nicht zwingend schön, aber das Gesamtbild macht es irgendwie aus. Am und um das Stadion sieht man viele, teilweise schon ältere Graffiti und die Fassade der Gegengeraden weist außerdem schöne Details auf, wie man sie eher von Sakralbauten kennt. Aufgrund der frühen Anstoß- und der späten Abflugzeit hatte ich nach dem Spiel keine Eile und fuhr in aller Ruhe nach Milano, wo ich mir noch vom 'Centrale' den ausgedehnten Spaziergang zum Dom gönnte, bevor ich den Bus zum Flughafen bestieg und mit geringer Verspätung wieder in Düsseldorf einschwebte.

Sa. 20.01.2018 15:00 - US Cremonese vs Parma Calcio 1913 1:0
10.958 Zuschauer, Stadio Giovanni Zini, Serie B

Schon im Herbst letzten Jahres stellte ich fest, dass sich für dieses Wochenende eine ganz gute Konstellation in der Lombardei bot. Cremona sollte Parma zum Derby in der Serie B empfangen und Atalanta Bergamo forderte Napoli in der Beletage des italienischen Fußballs. Also wurden schon frühzeitig Flüge mit den irischen Billig-Vogel ab Köln nach Bergamo gebucht. Kollege O'Leary kam dann aber irgendwann auf die Idee nen Haufen Routen komplett durchzumischen und dabei heraus kam unter anderem eine Flugplan-Änderung für die gebuchte Verbindung. Trotz perfekter Ansetzung mit dem üblichen Nachmittags-Kickoff der Veranstaltung in Cremona und dem Mittags-Termin für das Spiel in Bergamo war die Geschichte damit zum Scheitern verurteilt, da es am seidenen Faden hing, beide Spiele in voller Länge sehen zu können. Also wurden die Flüge gegen Erstattung storniert und zunächst ein Haken an die Nummer gemacht. Da aber die sportliche Entwicklung bei beiden Partien mehr und mehr Richtung Spitzenspiel ging, ließ mich die Sache nicht ruhen und ich entschied mich Anfang des Jahres die nicht ganz so günstige, aber eben noch zu verschmerzende Verbindung mit Eurowings ab Düsseldorf nach Malpensa zu erwerben. Also am Samstag-Morgen früh aus dem Bett (ich hasse es!) und ab nach Milano. Da nur günstige Regionalzüge genutzt werden mussten, wurde auf einen Mietwagen verzichtet. Bild Mit dem Airport-Bus weiter zum 'Milano Centrale' und von dort über die Schiene nach Cremona, wo mich Danilo am Bahnhof abholte. In den Tagen vor dem Spiel zeichnete sich ab, dass dieses ein 'Sold out' erfahren könnte. Bild Das 'Stadio Giovanni Zini' befindet sich in einer Renovierungsphase und daher lag das Fassungsvermögen bei nur ca 7tsd Plätzen. Dann wurde dem Verein klar, dass man mal ein paar Tickets mehr verkaufen kann - aufgrund des Aufstiegs aus der Serie C im letzten Sommer und der starken aktuellen Spielzeit erlebt der Club eine Euphorie-Phase - und daher wurden hektisch die Sitzschalen auf die neue Gegentribüne gezimmert und die maximale Besucherzahl auf etwa 11tsd erhöht. Online wurden aber leider keine Tickets zum Verkauf angeboten und die Alternativ-Option fand keine Gegenliebe. Um den Zutritt zu gewährleisten, schien es aber unabdingbar, ein Ticket vorab zu sichern, denn trotz erhöhtem Fassungsvermögen war ein ausverkauftes Stadion möglich. Also musste mal eine Maßnahme aus früheren Zeiten bemüht und im Forum der Cremonese-Fans höflich gefragt werden, ob sich jemand