G R O U N D F E V E R
  Naher Osten
 

19.-29.02.2016 --- Durch das Heilige Land

Zur Auswahl dieses Reiseziels kam es relativ kurzfristig. Auf meiner Suche nach einem Mitfahrer war ich beim RWE-Leidensgenossen Marcel auf offene Ohren gestoßen. Grundsätzlich war eigentlich Mexiko das erwünschte Ziel. Da aber die Amis im Januar neue Einreise-Bedingungen erlassen hatten, verkomplizierte sich die Realisierung dieses Vorhabens deutlich. Denn Personen, die sich innerhalb der letzten fünf Jahre in Syrien, dem Sudan, Irak oder Iran aufgehalten haben, wird künftig die visumfreie Einreise verweigert. Bedeutet, man bekommt kein ESTA genehmigt, sondern muss ein Visum beantragen. Mit dem Stempel des kurdischen Teils des Irak und dem iranischen Visum war ich damit doppelt ausgeschieden. Denn alle halbwegs erschwinglichen Flüge nach Mexiko bedingten eine Zwischenlandung in den Staaten. Und nur um einen mehrstündigen Transit bei den bekloppten Amis gewährt zu bekommen, ist eine Investition von 160 Dollar (!) sicher nicht gerechtfertigt. Also wurde der Alternativ-Plan B in Angriff genommen. Jordanien, Palästina und Israel sollten es werden. Das war allerdings passtechnisch auch ne gewisse Herausforderung, da ja ein iranisches Visum im Pass bei den Israelis nicht ganz so gut ankommt. Es ist zwar nicht zwingend ein Ausschluss-Kriterium, aber man riskiert eine intensive Fragestunde (oder auch zwei) zu gewinnen, so dass ich mich entschied, einen Zweit-Pass zu beantragen. Der alte Reisepass ist eh beinahe voll. Nach Prüfung der Spielpläne und ein bisschen grober Überlegung, wie der Reiseverlauf aussehen sollte, wurde dann eine Gabel mit Lufthansa von Düsseldorf nach Amman und zurück mit Swiss ab Tel Aviv nach Düsseldorf zum fairen Kurs von 270 EUR gebucht. Hinflug mit Lufthansa, zurück mit Swiss. Unterkünfte buchten wir in der Woche vor der Abreise, nachdem auch mal die Israelis mit den uhrzeitgenauen Ansetzungen aus der Hüfte gekommen waren.

Fr 19.09. - Anreise

Um halb neun holten mich Marcel und sein Vater, der sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, uns zum Flughafen zu fahren, ab. Mit ein paar Minuten Verspätung hob LH077 mit uns ab. Um nur dreißig Minuten später wieder aufzusetzen. Und zwar in Frankfurt. Ich wusste bis dato gar nicht, dass diese innerdeutsche Strecke in Zeiten von Hochgeschwindigkeitszügen noch angeboten wird. Ist aber auch ein reiner Zubringer-Flug, denn mit klarem Kopp kann man so ne Distanz ja nicht buchen. Knappe zwei Stunden später hob der Kranich wieder mit uns ab. Uns waren nur noch Plätze in der letzten Reihe geblieben, was ich aber gar nicht so verkehrt finde, weil einen dann keiner mehr hinter einem nerven kann. Nachteil ist dann ja nur, dass man beim Service erst als Letzter bedient wird, was in unserem Falle bedeutete, dass nur noch ein Gericht mit Hühnchen und ein vegetarisches Gericht übrig war. Da wir beide nicht so die Pflanzenfresser sind, machte also einer ein langes Gesicht. Da die Mädels der Crew zwar nicht grad die attraktivsten, dafür aber absolut locker und in Ordnung waren, gaben sie uns nach ein wenig Rumgeblödel eine große Flasche Rotwein als Entschädigung mit. In einem Land, in dem man nicht ganz so einfach an alkoholische Getränke kommt, durchaus eine gute Sache. Shukran! Obwohl mit ein wenig Verspätung abgeflogen, landeten wir beinahe pünktlich um kurz nach 19:00 Uhr auf dem 'Queen Alia International Airport', der etwa 35 Kilometer südlich der jordanischen Hauptstadt liegt. Wir hatten uns vorab den 'Jordan Pass' besorgt, den man online auf einfachem Wege erwerben kann und in dem die Visum-Gebühren, der Eintritt zur antiken Stadt Petra und zu weiteren Sehenswürdigkeiten enthalten sind. Mit inkludiertem Zwei-Tage-Pass für Petra kostet der Schmirgel 75 Jordanische Dinar, was 95 Euro entspricht. Der Jordanische Dinar ist recht stark, ein Dinar sind 1,27 Euro. Kauft man den Krempel einzeln, kostet das 'Visa on arrival' 50 Euro und der Zwei-Tage-Petra-Pass 70 Euro. Man spart also mit dem Pass ganz gut Kohle. Was man nicht spart, ist Zeit. Denn die Mokel am Immigration Desk überschlagen sich jetzt nicht gerade vor Einsatzfreude. Das brachte unser Vorhaben, den stündlich verkehrenden Airport-Bus um 20:00 Uhr zu bekommen, arg in Gefahr. Um fünf vor acht waren wir durch die Immigration durch. Schnell die Koffer vom Band gerissen und so gerade eben noch den Bus bekommen, der für fünf Dinar zu Ammans nördlicher Bus-Station 'Tabarbour' gurkte. Dort kamen wir gegen 21:00 Uhr an und die erste Verhandlung der Tour stand an. Wir waren noch nicht ausgestiegen, da hatten wir schon die Taxi-Mafia am Hals. Ohne wirkliche Ahnung, was die Fahrt kostet, kann man ja grundsätzlich davon ausgehen, dass der geforderte Preis totaler Quatsch ist. Also die angesagten sieben Dinar einfach mal weggelacht und auf fünf bestanden. Da Marcel ein viel zu guter Mensch ist, gab er dem Gejammer des Fahrers nach und legte nach Ankunft am Ziel noch nen Dinar drauf. Sei's drum. Der übliche Preis wäre laut Info unseres Hotel-Mokels drei Dinar gewesen. Never mind. Das 'Jordan Tower Hotel' war äußerst einfach aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Bild Die Zimmer sahen auf den Fotos im Internet sicherlich besser aus, aber sie waren sauber und das ist mir das Wichtigste. Die Lage war zentral, der tatsächliche Standort aber eigentlich eine Katastrophe, nämlich genau in der Gabel einer Hauptverkehrsader. Gut, dass ich die Ohrenstöpsel dabei hatte. Den Rezeptionisten des Hotels, keine Ahnung ob es auch der Eigentümer ist, fanden wir jeden Tag egal zu welcher Stunde in seinem Bürosessel vor, als ob er nie schlafen würde. Ich weiß nicht was mit seinem linken Auge passiert ist, aber körperliche Versehrtheiten führen einen ja in Versuchung, der betreffenden Person einen despektierlichen Spitznamen zu verleihen, weshalb wir nur noch von 'Fletschauge' sprachen. In einem kleinen etwas rustikal wirkenden Straßen-Restaurant aßen wir genial leckere Falafel, Hummus und andere Köstlichkeiten und erwarben dann noch zwei Flaschen Bier in einem Alkohol-Shop. Jordanien ist zumindest schon moderat genug, Möglichkeiten zu bieten, dass man überhaupt an Stoff kommen kann. Das ist ja beinahe schon revolutionär. Aber unfassbar, was das für eine Spelunke war. Zurück im Hotel schlürften wir die Getränke und betteten uns zur Nachtruhe.

Sa. 20.02. 15:00 - Al-Hussein SC vs Kufrsoum SC 2:0 (Jordan Premier League), 1.000 Zuschauer (200 Gäste)

Das Frühstück war erstaunlich gut. Zur Wahl standen mehrere Varianten - wir entschieden uns für die arabische, bestehend aus Fladenbrot, Hummus, Joghurt, Honig, Marmelade, Oliven, Gemüse, Ei und orientalischem Gebäck. Dann musste eine Entscheidung her. Zwei Spiele der jordanischen Liga standen heute zur Auswahl. Eins im Nationalstadion in Amman und eins in Ar-Ramtha, im Norden des Landes. Ein Spiel im Nationalstadion wollten wir aber auch am kommenden Dienstag besuchen. Also blieb ja nur eine Lösung. Bild Bild Ar-Ramtha ist aber direkter Grenzort zu Syrien. Im Vorfeld hatte ich dies zwar nicht als sonderlich problematisch angesehen, da die Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg nach meiner Meinung derzeit eher im Landesinneren sowie im Norden Syriens stattfinden. Das stellte sich aber als Trugschluss heraus, denn um den syrischen Grenzort Daraa toben durchaus Kämpfe und erst wenige Tage zuvor hatte sich zum wiederholten Male ein Sprengkörper über die Grenze verirrt und war in Ar-Ramtha eingeschlagen. Glücklicherweise ohne personelle Schäden anzurichten, aber im letzten Jahr ist das auch schon anders gewesen. Wir entschieden uns dann aber doch, dorthin zu fahren, da es schon ein mieser Zufall gewesen wäre, wenn genau in den zwei Stunden unserer Anwesenheit etwas geschehen wäre und um in wirkliche Gefahr zu geraten, hätte uns ein eventuell verirrtes Geschoss ja auch noch mehr oder weniger auf die Rübe fallen müssen. Ich bin kein Gefahrensucher und scheue auch unverantwortliches Risiko, aber einen gewissen Einsatz zu zeigen, bin ich bereit. Letztlich vertrete ich dann die Meinung "Wenn es passiert, passiert's eben", aber die Gefahr bei einem Autounfall oder gar Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, ist sicherlich höher, als durch ein verirrtes Kriegsgeschoss aus dem Dasein zu scheiden.

