G R O U N D F E V E R
  Bilbao
 

24.-25.11.2012 --- Bilbao
 
Der Athletic Club aus Bilbao bekommt ein neues Stadion. Grund genug, dem alten 'Estadio San Mamés', das nach Club-Angaben seine letzte Saison erlebt, endlich mal einen Besuch abzustatten. Mit dem letzten November-Wochenende war schnell ein geeignetes Datum gefunden. Neben Athletic hatte mit Real Sociedad ein weiterer Verein aus dem Baskenland Heimrecht - dazu noch in einem Derby gegen Osasuna. Also war alles bereitet, wenn da nicht der immerwährende Spielplan-Poker anstünde, da die Iberer die fixen Anstoßzeiten ja erst gute zwei Wochen vorher festlegen. In Christian nebst Freundin Kati war Reisebegleitung schnell gefunden. So galt es nun eine geeignete Flugverbindung zu finden. Ryanair fliegt zwar Bilbao von Weeze aus direkt an, jedoch an hopperuntauglichen Flugtagen. Also blieb nur der Weg über Madrid. Ab Düsseldorf wär es mit dem Kranich ganz gut gegangen, allerdings mit Return am Montag-Abend, was bedeutet hätte einen Tag in Madrid abzuhängen. Da ich die Stadt aber vom Besuch im letzten Jahr schon kenne, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Also bekam Iberia Express von Frankfurt nach Madrid den Zuschlag. Letztlich wurden wir des Spieles in San Sebastian beraubt, da dieses auf Freitag gelegt wurde. Immerhin passte der Bilbao-Kick auf dem späten Sonntag-Nachmittag. Und am Anreisetag hatten wir gute Chancen auf das Heimspiel von Rayo, sofern der Flieger im Zeitplan bliebe.

Sa. 24.11. 16:00 - Rayo Vallecano vs RCD Mallorca 2:0 (Primera División), 9.847 Zuschauer (0 Gäste)

Am Samstag-Morgen brach ich gegen halb acht gen Frankfurt auf. Um halb zehn traf ich mich mit Kati und Christian (der im Westerwald wohnt) in Montabaur, stellte mein Fahrzeug ab, und weiter gings mit seiner Hucke nach Frankfurt. Auto kostenneutral am S-Bahn-Haltepunkt am Stadion abgestellt und dann eine Station zum Flughafen. Der Flieger ging um 12:15 einigermaßen pünktlich ab, aber Captain Kirk schaffte es trotzdem zwanzig Minuten verspätet zu landen. Damit war Hektik angesagt. Den Mietwagen abzuholen war weniger das Problem, eher schon, dass dieser weitläufige Madrider Flughafen 'Barajas' so verdammt weite Wege erzwingt. Bild Bild Am Ende wurde die Punktlandung knapp verfehlt und gute drei Minuten nach Anpfiff stand ich im 'Campo de Futbol de Vallecas' im gleichnamigen Madrider Stadtteil. Das knapp 15tsd Personen fassende Stadion gefällt wirklich gut und stand sowieso auf der Liste derer, die besucht werden wollen. Zwei doppelstöckige, richtig steile Tribünen auf den Geraden machen das eh schon (typisch spanisch) von Wohnbebauung eingeklemmte Teil schön eng. Hinter dem südliche Tor gibt es mangels Platz keinen Ausbau, hinter nördlichen Tor befindet sich noch eine unüberdachte niedrige Tribüne, Heimat der Rayo-Fans. Dazu wirkt der mittlerweile fast vierzig Jahre alte Ground schön angestaubt. Hier ist die Fußballwelt noch in Ordnung, nicht so eine Arena-Scheiße wie in good old Germany. Auch von der Renovierung Ende des letzten Jahrtausends ist nicht viel zu sehen. Mangelnde Investitionskraft kann halt auch gute Seiten haben. Bis ins letzte Jahr hieß die Bude 'Estadio Teresa Rivero', benannt nach dem Weibe eines Mitbesitzers, gleichzeitig Präsidentin des Vereins. Bild Nach deren Ausscheiden und dem Verkauf der Clubanteile erhielt das Stadion nach einem Mitglieder-Referendum seinen aktuellen Namen. Vom Oberrang der Hütte hat man einen wunderbaren Panorama-Blick über die Innenstadt von Madrid. Bild Mir war allerdings nicht bekannt, dass der Verein so ne Art St.Pauli von Spanien ist. Teilweise ganz schön links-alternatives Publikum. Ständig weht einem ne Cannabis-Fahne in die Nase und das Äußere vieler Besucher lässt keine anderen Rückschlüsse zu. Im Laufe der Partie wurden auch Palästina-unterstützende Spruchbänder gezeigt. Auch der Name der größten Gruppierung 'Los Bucaneros', also 'Die Seeräuber', lassen einen weiteren Vergleich zu. Der Support war für spanische Verhältnisse sehr ordentlich. Fast durchgehend und immer in einer vernünftigen Lautstärke - in der Support-Wüste Spanien eine angenehme Überraschung. Spielerisch war Rayo den Gästen deutlich überlegen, schaffte es aber nicht, die Murmel in den Maschen unterzubringen. Das weckte ja fast Heimatgefühle. Getreu dem Motto 'Späte Siege sind die Schönsten' erzielten die Vorstädter dann aber doch noch zwei Tore in den letzten drei Spielminuten und hielten die Punkte mehr als verdient fest.

