G R O U N D F E V E R
  Kap Verde
 

11.-13.11.2016 --- Am grünen Kap

Bom Dia, lieber Leserschaft. Es gibt so Ziele, die mich nicht mehr ganz loslassen, wenn mein Interesse einmal geweckt ist. Eines davon sind die Kapverdischen Inseln, in der offiziellen Landessprachen 'Cabo Verde'. Eine kleine Herausforderung stellt der Besuch dar, wenn man ihn nun mit einem Fußballspiel verbinden 'muss', denn nationale Fußball-Termine sind nicht gut in Erfahrung zu bringen und das was man findet, sollte man nicht zwingend als verlässlich einstufen. Um Planungssicherheit zu erhalten, handelt es sich hier daher um ein klassisches Länderspiel-Ziel, was leider im Widerspruch dazu steht, dass mich Länderspiele nicht so vom Hopping-Stuhl hauen. Ausnahmen bestätigen da die Regel, allerdings möchte ich die Kapverden nicht zu diesen Ausnahmen zählen. Aber es musste aus der Not eine Tugend gemacht werden und als der Fußballgott mir flüsterte, dass es Zeit ist, die lang gehegte Absicht mal langsam in die Realität umzusetzen, pickte ich mir die WM-Quali-Partie gegen Burkina Faso aus dem Länderspiel-Brei. In der Mitfahrer-Akquise zeigte ich mich zunächst wenig erfolgreich, denn die angesprochenen üblichen Verdächtigen hatten entweder keinen Bock oder keine Zeit. Eher beiläufig kam ich dann während eines WhatsApp-Austausches mit dem geschätzten saarländischen Dottore auf das Thema und binnen kürzester Zeit wurde Nägel mit Köppen gemacht. Johnny aus dem Bayern-Lager, mir bis dato noch unbekannt, schloss sich auf Daniels Initiative auch noch an und die Reisegruppe war komplett.

Die passenden Flüge zu finden, kostete dann etwas Zeit. Fest stand schnell, dass es mit Abflug aus Deutschland keine kostengünstige Lösung geben würde. Egal ob von DUS, CGN oder FRA, oder als Gabel in welcher Variation auch immer, war alles zu teuer. Also mal in die Nachbarländer geschielt, die zuerst favorisierte Verbindung ab Amsterdam irgendwann fallen gelassen und stattdessen ab Brüssel gebucht. Die Anfahrt braucht dieselbe Zeit und ab AMS schien mir die Transfer-Zeit in Lissabon etwas knapp. TAP sollte mich also für 383 EUR aus der belgischen Hauptstadt über Lissabon direkt in den Spielort Praia auf der Insel Santiago bringen. Ein günstiges Dreibett-Zimmer am Zielort wurde auch noch gebucht und dann musste nur noch auf den Tour-Start gewartet werden. Irgendwann hatte ich noch die hochprofessionelle Eingebung, dass ich mir eine Unterkunft in Brüssel für die Nacht vor dem Abflug gönnen könnte, um nicht so früh die ganze Strecke ab Essen abspulen zu müssen. Also für 17 Eusen ein Bett in einem 4er Dorm im 'Hotel Bentley' in Schaerbeek gebucht. Am Donnerstag-Abend um 18:30 Uhr dann mal losgeeibelt und vor 21:00 Uhr war ich im Stadtteil Schaerbeek nördlich des Brüsseler Zentrums. Ziemlich schnell sollte sich zeigen, dass ich zwar ne super Idee hatte, die ganze Nummer aber nicht zu Ende gedacht und daher beschissen umgesetzt war. Erst mal war es unmöglich, um diese Uhrzeit einen Parkplatz im Viertel um das Hotel zu finden. Vielleicht gut so, denn ich stelle in Frage, ob man sein Fahrzeug am nächsten Morgen unversehrt und vollständig oder überhaupt wiederfinden würde, denn Schaerbeck leitet sich bestimmt von 'schäbig' ab. Okay, schöne Ecken in Brüssel zu finden ist eh nicht einfach und einen hohen Migranten-Anteil hat diese Metropole nun mal, aber wenn es den europäischen Stil der Gebäude nicht gäbe, könnte man sich auch in jeder nordafrikanischen Großstadt wähnen. Mokel-Köppe soweit das Öl-Auge schauen kann. Da fällt mir auf, dass Brüssel wohl besser als Sitz des Arabischen denn des Europäischen Rates fungieren könnte. Bei der Parkplatzsuche schaffte das hoteleigene Angebot Abhilfe. Die paar Euronen wollte ich eigentlich sparen. Die Bude selber stellte sich dann als ziemlich fieses Rattenloch heraus. Da hat 'Photoshop' mal wieder ganze Arbeit geleistet, denn auf den Bildern der Buchungs-Plattform sah der Schuppen eigentlich ganz passabel aus. Das Bett im 4er war dann auch ein Bett im 6er. Diskutieren brachte wenig, da der Rezeptions-Mokel mir mitteilte, dass es gar keine Dorms mit vier Betten gebe. Hm, Fehler oder Absicht bei der Präsentation auf der Website? Da sich dieses Hotel der Sorte Flüchtlingsheim offenbar in Händen einer Volksgruppe befindet, die Weltmeister im Verarschen ist, dürft Ihr Euch die Antwort selber geben. Der Raum war wohl auch das letzte Mal nach dem Europacup-Finale im Heysel-Stadion anno 1985 gereinigt worden und stank nach Rauch wie ne Bahnhofshalle in den 80ern. Inwiefern die Bettwäsche hygienischen Ansprüchen gerecht wurde, will ich eigentlich gar nicht wissen. 6,2 Punkte hat die Absteige auf der Bewertungsskala bei booking.com. Dass Leute dem Kasten überhaupt irgendwelche Punkte gegeben haben, ist nur damit zu erklären, dass es auf dem Gang permanent nach Weed riecht, denn Punkte vergeben kann man für die Ranzbude wohl nur im völlig bekifften Zustand. Von mir gab es nachträglich in allen Kategorien satte wie glatte nullkommanull Punkte. Danke für nix!