bereit erklären würde, mir ein Ticket vorzustrecken. Freundlicherweise kam meinem Wunsch jemand nach und das war eben besagter Danilo. Bild Was dann an diesem Nachmittag folgte, war der Inbegriff von Gastfreundschaft, denn nach einem kleinen Rundgang durch die Stadt, wurde ich zum Essen mit seinen Leuten eingeladen, vor dem Spiel mit Bier und einem Ultra-Schal versorgt und nach dem Kick gab mir noch einer der Jungs, der in der Nähe von Bergamo beheimatet ist, einen kostenlosen Lift bis dorthin. Bild Die ganze Sache kostete mich also nicht einen Cent, immer wenn ich mal den Wunsch äußerte, etwas zu bezahlen, traf ich auf tiefe Entrüstung. Die ganze Gruppe war sehr um mich bemüht, alle waren mega-freundlich, auch wenn nur die wenigsten ein paar Brocken Englisch sprachen, und die Kommunikation großenteils über Übersetzungs-Apps der Smartphones lief. Mal wieder eine Top-Erfahrung. Zum Spiel wanderten meine neuen Bekannten in die Curva und ich auf die Gegentribüne, wo ich auf die Bayern-Fraktion um Jonny und den Ascheberscher traf, mit denen das Spiel großenteils zusammen geschaut wurde. Das 'Giovani Zini' ist ein reines Fußballstadion. Die Heim-Kurve und die Gegentribüne wurden erneuert bzw aufgestockt und mit Dächern versehen. Ursprünglich lag das Fassungsvermögen mal bei 20tsd, dann war die Bude wegen Baufälligkeit nur noch für 7tsd zugelassen und nun arbeitet man daraufhin, dem Stadion neuen Glanz zu verleihen. Im Internet findet man Bilder, wo die Reise mal hin gehen soll, aber das ist noch Zukunftsmusik.Bild Die Curva war gut gefüllt und als Intro wurde zentral in der Kurve der aufgemalte 'Torrazzo', ein Uhrenturm, das Wahrzeichen von Cremona, hochgezogen, flankiert von zwei knienden Rittern, auf deren Schildern 'Parma' zu lesen stand. Darunter prangte ein Banner mit dem Spruch "All ombra dell torrazzo il nemico s'inchina" übersetzt in etwa "Im Schatten des Turmes verbeugt sich der Feind". Bild Unterlegt wurde das von einer einfachen Zettel-Choreo in Rot und Grau und ein wenig Pyro. Den kurzen Weg aus Parma hatten etwa 1500 Tifosi auf sich genommen, die mit einem Meer aus Fahnen und einer Schalparade eröffneten. Die Partie war zu Beginn richtig stimmungsgeladen, was sich aber im Laufe der ersten Hälfte etwas legte, denn das auf dem Grün Dargebotene trug nicht gerade zur Ekstase bei. Torchancen gab es kaum und es ging torlos in die Pause. Nach dem Wechsel zunächst dasselbe Bild. Nach einer Stunde Spielzeit gewannen die Hausherren dann mehr und mehr die Oberhand, bis das Geschehen beinahe ausschließlich in der Hälfte der Parmesani stattfand. In der Schlussphase gab es Torchancen beinahe im Minuten-Takt und als sich eigentlich alle mit dem torlosen Remis angefunden hatten, wurden die Cremonesi in der letzten Minute erlöst. Gab natürlich nen Hammer-Torpogo zu sehen und nach dem Abpfiff wurde die Mannschaft gefeiert, also ob der Aufstieg in die Serie A gelungen sei. Ich verabschiedete mich von meinen neuen Bekannten und wurde bis Treviglio mitgenommen. Von dort war es noch ein halbes Stündchen mit der Bimmelbahn und der Abend wurde standesgemäß mit Pizza und Wein zu Ende gebracht.

