G R O U N D F E V E R
  Dalmatien & Sarajevo
 

22.-25.04.2016 --- Dalmatien & Sarajevo

Wie es zu der Buchung kam, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ich meine, ich habe ein wenig rum geschaut, was möglich ist, und bin dann bei den Ryanair-Flügen ab Hahn nach Zadar hängen geblieben. Dalmatien gefällt mir sehr gut, also wurde diese Dienstleistung dann für 44 Euro erworben. Den Spielplan-Poker habe ich natürlich wieder haushoch verloren, da der adriatische Clasico zwischen Hajduk und Rijeka, sowie das Derby in Sarajevo auf den selben Tag gelegt wurden. Also musste eine Entscheidung her. Die Abwägungen fielen zu Gunsten der bosnischen Hauptstadt aus, auch wenn ich auf die Rumgurkerei über die bosnischen Landstraßen eigentlich gar keine Lust hatte, denn da muss man ja selbst für überschaubare Strecken ne ganze Menge Zeit einplanen. Als Grundvoraussetzung dafür war ein Mietwagen notwendig, den ich über die Verknüpfung 'billiger-mietwagen.de' und Auto Europe mit dem örtlichen Vermieter ABC-Car dann für 38 Euro fand. Das war es natürlich noch nicht, denn Grenzübertritte mit dem Mietwagen lassen sich die Vermieter auf dem Balkan teuer bezahlen. 50 Euro kostete der Spaß. Wucher und im Vergleich trotzdem noch günstig. Und bezahlbare und trotzdem annehmbare Unterkünfte sind außerhalb der Saison in der Region ja auch alles andere als schwer zu finden.

Fr. 22.04. 19:00 - GKK Sibenik vs KK Zadar 86:90 (A1 Liga), 1.000 Zuschauer (0 Gäste)

Um 5:00 Uhr schälte ich mich aus den Federn. Das Mädel murmelte sich eine Verabschiedung über die Lippen und los ging es. Zunächst war ich überrascht, wie voll die Autobahn um halb sechs schon ist. Da hatte ich nicht mit gerechnet. Ging aber - auch an Köln vorbei - alles problemlos und hinter Bonn war dann auch nix mehr los. Tempomat auf 140 und stressfrei rollen lassen. Mit kurzem Kaffee-Stop war ich nach 2:15 Stunden 'am Hahn', wie man so schön sagt. Viel besser geht's ja kaum. Am 'Hotel Fortuna', dem bevorzugten Parkplatzanbieter (drei Euro je Kalendertag) war noch genau eine Lücke frei und kurz die paar hundert Meter zum Airport rüber gewackelt. Um die Uhrzeit war auch nicht viel los, also easy going. Eigentlich hatte ich ja gar keine Böcke mehr auf den Trip. Das ist ja eh so ne rätselhafte Krankheit bei mir, dass ich am Vorabend der Abreise oft total die Lust verliere. Bild Vielleicht lag es dieses Mal daran, dass ich noch keine definitive Entscheidung getroffen hatte, wie der Sonntag gestaltet werden sollte. Wurde das Gefühl nicht los, so oder so die falsche Entscheidung zu treffen. Einige Minuten vor der geplanten Zeit kamen wir in Zadar an und die knapp 20 Grad starke Wärme und der blaue Himmel vertrieben die Unlust. Endlich stand auch mal jemand mit einem Schild, das meinen Namen trug, am Ausgang. Fühlt man sich ja beinahe wichtig. War aber nur der Mietwagen-Josip. Das Büro des Vermieters ist nämlich der Parkplatz am Flughafen, auf dem zwei Typen mit mobilem Kreditkarten-Leser stationiert sind. Vorab: es lief alles vorbildlich. Gute Performance. BildEin weißer Suzuki Swift mit knapp 11tsd Kilometer auf der Uhr wurde zu meinem Gefährten. Ein erstaunlich gutes Fahrzeug, wie ich in den kommenden Tagen feststellen sollte. Für den Weg nach Sibenik wählte ich die Küstenstraße, statt die (M)autobahn. Zeit hatte ich genug, da kann man ja ruhig den Sparfuchs mimen. Etwas mehr als eine Stunde später traf ich ein. Ich hatte mir für 150 Kuna (20 Euro) ein Zimmer in einer kleinen Pension oberhalb der Altstadt von Sibenik gebucht. Drei Zimmer bietet es nur und die Spekulation ging auf. Außerhalb der Saison war ich der einzige Gast und hatte das Bad, dass alle drei Räume bedient, für mich allein. Obendrein gab es einen phantastischen Ausblick vom Balkon dazu. Der Besitzer hatte mich per Email gewarnt, dass das Haus nicht leicht zu finden, nur schwer anzufahren und Parkplätze rar seien. Mit der Orientierung hab ich ja selten Probleme, das Haus zu lokalisieren war auch nicht schwer, aber erreicht wurde es mehr durch Einkreisen des Ziels. Dazu einmal in die falsche Gasse abgebogen, aus der ich rückwärts bergab wieder raus musste. Scheiße war das eng, da konnte man glatt ins Schwitzen kommen. Nur kurz die Sachen abgeworfen und dann macht ich mich auf in den 'Krka Nacionalni Park'.