Die Suche nach einer Frituur für das Abendmahl verlief auch wenig zufriedenstellend. Wie auch in einem arabisch geprägten Stadtteil, wo sich Dönergrill an Falafel-Bude an Mokel-Cafe schmiegt?! Bei irgendeinem Araber fand ich zumindest Frikandel und Mexicano, aber das Geschmackserlebnis war am unteren Rand der Skala einzuordnen. Dann mal zurück in die 'Auberge deluxe'. Der kurz überlegte Ausweg ins Auto wurde wieder verworfen, aber es war mal längst klar, dass ich definitiv besser von daheim direkt nach Zaventem zum Airport gefahren wäre. Drei Döschen 'Jupiler' verhalfen mir zwar zu ein wenig Bettschwere und die Leute im ausgebuchten Dorm verhielten sich auch überraschend diszipliniert - nicht mal den obligatorischen militanten Kampf-Schnarcher gab es - aber bei sechs Insassen kommt halt immer mal einer rein oder geht wieder raus. Dann geht einer duschen und der nächste betätigt die WC-Spülung. Da kann der Patient noch so leise sein - man wird alle Nase lang wach. Jedenfalls wurde mir wieder klar, warum ich nur noch in absoluten Notfällen auf ein Dorm zurückgreife. Und da es ja kein Notfall war, gab es dafür die gerechte Strafe. Den Rest tat die Hauptstraße vor dem Laden bei schlecht isolierten Scheiben dazu. Ich denke, ich habe zwei Stunden vernünftig gepennt. Die restliche Zeit döste ich so vor mich hin und ich hätte vor Glück beinahe geweint, als ich diesem Loch gegen viertel vor vier auf Nimmer-Wiedersehen sagte. Aber man kann auch für mehr Geld ne Bruchbude erwischen. Manchmal greift man halt daneben. Schrieb ich vorhin "direkt zum Flughafen fahren". Wenn das mal so einfach wäre. Beinahe überall in Brüssel, also auch im Stadtteil Zaventem am Flughafen, gilt eine Anwohner-Parkregelung. Die Hoffnung auf einen kostenneutralen Parkplatz konnte ich frühzeitig verwerfen. Stattdessen wählte ich den günstigsten Parkplatz-Anbieter für neun Euro je Tag. Der ist allerdings einige Kilometer vom Airport entfernt. Dafür steht die Kiste dann aber sicher in einem Parkhaus und man wird mit dem in den Preis inkludierten Shuttle zum Terminal gefahren. Also Ihr merkt schon, der vermeintlich günstige Flug verteuerte sich noch unfreiwillig, aber das wäre ab AMS nicht anders gewesen und deutlich günstiger als alles ab Deutschland war es immer noch.