So. 14.01.2018 15:00 - K. Rupel Boom FC vs SK Pepingen-Halle 4:0
400 Zuschauer, Gemeentelijk Parkstadion, 2e Divisie Amateur VFV A

Mit der beinahe üblichen Frituur-Besatzung aus Moers und der verbotenen Stadt ging es ins Land der in siedendem Fett gegarten Gemeinheiten. Aufgrund meiner vorabendlichen Teilnahme an einer Herrensitzung im Pulheimer Stadtteil Stommeln wurde die Metropole Herrath als Treffpunkt auserkoren, da dort die Regionalbahn auf der Strecke von Mönchengladbach nach Aachen einen nicht nachvollziehbaren Stopp einlegt. Gute neunzig Minuten später standen wir mit leuchtenden Augen vor der Kühlauslage eines Frittentempels. Bild Da der Magen nach dem *hust* Milchkonsum des Vorabends noch nicht so recht auf Frittier-Temperatur war, vermachte ich Dominik mit den Worten "Du kannst gern den halben Mexicano von mir haben" einen Teil des pikanten Fleischbalkens, der dieses mit der Äußerung "So was schönes hat noch nie jemand zu mir gesagt" quittierte. Ja wenn man nur alle Menschen mit derart selbstlosen Gaben so glücklich machen könnte. Das finale Ziel war die Kleinstadt Boom unweit von Antwerpen, Veranstaltungsort des 'Tomorrowland'-Festivals. Hier kickt der Koninklijke Rupel Boom FC im 'Gemeentelijk Parkstadion'. Bild Vor wenigen Jahren, erlebte der Verein sogar eine Zweitliga-Saison, allerdings blieb es beim kurzen Auftritt und nach der letzten Spielzeit musste gar der Weg in Liga vier angetreten werden. Das Stadion ist schon ne Wucht. In der ersten Hälfte der 70er Jahre bekam die Spielstätte ihr heutiges Aussehen. Hingucker ist die megasteile Sitztribüne mit einem Neigungswinkel von 43 Grad. Wenn man in der obersten Reihe steht und runter schaut, wird einem beinahe schwindelig. Hammerteil. BildGegenüber findet man eine flache überdachte Stehtribüne und hinter den Toren ungedeckte Stehreihen. Eine kleine aktive Gruppe versuchte sich in aktiver Unterstützung der 'Boomkes'. Unter Leitung des Capo-Allrounders, der sich mit dem Megaphon in der einen und dem Trommelstock in der anderen Hand alle Mühe gab, ging das aber leider spätestens nach einer Viertelstunde ziemlich auf die Eier. Immerhin war die kleine Pyro-Einlage mit zwei blauen Rauchdosen zum Intro ganz nett anzusehen, auch wenn das Zeug roch, als würden die Fußnägel des Ehren-Vorsitzenden abgefackelt. Zweiter gegen Letzter hieß es und nach einigen, scheinbar der Überheblichkeit geschuldeten Anfangs-Problemen, nahm die Partie die erwartete Richtung. Ein wunderschöner Fernschuss eröffnete den Reigen und mit der Drei-Tore-Führung zur Halbzeit war die Nummer auch schon gelaufen. Dementsprechend zäh wirkte Durchgang zwei, in dem sich das Netz dann noch ein weiteres Mal beulte. Auf dem Heimweg wurde Dominik am Krefelder 'Königpalast' abgeladen, damit er sich eine weiter Heimklatsche seiner Polar-Bewohner reinschrauben konnte und Sascha am Duisburger Bahnhof ausgesetzt, bevor es heim auf die Couch ging.

So. 07.01.2018 14:15 - RC Strasbourg Alsace vs Dijon FCO 3:2 n.V.
12.269 Zuschauer, Stade de la Meinau, Coupe de France