Bild Bild Zunächst hatten wir aber noch Zeit, die wir zum Sightseeing nutzten. Nur 150 Meter Luftlinie vom Hotel entfernt befindet sich das gut erhaltene imposante römische Theater, das im 2.Jahrhundert errichtet wurde und 6000 Leuten Platz bot. Beziehungsweise bietet, denn es wird auch heute noch für Veranstaltungen genutzt. Oberhalb des Stadtzentrums liegt der Zitadellenhügel 'Jabel el Qala'a'. Wir schwitzten uns bei Temperaturen knapp über 20 Grad mal den Berg hinauf. Neben den Überresten der Zitadelle findet man auf dem Gelände den 'Herkules-Tempel'. Oder das, was davon übrig ist, denn außer ein paar Säulen ist nicht viel zu sehen. Der Tempel soll größer als jeder in Rom erbaute Tempel gewesen sein. Gegen 13:00 Uhr waren wir wieder am Hotel. Das Stadion in Ar-Ramtha liegt am südlichen Rand der Stadt und um das Stadtzentrum zu meiden und die latente Gefahr weiter zu minimieren, hatten wir uns über Fletschauge einen privaten Fahrer besorgt, der uns hinbringen, dort warten und wieder zurück fahren würde. Bild Bild 65 Dinar sollte es erst kosten, dann bekamen noch fünf Dinar Rabatt. Hany war unser Fahrer, etwa 50 Jahre alt, freundliches Gesicht und gut des Englischen mächtig. Knapp eineinhalb Stunden später trafen wir in Ar-Ramtha ein. Die gut 90 km nach Norden führten über gute ausgebaute Straßen durch karges, hügeliges Gelände. Bild Bild Überrascht hat mich, dass eigentlich immer irgendeine Bebauung zu sehen war. Das hätte ich mir etwas einsamer vorgestellt. 6,5 Mio Jordanier gibt es, von denen etwa vier Mio in der Metropolregion Amman leben. Die einzige Stadt außerhalb der Region Amman mit mehr als 100tsd Einwohnern ist Irbid im Norden mit etwa 350tsd Bewohnern. Die übrigen zwei Mio verteilen sich also über das Land. Da Jordanien - so groß wie Österreich - aber außerhalb der nordwestlichen Landesteile beinahe vollständig mit Wüsten- oder Gebirgslandschaften bedeckt ist, ballt sich der Großteil eben in der fruchtbaren Region, wodurch sich auch die dichtere Besiedelung im Nordwesten erschließt. Neben den Jordaniern leben im Land aktuell aber drei Mio weitere Bewohner, die aus 1,8 Mio Gastarbeitern und etwa 1,2 Mio syrischen Flüchtlingen bestehen. Zählt man die Gastarbeiter noch wohlwollend zum jordanischen Volk hinzu, bedeutet das, dass immer noch unglaubliche 15% der im Lande lebenden Menschen Flüchtlings-Status haben. Da kommen einem die deutschen, respektive europäischen Flüchtlings-Probleme plötzlich halb so wild vor, aber das hieße wohl auch Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Das 'Prince Hashim Stadium' liegt in einem Gewerbegebiet am Rand der Stadt. Es verfügt über eine große Haupttribüne mit zentralem überdachten Bereich und einer etwas kleineren Tribüne auf der Gegenseite. 5.000 Zuschauer sollen hier Platz finden. Bild Bei drei Dinar Eintritt luden wir Hany ein uns zu begleiten. Es wurde sogar Support geboten. Eine Gruppe von 60-70 Personen mühte sich, ihr Team zu unterstützen. Der Kick war zunächst gar nicht so übel. Die Gäste hätten in Führung gehen müssen, vergaben aber frei vor dem Tor. Stattdessen dann der bejubelte Treffer für die Gastgeber. Kurz nach Wiederbeginn war ein entferntes, doppeltes, dumpfes Explosionsgeräusch zu vernehmen und hinter der etwa zehn Kilometer entfernten Hügelkette, über welche die Grenze zu Syrien verläuft, stieg eine dunkle Rauchwolke auf. So nah war also der Syrien-Konflikt in diesem Moment. Bild Nicht, dass wir nun in Sorge waren. Aber irgendwie war es doch ein seltsames Gefühl, seiner Leidenschaft nachzugehen, während nur wenige Kilometer entfernt, die Menschen ganz andere Probleme haben und um ihr Leben fürchten müssen. Nach etwa einer Stunde ließen die konditionellen Fähigkeiten der Akteure nach. Das gipfelte dann in nahezu grotesken Spielszenen, die teilweise Gelächter provozierten, wie im Komödiantenstadl. Unfassbar, was da für Querschläger produziert wurden. Bild Mit dem Schlusspfiff konnten die Gastgeber noch das zweite Tor erzielen. Unspektakuläre neunzig Minuten später waren wir zurück in Annan. Da wir seit dem Frühstück nichts gegessen haben, gingen wir erst mal speisen. Danach begaben wir uns in die Bar eines Hotels, die damit warb, dass Bier ausgeschenkt wird. Eine Hopfen-Oase in der abstinenten Wüste. Leider auch eine teure. Über den Preis für das gute 'Philadelphia'-Bier decken wir mal den Mantel des Schweigens. Aber um die latente Gewohnheits-Abhängigkeit zu befriedigen, muss man halt auch mal ein paar Dinar in die Hand nehmen. Das Bier ist nach einem früheren Namen der Stadt Amman benannt. Von 300 vor bis 600 nach Christi Geburt trug die Stadt den Namen Philadelphia nach dem ptolemäischen Herrscher Philadelphos. Mit der Eroberung durch die Araber bekam die Amman seinen alten Namen zurück, der auf das Volk der Ammoniter zurückzuführen ist. Die Stadt verlor an Bedeutung und zählte noch zu Beginn des 20.Jahrhundert gerade mal zweitausend Einwohner. Zurück im Hotel checkten wir im Internet was sich in der großen weiten Welt so getan hat und begaben uns dann zur Nachtruhe.

So. 21.02. - Petra

Um 7:00 Uhr schellte schon der Wecker. Nach dem Frühstück und dem Packen der Tasche, verabschiedeten uns von Fletschauge und fuhren mit dem Taxi für drei Dinar zum 'Wahadat', dem südlichen Busbahnhof. Unser Fahrer war hocherfreut, dass er uns an Bord hatte und versuchte mit drei Worten Englisch Kommunikation zu betreiben. Immerhin verstanden wir, dass Mercedes tolle Autos baut und sein 'Baba' ein älteres Modell der Marke fährt. Damit er uns nach Rückkehr nach Amman am Busbahnhof abholen kann, schrieb er uns seine Handy-Nummer auf. Heißen Dank, aber in welcher Sprache sollten wir denn dann bitte unser Anliegen vortragen? Ab 'Wahadat' fahren die Minibusse zum Toten Meer und in die südlichen Landesteile. Bild Unser Ziel war Wadi Musa, zu Deutsch ‚Mosestal‘, der Ort neben der antiken Stadt 'Petra'. Sieben Dinar kostet die etwa 200 Kilometer lange Fahrt im 20-Sitzer. Gefahren wird, wenn die Hucke voll ist und der Zufall wollte es, dass Marcel und ich Passagiere Nummer 19 und 20 waren. Um kurz vor halb zehn ging es los, was über eine halbe Stunde vor der kalkulierten Zeit war. Die Fahrt geht aus der Stadt raus über den 'Desert Highway' immer gen Süden. Die Landschaft stellt sich ausnahmslos dar, wie die Straße genannt wird - karg, staubig, trostlos. Bild Laut Infos aus Reiseführern und dem Netz soll die Fahrt vier bis fünf Stunden dauern, aber mit einer kleinen Pause kamen wir schon nach gut dreieinhalb Stunden gegen 13:00 Uhr am Ziel an. Als wir vom Highway auf die Landstraße nach Wadi Musa abgebogen waren, fuhren wir auf eine dichte Wolkenwand zu. Die Vorhersage für die kommenden beiden Tage machte auch nicht wirklich viel Mut. Nach Ankunft pries natürlich die Taxi-Mafia wieder ihre Dienste an. Ich hatte mich vorab nicht über die Lage von Busstation und Hotel informiert, wusste also nicht wie weit es war und es entwickelte sich nun folgende Kommunikation. Taxi-Mokel: "Where do you go?" Ich: "Hotel Al-Rashid." Mokel: "Oh, 2 kilometer. 2 Dinar." Ich: "No, 1 Dinar is enough." Mokel: "Ok, you can walk." Ich: "Yes, I know. You are right." Nach nicht einmal dreihundert Metern waren wir am Ziel. Diese Branche funktioniert doch immer gleich. Ehrlich, man kann noch so respektvoll und gastfreundlich von der Bevölkerung eines Landes aufgenommen werden - die Taxi-Affen sind immer die allerletzten Heckenpenner!

Da sich das Wetter aber nicht nur hielt, sondern wieder aufklarte, checkten wir nur kurz ein und machten uns auf die Socken. Vom Hotel bis zum Besucherzentrum und dem Eingang zu Petra waren es 1,5 Kilometer. Petra entstand um 500 vor Christi Geburt, als die Nabatäer die Herrschaft in der Region übernahmen Bild Bild Bild Bild und die Stadt zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickelten. Dieser Volksstamm konnte sich lange behaupten und ihren Einfluss sogar noch ausweiten. Der große Fehler war wohl, dass sie dann auch ein Auge auf Jerusalem warfen und die Stadt belagerten. Das gefiel den Römern natürlich überhaupt nicht und diese machten der Nummer ein Ende und drängten die Nabatäer zurück. Das Volk behauptete sich aber und blieb bis in das 2.Jahrhundert autonom. In dieser Phase erlebte Petra seine Blütezeit und viele der monumentalen Felsbauten entstanden. Dann wurden die Nabatäer endgültig von Rom besiegt und ins Reich eingegliedert, blieben aber in Petra ansässig. Erst schwere Erdbeben in den folgenden Jahrhunderten und die Eroberung durch die Araber vertrieben die letzten Bewohner. Die Gebäude verfielen in den folgenden Jahrhunderten und erst um 1600 siedelte sich das Beduinenvolk der 'Bdoul' dauerhaft in der Gegend an. Diese leben auch heute noch dort, aber nicht mehr von Vieh- und Landwirtschaft, sondern natürlich vom Tourismus. Man kann das beduinische Volk bei genauem Hinsehen an der dunkleren Haut und den scharf geschnittenen Gesichtszügen gut von den 'normalen' Jordaniern unterscheiden. Nachdem man das Gelände betreten hat, läuft man einige hundert Meter an ersten kleineren Bauten vorbei zum Eingang des 'Siq'. Bild Der Siq ist eine 1200 Meter lange, sich teilweise auf eine Breite von zwei Metern verengende, bis zu 70 Meter tiefe Schlucht, die durch tektonische Verschiebungen und nachfolgende Auswaschung entstanden ist. Die Schlucht ist schon sehr beeindruckend und windet sich kurvenreich durch den Fels. Am Ausgang des 'Siq' steht man dann unmittelbar vorm 'Khazne al-Firaun', vor der 'Treasury', dem Schatzhaus. Bild Bild Wer die Film-Reihe 'Indiana Jones' gesehen hat, wird dieses Gebäude kennen, denn es diente als Kulisse für den dritten Teil 'Der letzte Kreuzzug'. Das Schatzhaus ist das bekannteste und bedeutendste Bauwerk von Petra. Die Fassade wurde 40 Meter hoch und 25 Meter breit in den Fels geschlagen. Der Name ist allerdings irreführend, denn die Schatzkammer diente tatsächlich als Grab. Mehrere Kammern und Nischen verbergen sich hinter der eindrucksvollen Fassade. Betreten darf man die Schatzkammer seit einigen Jahren nicht mehr. Durch eine breitere Schlucht, den 'äußeren Siq', geht es weiter. Bild Bild Entlang der 'Fassadenstraße' erreicht man einen weiten Platz, dem sich links das römische Theater, das einmal 10tsd Leuten Platz geboten haben soll, und rechts die Königsgräber anschließen. Bild Vom Platz aus führt auch eine teilweise steiler Weg mit in den Fels geschlagenen Stufen zum 'hohen Opferplatz'. Eine gute halbe Stunde muss man schon für den Aufstieg einplanen. Belohnt wird man dann mit einem phantastischen Ausblick über das ganze Tal. Nachdem Abstieg nahmen wir uns kurz das Theater vor und dann den kleinen Aufstieg zu den Königsgräbern auf uns. Dreizehn Grabkammern, die unterschiedlich gestaltet sind, reihen sich mit teilweise prunkvollen Fassaden aneinander. Das 'Palastgrab' ist die größte Grabanlage der gesamten Stadt. Die Fassade misst 50 Meter in der Breite und 45 Meter in der Höhe. Das 'Urnengrab' dagegen unterscheidet sich von den anderen Gräbern durch seinen Vorhof. Der Tag neigte sich mittlerweile Richtung Dämmerung und das stete Auf und Ab ging auch ganz ordentlich in die Beine, so dass wir mit Blick auf den folgenden Tag entschieden, den Rückzug anzutreten. Das sollte sich noch als Fehler herausstellen. Aber das gesehene beeindruckte schon schwer. Kann man in Worten gar nicht wiedergeben. So behält 'Lawrence von Arabien' recht, der da sagte, dass Petra der herrlichste Ort der Welt sei, aber jede Beschreibung dessen, vor dem eigenen Erleben der Stadt verblasst.

Als wir ins Hotel zurück kamen, sahen wir wie der Manager im Foyer saß und sich mit einer anderen Person unterhielt. Erst beim zweiten Hinsehen, erkannten wir, dass der Gesprächspartner Hany war, was ein mittelschweres 'Hallo' ergab. Wie klein kann Jordanien denn sein, dass man sich nach nur einem Tag genau am anderen Ende des Landes wieder trifft?! Skurrile Geschichte. Nach einer ausgiebigen Dusche, gingen wir was Essen und danach, weil ein paar "Feierabend-Biere" nirgends aufzutreiben waren, in die benachbarte Shisha-Bar. Ich hatte noch nie ne Shisha geraucht. Klingt komisch, is aber so! Da ich mir aus Zigaretten nie was gemacht habe, kam auch Rauch aus ner Wasserpfeife nie großartig in Frage. Auf der Suche nach irgendeinem Suchtmittel kam uns nun aber in den Sinn, mal so ne Piepe auszuprobieren. Watermelon-Mint war das erwählte Aroma. Prinzipiell sogar ganz angenehm, auch wenn wir uns im Vergleich zu den anderen anwesenden Konsumenten vermutlich eher dämlich angestellt haben. Wir kamen dann mit dem etwas zugekifften Besitzer der Bar ins Gespräch, der ganz beiläufig erwähnte, dass zwar kein Bier auf der Karte stünde, er es aber trotzdem verkaufen würde. Na Junge, warum hast Du das denn nicht gleich gesagt? Ein - natürlich hoffnungslos überteuertes - Gerstensäftchen gönnten wir uns noch bevor wir uns ins Hotel zurückzogen.

Mo. 22.02. - Petra... oder auch nicht!