Fr. 11.11. 18:00 - Sporting Clube de Praia vs Academica de Praia 3:2 (1a Divisio regional Santiago Sul), 1.000 Zuschauer

Bild Zwar unterschied sich die Anreise der Reise-Teilnehmer voneinander - Daniel ab LUX, Johnny ab MUC, dazu beide ab LIS mit einem späteren Flieger als ich - aber trotzdem war ich auf dem Hinflug nicht allein. Jörn, manchen sicher auch als 'Wuppi' bekannt, steuerte ebenfalls die Kapverden an und hatte dieselbe Verbindung ab BRU gekauft wie ich. Die Verbindung zu Jörn stellte Johnny her. Ein Unbekannter gab mir also den Kontakt eines Unbekannten. Während sich die ach so lustigen Närrinnen und Narren entlang des Rheins zum Beginn der Session die Pappnasen überstülpten, saß ich im Flugzeug der portugiesischen Vorzeige-Airline und überflog ne ganze Menge Wasser. Um viertel nach sechs ging es los. Zunächst bis Lissabon und nach 90 Minuten Aufenthalt von dort weiter nach Praia. Der kapverdische Archipel ist vulkanischen Ursprungs und liegt im Zentralatlantik etwa 650 Kilometer westlich von Afrika auf den Breiten des Senegal. Die Inselgruppe befindet sich knappe zwei Flugstunden südlich der Kanaren und besteht aus 15 Inseln, von denen neun bewohnt sind. Es wird unterschieden zwischen den nördlichen 'Inseln über dem Wind' (Ilhas de Barlavento) und den südlichen 'Inseln unter dem Wind' (Ilhas de Sotavento). Die Insel Santiago, unser Ziel, gehört zur Sotavento-Gruppe. 1456 wurde der bis dahin unbewohnte Archipel durch portugiesische Seefahrer entdeckt, erstmals betreten und in der Folge besiedelt. Aus der Durchmischung der Kulturen europäischer Siedler und afrikanischer Sklaven bildete sich eine kreolische Kultur. Am 5. Juli 1975 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen. Bis 1990 hatte nur eine einzige Partei das Sagen, dann entwickelte sich ein demokratisches Mehrparteiensystem. Landessprache ist portugiesisch, aber es werden auch afrikanische Sprachstämme gesprochen. Bei den sozial etwas besser gestellten und damit auch gebildeten Einwohnern kommt man mit Englisch aber ganz gut durch.

Bild Um kurz nach halb zwei Ortszeit landeten wir auf dem 'Nelson Mandela Airport', der sich unmittelbar östlich der Stadt befindet. Erster Akt war der Erwerb des Visum. Dieses kann man zwar auch vorab über die kapverdische Vertretung in Berlin bekommen, bedeutet aber mehr Aufwand und ist mit 45 Euro zuzüglich Porto teurer als die alternative Möglichkeit des 'Visa on Arrival', welches nur mit 25 Euro zu Buche schlägt. So oder so hat man bei der Einreise mit Wartezeit zu rechnen, denn egal ob am Schalter für Leute, die bereits ein Visum vorher beschafft haben, als auch an dem, wo man das 'Visa on Arrival' erhält, gehen die kleinen Insel-Maxis ihrer Aufgabe eher in gemäßigtem Tempo nach. Zum Glück konnte sich Wuppi weit vorn in der Warteschlange platzieren und ich mich dann zu ihm durch drängeln. So hielt sich die Wartezeit in Grenzen. Dumm auch, wenn der Einreise-Mokel den Pass mit dem frisch gedruckten und eingeklebten Visum-Sticker direkt zuklappt und man durch die noch feuchte Tinte dann eher ein Werk im Reisepass hat, das an Picasso erinnert, und man die aufgedruckten Daten kaum noch entziffern kann.Bild Der Kampf mit der Taxi-Mafia verlief glimpflich, da der Einheits-Fahrpreis in die Stadt von 1.000 Escudos (100 kapverdische Escudo entsprechen 1,10 Euro) offen kommuniziert wird. Ein zaghafter Versuch des Taxista, einen höheren Preis zu erzielen, wurde routiniert abgewürgt und eine Viertelstunde später standen wir vor unserer Unterkunft 'Vivienda Viviani' im Viertel 'Palmerejo'. Jörn hatte dort ebenso ein Zimmer gebucht, wie unser Dreigestirn. Beinahe wären wir noch Zeuge eines hässlichen Gemetzel geworden. Da sich unser kleiner Fahrer nicht ganz sicher war, ob wir an der richtigen Adresse waren, ging er zum Tor, das nur oben durch ein Gitter einzusehen und unten undurchsichtig war, um die Lage zu checken. Als er dort durch schielte sprang ein großer Hund unter lautem Gekläffe direkt ans Gitter, worauf der Fahrer erschrocken einen Riesensatz rückwärts machte. Das war knapp. Ohne Gitter wäre der kleine Maxi-Kopf wohl ab gewesen. Die Unterkunft, von einem Italiener und seiner einheimischen Frau geführt, war für den Preis (41 Euro pro Nacht für das Dreibettzimmer inklusive Frühstück) absolut okay. Kurz ein wenig frisch gemacht und dann latschten wir mal los. Der Himmel war überwiegend bedeckt, aber wenn die Sonne mal durch kam, wurde es gut warm auf dem bleichen Pelz. Auf Cabo Verde herrscht ein warmes, trockenes, ozeanisches Klima mit recht hoher Luftfeuchtigkeit. Die Temperaturen verändern sich über das ganze Jahr nur wenig und liegen zwischen 23 und 30 Grad Celsius. Ebenso liegen Tages- und Nachttemperaturen eng beieinander. Niederschläge gibt es nur wenige und die Wassertemperatur des Atlantik betragen hier zwischen 22 und 27 Grad Celsius.