Bild Dort wurden an der Schranke dann direkt mal 110 kroatische Dinger aufgerufen - 15 Euro. Das Erstaunen über den recht hohen Kurs wich dann aber, als ich begriff, dass die fünf kostenpflichtigen Sights des Parks alle im Preis enthalten sind. Der Krka-Nationalpark ist eine sogenannte Karst-Landschaft. Etwas vereinfacht ausgedrückt ist Karst eine geologische Erscheinung, die durch Verwitterung des Untergrunds entsteht. Bild Bild Der Park reicht von der Quelle der Krka bei Knin bis zum der Mündung in die Adria vorgelagerten See ‚Donji Tok‘ bei Skradin und hat damit eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 40 Kilometern. Der Fluss Krka fließt beinahe auf voller Länge durch eine schroffe Schlucht, die in viele verschiedene Formen wechselt, mal enger, mal weiter, mal wilder, mal sanfter. Es gibt etwa ein Dutzend ausgewiesene Spots, von denen manche mehr und manche weniger lohnen. Ich hatte mir eine entsprechende Route zurecht gelegt und wollte am südlichsten und wohl eindrucksvollsten Punkt beginnen, dem ‚Skradinski buk‘. Hier ergießt sich die Krka über eine Länge von 800 Metern über eine mehrstufige Felsformation in eine Vielzahl von Wasserfällen. Ist wirklich sehenswert und mutet teilweise an wie eine Märchen-Landschaft. Bild Bild Bild Von hier fuhr ich weiter nach Skradin. Dabei kam ich an einer großen, verfallenen Fabrik vorbei, die mein Interesse weckte. Am Rande interessieren mich derartige Lost Places ja schon, so dass ich die Gelegenheit ergriff. Das Tor war zwar verschlossen, aber die Türen des Pförtner-Hauses waren nicht mehr existent, so dass man ungehindert hinein spazieren konnte. Wie nachher rauszufinden war, handelte es sich um eine ehemalige Aluminium-Fabrik, die erst 2009 geschlossen worden war. Beinahe unglaublich, was sieben Jahre Stillstand ausmachen. Bild Es wirkte, als ob dort schon seit dreißig Jahren nichts mehr geschehen wäre. Schon eine abenteuerliche Atmosphäre, wenn man in die alten Hallen und Walzstraßen blickte. Da gab es sicherlich ne Menge zu entdecken, aber das war nicht der hauptsächliche Grund, warum ich in der Gegend war. Also weiter nach Skradin, einem malerischen kleinen Örtchen, und von dort weiter zum ‚Visovacko jezero‘ (jezero = See), in dem die kleine Insel ‚Visovac‘ liegt. Auf dieser befindet sich ein Franziskaner-Kloster aus dem 15.Jahrhundert. Man kann auf die Insel übersetzen, aber das letzte Boot war für heute schon gefahren, der Tag war eh schon weit fortgeschritten und einen Spot wollte ich heute noch machen. Dieser nennt sich ‚Roski slap‘ und besteht aus vielen kleinen Stromschnellen, die sich über viele Kaskaden mehrere hundert Meter hinziehen und schließlich über kleinere Wasserfälle in einen See ergießen. Da durch recht dichten Bewuchs der Blick meist eingeschränkt wird, ist dieser Stelle aber nicht wirklich beeindruckend. Es war nun schon kurz vor 18:00 Uhr und ich machte mich mal auf den Rückweg nach Sibenik, denn ich hatte noch ein loses Vorhaben.

Noch ein Halt am Supermarkt, etwas Mühe einen Parkplatz in Nähe zur Unterkunft zu finden und schon rann die Zeit dahin, so dass ich kurz davor war, das geplante Basketball-Spiel zu knicken. Wäre auch egal gewesen, ist ja eh nicht so mein Sport. Da es aber keine 15 Minuten Fußweg waren, schlörte ich mal dahin und betrat für 20 Kuna zur fünften Spielminute die ganz gut gefüllte Halle, die nur auf einer Seite mit einer Tribüne aufwarten kann. Bild Dieses war erst mein drittes live erlebtes Basketball-Spiel. Immerhin im dritten Land. Einmal habe ich den klassenhöchsten Essener Verein in die zweite Liga aufsteigen sehen, einmal entsprang die Idee zum Spielbesuch einer Suff-Laune in Prag und nun halt dieses Ding hier, was auch möglicherweise das letzte Mal gewesen sein kann. Ich kann mit dem Gewerfe auf den benetzten Ring einfach nichts anfangen. Inflationäre Punktzahlen, da kann sich doch kein Mensch wirklich über erzielte Punkte freuen, denn wenn man mit ehrlichem Jubel fertig wäre, hätte man die nächsten drei Korb-Erfolge schon wieder verpasst. Bild Ich räume lediglich den großen Belgrader und den griechischen Clubs eine reelle Chance ein, mich noch einmal zu einem Live-Spiel begrüßen zu dürfen. Dann aber nicht wegen des Sportes, sondern wegen der Bambule auf den Rängen. Hierhin hatte mich die Hoffnung auf eine aktive Szene getrieben. Im Internet hatte ich Bilder einer etwa 30köpfigen Gruppe gefunden, die auch schon mal Pyro in der Halle zündet. Wo auch immer die Jungs heute waren - in der Halle jedenfalls nicht. Vielleicht, weil das Team chancenlos das Schlusslicht der Meisterrunde gibt. Zwar gab es zwischendurch mal ein wenig Support, aber das sah mir eh nach spontaner Emotion des gemeinen Pöbels aus. Da von Minute zu Minute meine Lust auf einen Balkan-typischen fiesen Fleischteller wuchs, fand ich einen Individual-Abbruch dieser Veranstaltung in der Mitte des Schluss-Viertels gerechtfertigt. Sollte ich doch innerliche Zweifel gehabt haben, waren diese endgültig verdrängt als der Teller Cevapi (wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Cevapi und Cevapcici, vermutlich nur in der Größe?) und ein großes ‚Ozujsko' vor mir standen. Gestärkt und zufrieden latschte ich durch die Stari Grad, die Altstadt, den Berg rauf und konsumierte noch zwei Halbe in meiner Kemenate, bevor ich mich todmüde meinen süßen Träumen hingab.