Das tröpfelnd-trommelnde Geräusch auf der Fensterbank war eindeutig. Es regnete und das nicht wenig. Damit war die miese Wetterprognose also eingetreten! Wir gingen erst einmal zum Frühstück, wo die anderen Hotelgäste ähnlich belämmert aus dem Fenster schauten wie wir. Abwarten war also die Devise. Deshalb verkrochen wir uns wieder aufs Zimmer. Ab und an mal aus dem Fenster geschaut oder vor die Tür gegangen um die Lage zu checken, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Kurz nach Mittag entschieden wir, es drauf ankommen zu lassen. Wir präparierten uns so gut es geht - endlich erschien es mir mal sinnvoll, dass ich immer ein Einweg-Regencape auf Reisen mitnehme - und fuhren mit dem Taxi zum Besucherzentrum. Dort gab es aber schon an der Pforte den satten Leberhaken, der den ungleichen Kampf von Mensch gegen Naturgewalt durch technischen K.O. für die fiese Petra entschied. Heute geschlossen! Durch den steten Dauerregen hatte sich der 'Siq' offenbar in einen Bach verwandelt und war nicht passierbar. Unfassbar! Derart schlechtes Wetter herrscht in Jordanien wahrscheinlich höchstens drei Tage im Jahr, im wüstenreichen Süden vielleicht nur einen Tag. Und den hatten wir erwischt. Shit happens - kann man nix machen. Immerhin hatten wir am Vortag noch Glück mit dem Wetter, denn eigentlich sollte schon der Sonntag lecker aussehen. Noch übler traf es eine eintreffende Reisegruppe, welche die Nummer wohl als Tagestour aus Israel gebucht hatte. Die Leute bekamen von ihrem Reiseleiter zehn Minuten Zeit zu überlegen, ob sie spontan eine Übernachtung buchen und Petra am Folgetag besichtigen oder zurückfahren wollen. Wir trödelten ein wenig durch das kleine Museum und traten dann den Rückweg an. An einem kleinen Supermarkt machten wir Halt, um was Essbares zu erwerben. Als wir da so unentschlossen rumstanden, fragte uns der Ladenbesitzer ob wir Hunger hätten. Nachdem wir diese Frage bejaht hatten, sammelte er ein paar Zutaten und bereitete uns ein Sandwich aus Fladenbrot, Schmierkäse, Wurst und Oliven zu. Kosten tat es exakt null! Wir waren eingeladen. Das sind die Situationen, die ich auf den Reisen so liebe. Nicht weil man vielleicht zwei oder drei Dinar spart. Sondern ob dieser Botschaft der Gastfreundlichkeit. Ich finde das absolut klasse. Da kannst Du als Fremder in Deutschland in tausend Läden gehen und hast sicher noch nicht mal nen Lolli, sondern eher nen fremdenfeindlichen Spruch bekommen. Shukran, mein kleiner Jordanier, das war eine tolle Geste. Grad mal 14:00 Uhr war es nun. Was anfangen mit diesem Schweine-Tag? Normalerweise genau die Situation, um sich zwei Paletten Dosenbräu zu kaufen und richtig einen wegzuschädeln. War aber mangels Stoff nun mal nicht möglich. Also wieder im Zimmer rumgegammelt. Marcel schlief den Schlaf der Gerechten und ich versuchte es mal mit einem Film auf dem Tablet. Abends dann wieder Essen und ab in die Shisha-Bar, wo uns der Besitzer echt nicht wieder erkannte und uns dieselbe Scheiße vom Vortag noch einmal erzählte. Wie stoned war der Typ denn bitte gestern?

Di. 23.02. 14:30 - Al-Wehdat SC vs Al Hidd Club 2:0 (AFC-Cup), 6.000 Zuschauer (0 Gäste)

Der Wecker bimmelte gegen 7:00 Uhr und es lag ein langer Tag vor uns. Am Vortag war noch die Überlegung aufgekommen, durch die Akquise eines privaten Fahrers statt des Busses Zeit zu gewinnen und die Petra mit dem Öffnen der Tore um halb sieben noch einmal zu besuchen. Die Entscheidung dagegen haben wir uns letztlich alles andere als einfach gemacht, aber es wäre nur Hetze und kein Genuss geworden, so dass wir von diesem Plan mit einer Träne im Knopfloch Abstand nahmen. Ohne es zu diesem Zeitpunkt zu wissen, aber vollkommen zu Recht, denn es hatte zwar aufgehört zu regnen, die Wolken hingen aber immer noch schweinetief über dem Tal. Marcel war irgendwie nicht so voll auf dem Damm, daher latschte ich allein zum Frühstück und auch wieder zurück. Ausgecheckt und ab zum kleinen Busbahnhof, wo wir um kurz vor neun auftauchten. Dieses Mal hatten wir nicht so viel Glück, denn der wartende Bus war noch beinahe leer. Dafür erlebten wir den zweiten Teil der Reihe "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben" denn der Busfahrer war derselbe wie auf der Hinfahrt. Nach einer knappen Stunde ging es endlich los. Wadi Musa liegt ja wie der Name es schon sagt (Wadi = Tal) in einem ziemlichen Loch. Also kletterte der Bus erst einmal aus dem Wadi heraus und je höher wir kamen, desto dichter wurde der Nebel. Als wir den höchsten Punkt der Strecke passierten, lagen sogar ein paar Zentimeter Schnee! Und das in Jordanien! Hielt den Fahrer aber nicht davon ab, wie ein Wahnsinniger zu rasen und waghalsige Überholmanöver zu starten. Außerdem meinte er wohl, dass es bei Tempo 100 bei vielleicht fünfzehn Metern Sicht auch kein Problem ist, mit dem Handy zu telefonieren, da sich das Risiko ja eh nicht mehr erhöhen lässt. Er selbst schien also nicht sehr am Leben zu hängen. Ob die anderen Passagiere ihre Sorge einfach nur gut verstecken konnten, ob sie diesen Fahrstil gewohnt waren oder ob es ihnen einfach nur scheißegal war, erschloss sich mir nicht. Jedenfalls fehlte einmal wirklich nur eine Handbreit bis zum Unfall. Aber wie schon mehrfach erwähnt - so oder so ähnlich wird es möglicherweise irgendwann mal zu Ende gehen. Ist jedoch immer noch ehrenvoller als zu Hause im Ruhrpott feige von irgendeinem Raser überfahren zu werden. Zum Glück klarte es auf, sobald wir die gebirgige Region verlassen hatten, und die Sonne übernahm das Kommando. Der Weg über den 'Desert Highway' war exakt so spektakulär wie der Hinweg zwei Tage zuvor und um 13:00 Uhr trafen wir in Amman ein.

Die Droschkenkutscher schreckten bei Ankunft des Busses natürlich hoch wie Bukarests vor sich hin dösende Straßenhunde, wenn der Metzger die Abfälle zur Hintertür rausschmeißt. Da uns der Fahrpreis ja bekannt war, konnte das "Yalla, yalla" schnell beendet werden. Unser Fahrer stellte sich als mein Namensvetter vor, womit das Eis schnell gebrochen war. Mihal fragte dann was wir so vor hätten und schnell waren wir handelseinig, dass er uns am späten Nachmittag für 20 Dinar zur Grenze fahren sollte. Schnäppchen, denn Reiseführer kommunizieren einen Preis von 30 Dinar. Hätten wir sogar noch günstiger haben können, denn der Taxi-Mokel, der uns zum Stadion fuhr unterbot dann noch mit einem Angebot von 18 Dinar. Unser Ziel war aber das 'Jordan Tower Hotel', wo wir die Dienstleistung in Anspruch nahmen, unser Gepäck gegen eine Gebühr von zwei Dinar zu parken. Als wir eintrafen, saß Fletschauge wieder in seinem Sessel wie festgenäht. Ein freies Taxi zu bekommen, dazu noch mit einem Fahrer, der verstand, wo wir hinwollten, war dann gar nicht mal so einfach. Trotzdem waren wir eine halbe Stunde vor dem Kick-off am 'Amman International Stadium'. Einen offiziellen Ticket-Schalter konnten wir nirgends entdecken und auch die Miliz wusste auf Nachfrage nicht zu helfen. Also befassten wir uns mit den zwielichtigen Ticket-Mokeln, die über den Parkplatz schlichen und stapelweise Tickets in den Händen hielten. Für je vier Dinar bekamen wir das Begehrte übergeben. Auf die Tickets war ein Preis von drei Dinar aufgedruckt. Darauf angesprochen erklärte der Verkäufer grinsend "One Dinar for me". Dass es sich gar nicht um Schwarzmarkt handelte, sondern die Typen als mobile Ticket-Boxes fungierten und sich der Mokel den einen Dinar also nicht einmal ‚rechtmäßig‘ verdient hatte, ging mir erst später auf. Drauf geschissen. Das Stadion ist ein weites Oval mit einer überdachten Haupttribüne und einem Fassungsvermögen für 25tsd Menschen. Der arabische Stadion-Klassiker halt, denn bis auf kleine optische Unterschiede sind die Biester ja alle ähnlich. Bild Gegen meine Erwartung füllte sich das Rund für die frühe Anstoßzeit an einem Werktag - Flutlichtmasten zwar vorhanden, aber ohne Lampen - recht ordentlich. Ich hatte nicht einmal eine vierstellige Zuschauerzahl erwartet, aber letztlich fanden sich offiziell 6tsd zu 99,9% männliche Personen ein. Bei genauem Nachdenken auch nicht verwunderlich. In dieser Region arbeitet eh jeder wann er will oder kann, da kann man sich auch mal zwei Stunden für ein Fußballspiel am frühen Nachmittag frei machen. Wie am Samstag in Ar-Ramtha waren hunderte Milizionäre im Einsatz, die auch die Eingangskontrollen übernahmen. Da ich mit meiner wirklich nicht großen Digi-Cam dort schon Probleme hatte und diese erst nach Einschreiten eines Vorgesetzten mit dem Fremden-Bonus mit ins Stadion nehmen konnte, traf ich Vorsorge und steckte mir die Kamera in die Unterhose, da ich diese Körperregion als einzige einschätzte, wo einem ein Araber nicht hin greifen würde. Hinsichtlich der intimen Körperregionen haben die ja echte Beklemmungen, wenn ich mir schon immer die Show ansehe, wie die im Fitness-Studio zwar muskelbepackt bis nach Köln sind und einem mit dem kleinen Finger das Genick brechen könnten, aber nach dem Workout (wenn überhaupt) schüchtern mit der Boxer-Shorts bekleidet duschen gehen, damit man ihnen nicht auf den kleinen Hassan schaut. So wurde dann auch gut kontrolliert, aber eben nicht die 'ambulante Kamera-Tasche'. Dafür wurde der Kugelschreiber beanstandet und einbehalten. Den konnte ich wohl vergessen. Beim Betreten des Blocks wurden wir sogar noch vom Miliz-Generalobermokel per Handschlag begrüßt und während das gemeine Volk seinen Aufenthaltsbereich klar zugewiesen bekam, zeigte er bei uns in alle Himmelsrichtungen und erklärte, dass wir uns hinsetzen konnten wo wir wollten. Taten wir aber nicht, sondern setzten uns respektvoll in den Mokel-Block. Was das Fotografieren anging, war es dann der gleiche Quatsch wie am Samstag. Böse äugten die Milizionäre in die Menge und beobachteten jede Handbewegung argwöhnisch. Nach etwas zögerlicher Analyse der Situation schoss ich Fotos aus allen Lagen. Was soll der Riesen-Aufriss, wenn in der Bude eh kein Schwein mehr interessiert, ob man fotografiert oder nicht.