Bild Bis ins Zentrum von Praia waren es gute 45 Minuten Fußweg. Dabei kann man von Zentrum eigentlich gar nicht recht sprechen. Das klassische Stadtzentrum gibt es nicht. Das afrikanische Leben spielt sich überwiegend entlang der Hauptstraße ab. Oberhalb dieser liegt das historische Zentrum, in dem es etwas portugiesischer zugeht. Die Stadt hat 140tsd Einwohner, fungiert als Hauptstadt und ist auch die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum der Kapverden. Vor etwa 20 Jahren waren es noch rund 70.000 Einwohner, somit hat sich die Bevölkerungszahl in zwei Jahrzehnten fast verdoppelt. Die Insel Santiago, auf der Praia an der Südküste liegt, ist die größte und bevölkerungsreichste des Archipels und etwa halb so groß wie Teneriffa. Bild Der erste Weg führte zum Fußballverband, der seinen Sitz neben dem alten Nationalstadion 'Da Varzea' hat, um die korrekte Anstoßzeit für das Länderspiel in Erfahrung zu bringen, denn da fand man im Internet mal wieder unterschiedliche Angaben. Auch die Ticket-Frage konnte schon geklärt werden. Überraschenderweise war die Email, die Daniel für Johnny, mich und sich abgesendet hatte, tatsächlich angekommen und - noch viel überraschender - auch bearbeitet worden, so dass für uns drei Tickets hinterlegt waren. Abholbereit allerdings erst am folgenden Morgen. Bild Zu kaufen gab es drei Kategorien zu 200, 400 und 700 Escudos. Wir drangen weiter in die Stadt vor. Wirklich Sehenswertes gibt es nicht, so dass wir uns mehr damit befassten das afrikanische Rumgemokel ein wenig zu beobachten. Es wird jeder mögliche Scheiß auf der Straße verkauft, von der Sonnenbrille über Hygienartikel bis zu elektronischen Medien und Lebensmitteln. Auch Produkte, die eigentlich einer Kühlung bedürfen. Aber im Gegensatz unseren verwöhnten Europäer-Organen ist der durchschnittliche Maxi-Magen wohl auch deutlich besser konditioniert und funktioniert vermutlich wie eine Sickergrube oder ein Faulturm. Da kann man sich auch mal nen Fisch oder ein paar Hühner-Eier reinschrauben, die den ganzen Tag auf dem Bordstein in der Sonne vor sich hin gammeln. Bild Bild Jörn gab dann meinem Wunsch nach, in einer Mokel-Bar ein, zwei Cerveja zu schlürfen, bevor wieder Richtung Unterkunft aufbrachen. Das eigentlich mit dem Ziel, ein geeignetes Lokal zum Abendessen zu finden. Dabei mussten wir wieder am 'Estadio da Varzea' vorbei und sahen auf den Rängen Zuschauer sitzen. Zunächst dachten wir an ein öffentliches Training der Nationalelf. Dass man eine Eintrittskarte für 150 kapverdische Dinger entrichten musste, irritierte dann schon und des Rätsels Lösung hieß dann '1a Divisao regional Santiago Sul'. Die kapverdische Meisterschaft wird alljährlich in einem mehrwöchigen Turnier in der Jahresmitte mit Teilnehmern aller Inseln ausgespielt. Die zwölf Teilnehmer setzen sich aus den jeweiligen Siegern der regionalen Insel-Ligen und dem Vorjahres-Meister zusammen. Gespielt wird in zwei Gruppen. Die ersten beiden Teams jeder Gruppe spielen dann in Halbfinals und Finale den kapverdischen Meister aus. Die jeweilige Inselmeisterschaften werden davor von November bis April ausgespielt, was uns so nicht bekannt war.