Bild Nach dem Abpfiff kauften wir erst einige Nahrungsmittel im benachbarten Supermercado ein und suchten dann unser Hotel auf. Allerdings nicht auf direktem Wege, sondern quer durch Madrid, in der Hoffnung ein geeignetes Etablissement zur Nahrungsaufnahme zu finden. Ziemliche Schnapsidee, da wir uns ja nicht wirklich auskannten. Per Zufall fanden wir dann während der Parkplatzsuche in der Gegend des Hotels einen kleinen Plaza, der uns sowohl einen Mini-Markt mit gekühlten Bierdosen als auch eine Tapas-Bar bot. Also erstmal mit Stoff versorgt und danach in Tapas gewälzt. Das auserwählte Hotel war ein nahe dem Flughafen liegender 4-Sterne-Tryp-Bunker. Hatte zwei Zimmer in dem Laden günstig über eine Buchungs-Platform im Internet geschossen. Warum also mit irgendeinem angestaubten Hostal abgeben, wenn man für ein paar Peseten mehr auch einen angenehmen Luxus genießen kann? Okay - nicht mehr ganz tau-frisch der Tempel, aber doch absolut zufriedenstellend und im Preis-Leistungs-Verhältnis absolut passend. Der Abend fand dann mit 'Bixxen-Bier' im Zimmer ein schön flüssiges Ende. Zumindest für Christian und mich. Kati verzichtete auf Alkohol-Konsum.

So. 25.11. 11:30 - Club Portugalete vs SD Balmaseda FC 4:1 (Tercera Divison), 600 Zuschauer (1 Gast)
So. 25.11. 17:00 - Athletic Club Bilbao vs Deportivo La Coruna (Primera División), 37.000 Zuschauer (300 Gäste)


Um 7:30 war Treffpunkt in der Lobby. Etwas müde starteten wir dann Richtung Biskaya. Die 400 Kilometer verliefen völlig ereignislos. Mal abgesehen von einem kleinen Kaffee-Stopp an einer Provinz-Tanke an der A1 von Madrid nach Burgos. Wir friemelten an einem antiquierten Kaffee-Automaten rum und fingerten im daneben befindlichen Regal nach den dort liegenden Plastikbechern. Als der Besitzer das sah, kam er zwar nicht richtig unfreundlich aber doch wild gestikulierend und laut lamentierend angerannt und erklärte uns irgendwas in der Landessprache, das wir natürlich nicht verstanden. Bild Bild Jedenfalls spendete der Automat nach Münzeinwurf nicht nur den Kaffee, sondern den Becher gleich dazu. Kann man ja nicht ahnen. Wir waren dann zwar pünktlich in Portugalete, etwa zwanzig Kilometer nördlich von Bilbao, da wir die Verkehrsführung aber nicht schnallten, dann doch erst zehn Minuten nach dem Anstoß im kleinen Stadion des örtlichen Viert-Ligisten. Zu dem Zeitpunkt stand es schon 1:0 für die Hausherren. Die erste Hälfte verbrachten wir ein wenig quatschend hinter einem Tor, während die Partie so dahin plätscherte. Dann war Halbzeit. Und es war Halbzeit... und es war immer noch Halbzeit. Nach 37 Minuten Pause wurde dann die zweite Hälfte angepfiffen. Des Rätsels Lösung: Irgendjemand hatte innerhalb des Sozialgebäudes wohl gesundheitliche Probleme bekommen, so dass erst auf das Eintreffen eines Notarztes gewartet wurde. Sportlich war die Angelegenheit keine Offenbarung aber auch keine totale Katastrophe. Ein kleines Grüppchen von sechs oder sieben Personen versuchte sich hin und wieder im Support und quälte dazu eine große Trommel, aber der Bringer war das nicht. Zumindest wurde Cerveza ausgeschenkt und in Hälfte zwei fielen noch ein paar teilweise schön herausgespielte Tore, so dass der Kick einen gewissen Unterhaltungswert hatte. Die Verteilung der Treffer lag dann deutlich zugunsten der aktiveren, bemühteren Hausherren. Schade für den einzigen anwesenden Gäste-Fan.