Frühstück fand bei McDonalds statt. Da muss ich weit zurück denken, wann ich dies das letzte Mal gemacht habe. Knapp zwei Stunden Fahrt rüber nach Strasbourg gestalteten sich unspektakulär. Ebenso wie sich das 'Stade de la Meinau' recht unspektakulär gibt. Und auch im Inneren ist dieses Stadion nichts wirklich Besonderes und trotzdem ist mir die Bude ganz sympathisch. Bild Eigentlich wäre der Ground seit über zehn Jahren erledigt, aber seinerzeit wurde der Clasico gegen Metz mehr als kurzfristig von Freitag auf Montag verlegt, so dass statt Spielbesuch 'nur' ein Liebes-Ausflug mit der Dame stattfand. Bild Vor einigen Jahren geriet Racing dann erst sportlich und schließlich auch finanziell ins Trudeln, was in einem Neuanfang in Liga 5 mündete. Die Zuschauer hielten Ihrem Verein trotzdem die Treue und binnen weniger Jahre gelang dem Verein zur aktuellen Spielzeit die Rückkehr auf die höchste Fußballebene. Die Gäste aus Dijon, ebenfalls ein Ligue 1-Vertreter, sind sportlich ein eher unbescholtenes Blatt und auch erst in den letzten Jahren in höheren Fußball-Gefilden aufgetaucht. Trotz relativer Nähe war auch nur die übliche Busladung Fans dabei, die aber über die gesamte Spielzeit supportete. Was aber meist nur optisch auszumachen war, denn akustisch hatte man gegen den Racing-Anhang auf der Tribune Ouest keine Chance. Meine Befürchtung hinsichtlich eines im Vergleich zu den Liga-Spielen schwächeren Besuchs sollte sich zwar leider bewahrheiten - nur 12tsd Zuschauer fanden sich zur Pokal-Partie ein - aber die Qualität des Kurven-Auftritts glich dieses mehr als aus. Die Westtribüne war gut gefüllt und legte über die vollen 124 Minuten Spielzeit eine sehr hohe Mitmach-Quote an den Tag. Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall noch übertroffen. Bild Bild Was es da auf die Ohren gab war teils mehr als ordentlich, das hat gut gefallen. Das auf dem Rasen gebotene war auch nicht so schlecht, aber es fehlte irgendwie das gewisse Etwas, um richtige Spannung herauf zu beschwören. Das änderte sich, als Racing nach etwa einer Stunde endlich verdient in Führung ging, aber wie es manchmal so ist, dauerte es nur wenige Minuten, bis die Gäste sehenswert mit einem Hacken-Treffer aus spitzestem Winkel ausgeglichen hatten. Mit diesem Ergebnis ging es in die Verlängerung und der Sport zeigte sich mal wieder absurd, denn die Gastgeber erzielten umgehend Treffer Nummer zwei und drei und klärten die Geschichte. Naja fast, denn Dijon kam noch einmal ran und hätte dann mit einem Pfosten-Treffer in der Schlussminute sogar beinahe noch die Elfer-Lotterie erzwungen. Wenn ich mir bei Temperaturen um fünf Grad und fiesem Wind nicht komplett den Arsch abgefroren hätte, würde mein Fazit wohl etwas euphorischer ausfallen... meine Fresse, war das kalt. Bleibt die Erkenntnis, dass man hier sicher noch einmal aufschlagen kann, wenn die Hütte voller wird. Eigentlich sollte noch eine weitere Partie in Molsheim geschaut werden, aber durch die Verlängerung war die Zeit knapp geworden und der Abfahrts-Stau nahm uns dann die Entscheidung endgültig ab, worüber aber - glaube ich - keine der vier durchgefrorenen Gestalten böse war. Ab nach Hause.

Sa. 06.01.2018 21:00 - AS Nancy Lorraine vs Olympique Lyonnais 2:3
14.201 Zuschauer, Stade Marcel Picot, Coupe de France