Bild Bild Das 'Estádio da Várzea' ist das alte Nationalstadion der Inseln. Die Cancha bietet 8tsd Zuschauern auf zwei Tribünen an den Längsseiten Platz. Eine größere mit einem kleinen gedeckten Oberrang ausgestatte Haupttribüne und eine etwas schmalere auf der Gegenseite, die aber heute nicht geöffnet war und vielleicht auch gar nicht mehr genutzt wird, da diese ziemlich fertig aussieht. Die zweite Halbzeit der laufenden Partie hatte soeben begonnen und wir überlegten gerade, was wir uns vor uns selbst zurecht lügen müssen, um Spiel und Ground in die persönliche Wertung aufnehmen zu können,Bild als zwei weitere Teams den Innenraum betraten und hinter dem Tor mit dem Aufwärm-Programm begannen. Perfekt, das konnte ja nur ein weiteres Spiel bedeuten, wie uns ein später entdeckter Spielplan-Aushang auch bestätigte. Beim aktuellen Kick zwischen Celtic und Bairro waren etwa 5-600 Zuschauer zugegen. Der nachfolgende Kick stellte sich dann als Prestige-Derby der Stadt Praia heraus. Sporting Clube stellte sich Academica. Diese, wie auch weitere Teams, sind offizielle Ableger der portugiesischen Stamm-Vereine, wie es sie ja überall in der Welt gibt. Bei Sporting handelt es sich um den Rekordmeister der regionalen Liga. Pünktlich um 18:00 Uhr standen die Teams zum Kick-off bereit. Da sich die Kapverden relativ nahe am Äquator befinden, herrschte zu diesem Zeitpunkt bereits die Dämmerung. Auf die Idee, das Flutlicht in Gang zu bringen war noch keiner gekommen. Irgendwer schmiss dann im Generator-Häuschen mit lautem Getöse und tiefschwarzer Wolke das Diesel-Aggregat an und Lämpchen für Lämpchen blinzelte müde auf bis schließlich ein schummriges Licht das Spielfeld mehr schlecht als recht erleuchtete. Mit 15 Minuten Verspätung rollte dann der Ball. Bild Es strömten dann immer mehr Zuschauer in die betagte Spielstätte, viele in den Trikots der beiden Kontrahenten, so dass eine vierstellige Zahl locker erreicht wurde. Support gab es keinen, aber die Zuschauer gingen teilweise ganz gut mit und bei den Toren ließ sich erahnen, Bild dass die Sympathien etwa gleichmäßig verteilt waren. Ziemliches Rum-Gemokel teilweise. Emotionale Ausbrüche nach vergebenen Chancen waren obligatorisch. Sportlich sah es so schlecht gar nicht aus. Da hätte ich schlimmeres Gestolper erwartet. Es gab zwar immer mal nen Stocki oder eine Sinnlos-Aktion, in der sich der eine oder andere Akteur überschätzte, aber man konnte sich das Geschehen durchaus ansehen und spannend war die Partie auch. Von den Händlern, die ihre selbst hergestellten Snacks an den Mann brachten, wurde auch mal was probiert und dieses blieb auch erfreulicherweise folgenlos. Kostet ja alles nix. 20 Escudo, also keine 20 Euro-Cent, für eine Wurst im Teigmantel sind ja unfassbar wenig. Auch wurde nicht versucht zu bescheißen. Es gab immer das korrekte Wechselgeld zurück. Da fing ich sie ja langsam an zu mögen, die Insel-Maxis. Auch dem Fußball angemessene Getränke konnte man erwerben, also alles top. Mit dem Schlusspfiff verließen wir die Spielstätte und latschten zu einem Grill-Restaurant oberhalb einer kleinen Bucht, wo wir uns angemessen versorgen ließen. Gegen halb elf war der Akku dann langsam mal leer und wir schlurften zurück zur Unterkunft.