Sa. 23.04. 16:30 - NK Junak Sinj vs NK Hrvace 2:0 (3.HNL Jug), 350 Zuschauer (? Gäste) Sa. 23.04. 19:00 - RNK Split vs Dinamo Zagreb 0:1 (1.HNL), 700 Zuschauer (50 Gäste)

Um 9:00 Uhr kroch ich mal aus den Federn. Der Blick aus dem Fenster zeigte, dass das Wetter seiner Vorhersage einige Stunden voraus war. Zu regnen beginnen, sollte es eigentlich erst am Abend. Half ja alles nix, also los. Zum wiederholten Mal kam ich am Stadion des NK Sibenik vorbei, der als Tabellenführer der zweiten Liga Kurs auf die Elite-Klasse genommen hat. Nix atemberaubendes, die Bude, aber mit dem gewissen Ranz-Faktor, der bei mir ja immer hoch im Kurs liegt. Hätte ich auch heute um 17:00 Uhr machen können, aber trotz Aufstiegskurs, kommen meist nur 500 Leute zum Spiel. Da warte ich doch lieber bis Hajduk mal hier aufläuft und außerdem wollte ich mir die Chance zum Doppler erhalten. Direkt neben dem Stadion liegt der 'Spomenik-Park' von Sibenik. Spomenik ist das slawische Wort für Denkmal. Bild Diese zeigen sich oft in bizarrer Ausführung, doch dazu später mehr. Es hörte dann auch auf zu regnen und ich stieg genau an der Stelle wieder in die geplante Route ein, an der ich am Vortag abbrechen musste. Zunächst schaute ich mir den ‚Roski Slap‘ noch mal von oben an. Tief unten in der Schlucht liegend, ist der Blick aus der Vogelperspektive deutlich beeindruckender, als wenn man unten davor steht. Nun hatte ich vor der Straße auf der östlichen Seite der Krka in nördlicher Richtung zu folgen. Nach wenigen hundert Metern verwandelte sich flatschneuer Asphalt aber ein eine planierte Schotter-Piste. Kurz überlegt und mal ein paar hundert Meter testweise befahren, dann beschloss ich, dass der kleine Swift dieser Herausforderung gewachsen sein muss. Bild Außerdem musste ich mir auch endlich mal einen Grund liefern, den Mietwagen immer mit Glas- und Reifenversicherung zu nehmen. Vielleicht sieben oder Kilometer ging es nun durch die Pampa immer darauf bedacht keine allzu großen Steine aufzuschleudern, denn so ne Alu-Ölwanne ist nur begrenzt widerstandsfähig, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen darf. Jetzt fehlte eigentlich nur dass Winnetou und Old Shatterhand den Weg kreuzten, denn die Streifen sind ja in dieser Region gedreht worden. Bild Bild Unweit des Dörfchens Puljane liegen sich zwei alte Burgruinen, ‚Trosenj‘ und ‚Necven‘, direkt an der Schlucht gegenüber. Letztere war die für mich erreichbare, die aber abgesperrt war, weil noch Ausgrabungs-Tätigkeiten durchgeführt werden, wie ein Schild zu berichten wusste. Davon war aber nix zu sehen. Dementsprechend kann man so eine Absperrung ja auch mal als netten Vorschlag betrachten, auf den man nicht zwingend eingehen muss. Weiter ging es zu den Wasserfällen von ‚Manojlocvac‘, wo die Krka über mehrere Stufen sechzig Meter in die Tiefe fällt. Der höchste Wasserfall misst 32 Meter. Hinter den Fällen windet sich der Fluss durch eine 200 Meter tiefe Schlucht. Nun wollte ich mir eigentlich noch das römische Militärlager ‚Burnum‘ ansehen. Dieses gehört zu den Spots, die nur mit der Eintrittskarte betreten werden können. Diese gilt aber nur einen Tag, war also abgelaufen. Den Einzel-Eintritt von relativ unverschämten 40 Kuna sparte ich mir und warf nur mal einen Blick auf die unweit der Straße stehenden, frei zugänglichen Steinbögen.

