G R O U N D F E V E R
  Der Patient
 

Auch ich habe mich irgendwann infiziert. In einem Moment der Unachtsamkeit hat es mich gepackt. Das Groundfever!

Geboren im März 1973 in Essen im Ruhrgebiet wurde mein Interesse an Fußball über das Fernsehen hinaus ‚leider’ dadurch geweckt, dass mich im Sommer 1986 im zarten Teenie-Alter von dreizehn Jahren ein Schulfreund mit zu den Spielen der Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga an die Hafenstraße in Essen nahm.  Zwar war ich  bereits 1984 Zeuge eines umkämpften Duells zwischen RWE und Fortuna Köln und auch zwei Spiele meiner Kindheitsliebe Werder Bremen hatte ich bereits  live in freier Wildbahn gesehen, doch diese Stadionbesuche würde ich nicht als Initialzündung bezeichnen. Diese gab es dann in den besagten Aufstiegsspielen. Da diese erfolgreich verliefen, verschenkte ich mein noch unschuldiges Fußballherz also an Rot-Weiss Essen und das Schicksal nahm seinen Lauf und traf und trifft mich weiterhin meistens hart. Jeder, der sich für Fußball interessiert, wird wissen wie das gemeint ist. Da wäre die weitere Annäherung an den SV Werder doch der deutlich bequemere Weg gewesen. Aber wie man ja weiß, sucht man sich seinen Verein halt nicht aus, sondern der Verein sucht sich Dich aus.

Da ich den Groundfever-Virus nun in mir trug, war es nur eine Frage der Zeit bis das Groundhopping ausbrach. Mit vierzehn Jahren konnte ich meinen Vater während eines Urlaubs in der Region Rom überzeugen, mit mir  das Serie A-Spiel zwischen AS Rom (mit meinem damaligen Idol Rudi Völler) und SSC Neapel (mit Maradona) zu besuchen. Der Kick fand damals im 'Stadio Flaminio' statt, da das 'Olimpico' für die WM1990 aufgemöbelt wurde. Der Schwarzmarkt verhalf uns zum Einlass. Ich kann mich erinnern, dass ich deutlich mehr damit beschäftigt war, das Geschehen auf den Rängen zu beobachten, statt das Spiel zu verfolgen. Damit war das Interesse für den internationalen Fußball geweckt. In der Folgezeit fing ich an, erst einmal die umliegenden Stadien im Ruhrgebiet 'abzuhoppen'. Endgültig ausgebrochen ist die Krankheit dann ungefähr als ich zwanzig wurde. Zunächst war der Krankheitsverlauf harmlos. Ich lernte eher zufällig die damalige und auch heute noch bekannte Hopper-Größe 'Captain' und über diesen später auch noch 'Teamchef' – eine weitere Koryphäe der ‚Szene‘ - kennen. Mit Captain machte ich ein paar kürzere Tagestouren innerhalb Deutschlands und ins benachbarte Ausland, in die Niederlande, nach Frankreich. Da der Kontakt aber sehr sporadisch war, verlor ich die beiden und damit das eigentlich gerade erst richtig ausbrechende Groundhopping relativ schnell wieder aus den Augen.  Die erste Hopping-Phase war also nach nur sehr kurzer Zeit schon wieder vorbei. In den folgenden Jahren  sah ich fast ausschließlich Spiele meines Heimatvereins. Der Konsum von Fußballspielen ohne rot-weisse Beteiligung beschränkte sich zum großen Teil darauf, Urlaube und Wochenend-Städtetrips zu Spielbesuchen zu nutzen, Spiele in der Umgebung zu schauen oder RWE-Auswärtsspiele mit weiteren Spielbesuchen in der betreffenden Region zu verbinden, was man - wenn man es genau nimmt - eigentlich nicht als Groundhopping bezeichnen darf. Ende der Neunziger Jahre sah ich in einer oder zwei Saisons sogar allgemein nur sehr wenige Fußballspiele, da durch finanzielle Eskapaden und den damit einhergehenden sportlichen Niedergang meines Herzensclubs die Beziehung zu diesem deutlich litt. Zumindest dieser Zustand stabilisierte sich wieder, so dass ich ab der Jahrtausendwende wieder voll hinter 'meinem' Verein stehe. Das Hopping schien sich jedoch weitestgehend erledigt zu haben.

Als ich dachte ich hätte es endgültig geschafft, ging alles wieder von vorn los. Die Krankheit brach erneut und nun richtig intensiv aus. Bedingt durch eine neuerliche Talfahrt des Clubs meines Herzens in den Folgejahren der Saison 2006/2007, wuchs wieder das Verlangen nach 'vernünftigem' Fußball und entsprechenden Erlebnissen, da der Reiz eines Auswärtsspiels bei der Zweitvertretung eines Zweitliga-Clubs oder auf einer besseren Kuhweide doch arg limitiert ist. Also fing ich das Fußball-Reisen als 'Spätberufener' vorsichtig aufs Neue an, mittlerweile wieder ausgedehnter und mit weiterhin steigender Tendenz. Aller Voraussicht nach wird die Krankheit keinen tödlichen Verlauf nehmen. Eine Chance auf Heilung sehe ich aber nicht.

 
 
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"Stell Dir vor, Du bist RWE-Fan. Da kannst Du jeden Tag nur noch saufen."
(Manni Breuckmann)