Sa. 12.11. 16:00 - Cabo Verde vs Burkina Faso 0:2 (WM-Qualifikation), 3.000 Zuschauer (20 Gäste)

In der Nacht waren Daniel und Johnny angekommen. Gegen 9:00 Uhr rappelten wir uns hoch und nach Dusche und Frühstück machten wir uns dann zu viert auf in die Stadt. Erster Anlaufpunkt war erneut der Verband, wo unsere Tickets nun abholbereit waren. Bild Am 'Estádio da Várzea' war einigermaßen was los, da dort der Zielbereich des heutigen Laufs der Polizeibehörde war. Daniel schwatzte dem Organisator in seiner unnachahmlichen Art erst mal Läufer-Shirts und ein paar Wasserflaschen für uns ab. Dann wieder ein Blick in den Ground, wo das National-Team mit dem Abschluss-Training zu Gange war. Bild Bild Der nächste Weg führte mal hoch in die Altstadt. Dort vermischt sich das afrikanische Gewusel mit portugiesischem Flair, das hauptsächlich durch die Existenz einiger Gebäude aus der Kolonialzeit erzeugt wird. Während Daniel sich zum Friseur begab um sich die Matte zurecht schnitzen und die Gräten aus dem Gesicht schneiden zu lassen, ließen wir drei uns an einem kleinen Platz in einem Open-Air-Café nieder und bestellten ein paar Getränke. Gegen halb zwei war Daniel zurück und wir begaben uns wieder hinunter nach Afrika, um einen Minibus zum Nationalstadion zu finden dass einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Bild Für 50 Escudo pro Person wurden wir fündig. Deutlich mehr als eine Stunde vor dem Spiel waren wir dann dort und am recht geringen Anreiseverkehr konnte man schon erahnen, dass die Auslastung nicht sehr hoch sein würde. Wir gönnten uns noch ein zwei Biere und ein paar gegrillte Fleischspieße an den mobilen Buden, die an der Zufahrtsstraße standen und liefen dann eine Dreiviertelstunde vor dem Kick-off mal rüber. Das Gemokel hielt sich arg im Rahmen. Recht gesittet ging der Einlass von statten und die weiße Haut reicht aus, um von Personenkontrollen verschont zu bleiben. Das 'Estádio Nacional de Cabo Verde' wurde erst vor zwei Jahren eröffnet. Es ist ein Mehrzweck-Stadion mit Laufbahn, womit die afrikanischen Stadien ja meistens ausgestattet sind. Es gibt vier baulich voneinander getrennte Tribünen. Eine überdachte Haupttribüne und auf der Gegenseite und in der nördlichen Kurve ungedeckte Tribünen gleicher Höhe. Die südliche Kurve, über der die Anzeigetafel trohnt, ist deutlich niedriger gehalten. Insgesamt finden 15tsd Zuschauer Platz. Gebaut wurde es von einem chinesischen Unternehmen, so wie viele neue afrikanische Stadien von Arbeitern aus dem Reich der Mitte errichtet wurden. Aber es wird ja mittlerweile halb Afrika von den Chinesen neu gebaut. Wenn man außerhalb Chinas keine Wäscherei oder einen Imbiss aufmacht, wird man Bauarbeiter in Afrika. Auf dem schwarzen Kontinent haben die beinahe überall ihre dünnen Finger drin.