Der Support von den Rängen überraschte mich dann total. Auf der Gegengerade fanden sich gut 2.500 Leute ein, die dicht zusammen hockten und standen und richtig Gas gaben. Gesänge, die mich stark an türkische Kurven erinnerten, Hüpfeinlagen vorwärts wie rückwärts, Schalparaden, alles dabei. Bild Auch Wechselgesänge, denn links der Haupttribüne hatte sich ein weiterer großer aktiver Block formiert, der seinem gegenüber nicht viel nachstand und zum Einlauf der Teams sogar eine kleine Fähnchen-Choreo ans Tageslicht zauberte. Sportlich war es ein klares Ding. Der Tabellenführer der jordanischen Liga war den Gästen aus Bahrein in allen Belangen überlegen, erzielte aber nur zwei Treffer. Bild Egal, gibt in Gruppenspielen auch drei Punkte. Nach dem Abpfiff beeilten wir uns zur Straße zu kommen. Am Ausgang hielt mir einer der Uniformträger doch tatsächlich meinen Kugelschreiber wieder unter die Nase - welch ein Service. Ein freies Taxi war wieder schwer zu finden, obwohl jedes zehnte Auto eines ist. Irgendwann hielt dann eines an. Der Fahrer war ein Schmierlappen vorm Herrn und der Innenraum hatte sicher auch schon bessere Tage erlebt. Kommunikation war nicht möglich, zumindest nicht auf direktem Wege. Was das Fahrtziel angeht, half die Business Card des Hotels. Und die Fahrpreisverhandlung lief so, dass der Taxi-Mokel einen Mokel-Kumpel anrief, der ein wenig Englisch sprach und ich mit diesem dann den Tarif vereinbarte. Bild So waren wir mit einer Punktlandung wieder am 'Hotel Fletschauge', wo Mihal schon wartete. Schnell das Gepäck geholt - Fletschi wollte nicht einmal Kohle dafür haben - und ab Richtung Grenze. Amman liegt auf beinahe 800 Metern. Die Grenze 'King Hussein Bridge' bzw israelisch bezeichnet 'Allenby Bridge' liegt in der Jordan-Ebene knapp 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Man fährt also stetig bergab. Im Laufe der Fahrt erklärte uns Mihal, dass Adolf Hitler ja n dufter Typ war, weil er die Juden vernichten wollte. Ähm, ja, kann man sicherlich geteilter Meinung drüber sein. Aber manchmal hat man echt den Eindruck, dass es inklusive dem normaldenkenden deutschen nur wenige Völker gibt, denen klar ist, dass Hitler vielleicht nicht ganz so‘n doller Kumpel war. Müßig, das den Gesprächspartnern erläutern zu wollen. So lang kann ne Taxi-Fahrt ja gar nicht dauern. Passend zu seiner Haltung erläuterte er uns noch, dass wir ja nicht nach Israel sondern nach Palästina reisen. Trotz seiner radikalen Ansichten, empfand ich den Jungen nicht als schlechten Kerl. Seine Abneigung gegen Israel kann man objektiv auch ansatzweise nachvollziehen, schließlich haben sich die Israelis gegenüber den Jordaniern ja auch nicht immer korrekt verhalten. Hätte er uns vielleicht nur nicht so deutlich darbringen müssen, zumal ich politische Themen im Ausland eh gerne umschiffe. Prinzipiell finde ich es eh ungewöhnlich, dass Jordanien und Israel so grenzoffen miteinander umgehen, eben weil sie sich ja in der Palästina-Frage in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts auch ein paar mal in die Quere gekommen sind. Nach einer knappen Stunde kamen wir gegen viertel nach sechs an der Grenze an und die große Ungewissheit, wie lang der Übertritt dauern würde stand kurz vor der Aufklärung.

Von ehemaligen Grenz-Absolventen hatte ich von zwei bis sechs Stunden alle möglichen Zeiten genannt bekommen. Dazu sollte man einiges an Grenzschikane in Form von Gepäckkontrollen und verhörartigen Interviews erwarten können. Erster Eindruck nach Betreten des jordanischen Postens: Nix los hier. Man füllt dann einen kleinen Ausreise-Zettel aus, zahlt die Ausreise-Gebühr in Höhe von zehn Dinar und gibt seinen Pass an der Ausweis-Kontrolle ab. Alles easy going und in freundlicher Atmosphäre. Da gute vier Kilometer Niemandsland zwischen den beiden Grenzposten liegen, ist Laufen nicht gestattet. Wäre wohl auch nicht sehr sinnvoll. Also wird ein Shuttle-Bus eingesetzt, der stündlich verkehrt. Da dieses die einzige Möglichkeit ist, die Grenze zu bewältigen, wird hier natürlich der Preis-Willkür der rote Teppich ausgerollt. Für die kurze Fahrt sind 7,50 Dinar plus ein Dinar für das Gepäck fällig. Vor Abfahrt des Busses bekommt man dann seinen Ausweis zurück. Ausreisestempel Fehlanzeige. Da denken sie ja mit, die kleinen Jordanier, denn vom Ausreisestempel könnte man ja auch locker auf die folgende Destination schließen und dieses muss ja nicht jeder erfahren. Die 'King Hussein Bridge' hört sich auch pompöser an, als sie ist, da ist jede Brücke über die Ruhr ein gewaltigeres Bauwerk. Auf der israelischen Seite gibt man dann zunächst sein Gepäck wie am Flughafen auf. Dann geht es zur Einlasskontrolle ins Grenzgebäude. Mit uns warteten dort nicht mehr als zwanzig Leute. Wir waren die letzten in der Reihe und bekamen dann nur ein paar Fragen nach dem woher, wohin und warum gestellt. Als der Mokel dann sein Funkgerät in die Hand nahm und irgendwas da rein brabbelte, dachte ich eigentlich, dass er irgendwem mitgeteilt hatte "Achtung, gleich kommen zwei deutsche Volltrottel, fi**kt die mal richtig!". Weiter ging es zur Körperkontrolle, wo man die persönlichen Dinge durch ein Röntgengerät laufen lässt und selber einen Metalldetektor durchschreitet. Alles wie am Airport. Danach folgt die eigentliche Passkontrolle. Auch hier mussten wir nicht warten. Uns empfing eine freundliche junge Lady, die unsere Hotel- und Flugbuchungen sehen wollte und wissen wollte, was wir in Israel so planen. Natürlich ausschließlich Sightseeing! Und auf keinen Fall nach Palästina! Ok, alles schön, welcome in Israel and have a nice stay! Wie, was, das war es? Wo blieben die nervigen Fragen? Mann musste dann noch eine weitere Schleuse passieren, deren Sinn sich mir nicht erschloss und wo nur ein Typ breit grinste und noch mal einen schönen Aufenthalt wünschte. Dann folgte die letzte Hürde. Das Gepäck kommt auf einem Laufband angerollt und wenn es nicht zur eingehenderen Kontrolle rausgefischt wird, bekommt man es im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße geschmissen und dann ist man drin im Heiligen Land. Wenn man nun die Warterei auf den Grenz-Shuttle abzieht, hat die ganze Aktion vom Betreten des jordanischen bis zum Verlassen des israelischen Postens eine gute Dreiviertelstunde gedauert. Da weiß ich doch gar nicht, was diese Ammen-Märchen von der mehrstündigen Prozedur sollen :-) Ein entscheidender Faktor dürfte unsere späte Ausreise gewesen sein. Die Grenze ist von 8:00 bis 22:00 geöffnet und man muss die Ausreise von jordanischer Seite um spätestens 20:00 Uhr beginnen, damit man die First noch einhält. Als wir aufkreuzten, war das Tagesgeschäft wohl einfach schon gelaufen. Einen israelischen Stempel bekommt man übrigens in keinem Falle mehr in den Pass gestempelt, sondern man erhält automatisch einen separaten Schnipsel.

Mehr oder weniger sofort fuhr ein Mini-Bus nach Jerusalem ab. 15 Euro lautet der Fahrpreis für die knapp 40 Kilometer bis zum 'Damaskus-Tor'. Eine Mitfahrerin, kanadische Jüdin mit Wohnsitz in Amman, zeigte uns den Weg in Richtung unserer Unterkunft, wo wir nach zwanzig Minuten Fußweg eintrafen. Im 'Post Hostel' hatten wir ein Zweibett-Zimmer mit Bad gebucht. Frecher Weise wies man uns einen Raum mit blauer statt roter Eingangstür zu. Das nenn ich mal fehlendes Fingerspitzengefühl! Das Zimmer war in Ordnung und das Hostel lieferte eigentlich eine ganz coole Atmosphäre, wenn nicht die ganzen unvermeidlichen Traveller-Affen zugegen gewesen wären. Also schnell wieder raus da, ein 'Chicken Shawarma' essen und in 'Mikes Bar' Champions League schauen und ein Bierchen schlürfen. Letzteres war ja bisher viel zu kurz gekommen! Die Bar war nicht klein und jeder Gast bekam ein Los hingelegt. Nach Ende der CL-Partien wurde ein Los gezogen und der Gewinner bekam die konsumierten Getränke geschenkt. Ratet mal! Leider hatten wir uns wegen der gepfefferten Bier-Preise sehr zurück gehalten - hätte man es mal geahnt. Überhaupt zeigte sich schon, dass die Preise in Israel sehr schweizerisch sind. Im Hostel gab es beflügelt vom Hauptgewinn noch ein Bier und dann war Pennen angesagt, wovon uns auch ein dauerhaft lauter Generator im Innenhof nicht abhalten konnte. Marcel pennt eh unter allen Bedingungen wie ein Baby und ich dichtete mir die Gehörgänge wieder mit Knet-Silikon ab.

Mi. 24.02. 16:00 - Shabab Al-Dhahiriya vs Al-Quwa Al-Jawiha Club 0:2 (AFC-Cup), 8.000 Zuschauer (0 Gäste)

Heute morgen ließen wir es mal locker gehen und trollten uns erst gegen halb zehn zum Frühstück, das für ein Hostel-Angebot gar nicht so verkehrt war. Gegen 11:00 Uhr waren wir dann am Busbahnhof am Damaskus-Tor, von wo Busse nach Betlehem verkehren. Nur sieben Schekel (4 Schekel = 0,95 Euro) kostet die knapp halbstündige Fahrt. Bild Dort angekommen wieder das super Spiel, dass man noch nicht aus dem Bus ausgestiegen ist, aber die Taxi-Mafia einem schon Preise entgegen schreit ohne zu wissen, was der Fahrgast will. Okay in Betlehem dreht sich natürlich alles um die Geburtskirche Jesu, die über der vermuteten Geburtsstelle errichtet wurde - was sollen fremdländisch aussehende Menschen auch sonst hier wollen. Ich erwidere ja dann meist gar nix, sondern gehe erst einmal ein paar Meter zur Seite. Der Wortführer ballerte mir erst einmal ein super Angebot von 400 Schekeln für die Fahrt zur Geburtskirche inklusive Führung hin. Grund genug, sich wortlos umzudrehen und die Straße weiter runter zu laufen. Der Taxi-Pöbel folgte natürlich umgehend wie ein Rudel Hyänen einem verwundeten Tier. Die Preise fielen dann stetig bis auf 150 Schekel. Bild Mittlerweile hatte aber auch der dümmste Mokel in der Runde begriffen, dass wir nicht komplett blöde sind. Mit diesen Geiern halte ich es auch wie mit einem Hund, den ich aus dem Tierheim holen würde. Nie den nehmen, der schwanzwedelnd angelaufen kommt, sondern lieber den, der hinten noch schüchtern in der Ecke steht und treu guckt. So war der einzige Fahrer mit dem ich mich ernsthaft auseinandersetzte, derjenige, der sich bisher zurückhaltend und respektvoll verhalten hatte. Passte dem selbsternannten Anführer natürlich überhaupt nicht, deshalb mischte er sich immer wieder ein, bis ich ihm mal klar und deutlich zu verstehen gab, dass er sich ganz weit im Aus befindet. Dem anderen Mann erklärte ich ruhig, dass wir Betlehem auf eigene Faust erkunden möchten, wir aber am Nachmittag noch zum Fußball in Dura möchten. Er bot uns an, uns für 150 Schekel dorthin zu fahren, zu warten, und uns nach dem Spiel wieder nach Betlehem zurück zu fahren. Gute 35 Euro also für 4 Stunden Aufwand und etwa 35 Kilometer hin und wieder zurück. Klang zumindest halbwegs fair und wir ließen uns mal seine Handy-Nummer aufschreiben. Darauf erklärte er uns noch welchen Weg wir zur Geburtskirche nehmen müssen. Geht doch. Wenn alle die Ruhe bewahren, kann mich sich sogar vernünftig mit den Leuten unterhalten. Mit manchen zumindest. Hin nach Dura würde eh nicht das Problem. Der Rückweg war ein wenig ungeklärt, da am frühen Abend die 'Sherut'-Verkehre langsam zum Erliegen kommen.