Der Magen erinnerte mich nun auch an sein Dasein und als ich zum wiederholten Male eines dieser 'Restorans' passierte, wo sich in einem angebauten Grillhäuschen ein Schwein genüsslich um die eigene Achse drehend über der Flamme sonnte, konnte die einzig richtige Entscheidung eine Vollbremsung sein. Verständigungsprobleme mit dem Wirt konnten mit einem energischen Fingerzeig auf das geröstete Tier ausgeräumt werden. Minuten später wähnte ich mich in die Steinzeit versetzt, als eine riesige Portion Fleischteile zusammen mit Pommes, Salat und Brot vor mir auf dem Tisch platziert wurde. Schade, dass ich weiter wollte - der Spieß mit dem Lamm stand schon an den Grill gelehnt für den Garprozess bereit. Gemästet wie der so eben verzehrte Paarhufer setzte ich meinen weg nach Knin fort. Warum nach Knin? Bild Zwar gibt es oberhalb der Kleinstadt eine beeindruckende Festung. Aber mein Ziel war das unweit der Festung auf dem Hügel befindliche Spomenik. Wie erwähnt handelt es sich bei Spomeniks Mahnmale. Das Mahnmal, auf das ich es abgesehen hatte, war ein sogenanntes 'Spomenik antifasizma'. Diese hatte Josip Broz Tito, der diktatorische Präsident der sozialistischen Republik Jugoslawiens, massenweise an Orten errichten lassen, an denen Gruppen von kommunistischen Partisanen im Kampf gegen den Faschismus gefallen waren. Oft liegen die Spomeniks an abgelegenen Orten und an teilweise sehr schwer zugänglichen Stellen. Mit dem Zerfall Jugoslawiens schwand offenbar auch das Interesse sich derer zu erinnern, die für das Land gestorben waren, so dass die Dinger ihrem Schicksal überlassen wurden. Ich bin in einem Online-Bericht über diese Dinger gestolpert, die teilweise sehr gewaltig und dramatisch wirken. Manche sind riesengroß, dass sie wahrhaft furchteinflößend wirken. Allein diese Denkmäler auf Fotos zu betrachten, hat mich fasziniert. Eines dieser Teile befindet sich eben oberhalb von Knin. Auf Karten sind Spomeniks meist nicht verzeichnet, so dass man sie mühsam auf Satellitenbildern suchen oder wohl die Hilfe der Einheimischen benötigt. In meinem Fall, findet man das Dingen aber tatsächlich über die Suche in 'Google Maps'. Bild Das ermöglichte mir einen dankbar einfachen Einstieg ins Spomenik-Hopping. Also Auto abgestellt und dem ins Dickicht führenden Trampelpfad gefolgt. Was die Karte nicht verrät, ist dass es stetig bergauf geht, was bei mangelnder Kondition den Puls schnell erhöhte. Bild Als mich nach einigen hundert Metern die Meinung beschlich, doch auf dem falschen Weg zu sein, stand ich auf einmal davor. Die Vegetation hatte sich im Vergleich zu den einige Jahre alten Bildern, die ich im Netz gefunden hatte, schon ordentlich ausgebreitet und das Spomenik ordentlich zugewuchert. Was mir dann auffiel - anhand der Fotos war es nicht festzustellen - war, dass das Gebilde schon vor langer Zeit umgestürzt sein muss. Denn aus dem schachbrettartigen Fundament ragten verbogene rostige Stahlprofile und die Bruchstellen im Beton waren nicht zu übersehen. Trotzdem verfehlte diese merkwürdige sich selbst und der Natur überlassene Skulptur seine theatralische Wirkung irgendwie nicht. Ganz guter Einstieg, auch wenn dieses Spomenik ein verhältnismäßig kleines ist. Da gibt es ganz andere Kaliber und das Thema interessiert mich dermaßen, dass ich versuchen werde, immer mal wieder eins zu sehen, wenn ich den Balkan beehre.

Bild Nun war es höchste Zeit die fünfzig Kilometer nach Sinj zu absolvieren, wo ich kurz vor dem Anpfiff eintraf. Dabei passierte ich wieder geniale Hajduk-Graffitis. Das 'Gradski Stadion' verfügt über zwei ausgebaute und zwei nicht ausgebaute Seiten. Eine Tribüne mit entsprechendem Innenleben breitet sich über eine Längsseite aus. Die oberen Reihen sind durch ein Dach geschützt. Hinter einem Tor befindet sich eine gleichhohe aber ungedeckte Tribüne. Räumlich handelte es sich um ein Derby, da die Gäste aus dem wenige Kilometer entfernten Hrvace anreisten. Bild De facto schien das aber keinen zu interessieren. Gäste-Anhänger waren nicht wirklich auszumachen und mit insgesamt gut 350 Besuchern wurde das Fassungsvermögen des Grounds auch nur zu etwas mehr als zehn Prozent genutzt. Bild Bild Das Spiel der Süd-Gruppe der dritten Liga gewannen die Gastgeber sicher. Da sich aber beide Teams im oberen Drittel der Tabelle befanden, ohne eine Chance noch in den Titelkampf eingreifen zu können, war der Ausgang der Partie ziemlich bedeutungslos. Ein gute halbe Stunde nach dem Abpfiff parkte ich den Wegen am 'Stadion Park Mladezi' in Split, wo der im ganz langen Schatten von Hajduk stehende kleine Verein der Stadt, der RNK Split, seine Heimspiele austrägt. Gegner war kein geringerer als der Serienmeister Dinamo aus Zagreb. Etwas besonderes war das Spiel trotzdem nicht. Bild Zum einen verfügt der RNK Split nur über wenig Zulauf und zum anderen wird Dinamo aufgrund der unsäglichen Situation um den kriminellen Club-Boss Mamic und den Konflikt mit den 'Bad Blue Boys' momentan nicht wirklich supportet. Schwierige Situation momentan in der Dinamo-Szene. Die BBB kehrten im letzten Jahr in die Kurve zurück, nachdem Mamic wegen Steuerhinterziehung verhaftet wurde, bleiben aber wieder fern, seitdem er auf Kaution wieder auf freiem Fuß ist. Allerdings gibt es eine kleine Abordnung der BBB, die Mamic gegenüber positiv eingestellt ist und den Verein auch während der Abwesenheit der Hauptgruppe weiter supportet. Man spricht davon, dass es sich um gekaufte Mamic-Vasallen handelt. Diese - etwa 20 Mann - standen auch heute im einen Teil des Away-Bereichs und gaben ab und an Sprechchöre von sich. Kurz nach Spielbeginn postierte sich eine weitere, etwa 30 Leute starke Gruppe Gäste-Fans in der anderen Kurvenhälfte, die durch die Polizei von der 20er-Gruppe isoliert wurde. Die Nachzügler gaben ebenfalls ab und an etwas von sich, was aber stark nach Protest anhörte. Demnach werden das also Mamic-Gegner gewesen sein. Wirklich fundiert kann ich aber zur Sachlage nichts beitragen, da meine Quellen nur aus dem Internet und von Dritten stammen.