Bild Bild Das Rund füllte sich heute nur zu etwa einem Fünftel, was ich sehr überraschend wie enttäuschend fand. Schließlich hat sich die kapverdische Mannschaft in den letzten Jahren zu einem ernstzunehmenden Gegner entwickelt und es stand erst der zweite Spieltag in dieser Vierer-Gruppe an. Den bislang größten Erfolg errangen die Kapverden mit der Qualifikation zur Teilnahme an der Afrika-Meisterschaft 2013, bei der sie dann überraschend ins Viertelfinale einzogen nachdem sie die Vorrunde ungeschlagen überstanden hatten, dort aber Ghana unterlagen. Im Anschluss an das Turnier stand dann mit Platz 27 die bisher beste Platzierung in der FIFA-Weltrangliste fest. Bild Bild Einen Achtungserfolg der besonderen Art verbuchte Cabo Verde 2015 in Estoril mit einem 2:0-Auswärtserfolg gegen die ehemalige Kolonialmacht Portugal. Die Spieler des Nationalteams sind beinahe ausschließlich in durchschnittlichen Ligen Europas aktiv. Die Burkiner haben in der jüngeren Zeit auch ein paar achtbare Resultate erzielt. Dem zweiten Platz bei der Afrika-Meisterschaft folgte ein denkbar knappes Scheitern in der WM-Quali. Lediglich die Auswärtstorregel brachte Algerien zum Turnier in Brasilien. Die Afrika-Meisterschaft 2015 ergab nach drei sieglosen Spielen das Aus nach der Vorrunde. Spärlichen Support gab es sowohl auf der Haupt- als auch auf der Gegentribüne, allerdings weniger Verbal als vielmehr mit Getrommel. Als die Trommeln auf der Haupttribüne hereingetragen wurden, stand es schon 1:0 für die Gäste, die per Kopfball nach einer Ecke früh in Führung gingen. Auf der Haupttribüne trafen wir den Pfälzer Jörg. Außerdem waren drei weitere Deutsche im Stadion, also insgesamt acht - irgendwie ist das schon etwas krank. Die Burkiner erhöhten nach einer halbe Stunde auf 2:0. Der Assist zum Tor kam übrigens von einem gewissen Jonathan Pitroipa, neben Aristide Bancé, der aber nicht zum Einsatz kam, eine bekanntes Gesicht aus früheren Bundesliga-Zeiten. Die Kapverdianer waren zwar mir vollem Einsatz dabei, fanden aber überhaupt kein Mittel, um die Gäste auch nur im Ansatz in Verlegenheit zu bringen. Bild Die Burkiner brauchten ihre Führung eigentlich nur verteidigen und mussten dafür nicht einmal viel Aufwand betreiben. Das Bild änderte sich auch im zweiten Durchgang nicht, so dass das Gekicke nur begrenzten Unterhaltungswert hatte. Abwechslung brachte eigentlich nur der Umstand, dass an zwei Ständen Bier verkauft wurde. Dass die Brause an einem Stand nur mit Wertmarken und am anderen nur mit Cash erworben werden konnte ist dann aus Maxi-Sicht eigentlich nur konsequent. Logische Organisation wäre hier völlig fehl am Platze und erwartet man ja auch gar nicht. Bild So eierte das Geschehen auf dem Rasen so vor sich hin und das Burkina-Team ging zwar wenig überzeugend aber doch völlig verdient als Sieger von der Plastik-Wiese, die in sich im modischen Streifen-Design herausgeputzt hatte. Habe ich so noch nirgends gesehen und erinnerte irgendwie stark an einen American Football-Pitch. Cabo Verde damit nach nur zwei von sechs Spielen quasi schon chancenlos. Wir latschten erst einmal zurück zum Kreisverkehr und griffen uns nach ein wenig Wartezeit einen Taxi-Mokel von dem wir uns in dasselbe Restaurant wie am Vorabend bringen ließen, 'Ipanema' mit Namen. Jörg stieß wenig später auch dazu. Wuppi klinkte sich dann irgendwann aus, da er den Nachtflug antreten und vorher sein Gepäck aus der Unterkunft holen musste. Die übrigen Anwesenden ergänzten das Essen durch einige stimmungsfördernde Kaltgetränke. Dann trennten sich die Wege für den heutigen Tag. Während Jörg in Richtung seines Hotels verschwand, kamen wir auf dem Heimweg noch am Strand vorbei, wo gut was los war. Da wir von den 500 Metern Fußweg vom Restaurant hierher auch fürchterlich durstig geworden waren, konnten wir uns der Faszination nicht entziehen für einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt im Körper zu sorgen. Mein Arzt sagt ja auch immer ich soll viel trinken. Kann man ja mal drauf hören. Unten direkt am Wasser legte ein paar Maxi-Deejays in einem abgezäunten Bereich live auf. Beim Versuch uns dort reinzumokeln scheiterten wir allerdings kläglich.