Wenn man an Betlehem und die Krippengeschichte denkt, erwartet man ein verschlafenes Dorf mit ein paar Häusern und einem Stall. Ist natürlich totaler Blödsinn. Betlehem ist eine 30tsd Einwohner zählende im Westjordanland liegende Kleinstadt mit arabischer Prägung. Dementsprechend orientalisch geht es da auch zu. Alles wuselt durcheinander, die Straßen sind eng und verstopft und Laden reiht sich an Laden. Bild Trotzdem hat der Ort Flair, vor allem natürlich die Altstadt mit ihren engen Gassen. Die Geburtskirche deuteten wir zunächst nicht als Geburtskirche, da sie relativ klein ist und auch nur über einen kleinen Glockenturm verfügt. Da hatten wir wohl eine etwas romantisch verklärte Vorstellung. Da die Kirche aber aus frühchristlicher Zeit um das 4.Jahrhundert stammt, ist das natürlich kein Riesenbau, denn zu jener Zeit waren die Menschen noch gar nicht in der Lage so große Gotteshäuser zu bauen wie zum Beispiel im Mittelalter. Deshalb ließen wir die Geburtskirche auch zunächst links liegen und landeten stattdessen in der 'Milchgrotte'. Dieses soll der Ort sein, an dem die Sterndeuter, oder biblisch bezeichnet die Heiligen Drei Könige, Maria und ihr neugeborenes Kind aufgesucht haben. Danach latschten wir dann zurück zur Geburtskirche. Diese wird momentan saniert, weshalb sich eine besondere Atmosphäre nicht ergibt. Bild In der Krypta unter dem Altarraum befindet sich die Felsnische, die als der Ort verehrt wird, in der Jesus Christus geboren worden sein soll. In der Nische befindet sich ein silberner Stern mit eingelassener Glasscheibe, welche die genaue Geburtsstelle markieren soll. Überraschend fand ich, dass sehr wenig los war. Ich hätte erwartet, dass man ewig anstehen muss, bis man in die Krypta gelangt, aber mit uns waren gleichzeitig maximal zehn Leute anwesend. Da gibt es dann solche wie uns, die den Ort eher besichtigen. Dann gibt es diese, die den Moment zumindest im Bilde festhalten wollen. Zum Beispiel die vermutlich armenische Frau mit ihren vier Kindern, die in allen erdenklichen Besetzungen fotografiert werden mussten. Und dann haben wir noch die, die sich von ihrem Glauben überwältigt auf den Stern schmeißen und die Glasscheibe abknutschen, als gäbe es kein Halten mehr. Mal abgesehen von hygienischen und ästhetischen Aspekten ist mir sowas ne Nummer zu groß. Ich respektiere zwar grundsätzlich jeden so, wie er seinen Glauben ausleben möchte - von extremistischen Auswüchsen mal abgesehen - aber eine derartige Show entzieht sich vollkommen meinem rationalen Verständnis. Ich selber würde mich auf jeden Fall als gläubigen Christen bezeichnen. Ich habe zwar eine eigene kritische Meinung zu den Institutionen und Regeln der katholischen Kirche und ich praktiziere meinen Glauben auch eher selten, aber ich sehe mich als gläubig an. Der Besuch in der Geburtskirche entspringt aber historischem Interesse, und nicht dem Wunsch, etwas von der Kraft Jesu zu spüren oder wie man es ausdrücken soll. Vielleicht fand ich auch deshalb das Verhalten derer die vor Demut beinahe zerflossen äußerst befremdlich, auch wenn ich es nicht anders erwartet habe.

Wir bewegten uns zum kleinen Busbahnhof, von wo die 'Sherut' in alle Richtung des Westjordanlandes abfahren. Für ganze sechs Schekel fuhren wir bis Hebron, wo wir umsteigen und noch einmal drei Dinger bis ins benachbarte Dura berappen mussten. 50 Minuten vor dem Kick-off waren wir nun am 'Dura Stadium', in das schon Menschen um Menschen hinein drängten. Für zwanzig Schekel taten wir es ihnen gleich, vermutend, dass uns der Ticket-Verkäufer zu viel abnahm, aber wie soll man das nachweisen? Mit der Kamera in der Unterhose ging es also rein. Das kleine Umhänge-Täschchen wurde auch wieder genau kontrolliert. Der Kugelschreiber gefiel auch hier nicht, aber der Soldat schaute mich großzügig an und murmelte dann "Okay". Bild Das Stadion ist ein unüberdachtes 'L'. Nur hinter einem Tor und auf einer Geraden befinden sich durch einen Eckblock fließend miteinander verbundene relativ große Tribünen. Das Stadion füllte sich erneut unerwartet gut. Hinter dem Tor formierte sich die Gruppe 'Ultras Ghozlany', die vor dem Spiel sehr gut einheizte, und zum Einlaufen der Teams eine Blockfahne hochzog. Bild Ein junger Palästinenser, der sich neben uns zu seinen Bekannten setzte, orderte bei einem der fliegenden Kaffeehändler, die mit kunstvoll verzierten großen Metallkannen unterwegs waren, Kaffee für sich, seine Bekannten und für Marcel und mich. Wieder einmal eine sehr nette Geste. Shukran! Nach dem Einlaufen der Mannschaften liefen die Spieler des irakischen Gast-Vereins Al-Quwa Al-Jawiha, was übersetzt Luftwaffen-Sportclub heißt, in die Kurve und warfen Rosen ins Publikum. Unser neuer Freund, Sherdi mit Namen, erklärte uns dass die Iraker wie auch die Algerien als Brudervölker betrachtet werden. Die Gästespieler waren ihren Brüdern dann auf jeder Position glasklar überlegen und erzielten früh den Führungstreffer. Nach dem ersten Entsetzen spendeten die 8tsd Zuschauer dem Torschützen wohlwollenden Applaus. Leider war der Treffer Gift für die Support-Bemühungen der Ultra-Gruppe. Die Stimmung verflachte mehr und mehr. Die Kräfteverhältnisse auf dem Feld waren einfach zu eindeutig verteilt. Nach einer halben Stunde erhöhten die Iraker auf 2:0 und der Torschütze entschuldigte sich wie beim ersten Tor sofort beim Publikum. Hatte glatt was von Freundschaftskick. Bild In der Halbzeit war der Zeitpunkt gekommen, Freund Sherdi mal auf den Zahn zu fühlen. Ich wollte seine Meinung hören, wie wir wohl am besten nach Jerusalem zurückkommen und nicht ganz unerwartet und natürlich auch etwas darauf spekulierend, bot er uns an, uns bis zum Checkpoint zu bringen. Nahmen wir gerne an, bestanden aber darauf die Fahrt zu bezahlen. Einen Preis wollte er nicht nennen, also legten wir 60 Schekel fest, knapp 14 Euro. Eigentlich viel zu viel, aber sicher günstiger, als eine Taxifahrt aushandeln zu müssen. Die zweite Halbzeit plätscherte dann so dahin. Die Gastgeber waren nicht in der Lage das Tor der Iraker ernsthaft in Gefahr zu bringen und diese wollten die freundschaftlichen Beziehungen wohl nicht gefährden und bemühten sich, kein weiteres Tor zu erzielen. Das schien auch die Menschen auf den Rängen zu langweilen, denn wie aus dem Nichts entstanden auf der Tribüne hinter dem Tor Auseinandersetzungen zwischen Zuschauern und Polizei. Die Staatsmacht ließ zwar das Migräne-Stäbchen ordentlich kreisen, aber das gemeine Volk zog an einem Strang und drängte die Uniformierten einfach aus dem Stadion. Dazu gab es noch Artillerie-Unterstützung aus den umliegenden Blöcken, aus denen ohne Rücksicht auf Verlust alles was den Leuten in die Finger fiel in Richtung der Tumulte abgefeuert wurde. Überwiegend waren das Wasserflaschen, teilweise im komplett gefüllten Zustand. So ließen sich Treffer durch 'friendly fire' nicht vermeiden und der eine oder andere Zuschauer wird mit ner ordentlichen Beule am Kotzappel nach Hause gegangen sein.

Nach Spielschluss gingen wir mit Sherdi zu dessen Fahrzeug, einem Skoda Octavia der vorletzten Baureihe. Auf der Fahrt bekamen wir ein wenig die Repressionen durch den israelischen Staat erläutert, unter denen die Palästinenser zu leiden haben. Ich möchte mich nicht positionieren, wer nun den schwärzeren Peter in der ganzen Geschichte hat. Die ganze Sachlage ist einfach völlig beschissen und ohne Aussicht auf Lösung. Ich bin einfach nur froh, dass mich der Schöpfer in Deutschland hat aus dem Ei schlüpfen lassen und dass auf meinem Pass ein Bundesadler klebt. Sherdi brachte und zum Checkpoint der Straße 60 zwischen Hebron und Jerusalem. Dummerweise ist dieser Checkpoint nur für Fahrzeuge und nicht für Fußgänger vorgesehen. Marcel sah das aber recht unbedarft und stiefelte einfach drauf los, meine Bedenken mit einer strikten Handbewegung wegwischend. Also näherten wir uns dem Checkpoint, wo natürlich mehrere Soldaten mit um den Hals gehängten Bleispritzen kontrollierten. Es dauerte auch nicht lang, bis wir scharf angesprochen wurden. Gut, dass wir mit den blonden Haaren nicht unbedingt wie Araber aussahen, sonst kann so ne Geschichte vielleicht auch mal anders ausgehen. Der Soldat fragte wer wir sind und was wir wollen und zwang dann einfach Fahrer des zufällig neben uns stehenden Busses uns mitzunehmen. Dass der Bus zum 'Damaskus-Tor' fuhr war natürlich eine nicht unangenehme Begleiterscheinung. In einem Mini-Markt versorgten wir uns mit ein paar Dosen Bier und ließen den Abend dann im Hostel ausklingen.

Do 25.02. - Jerusalem


Heute galt die Konzentration der Heiligen Stadt. Zunächst stand der Check-out aus dem Hostel an. Eine Viertelstunde Fußweg entfernt übernahmen wir in einer 'Budget'-Filiale für den Rest unserer Reise einen Mietwagen. Also ich hab ja schon in einigen Mietwagen-Buden gestanden, aber so ein Durcheinander und so eine Hektik wir in diesem Etablissement habe ich noch nicht erlebt. Mit stolzgeschwellter Brust offenbarte uns der Mitarbeiter, dass wir in den Genuss eines Upgrade kamen. Wenig später übernahmen wir einen südkoreanischen Renner mit Namen 'Elantra' aus dem Hause Hyundai Motors mit gefühlten sieben Millionen Kilometern auf der Uhr. Das Ding war absolut durch und total verwohnt. Bild Eigentlich eine Frechheit, so einen Schrotthaufen noch anzubieten. Die Mühle war bestimmt schon mal drei Mal abgeschrieben, aber da scheint man dem jüdischen Volk nicht unbedingt grundlos einen speziellen Geschäftssinn zu unterstellen. Wir starteten also unseren neuen Gefährten, nur um ihn 500 Meter weiter direkt in ein Parkhaus zu stellen. Durch das 'Jaffa Gate' betraten wir die Altstadt. Diese besteht ist in vier ethnische Teile gegliedert, das armenische, jüdische, muslimische und christliche Viertel. Als fünftes 'Viertel' gilt der Tempelberg mit den islamischen Heiligtümern. Wir durchquerten zunächst das armenische Viertel nach Süden und verließen die Altstadt direkt wieder durch das 'Zion Gate'. Dahinter liegt der Berg Zions, auf dem die Stadt Davids steht oder stand. Bild Bild Hier befinden sich der Ort an dem die Gottesmutter Maria verstorben sein soll und der Saal des letzten Abendmahls, dessen Standort aber umstritten ist. Zurück in der Altstadt setzten wir unseren Weg fort ins christliche Viertel zur Grabkirche Jesu. Bild An diesem Ort, über dem die Kirche errichtet wurde, sollen Kreuzigung und Grablegung Jesu stattgefunden haben. Untersuchungen ergaben, dass die Lokalisierung historisch und archäologisch berechtigt ist. Zu Zeiten Jesu lag diese Stelle außerhalb der Stadt und eine Rekonstruktion des Geländes ergab, dass sich der Ort in der Kirche, an dem man heute die Gruft Jesu sieht, damals unter massivem Felsgestein lag. Ebenfalls befindet sich in der Kirche der Salbungsstein, also die Stelle an dem der Leichnam für das Begräbnis vorbereitete wurde. Hier kann man dann eine ähnliche Show bestaunen wie in der Geburtskirche, denn nicht wenige Gläubige knien und legen sich dorthin und küssen die Steinplatte. Natürlich nicht, ohne von einem Mitreisenden ein 'Action-Foto' davon machen zu lassen. Über die 'Via Dolorosa', den Weg, den Jesus das schwere Kreuz zum Ort der Kreuzigung schleppen müsste, schlurften wir weiter zur 'Klagemauer'.