Bild Nun hatten wir ein wenig Zeit. Also mal an einer der most important Sehenswürdigkeiten vorbei geschaut. Die 'Puente de Vizcaya' ist die älteste Schwebefähre der Welt. 1893 erbaut, ist sie noch heute in Betrieb und befördert Fahrzeuge und Personen von Portugalete nach Getxo, den Ort auf der anderen Seite des Ria de Bilbao. Vor einigen Jahren wurde dem Teil der Status des Weltkulturerbe verliehen. Richtig in Ehrfurcht versetzte es uns aber nicht. Man kann den Fluss auch per pedes in luftiger Höhe über die Traverse überqueren. In den Stützgerüsten befinden sich Aufzüge um die etwa vierzig Meter Höhe zu überwinden. Man hat sicher einen tollen Ausblick von da oben, aber der Preis von EUR 6 pro Person fällt ja schon unter Touri-Nepp, daher lehnten wir dankend ab. Bild Weiter ging es zum Estadio 'San Mamés'. Dass wir es schafften, uns auf den knapp dreizehn Kilometern zu verfahren, hat sicherlich auch eine besondere Qualität. Aber alle Wege führen nach Rom und fast alle zum 'San Mamés', daher kamen wir kurze Zeit später doch dort an. Den Wagen  kostenneutral geparkt und dann erstmal ab zum Ground, um die Ticketfrage zu klären. Dazu mussten wir an der Baustelle des 'Nuevo San Mamés' vorbei, die direkt neben dem alten Stadion liegt. Dieses sieht gegen den neuen Bau beinahe mickrig aus. Bild Bild Obwohl das neue Stadion noch völlig im Rohbau befindlich ist und der dritte Rang noch fehlt, erscheint es schon jetzt deutlich größer. Allerdings kann man auch schon erahnen, dass es eine ziemlich charakterlose Arena wird. Zunächst wird das Stadion dreiviertel fertig gebaut. Dann zieht der Verein um und das alte Stadion muss weichen, damit Platz für die Fertigstellung ist. Momentan entsteht also ein Riesen-'U'. Da sich direkt vor der offenen Seite des 'U' das alte 'San Mamés' befindet, bietet sich derzeit ein Bild als ob der Neubau mit weit aufgerissenem Maul das alte Stadion verschlingen will. Irgendwie stimmt das Bild ja auch. Der bereits zur neuen Saison geplante Umzug erscheint mir allerdings utopisch.Bild Zu viel scheint noch zu tun, so dass sich der Eröffnungstermin wohl spanien-like um einige Monate verzögern dürfte. Bild Nach Besorgung der viel zu teuren Tickets enterten wir einen Burger-Schuppen zwecks Verköstigung. War allerdings ein ziemlicher Fraß, der uns da serviert wurde. Zurück am Stadion war schon einiges los. Man sah auch erstaunlich viele Gäste-Anhänger. Ich hatte mit annähernd gar keinen gerechnet, da Away-Support und Spanien sich ja normalerweise gegenseitig ausschließen. Eine gute dreiviertel Stunde vor dem Anpfiff enterten wir den Ground. So konnte man schon mal in aller Ruhe ein paar Fotos schießen. 'San Mamés' war nicht ganz ausverkauft. Spielerisch haute die Geschichte erwartungsgemäß nicht vom Hocker, maß sich doch der Vierzehnte mit dem Sechzehnten. Viel enttäuschender als das auf dem Grün Gebotene war aber die Atmosphäre. Okay, ich hatte keine südamerikanische Szenerie erwartet, aber Athletic war mir eigentlich als einer der wenigen spanischen Clubs bekannt, die über eine relativ aktive Fanszene verfügen, doch es kam fast nichts und abermals nichts. Bild Bild Der Depor-Anhang bestand aus gut und gerne 300 Personen, für spanische Verhältnisse also wirklich zahlreich. Dieser riss die ganze Sache zumindest ein wenig raus. Bild Fast alle standen in ihrem Away-Sektor und es wurde auch fast neunzig Minuten supportet. Von Heimseite kam erst gegen Ende der Partie ein wenig, aber eben nur ein wenig. Da hatte ich doch deutlich mehr erwartet. Etwas speziell ist der Umstand, dass das Stadion über ein eigenes Orchester verfügt. In einem Eckbereich befindet sich ein richtiges Sinfonie-Orchester, dass vor Spielbeginn und in der Halbzeit ein paar Stücke zum Besten gibt, unter anderem die Vereinshymne. Irgendwie völlig unangebracht für eine Fußball-Kulisse aber hier irgendwie doch passend, wie wahrscheinlich an keinem anderen Ort der Welt. Nach Abpfiff ging es zügig zum Auto, schließlich hatten wir noch den ganzen Rückweg nach Madrid abzureißen. Vier Stunden später hatte uns die Hauptstadt dann wieder und wir begaben uns geschlaucht von der Fahrerei sofort in die Betten.

Der Wecker klingelte um 6:30. Gut, dass das Hotel so nah am Flughafen lag, sonst hätten wir noch früher raus gemusst. Der Rückweg lief reibungslos. Karre volltanken und abgeben, dann wieder gefühlte zehn Kilometer durchs Riesen-Terminal latschen und ab nach Frankfurt. In Heiligenroth bei Montabaur trennten sich dann unsere Wege und die restlichen 150 Kilometer in den Pott spulte ich alleine runter. Rein vom Hopping-Nährwert war die Tour äußerst bescheiden, aber man kann halt nicht immer gewinnen. Mund abputzen - weiter hoppen! Der nächste Kracher kommt bestimmt.

 
 
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