Das Spiel war recht schnell und ganz ordentlich anzusehen. Beide schenkten sich nichts, so dass es immer wieder zu gegenseitigem harten Einsteigen kam. Weitestgehend war die Geschichte recht ausgeglichen. Dinamo scorte Mitte der ersten Halbzeit zur Führung und das sollte der einzige Treffer der Partie bleiben. Auf Heimseite fanden sich sechs Personen zusammen, die sich in aktivem Support versuchten. Zwar brachten die etwas verhauenen Figuren immerhin drei große Fahnen an den Zaun, aber ansonsten war die Geschichte eher peinlicher Natur. Allen voran ein glatzköpfiger Gestörter, der dem mittlerweile empfindlich kühlen und nieseligen Wetter trotze und in Trikot und kurzer Hose mit Sonnenbrille und obernerviger Kindertröte den Volltrottel gab. Mal ehrlich - Bild dass man nicht zwingend dem deutlich attraktiveren (fußb)allmächtigen Club der Stadt folgen muss ist ja das eine. Gibt's ja überall, hab ich ja mit RWE contra Kray oder ETB in der eigenen Stadt ein gutes Bespiel. Aber bevor ich so ne Show abziehe, lass ich es doch besser ganz. Es sei denn ich will mich komplett zum Affen machen. Wenn letzteres der Plan war, ist dieser jedenfalls voll aufgegangen. Das Stadion ist auch eher ein Langweiler mit Laufbahn und flachen Rängen. Überdacht ist nur ein ganz kleiner Bereich auf der Hauptseite und in der nördlichen Kurve fehlt jeglicher Ausbau. War ne ganz traurige Veranstaltung, aber genau so hab ich es eigentlich auch erwartet. Aufgrund des ungemütlicher werdenden Wetters wurde der Abpfiff quasi herbei gesehnt und dann machte ich mich auf den Weg nach Trilj, wo ich mir für diese Nacht ein Zimmer in einem ganz passablen Hotel gebucht hatte. Gegenüber von diesem gab es noch einen schönen Teller mit Cevapcici (sahen auch nicht anders aus als die Cevapi vom Vorabend) und Spießen und im äußerst geräumigen Hotelzimmer befasste ich mich bei zwei Döschen 'Karlovacko' mal mit dem Gedanken, ob ich nun am nächsten Tag den Weg in die bosnische Hauptstadt auf mich nehmen will oder lieber beim Adria-Derby in Split verweile. Der Sarajevo-Clasico stand bei mir klar höher im Kurs, aber bei Mistwetter über 200 Kilometer über Landstraßen zurückzulegen, hatte ich eigentlich wenig Bock. Dazu ist das Stadion nicht überdacht und meine ergänzenden Vorhaben würden im Regen auch nicht so viel Spaß machen. Und ganz nebenbei kann so ein Kick ja auch mal kurzfristig ausfallen. Auch wenn in Südost-Europa eigentlich immer ein Ball auf den Platz geschmissen wird - irgendwann ist halt der Punkt erreicht an dem es nicht mehr geht. Selbst erlebt beim Kick zwischen Hajduk und Dinamo vor vier Jahren, als zehn Minuten vor Kick-off eingesehen werden musste, dass nicht gespielt werden kann, weil das Feld komplett unter Wasser stand. Auf der anderen Seite wurde bei vergleichbaren Bedingungen in Albanien mal gespielt, obwohl es eigentlich auch nicht ging. Ich vertagte die Entscheidung auf den nächsten Morgen.

So. 24.04. 17:00 - FK Sarajevo vs Zeljeznicar Sarajevo 0:1 (Premijer Liga), 14.000 Zuschauer (6.000 Gäste)