Bild Bevor man das jüdische Viertel betritt, muss man eine kleine Sicherheitsschleuse passieren. Die Klagemauer ist die westliche Begrenzung des 'Tempelberges', dem Gelände, wo einst der zweite Jerusalemer Tempel zur Ehren des früheren israelischen Herrschers Salomon stand. Dieser Tempel wurde bereits 70 nach Christus von den Römern zerstört. Der Tempel war für die Juden der Ort, an dem Gott zu den Menschen kam. In einem separaten Bereich des Tempels wurde die 'Bundeslade' aufbewahrt, ein Kultgegenstand des Volkes Israel, dessen Existenz aber auf Mythen beruht. Diesen Ort zu betreten war nur dem Hohepriester einmal jährlich erlaubt. Da der genaue Standort des Tempels nicht bekannt ist, betreten orthodoxe Juden den gesamten Tempelberg also generell nicht. Bild Zunächst war ich erstaunt, dass man sich als offen erkennbarer Tourist dort frei bewegen kann, dann jeder orthodoxe Jude ist mindestens an der 'Kippa', der kleinen kreisrunden Kopfbedeckung erkennbar. Es schien aber lediglich wichtig, überhaupt die Pflicht der Bedeckung des Hauptes als Zeichen der Ehrfurcht vor Gott zu wahren. Diese Voraussetzung erfüllte ich mit meinem Baseball-Cap, dass ich wegen der vom Himmel brennenden Sonne trug bzw tragen musste, da ich mir sonst fürchterlich die von zu wenig Haupthaar bedeckte Hirse verkohle. Im jüdischen Glauben existiert eine Geschlechtertrennung. Diese ist zwar anders als in der arabischen Welt eher auf den religiösen Teil des Lebens beschränkt, aber die Frau ist schlechter gestellt als der Mann. In der Moderne hat sich dieses Bild allerdings angeglichen, lediglich im orthodoxen Brauchtum existieren die alten Grundwerte. So gibt es an der Klagemauer für Männer und Frauen getrennte Bereiche, wo sich dieses auch widerspiegelt. Während die Frauen nur einen kleinen Abschnitt betreten dürfen, nutzen die Männer den Großteil der Fläche mit daneben liegendem großen Gebetsraum. Auch diesen konnte ich problemlos betreten und hier waren noch mehr Orthodoxe als draußen, die sitzend oder stehend mit der typischen wippenden Körperbewegung beinahe in Trance ihr Gebet verrichteten. Draußen an der Klagemauer wurde auch 'Bar Mizwa' gefeiert. Das ist der Tag an dem die Juden - Männer wie Frauen - im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren ihre religiöse Mündigkeit erhalten. Bild Ab diesem Tag hat man alle Pflichten des Judentums zu erfüllen und darf das erste Mal aus der Tora vorlesen. Diese Feiern habe ich als sehr fröhlich beobachtet. Es wurde auf religiöse Weise viel gesungen und getanzt ohne dabei den feierlichen Rahmen zu verletzen. Obwohl mir der orthodoxe Strang des Judentums etwas befremdlich und teilweise suspekt vorkommt, fand ich es sehr interessant diese Handlungen zu verfolgen. Bild Oberhalb der Klagemauer liegt also der 'Tempelberg'. Um diesen auf einfachem Wege von der Klagemauer zu erreichen, führt der Weg durch die nächste Sicherheitsschleuse und dann über einen nicht sehr schmucken, provisorischen Steg eine Etage nach oben. Dort liegt die 'Al-Aqsa-Moschee', die drittwichtigste Moschee des Islam nach denen in Mekka und Medina. Während 'Al-Aqsa' mehr durch Größe besticht, erscheint der unweit befindliche 'Felsendom' deutlich prunkvoller. Der Name ist irreführend, denn es der älteste Sakralbau des Islam. Der Felsendom fungiert nicht als Moschee, sondern als Schrein und wurde über dem Fels errichtet, von dem Mohammed seine Himmelfahrt angetreten haben soll. Nach jüdischer Tradition ist es der Gründungsfelsen, auf den die Existenz der Welt zurückzuführen ist. Wie man es auch betrachtet - der Tempelberg hat im jüdischen, islamischen und auch christlichen Glauben höchste Bedeutung und ist daher einer der weltweit umstrittensten religiösen Orte.

Wir verließen den Tempelberg durch den Ausgang zum arabischen Viertel und kehrten schließlich im christlichen Viertel in einem armenischen Restaurant was essen. Die Bevölkerung in den Vierteln hat sich heutzutage natürlich längst vermischt. Bild Durch das 'Damaskus Gate' verließen wir die Altstadt und gingen entlang der Stadtmauer zurück zum Auto. Mit diesem fuhren wir auf den 'Ölberg' von dem man einen wunderbaren Blick über die Altstadt hat. Jerusalem zu verlassen war dann gar nicht so einfach. Der einsetzende Berufsverkehr hat durchaus die Qualität von Rom oder Paris. Bild Die Stadt hat es ja nicht einfach. Faktisch steht sie komplett unter der Kontrolle Israels und fungiert als dessen Hauptstadt. Aber auch die Palästinenser erheben Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt. Gemäßigte muslimische Gruppen würden sich mit Ost-Jerusalem, den Teil mit den wichtigen religiösen Stätten der drei Buch-Religionen, begnügen. Radikalere Gruppen beanspruchen die gesamte Stadt. Wie im gesamten israelisch-palästinensischen Konflikt ist eine Lösung zur Zufriedenheit aller schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Nachdem wir aus dem Gewühl raus waren, spulten wir die siebzig Kilometer bis Tel Aviv in einer guten Stunde ab. Nach Abholung des Schlüssels im Büro des Vermieters fuhren wir zum gemieteten Apartment. Tel Aviv ist in jeder Hinsicht arschteuer und das Apartment konnten wir für umgerechnet knappe 140 Euro für drei Nächte haben. Wir hatten Glück und fanden einen der ganz wenigen Parkplätze, die ohne jede Gebühr rund um die Uhr benutzt werden dürfen. Ansonsten war in diesem Viertel nur die Zeit zwischen 19:00 und 9:00 Uhr gebührenfrei. Parkzeit gebucht werden kann nur online, was ja nicht sehr ausländerfreundlich ist und sich auch noch bemerkbar machen sollte. Wir waren ziemlich groggy, gingen nur noch einkaufen, kochten uns ein paar Nudeln, konsumierten ein paar Gerstensäfte und hauten uns dann hin.

Fr. 26.02. 12:00 - Hapoel Morasha Ramat haSharon vs Bnei Eilat 0:1 (Liga Alef, Gruppe Süd), 50 Zuschauer (0 Gäste)
Fr. 26.02. 15:00 - Hapoel Petah Tikva vs Hapoel Ashkelon 1:3 (Liga Le'umit), 2.000 Zuschauer (300 Gäste)


Der neue Tag empfing uns mit stahlblauem Himmel und Sonne pur. So muss es sein. Da heute der Tel Aviv-Marathon über die Bühne ging, hatten wir etwas Mühe im Gewirr der Einbahnstraßen unser Viertel zu verlassen. Rechtzeitig am ersten Ziel waren wir trotzdem. In Morasha, einem Ortsteil von Ramat haSharon Bild Bildsuchten wir das 'Grundman Stadium' auf. Das Stadion wird auch vom Ortsrivalen Hapoel Nir (vormals Ironi Nir) genutzt, der es vor ein paar Jahren sogar mal in die erste Liga schaffte. 4.300 Plätze hat das bis auf einen kleinen Bereich unüberdachte Stadion. Auf der einen Längsseite befindet sich eine große Tribüne mit viel Stahlrohr. Auf der anderen befinden sich nur wenige Sitzreihen. Trotzdem ist diese als Hauptseite anzusehen. Der Ground gammelt trotz Nutzung durch die beiden Vereine ein bisschen vor sich hin. Bild Den Tipp zu diesem Spiel bekam ich vom Admin der Facebook-Seite 'Fußball in Israel', der mich auch noch mit weiteren Infos und Ratschlägen versorgte. Noch einmal besten Dank dafür. Auf drittklassiger Ebene empfing der Letzte den Vorletzten, womit ich über die Qualität des Dargebotenen wohl auch nicht mehr viele Worte verlieren muss. Die Gäste aus der südlichsten Stadt des Landes mit dem Zugang zum 'Roten Meer' wurden für die weite Anreise mit einem Sieg belohnt, Bild da die Gastgeber den Führungstreffer von Bnei Eilat nicht mehr egalisieren konnten, sondern in den letzten zehn Minuten lieber drei Mal den Pfosten anvisierten. Während der Abstieg damit nur noch schwer zu vermeiden sein wird, können sich die Spieler aus Eilat weiter an einen dünnen Strohhalm klammern. Keine drei Kilometer Luftlinie waren es nun bis zum nächsten Spielort. Die Verkehrsführung macht es einem aber etwas schwieriger, denn eine Autobahn versperrt den Weg, so dass man einen größeren Umweg fahren muss. Trotzdem waren wir eine Dreiviertelstunde vor dem Anstoß am 'HaMoshava Stadium' in Petah Tikva. Dieses wird vom Erstligisten Maccabi und vom Zweitligisten Hapoel genutzt. Bild Letzterer empfing heute die Gäste aus dem 60 Kilometer entfernten Ashkelon, die etwa 250 Leute, davon etwa zur Hälfte aktive Supporter, mitbrachten. Das Stadion hat nur auf den Geraden Tribünen. Diese wirken mit ihren gewölbten Dächern allerdings mächtig obwohl nur jeweils 6td Leute Platz finden. Insgesamt kein schlechtes Teil. Auch die Gastgeber haben eine kleine Szene. Beide Teams wirkten in der Spitzengruppe der Liga mit. Bild Der Zweite empfing den Dritten. Allerdings mit verdrehten Vorzeichen. Während Ashkelon derzeit die Liga rockte und von Sieg zu Sieg eilte, war die Heim-Mannschaft zwar super in die Saison gestartet, holte aber zuletzt kaum noch was. Es dauerte auch nur sieben Minuten bis zur Gäste-Führung, die mit clever heraus gespielten Toren bis zur Halbzeit auf 3:0 ausgebaut wurde. Die 60-70 Mann starke Ultra-Gruppe der Heim-Mannschaft hatte da schon längst den Dienst quittiert, die Brocken zusammen gepackt und das Stadion verlassen. Offensichtlich war das Fass exakt beim heutigen Spiel übergelaufen. Störte die Ashkelon-Supporter wenig, denn die hatten natürlich allen Grund, Party zu machen. Taten sie auch. Sah ganz ordentlich aus, was sich auf der anderen Seite abspielte. Kurz nach dem Seitenwechsel kam Peta Tikva zum Anschlusstreffer. Wer nun glaubte, es könnte noch einmal spannend werden, sah sich getäuscht. Zwar gab es unmittelbar sogar die Riesenchance zum zweiten Treffer, aber danach hatten die Gäste die Schwächephase überwunden und schaukelten die Partie nach Hause.

Als wir das Stadion verließen wurden wir noch Zeuge einer kurzen Klatscherei. Die Petah Tikva-Ultras harrten noch am Stadion aus und wurden offenbar von abfahrenden Gästen provoziert. Bild Daher ließen sie es sich nicht nehmen, den Provokateuren mal kurz etwas handfester den eigenen Standpunkt klarzumachen. Ganz normale Leute also hier. Wir fuhren zurück in unseren Stützpunkt. Allerdings mit einem kleinen Abstecher zur Promenade, um den Sonnenuntergang mitzunehmen. Die Parkplatzsuche geriet zur Endlosschleife, aber dann fanden wir doch eine Lücke unweit der Unterkunft. Wenn ich mir das jeden Tag geben müsste, würde ich mich wohl zum potentiellen Fahrradnutzer entwickeln. Mit der Restaurant-Wahl hatten wir Pech, denn ein unterdurchschnittliches Kebab fand Einlass in den Verdauungstrakt. Danach latschten wir nochmal zum Strand und schlürften ein Kiosk-Bier an der Promenade, bevor der Abend im Apartment sein Ende fand. Natürlich nicht ohne über den Ticker zu verfolgen, wie die nur mäßig begabten Spieler und rot und weiss knapp 4.500 Kilometer Luftlinie entfernt in Unterzahl erst in allerletzter Minute durch einen wohl unberechtigten Handelfmeter um den Heimsieg gebracht wurden.