Wie üblich baten die Franzosen am ersten Wochenende des Jahres zum Pokal-Tanz. Traditionell ist das die erste Runde in der die Erstliga-Teams in den Wettbewerb eintreten. Mit Nancy und Strasbourg bot sich eine ansprechende Kombination, allerdings war ich zugegebenermaßen nicht hundertprozentig überzeugt. Racing hat bekanntlich eine der wenigen ansprechenden Kurven in Frankreich und ich war skeptisch, ob auch in einer frühen Pokal-Runde stimmungstechnisch was gehen würde. Entgegen aller Zweifel schloss ich mich Thomas an, der ab Köln die Rundreise anbot. Mit dabei waren die mir bisher unbekannten David und Marvin. Da ich Thomas aber lang genug kenne, war mir schon klar, dass die Besatzung zusammen passen würde. Bild Also mittags mal in die Domstadt rüber und von dort ging es in aller Ruhe ins lothringische Nancy. Das heißt wir haben das Stadtgebiet von Nancy nicht einmal betreten. Das 'Stade Marcel-Picot' liegt nämlich genau hinter der Stadtgrenze im benachbarten Tomblaine. Hochgradig spektakulär ist der Stadion-Bau für 20tsd Zuschauer nicht gerade. Rundherum ist das Stadion einrangig, wobei sich Haupt- und Gegentribüne in der Höhe minimal abheben. Seit Eröffnung 1926 befindet sich die Hütte aber an ihrem ursprünglichen Standort, das finde ich ja immer sehr sympathisch. Bild Mit Olympique Lyonnais stellte sich ein etwas verblasster Stern des französischen Fußballs vor. Nach glanzvollen Jahren nach der Jahrtausendwende musste man nach sieben Meister-Titeln in Folge schließlich hinter den Reich-Ärschen aus Paris und zuletzt auch Monaco ins zweite Glied zurücktreten. Überraschend wurde OL von knapp 300 Leuten supportet unter denen aber auch einige Umland-Fans zu sein schienen. Trotzdem eine ansprechende Zahl, da ja die meisten Clubs mit Ach und Krach gerade mal eine Busladung Leute in den Gästeblock stellen. Der Heim-Anhang teilte sich - beinahe Frankreich-typisch - in zwei Lager. Auf der einen Seite die größere Gruppe um den 'Saturday FC' und auf der anderen Seite die 'Red Sharks'. Bild Es waren einige Abordnungen von den befreundeten Saarbrücker Fanclubs zugegen, was auch diverse blau-schwarze Schwenker und Banner bestätigten. Insgesamt soll es eine knapp dreistellige Zahl aus dem Saarland gewesen sein. Mit Spruchbändern wurde die gegenseitige Treue und Freundschaft beschworen. Optisch wurde nicht viel geboten, lediglich bei den 'Sharks' ging zwei, drei Mal eine Fackel an, was auch sofort die Ordner auf den Plan rief. Bild Die AS Nancy verschwand zuletzt 2013 aus der höchsten Spielklasse und hat aktuell mehr damit zu kämpfen, einen weiteren Abstieg zu verhindern, als dass sie sich nach oben orientieren könnte. Ein Leistungsunterschied war trotzdem nicht großartig zu erkennen, auch wenn OL eine der wenigen guten Aktionen zur Halbzeit-Führung nutzte. Stimmungsgeladen war die ganze Geschichte auch nicht grad und bis zur zwanzig Minuten vor dem war die Nummer auch nicht unbedingt der große Aufreger, obwohl die Gastgeber immer Bemühungen zeigten. Schließlich dachte sich wohl der Referee etwas unternehmen zu müssen und zeigte zur Verwunderung aller nach einem absolut fairen Tackling auf den ominösen Punkt. Drin das Ding und nur vier Minuten später ging Nancy sogar spektakulär nach einem Doppelpass mit der Querlatte in Führung. Der späte Ausgleich ließ schon Befürchtungen hinsichtlich einer Zugabe aufkeimen, aber mit der allerletzten Aktion in der vierten Minute der Nachspielzeit schlich sich der Favorit mit einem flach in die Torwart-Ecke geschobenen Freistoß in die nächste Runde. Unsere Reisegruppe ließ den Abend bei ein paar Kaltgetränken in unserer etwas speziellen Unterkunft mit Namen 'Quick Palace' (nein, es war nicht das, was ihr denkt) ausklingen.

 
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"Stell Dir vor, Du bist RWE-Fan. Da kannst Du jeden Tag nur noch saufen."
(Manni Breuckmann)