Um 8 Uhr rappelte mich der Handy-Wecker hoch. Das Wetter zeigte sich nasskalt aber erst einmal nicht regnerisch. Eine Entscheidung hatte ich immer noch nicht getroffen. Also erst einmal gefrühstückt und dann beschlossen, in Richtung Sarajevo aufzubrechen. Wenn das Wetter sich weiter verschlechtern würde, konnte ich immer noch umdrehen. Also los. Am Grenzübergang Kamensko war nix los, so dass ich in zehn Minuten durch war. Das Wetter präsentierte sich dann zunächst ein wenig regnerisch. Am 'Busko jezero' vorbei ging es nach Tomislavgrad, an meiner Unterkunft für die kommende Nacht vorbei. Tanken musste ich auch noch. Hatte in Kroatien nur das nötigste getankt, da es in Bosnien noch mal gewaltig günstiger ist. Gerade mal 1,70 Konvertible Mark (die ja 1:1 an der guten alten Deutschen Mark orientiert ist) kostet der Liter Benzin, also nicht einmal 90 Euro-Cent. Bild Nun hatte ich die Wahl die relativ ausgebaute Straße R418 zu nehmen oder einige Kilometer zu sparen und die südlichere R419 zu wählen, die durch den Nationalpark 'Blidinje' führt, aber auf der Karte etwas anspruchsvoller aussah. Also rein ins bosnische Erzgebirge, dass zu den Dinarischen Alpen gehört, welche sich ja parallel zu Adria-Küste aufbauen. Stetig bergauf ging es bis auf 1200 Meter in die Ebene des 'Blidinjsko-See'. Ein Baustellen-Ankündigungsschild erweckte bei mir noch keinen Argwohn, bis ich dann vor der selbigen stand. Zunächst dachte ich, dass man einfach die ganze Straße weg gerissen hat, um diese neu zu bauen. Im Nachhinein ging mir dann auf, dass die Straße überhaupt erst gebaut wurde und vorher nur aus einer planierten Piste bestand. Umkehren und die Alternativ-Route zu nehmen war keine Option, dafür war ich schon zu weit. Also rein ins Vergnügen und im Vergleich zum Offroad-Erlebnis des Vortages war das hier noch mal ein höheres Level. Da musste man schon genau aufpassen, wo man hin lenkte, aber mein tapferer Swift zog unbeirrt seines Weges. Am 'Blidinjsko jezero' kommt man dann wieder auf Asphalt. Das Wetter hatte sich erstaunlich gebessert. Teilweise zeigte sich gar blauer Himmel und da hier und jetzt der Zeitpunkt gewesen wäre um umzukehren, war die Entscheidung klar. Klar war aber auch, dass noch einige Höhenzüge zu queren waren und dass jeder einzelne von diesen eine potentielle Wetterscheide sein könnte. Als ich so meinen Gedanken nachhing, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, fuhr ich mit vielleicht sechzig Klamotten auf dem Tacho über eine kleine Kuppe, latschte vor Schreck erst einmal voll auf die Bremse und rutschte auf den nächsten unbefestigten Straßenabschnitt. Ja verdammt, dass die bosnischen Straßen teilweise schlecht ausgebaut, schlecht ausgestattet oder in schlechtem Zustand sind, war mir ja klar. Aber das dieses auch gleich bedeutet, dass man auf Nebenstrecken in jeder Minute mit einer solchen Überraschung rechnen darf, hatte ich nicht in erwogen. Die Piste war auch in keinem guten Zustand, so dass ich die nächsten Kilometer mit einer Maximal-Geschwindigkeit von 20 km/h zurücklegen durfte. Zum Glück war der Scheitelpunkt überwunden und es ging bergab, so dass ich den Haufen nur rollen lassen musste. Gut, dass ich für den Rückweg am Abend eine alternative Stecke parat hatte, sonst wär es kniffelig geworden. An Warnhinweisen vor Minenfeldern vorbei ging es runter nach Jablanica, wo ich dann auf die gut ausgebaute M17 zwischen Mostar und Sarajevo traf. Am 'Jablanicko jezero' führt die Straße nach Konjic. Dabei geht es durch diverse Tunnel. Wie gesagt, die Straße ist gut ausgebaut. Bis auf einen Tunnel, der beinahe komplett im Rohzustand ist und mich an den Tunnel in die Hölle auf der Strecke von Jerewan nach Tbilisi erinnerte. Da sollte der ADAC mal nen Tunnel-Prüfer reinschicken, den kann man danach mit Bewusstseins-Störungen in die Geschlossene einliefern. Landschaftlich ist das aber alles ein Traum. Man bekommt wunderschöne Perspektiven geboten. Von Konjic muss man dann noch einmal über einen Pass nach Sarajevo. Kurz vor der Hauptstadt beginnt dann ein Abschnitt der A1, die irgendwann einmal die Adria-Küste mit der E70 zwischen Zagreb und Belgrad verbinden soll. Die A1 interessierte mich aber nicht. Stattdessen blieb ich auf der M17 bis Hadzici und bog dann auf die Straße zum Berg 'Igman' ab.