Sa. 27.02. 15:00 - Hilal Al-Quds Club vs Taraji Wad Alness FC 2:3 (Liga Alef, Gruppe Süd), 250 Zuschauer (0 Gäste)
Sa. 27.02. 19:30 - Bnei Yehuda Tel Aviv vs Maccabi Tel Aviv 0:1 (Liga ha'Al), 11.500 Zuschauer (7.500 Gäste)


Als ich am Morgen zur Toilette latschte, schauten wir uns kurz in die Augen und dann war das Kennenlernen auch schon wieder vorbei, denn die Schabe verschwand in irgendeiner offenen Fuge. Ich weiß gar nicht wer von uns beiden mehr überrascht war, aber mittlerweile sind mir auch so viele von den Viechern in allen möglichen Farben und Größen über den Weg gelaufen, dass es keine besondere Gefühlsregung mehr hervorruft. Bild Bild In südlichen Gefilden muss man halt damit leben und es gibt auch deutlich unangenehmeres Getier. Nach dem Frühstück fuhren wir mal nach Jaffa, da das Viertel um den alten Hafen recht schön sein soll. Abgesehen davon, dass mir der Hafen nicht sehr alt vorkommt, stimmt das schon, aber es ist halt nicht sonderlich groß, so dass man nach einer halben Stunde auch alles gesehen hat. Der Versuch südlich von Jaffa in die Dünen zu gelangen, scheiterte kläglich, da sich dort Sperrgebiet befindet. Also auf nach Al-Ram, denn heute wollten wir zuerst noch ein Spiel in Palästina schauen. Wir nahmen die Fernstraße 443, die durch das Westjordanland führt, aber unter israelischer Kontrolle steht und daher beinahe über die komplette Länge eingezäunt ist. Wir hatten erst überlegt, mit dem Auto ins Autonomiegebiet zu fahren. Man genießt dort mit dem Mietwagen keinen Versicherungsschutz, aber das anvisierte 'Faisal Al-Husseini International Stadium' befindet sich nur zwei Kilometer vom nächsten Checkpoint entfernt. Da der Teufel aber gern mal im Detail lauert, ließen wir die Mühle stehen und gingen zu Fuß rüber. Rein in die Palästinenser-Gebiete ist ja kein Problem. Man durchschreitet eine einfache Drehtür, wie man sie von Ausgängen älterer Freibäder kennt, und das war es. Bild Bild Beim Durchqueren eines Wohngebietes auf dem Weg zum Stadion wurden wir dann wieder mal freundlich angesprochen. Woher, warum, wieso und so weiter. Wie bei anderen Begegnungen auch, merkte man deutlich, dass sich unser Gesprächspartner darüber freute, dass sich nach Palästina Fremde 'verirrten', die sich nicht von den verbreiteten Schreckensmeldungen abhalten ließen. Vor dem Stadion aßen wir noch ein gutes Kebab. Das Stadion befindet sich nur 100 Meter von der Sperranlage zu Israel entfernt. Dabei handelt es sich um eine acht Meter hohe Mauer, welche die 'Berliner Mauer' im Sachen Negativ-Charme noch deutlich in den Schatten stellt. Bild Im 'Faisal Al-Husseini' trug und trägt die Nationalmannschaft Palästinas ihre Länderspiele aus, die nicht auf neutralen Boden verlegt werden. Allerdings wird mittlerweile auch häufig das Stadion in Dura für internationale Vergleiche genutzt. Bild Verstehen kann ich das eigentlich nicht, denn das Stadion in Al-Ram wird internationalen Standards eher gerecht und vor allem ist es ein komplettes Stadion mit vier Tribünen und überdachtem Bereich auf der Haupttribüne. Mit uns wollten sich noch 250 weitere Interessierte den Kick geben. Zunächst wurden die Ränge aber von einer Polizeieinheit untersucht. Die Aktion erschloss sich mir mal wieder nicht so recht. Al-Quds - übrigens der arabische Name für Jerusalem - standen als Vorletzter schon mit dem Rücken zur Wand. Überraschenderweise stimmten beinahe alle Anwesenden in den angestimmten Support ein. Annähernd 100% Mitmach-Quote erlebt man ja auch nicht so oft. Das Getrümmer auf dem Rasen war allerdings wieder recht schwere Kost. Al-Quds ging zunächst in Führung - eine der wenigen ansehnlichen Aktionen. Die Gäste konnte die Partie aber in der zweiten Hälfte drehen. Der Heim-Mannschaft gelang allerdings der Ausgleich. Aber dann passierte es noch, wie es halt ist, wenn man unten drin steht - mit dem letzten Angriff fiel der Treffer für die Gastmannschaft. Eigentlich hat sich Al-Quds eh alle Treffer mehr oder weniger selber rein gehauen. So wird das nix mit dem Klassenerhalt.

Bild Mit dem Schlusspfiff eilten wir aus dem Stadion. Hatten ja noch einen weiteren Termin. Als wir die Straße Richtung Checkpoint 200 Meter gelaufen waren, hielt ein Sherut neben uns. Konnte eigentlich nur Richtung Checkpoint fahren, also rein da. Drei Schekel kostete die Fahrt und tatsächlich fuhr die Möhre unmittelbar am Checkpoint vorbei. Die gewonnene Zeit konnten wir nun gut gebrauchen, denn obwohl nur gut zwanzig Leute vor uns waren, dauerte es beinahe eine halbe Stunde, bis wir das Autonomiegebiet verlassen durften. Schon ne üble Grenz-Nummer, die man da hinter sich bringt. Zunächst durchläuft man einen zwanzig Meter langen engen Gang, der rechts, links uns oben von Gittern eingefasst ist. Hat schon was von Knast. Am Ende des Ganges zwängt man sich durch eine schwere Metallgitter-Drehtür. Dann gibt es mehrere Kontrollposten nebeneinander. Je nach Aufkommen sind dann entsprechend viele oder wenige davon geöffnet. Immerhin ist die Geschichte räumlich nicht so beengt. Durch diese Schleusen kommt man dann nur, wenn es der allmächtige Israeli auch will, denn die Zuläufe sind wiederum mit Gitter-Drehtüren versehen, die ferngesteuert frei gegeben und gesperrt werden. Drei Personen rutschen immer durch. Dann wird die Tür erst wieder frei gegeben wenn diese abgefertigt sind. Die persönlichen Dinge laufen dann durch ein Röntgen-Gerät a la Flughafen und man selber darf sich zur Pass-Kontrolle stellen, die hinter dem Panzerglas in unserem Falle von zwei Mädels vorgenommen wurde und die mit uns wohl nicht viel anfangen konnten. Den Pass mit dem Bundesadler schien die eine noch nicht oft gesehen zu haben und ließ uns dann auf Nachfrage bei Ihrer Kollegin großzügig passieren. Insgesamt also ne nervige Nummer. Bild Ein mit uns wartender Araber drückte seinen Unmut darüber uns gegenüber auch aus. Dabei schien er weniger ärgerlich als viel mehr desillusioniert. Passende Gemütslage zu unlösbaren Differenzen. 45 Minuten später waren wir in Tel Aviv, eine gute Stunde vor dem Anstoß des kleinen Derbys im 'Bloomfield Stadium'. Das eigentliche Derby spielen ja Hapoel und Maccabi. Der dritte Erstliga-Club der Stadt ist Bnei Yehuda, der heute offiziell Heimrecht genoss. Alle drei Clubs tragen aber ihre Heimspiele hier aus. Bild Die anderen beiden Clubs haben eine deutlich größere Anzahl Fans hinter sich, so dass heute zwei Drittel der Zuschauer Maccabi siegen sehen wollten. Bnei Yehuda hat auch keine klassische Fanszene. Die Zuschauer finden sich eher auf der Haupttribüne ein, wo auch eine kleine Gruppe aktiven Support betreibt. Dieses allerdings eher sporadisch. Dagegen kann man bei Maccabi eine klassische ultra-orientierte Fankultur beobachten. Die Kurve war dauerhaft in Aktion. Wenn sich auch die Leute in den benachbarten Bereichen dem Support anschlossen, war es auch gar nicht so verkehrt. Bild Grundsätzlich scheint bei Maccabi großes Potential vorhanden, dass einfach zu wenig abgerufen wurde. Das 'Bloomfield' ist aber leider auch nicht grad ein Hexenkessel. Die Ränge an sich sind sehr flach und nur die Haupttribüne ist überdacht. Es gibt also nichts, wo sich der Schall fangen könnte. Die 'Gäste' waren deutlich überlegen. Zwangsläufig fiel dann auch der Führungstreffer, nach dem schon zwei, drei ganz dicke Möglichkeiten ausgelassen worden waren. Das Bild änderte sich danach und auch in der zweiten Hälfte nicht. Zu viel Ballverliebtheit verhinderte aber einen zweiten Treffer, so dass der eigentlich sichere 'Auswärtssieg' noch in Gefahr geriet, als Bnei Yehuda alles auf eine Karte setzte. Nach Ende des Spiels fuhren wir zurück in unser Viertel, wo der Parkplatzterror wieder seinen Lauf nahm. Aber auch dieses Mal wurde nach der siebenunddreißigsten Runde endlich eine brauchbare Lücke frei. Am Vorabend hatten wir ein tschechisches Restaurant entdeckt, dass wir aufsuchten und mit Gulasch und Knödel dem Magen Ruhe verschafften. Im Apartment fanden wir dann völlig überraschend noch ein paar Biere im Kühlschrank, so dass noch das eine oder andere kühle Blonde in den Hals gegossen wurde.

So. 28.02. 20:55 - Hapoel Kfar Saba vs Hapoel Be'er Sheva 1:2 (Liga ha'Al), 3.500 Zuschauer (1.800 Gäste)

Nachdem wir unsere Wohnung geräumt hatten, stellte sich dann heraus, dass wir mit dem Parken zu sorglos umgegangen waren. Es war nun schon halb elf und neunzig Minuten hatten den Drecksäcken ausgereicht, uns ein Ticket an die Karre zu heften. Da es um mein Hebräisch nicht zum Besten steht, konnte ich lediglich erkennen, dass die Nummer 100 Schekel kosten soll, also etwa 25 Euro. Also noch erträglich und prinzipiell sind wir auch zahlungswillig, um bei Nichtzahlung unnötige wie wahrscheinlich unverschämte Gebühren der Mietwagen-Gesellschaft zu vermeiden. Später wurde uns bei Abgabe des Wagens gesagt, dass wir die Geschichte online über den auf dem Ticket aufgedruckten Link abwickeln können. Dieser führt aber nur auf die Website der Stadt Tel Aviv. Sechs Monate hat man Zeit. Allerdings wird mein Hebräisch dadurch nicht besser. Also die Mietwagenbude per Email um Hilfe gebeten. Antwort kam sogar zügig, allerdings ohne neue Info. Auf erneute Nachfrage erfolgte der Rat, den Betrag per Post zu bezahlen. Ja ne is klar. Entweder hatten die ganzen Izaaks keinen Bock zu helfen oder sie waren zu blöd. Oder beides. Wir verließen Tel Aviv gen Nordost in Richtung Kfar Saba, dem abendlichen Spielort. Da das Stadion nur 5.500 Plätze hat und sich der immer gut begleitete Tabellenführer aus Be'er Sheva vorstellte, hatten wir die glorreiche Idee, uns schon mal mit Tickets zu versorgen. Das stellte sich als Fehler heraus, da es uns unnötig viel Zeit raubte und damit unseren Tagesplan durchschnitt. Unsere Barschaft war nämlich arg zusammen geschrumpft und es war schwieriger als erwartet in Kfar Saba einen Geldautomaten zu finden. Bis wir dann rausgefunden hatten, wo man Tickets im Vorverkauf bekommen kann (in der Pizzeria gegenüber vom Stadion), war es schon deutlich nach Mittag. Damit war klar, dass nur noch eins unserer Vorhaben umgesetzt werden konnte. Holocaust-Gedenkstätte 'Yad Vashem' in Jerusalem oder Totes Meer? Da wir entschieden, lieber Spaß haben zu wollen, statt durch schwere Kost nachdenklich werden zu wollen, machten wir uns auf den Weg durch die judäische Wüste.