So. 13.11. 16:45 - CD Travadores vs Desportivo da Praia 1:1 (1a Divisio regional Santiago Sul), 700 Zuschauer

Bild Bild Am Morgen ließen wir es ruhig angehen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf zum Strand 'Kebra Kanela'. Dort blieben wir bis 14:00 Uhr. In der Sonne war es echt schweineheiß und der schwarze Sand brannte gewaltig unter der Fußsohlen. Die Rettung war das angenehm temperierte Meer, dass sich in recht starker Brandung ans Ufer schmiss. Persönliche Dämlichkeit erhöhte dann ungewollt die Reisekosten deutlich, da der Atlantik meine Sonnenbrille mit Sehstärke verschluckte. Warum man mit der Sehhilfe auf der Nase noch einmal in die Brandung rennen muss, wenn man sie vorher schon einmal darin verloren hatte und nur durch einen glücklichen Umstand wiederfand, kann ich leider nicht beantworten. Jedenfalls fand sich das Teil nach dem zweiten Verlust nicht wieder. Also zurück zur Unterkunft. Mit dem Inhaber hatten wir vereinbart, dass wir nachmittags noch einmal duschen dürfen. Da wir aber das Zimmer ja schon räumen mussten, sollten wir eine Dusche neben der Küche benutzen. Der Inhaber war aber zum Zeitpunkt unserer Rückkehr nicht da. Seine Trulla wusste nichts von der Vereinbarung und staunte nicht schlecht, als wir nacheinander unsere Astral-Körper an Ihr vorbei zur Dusche schoben. An der Hauptstraße hielten wir sofort einen Bus an, mit dem wir zum 'Estádio da Várzea' fuhren. Da meine Flip Flops, die ich schon jahrelang hatte und die ich eigentlich schon längst weggehauen haben wollte, durch den Tag im schwarzen Sand endgültig fertig aussahen, hatte ich beschlossen mich dann mal von diesen zu trennen. Öffentliche Mülleimer sind in Afrika aber seltenes Gut, daher wurde ich die Dinger vorm Einstieg in den Bus noch nicht los. Bild Beim Ausstieg aus dem Bus quetschte ich die Flip-Flops dann oben in den überfüllten Abfalleimer an der Haltestelle. Dort mussten die Latschen keine zehn Sekunden ausharren. Wir hatten die Straße noch nicht überquert, da hatte ein vielleicht 13jähriger Junge die Schlappen wieder aus dem Müll gekramt, probierte die ihm zu großen Teile an und präsentierte sie stolz seinen Kumpels. Hat uns natürlich erst einmal amüsiert. Aber so komisch diese Szene wirkte, zeigte sie doch nur die herrschende Armut auf, denn der Durchschnittsbevölkerung auf den Kapverden bleibt nur das Nötigste zum Leben. Bild So, dann einmal rum um die Cancha und rein in das Ding. Eine meiner schnellsten Ground-Bestätigungen aller Zeiten. Spontan überlegt, kann das nur das 'Sân vận động Hàng Đẫy' in Hanoi mithalten, in dem ich seinerzeit innerhalb von 24 Stunden zwei Spiel sah. Mit Desportivo war heute das Team beteiligt, dass die Süd-Gruppe der Insel Santiago bei der Finalrunde der abgelaufenen Saison vertrat. Mit der Titelvergabe hatte die Truppe aber nix zu tun, da es bereits nach der Gruppenphase vorbei war. Da hat in den letzten Jahren sowieso CS Mindelense von der Insel Sao Vicente die Hosen an und heimst reihenweise die Titel ein. Trotzdem war Desportivo im heutigen Spiel natürlich klar favorisiert. Der Gegner wehrte sich aber tapfer und konnte die Desportivo-Führung überraschend ausgleichen und dieses Resultat bis zum Abpfiff verteidigen. Während des Spiels kam auch Jörg wieder dazu, mit dem wir danach auch ein Restaurant aufsuchten. Bei ein paar Flaschen Wein und mehr oder weniger gutem Entrecote verging der Abend wie im Fluge, bis wir schließlich mal unsere Taschen aus dem Guesthouse befreien und uns per Taxi zum Flughafen bewegen mussten. Dort musste noch ein wenig Zeit vergammelt werden, bis der TAP-Flieger pünktlich zum Boarding bereit war. Da das Fluggerät nur zu zwei Dritteln besetzt war, konnte ich mir eine freie Reihe ergattern und den ganzen Flug in der Waagerechten verpennen. In Lissabon trennten sich unsere Wege. Mein Flug ging direkt im Anschluss weiter nach Brüssel, Daniels wenig später nach Luxemburg und Johnny musste sich noch ein paar Stunden um die Ohren knallen, bevor er in die Weißwurst-Metropole gelangen konnte. Ohne Komplikationen kam ich gegen 16:00 Uhr in der Heimat an.

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(Manni Breuckmann)