Bild Ich war schon vor längerer Zeit über einen Online-Artikel gestolpert, der sich mit den alten Sportanlagen der Olympischen Winterspiele von 1984 befasste. Diese gammeln großenteils vor sich hin. Nach den Spielen wurden die Anlagen zunächst weiter genutzt. Dann kam aber in den frühen 90ern der Bosnien-Krieg, in dessen Verlauf die Sportanlagen als strategische Punkte in die Kämpfe einbezogen und beschädigt wurden. Eine Sanierung nach Beendigung des Konfliktes war kein Thema, da das Land erst einmal ganz andere Sorgen hatte und dann gerieten die Anlagen mehr oder weniger in Vergessenheit. Besonders fasziniert hat mich der Zustand der Skisprungschanzen, von denen ich mir unbedingt selber ein Bild machen wollte. Bild Bild Skisprungschanzen wirken eh schon erhaben und majestätisch auf mich. Das Wetter verschlechterte sich leider wieder als ich auf den 1500 Meter hohen Igman fuhr. Es wurde zunehmend diesiger und regnete teilweise unangenehm. Trotzdem wollte ich mir das Erlebnis nicht nehmen lassen. Wer weiß wann man wieder die Gelegenheit dazu bekommt. Es existiert eine Versorgungsstraße über die man fast an die Schanzentische heran kommt. Ursprünglich gab es fünf Schanzen. Die drei kleineren fielen dem Krieg zum Opfer und wurden nicht wieder aufgebaut. Bild Bild Die Normalschanze K90 und die Großschanze K112 blieben stehen und sind heute mahnende Geister am Hang. Unerwartet war das Gelände frei zugänglich. Es gibt keinerlei Einzäunung aber auch keinerlei Absicherung. Man muss also schon aufpassen, wo man hin tritt. Außerdem gilt die Region immer noch als Minen-Gebiet, aber in unmittelbarer Nähe der Schanzen sollte wohl alles sicher sein, dafür turnen da dann doch zu viele Menschen rum. Man kann auch die Anlauftürme betreten. Türen oder Fenster existieren nicht mehr. Man sollte vielleicht nicht auf die Idee kommen, die Aufzüge nutzen zu wollen, denn die Schächte sind leer. In den Türmen ist alles geplündert und es rottet alles so vor sich hin. Der Blick die Schanze hinunter ist beeindruckend und beängstigend zugleich. Bild Bild Ich bin zwar kein 'Urbexer', wie man die Leute nennt, die sich an verlassenen Gebäuden und Geländen begeistern, aber dieser geschichtsträchtige Lost Place hat mich mit seiner ganzen Mystik total beeindruckt. Wahrscheinlich hatte ich sogar genau das richtige Wetter, denn Sonnenschein und blauer Himmel würden das Erlebnis nur verfälschen. Parallel zu den Schanzen befindet sich der Sessellift, der bei gutem Wetter vermutlich heute noch betrieben wird. Aber im Dunst erwartete man eigentlich, dass man in luftiger Höhe ein paar skelettierte Skispringer in den Sitzen entdecken könnte. Das Sprungrichter-Haus ist leider verriegelt und verrammelt. Schade eigentlich, denn das wirkt auch hochinteressant. Dann mal runter gefahren zum Auslauf- und Zuschauerbereich. Irgendeinen Betrieb scheint es dort noch zu geben, denn dort befindet sich ein Ski-Verleih. Außerdem ein Restaurant mit Biergarten und im Auslaufbereich sind Spielgeräte für Kinder aufgebaut. Es existiert auch noch das Siegerpodest. Dieses muss irgendwann mal wieder hergerichtet worden sein, Bild Bild Bild denn im Internet findet man Bilder auf denen das Ding von Einschusslöchern aus dem Krieg übersät ist. Ich spulte nun die letzten Kilometer nach Sarajevo ab und näherte mich der Stadt durch den mehrheitlich von bosnischen Serben bewohnten Stadtteil 'Istocno' und bog dann ab auf den Berg 'Trebevic'. Dort gab es den nächsten olympischen Lost Place zu bestaunen - die Bobbahn. Diese ist nicht ganz so ein Geheimtipp, denn im Rahmen organsierter Führungen ist die Bahn mittlerweile regelmäßiger Anlaufpunkt. Die Bahn ist genauso verfallen wie die Schanzen und teilweise von der Natur schon ganz ordentlich überwuchert. Bild Bild Die zugänglichen Stellen, insbesondere die steilen Kurven sind komplett mit Graffiti bemalt. Der Beton bröckelt, an vielen Stellen liegt die Schaumstoff-Isolierung offen und alles ist mit Moos überwachsen. Die ganze Location wirkt, als wäre sie schon vor hundert Jahren der Natur überlassen worden. Auf eine gewisse Weise ist die Atmosphäre bezaubernd. Als ich nun vom 'Trebevic' runter nach Sarajevo fuhr, hielt ich in einer Kurve an, aus der man einen guten Blick über Stadt hat. Witzigerweise konnte ich von dort oben beobachten, wie sich der Zeljo-Corteo in Richtung Stadion unter Böllerwürfen in Bewegung setzte. Sah schon ganz cool aus, wie auf den benachbarten Häusern Leute mit Bengal-Fackeln standen. Ich gurkte noch kurz am 'Stadion Grbavica' von Zeljecnicar vorbei und fand dort sogar ein offenes Tor, so dass ich noch ein paar vernünftige Bilder vom Ground machen konnte. Dies war mir bei meinem Besuch vor zwei Jahren nicht gelungen.