Das Tote Meer ist der tiefste Punkt der Erdoberfläche, den man trockenen Fußes erreichen kann. Der Oberfläche des Sees liegt 428 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Tote Meer, durch das die Grenze zwischen dem Westjordanland und Jordanien verläuft, ist 90 Kilometer lang und hat an der breitesten Stelle eine Ausdehnung von 17 Kilometern. Bild Es handelt sich um einen sogenannten Endsee. Das bedeutet, dass der See zwar einen Zu- aber keinen Abfluss hat. Da die durch den Jordan zufließende Menge geringer ist als die Verdunstungsmenge, sinkt der Wasserspiegel immer weiter ab und zwar momentan um etwa einen Meter jährlich. Der Grund ist die Wasserentnahme aus dem Jordan zur Trinkwassergewinnung und Bewässerung der Landwirtschaft. Im Laufe des 20.Jahrhunderts hat der Fluss dadurch immer mehr von seiner Breite eingebüßt, so dass heute nur noch ein trauriges Rinnsal in das tote Meer mündet. Hält diese Entwicklung weiter an, wird das Tote Meer irgendwann nur noch eine Salzwüste sein. Auf der Suche nach der passenden Badestelle landeten wir in einem Strandbad. Bild Da der Salzgehalt des Sees im Schnitt bei 30% liegt, ist es alternativlos nach dem Bad zu duschen. Nachdem man von der Sonne angetrocknet wurde, verbleibt nämlich ein fieser Schmierfilm auf der Haut. Der Eintritt ins Bad kostete satte 57 Schekel, beinahe 17 Euro. Es soll und muss deutlich günstiger gehen, aber wir hatten nicht ausreichend Zeit, um herauszufinden wo. Dafür kamen wir in den Genuss eines voll ausgestatteten Strandbades mit Umkleiden, Duschen, sanitären Anlagen und Gastronomie. Also Badebuxe an und los. Strandbad ist übrigens relativ. Das Ufer ist so trostlos wie die gesamte Landschaft - trocken, staubig, felsig. Dazu ist es äußerst uneben und der Grund des Sees in Ufernähe ist schlammig und felsig. Man sinkt also mit dem einen Bein dreißig Zentimeter in den Matsch und stößt sich mit dem anderen Bein im nächsten Schritt das Schienbein. Dabei zog ich mir eine kleine Schramme zu, durch die ich den Salzgehalt des Wassers empfindlich nachvollziehen konnte. Tja und dann liegt man da so rum. Man kennt es ja von Bildern, daher überrascht es ja nicht, aber selbst erlebt ist es zumindest eine skurrile Erfahrung, auf dem Wasser zu liegen, statt darin. Lediglich im Hüftbereich verschwand ich minimal unter der Wasseroberfläche. Allzu lange sollte man sich nicht im Wasser aufhalten und verschlucken sollte man auch nicht zu viel von der Brühe. Letzteres kann gesundheitsgefährdend sein. Also die ganze Nummer ist jetzt nicht oberspannend. Klar, wenn man schon mal im Lande ist, sollte man das sicher mal erlebt haben, aber die natürlichen Rahmenbedingungen rauben der ganzen Geschichte meines Erachtens die Baderomantik. Das Tageslicht drohte eh bald zu verschwinden, also weg hier. Direkt neben dem Strandbad befindet sich ein kleiner nicht mehr genutzter Wasserpark mit Rutschen und dem ganzen Gerümpel, der so vor sich hin gammelt und langsam von der Natur überwuchert wird. Ein wunderbarer 'Lost Place', der leider militärisch eingezäunt war. Das hätte in paar gute Motive gegeben.

Bild Bild Auf dem Rückweg durch das Westjordanland entdeckte ich einen Wegweiser auf dem 'Dead Sea Balcony' zu lesen war. Klang ja nicht uninteressant und ich konnte Fahrer Marcel in einem schwachen Moment überzeugen, von der Schnellstraße abzubiegen, auch wenn wir dann mit dem Wagen keinen Versicherungsschutz genossen, da wir uns nun durch das Autonomiegebiet bewegten. Der Balkon stellte sich dann erwartungsgemäß als Aussichtspunkt heraus, von dem man das Tote Meer sehen kann. Zumindest theoretisch, denn die Sonne stand nur noch knapp über dem Horizont und der Schatten der Bergrücken erlaubte keine ausreichende Sicht mehr. Blieb der Blick in die judäische Wüste. Von dort ging es dann auf direktem Wege nach Kfar Saba. Jedenfalls fast, denn an einem Einkaufszentrum legten wir noch einen kurzen Fress-Stopp ein. Eine gute Dreiviertelstunde vor dem Anstoß waren wir dann am Stadion. Dort war schon ordentlich was los. Wo man hin blickte sah man eigentlich nur die Farben der Gäste, die schönsten, die es gibt - rot und weiss! Bild An die zweitausend werden hatten die 120 Kilometer am undankbaren Sonntag-Abend - an unseren christlich-westlichen Gewohnheiten gemessen ist der Sonntag in Israel die Bedeutung des Montag - auf sich genommen und gingen ganz gut ab. Der prall gefüllte Away-Bereich brodelte ganz gut, aber auch hier raubte das fehlende Dach die Akustik. Sehr schade. Den Block hätte ich gern mal in ner rundherum geschlossenen und überdachten Bude erlebt. Das hatte Potential. Das 'Levita Stadium' verfügt über eine Laufbahn und nur auf einer Seite über Ausbau. Der hat es aber in sich, denn es handelt sich um eine fette, leicht gebogene doppelstöckige Tribüne. Wenn der Ground komplett über dieses Ausbau verfügen würde, wäre es ein Hammer-Teil. So ist es leider nur wenig beeindruckend. Im Unterrang versammelte sich die kleine Heim-Combo von etwa fünfzig Köpfen, Bild Bilddie aber mit zwei Schwenkern und angeführt von einem Capo ihr Bestes gaben. Mitte der ersten Hälfte gelang den Gastgebern der überraschende Führungstreffer. Das schien aber den Liga-Primus nur angestachelt zu haben, denn bis zum Pausenpfiff bog dieser die Nummer in die erwartete Richtung. Im zweiten Durchgang brannte dann nix mehr an. Das Team aus Kfar Saba hatte der souveränen Gäste-Truppe einfach nix mehr entgegen zu setzen und der Kick pimmelte so dem Ende entgegen. Der Gästeblock wurde auch merklich ruhiger, denn es fehlte einfach die Spannung in der Partie, auch wenn das Ergebnis nach wie vor knapp war und bis zum letzten Pfiff des Referees auch blieb. Dieser Pfiff war auch für uns der letzte der Tour. Der Plan sah nun eigentlich vor, noch in irgendeiner Filiale des bekannten Burger-Bräters mit dem gelben 'M' ein wenig Zeit rumzubringen, aber an einem gewöhnlichen Wochentag ein zu so später Stunde noch geöffnetes Etablissement zu finden, scheiterte kläglich. Also ab zum Airport. Mehr halbherzig wird man vor dem Einfahren auf das Flughafen-Gelände nach seinen Absichten befragt. Da alles sehr weitläufig ist, fanden wir die Niederlassung unseres Vermieters erst auf der zweiten Runde.

So, dann war ich mal gespannt, wie die Ausreise-Nummer laufen würde. Per Shuttle wurden wir zum Terminal gebracht, wo wir um 1:00 Uhr eintrafen. Bei Betreten des Terminals wird man dann das erste Mal etwas eingehender befragt. Wo gewesen, was gemacht, wie lange hier usw. Auch in meinen Day-Bag wollte Izaak mal schauen, dann war gut. Da der Check-in erst drei Stunden vor den jeweiligen Abflügen öffnet, mussten wir noch über ne Stunde abeibeln, bis wir einen Schritt weiter kamen. Mangels Hinweis, es anders zutun, stellten wir uns direkt am Schalter an. Dort dauerte alles recht lang und als wir dann an der Reihe waren, drehte das Mädel verzweifelt unser Gepäck von rechts nach links und fragte uns dann, ob wir nicht beim Sicherheitscheck waren, da wohl irgendein Barcode oder Etikett fehlte. Natürlich nicht. Wussten wir nicht. Hat uns keiner gesagt. Also wurden wir ein Level zurückgestuft und durften noch ne ausgiebige Frage-Antwort-Runde durchspielen. Die Fragerei wiederholt sich ja dann. Da wir nix zu verbergen hatten, konnte uns auch keiner was. Marcel durfte Stellung zu seinen ganzen Stempeln im Pass nehmen, war aber alles okay. Warum auch nicht! Kann denen doch scheißegal sein, ob er in Aserbaidschan, Kasachstan oder den Staaten war. Der Mokel, der sich mit mir befasste, war mit meinen Antworten offenbar auch zufrieden, so dass er nur mit meinem Pass zu einem EDV-Terminal abzog, um was auch immer zu checken. Ich hatte mir ja extra den neuen Pass anfertigen lassen. Es war also nur der Einreise-Stempel aus Jordanien enthalten. Satte zehn Minuten schaute der Typ dann mit einem Kollegen auf den Bildschirm. Ich bin auch überzeugt davon, dass einem ein zweiter Pass im Zweifelsfall nicht hilft. Der 'Mossad' wäre ein ganz schlechter Geheimdienst, wenn nicht nach Fütterung des Systems mit meinen Daten alle von mir in den letzten Jahren bewältigen Flüge aufgelistet würden. Das wäre sonst zu einfach. Als ich meinen Pass dann ausgehändigt bekam, hieß es aber nur "Guten Flug". Keine Ahnung warum die beiden da so lange rumgehampelt haben. Nach dem nun problemlosen Check-in nahmen wir erst mal ein ordentliches Nachtmahl in Form eines ganz miesen Burgers zu uns. Da standen Qualität und Preis mal wieder in totalem Missverhältnis. Nun wartete ja noch die Personen- und Gepäckkontrolle. Dann mal los. Nach dem üblichen Anstehen durfte man sein Gepäck auf das Band legen und durch die Metallschleuse gehen. Zumindest letzteres war wie immer problemlos und auch mein Rucksack beinhaltete nur das übliche, wie Tablet, Ladekabel, Buch, Nackenstütze und so nen Kram. Marcel hatte wieder den besseren Part erwischt und war nach ein paar Minuten durch. Ich bekam dagegen das ganze Programm ab. Ehrlich, da können die sich die Nummer mit der Schleuse und dem Röntgen des Gepäcks auch sparen, wenn man eh total gefilzt wird. Zuerst war mein Rucksack dran. Jeder, aber auch jeder verf**kte Gegenstand wurde genau untersucht. Die Dose Erdnüsse wurde angestarrt, also ob man in Israel noch nie welche gesehen hatte. Die leichte Dauenjacke, die man in einem kleinen Säckchen wie einen Mini-Schlafsack komprimieren kann, wurde argwöhnisch beäugt. Nachdem ich die Jacke aus der Hülle gezogen hatte, ging dem Mädel merklich ein Licht auf. Nachdem die Jacke sorgsam abgetastet wurde, wollte ich sie wieder einpacken, aber es wurde mir verwehrt. Ich sagte "It's just a jacket." Antwort: "Yes, I know"... und ab damit in die Sprengstoff-Kontrolle. Absurd. Das Tablet wurde gleich drei Mal in dieses Prüfgerät gesteckt. Explodieren tat es trotzdem nicht. Die ganze Rucksack-Kontrolle dauerte locker eine halbe Stunde. Danach war ich dann noch selber dran. Schuhe aus, Pulli aus, und ab ins Röntgengerät. Auch nach dem zweiten Durchleuchten war man nicht zufrieden und checkte das Bild per Telefon mit einer übergeordneten Stelle. Die Druckknöpfe an der Cargo-Hose waren wohl das Problem. Nach insgesamt 45 Minuten war der Spuk dann vorbei.

Da kann man sich noch fragen, warum man bei der Ausreise so gepflückt wird. Wenn ich jetzt in eine Maschine von 'El Al' (heißt übrigens übersetzt "zu Gott hin", kann man also auch missverstehen) steigen würde, könnte ich es ja noch verstehen, aber ansonsten sollen sie doch froh sein, dass ich abhaue. Der Araber, der den Bereich vor mir betreten hatte, war noch lange nicht fertig, als ich endlich zum Gate gehen durfte. Wahrscheinlich sitzt der heute immer noch da. Einziger Vorteil war, dass wir nun nur zwanzig Minuten warten mussten, bis das Boarding begann. So bekommt man die Zeit natürlich auch rum. Swiss brachte uns pünktlich und sicher nach Zürich-Kloten. Hier durften wir dann knappe vier Stunden totschlagen bis es weiter ging nach Düsseldorf, wo uns Marcels Vater wieder einsammelte. Rückblickend muss ich sagen, dass mich Israel enttäuscht hat. Lediglich die Jerusalemer Altstadt fand ich spannend, ansonsten hatte ich irgendwie mehr erwartet. Tel Aviv ist einfach eine recht unansehnliche, funktionelle Großstadt. Das gesamt Gebiet um Tel Aviv ist einfach nur zugebaut, meistens in die Höhe. Die Straßen sind voll, man hängt ständig im dichten Verkehr. Okay, das Land wurde überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut, aber das muss ja nicht daran hindern, ein wenig stilvoller zu bauen und vor allem den Bestand zu pflegen. Die wenigen Stunden in Palästina fand ich sehr angenehm. Die Leute waren freundlich und aufgeschlossen. Von angespannter Lage oder Gefahr war nichts zu spüren, aber die kurze Zeit reicht sicher auch nur für einen oberflächlichen Eindruck aus. Als sehr interessant empfand ich das Königreich Jordanien, in dem es ganz sicher noch viel mehr zu entdecken gibt. Petra blieb ja leider unvollendet, es gibt noch weitere interessante historische Stätten im Land und die Herzdame zeigte sich von den Fotos auch begeistert. Wer weiß wohin einen die Wege in einigen Jahren noch führen.

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(Manni Breuckmann)