Bild Bild Jetzt war es aber Zeit für das Derby. Einen nahen Parkplatz zu finden war gar nicht so schwer. Nur dass mir der Ordner-Mokel den Zutritt am Nebeneingang ohne Ticket nicht gewährte, passte nicht in den Zeitplan. Also einen ziemlich großen Bogen gelaufen, bis ich am Ticketschalter stand, wo mir dann glorreich einfiel, dass ich mein Portemonnaie mit den Devisen im Auto vergessen hatte. Ein junger Bosnier war so freundlich, mir gegen zehn Euro zwanzig Mark zu tauschen. Eine Sicherheitskontrolle fand so gut wie gar nicht statt. Da erschließt sich dann auch, wie tonnenweise Pyro-Zeugs ins Innere der Stadien findet. Gut so! Das weite Rund war schon ganz ordentlich gefüllt. Ich hatte auf 20tsd Zuschauer gehofft - es sollten letztlich 'nur' 14tsd werden, aber das war schon ganz in Ordnung, wenn man das unbeständige Wetter in Betracht zog. Es tröpfelte mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Bild Ich konnte mir noch ein Plätzchen in der oberen Reihe der Gegengeraden, Höhe Mittelline, unter dem Überbau sichern, womit ich vor dem Regen geschützt war. Wenn man so hinter die Kulissen des 'Stadion Asim Ferhatovic Hase' - früher 'Olimpiski Stadion Kosevo' - blickt, kann man schon feststellen, dass es eine schöne Ranzbude ist. Der Blick nach hinten über die Brüstung offenbarte jedenfalls einige bauliche Mängel und illegale Müllentsorgung. Mit dem Stadion machte ich ja einen weiteren Spot von Olympia 1984. Es ist ein weitläufiges Oval, beinahe ohne jede Überdachung. Lediglich ein kleiner Bereich auf der Haupttribüne ist geschützt, damit die paar wichtigen unter den Zuschauern keinen nassen Arsch bekommen. Oberhalb der Haupttribüne ist beinahe über die ganze Länge ein Pressekabinen-Schlauch angebaut. Im Rund dominiert sitzschalenbedingt die Farbe grün. Bild Bild In der Südkurve hatten sich gut 6-7tsd blau-weiße Gäste breit gemacht. Zum Intro gab es von diesen eine Zettel-Choreo in blau und weiß mit Spruchband. Die Gastgeber zeigten erste eine Schalparade und ließen es dann ordentlich fackeln und qualmen. Bild Bild Als sich der Rauch verzog wurde ein Fahnenmeer sichtbar. Schönes Ding. Fußball interessiert mich ja nicht so :-) aber das Spiel war wirklich intensiv, spannend und temporeich. Allein in den ersten zehn Minuten gab es so viele Fouls wie sonst in einem ganzen Spiel. Und damit meine ich kein Zupfen am Trikot, sondern es wurde richtig zugelangt. Es ging hin und her, mal besser mal schlechter. Offener Schlagabtausch nennt man das wohl. Die Gastgeber hatten die etwas besseren Chancen, aber den Treffer erzielten die Gäste, was einen schönen Tor-Pogo in der Kurve zur Folge hatte. Das Heim-Publikum war mit der Leistung des Unparteiischen-Gespanns nicht so recht zufrieden. Der Eingang zum Kabinentrakt ist mittig unter der Gegenseite, wo eigentlich etwas gemäßigtere Zuschauer standen. Aber was heißt das auf dem Balken schon. Den Referees flog einfach mal alles um die Ohren. Bild Bild Von der brennenden Fackel über Regenschirme bis zu einer Krücke war alles dabei, so dass sich die Jungs nur im Sprint in die Kabine retten konnten. In der zweiten Hälfte wurde in Heim- und Gästebereich natürlich auch noch die standesgemäße Fackel-Show gezeigt. Im Sarajevo-Sektor wurde auch irgendwann ein Glückwunsch-Spruchband für die Ultra-Freunde von Dynamo Dresden präsentiert, Bild> die ja am Wochenende zuvor die Rückkehr in die zweite Liga klar gemacht hatten. Ein 'UD'-Banner hing auch am Zaun der Heimkurve. Die höhere Lautstärke produzierten ganz klar die 'Maniacs' in der Away-Kurve. Was da über neunzig Minuten für ein Lärmpegel rausgehauen wurde, war schon beachtlich. Die 'Horde Zla' - die 'Horde des Bösen' - gewann dafür das Pyro-Duell eindeutig. Im zweiten Durchgang entwickelte sich der Kick zu einem Spiel auf ein Tor. Die weinroten Gastgeber drängten mit Macht auf den Ausgleichstreffer. Aber was da für Chancen liegen gelassen wurden, war schon absurd. Zeljo konnte sich überhaupt nicht mehr befreien und die Konter wurden fahrlässig abgeschenkt. Aber auch fünf Minuten Nachspielzeit halfen Sarajevo nicht mehr und die Gäste erreichten einen prestigeträchtigen Auswärtssieg. Die 'Horde Zla' feierte ihre Mannschaft trotzdem für den couragierten Auftritt, auch wenn sie die Murmel nicht im Tor hatte unterbringen können.

Der Schlusspfiff war für mich der Startschuss, den Rückweg anzutreten. Allerdings waren die Straßen rund ums Stadion hoffnungslos verstopft, so dass ich nur über Nebenstraßen mühsam runter in die Stadt und Richtung Autobahn A1 kam. Richtung Süden ist bei Tarcin eh wieder Schluss mit Autobahn. Erträgliche 2,50 Mark Maut wird dafür verlangt. Nun ging es bei Dunkelheit über Landstraßen. Bis Jablanica war das ja soweit okay, dann wurde es über die M16.2 nach Prozor-Rama hoch ziemlich abenteuerlich. Fürchterlich kurvenreich und bei Gegenverkehr recht eng ist die Strecke. Die Herausforderung einen Reisebus zu überholen bestand ich in weltmeisterlich. Von Prozor-Rama ging es dann weiter über die R418 am 'Ramsko jezero' entlang bis auf den Pass. Dort oben verwandelte sich der Nieselregen dann in Schneeregen, aber es blieb nichts liegen. Nach etwas weniger als zweieinhalb Stunden kam ich nach 160 Kilometern an meinem Nachtquartier in Tomislavgrad an. Mehr war nicht drin, wenn man sein Leben nicht unnötig (noch mehr) gefährden wollte. Das Motel befindet sich über einer Tankstelle und angeschlossen ist (zum Glück!!) eine Bar, in der ich mir nach der anstrengenden Fahrerei noch zwei eiskalte 'Karlovacko' gönnte.

Mo. 25.04. - Rückreise

Ich wurde von lautem Gelaber auf dem Gang wach. Der Blick aufs Handy offenbarte eine Uhrzeit von 6:30 Uhr. Irgendwann realisierte ich, dass es zwei Reinigungs-Hühner waren, die offenbar schon Zimmer von früh abgereisten Gästen klar machten. Am liebsten hätte ich da mal ordentlich Bescheid gesagt, aber stattdessen riskierte ich einen Blick aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Bild Bild Alles weiß! Über Nacht hatte es schlanke 10 bis 15 Zentimeter Schnee gegeben. Gut dass die Putz-Olschen mich geweckt hatten. Und gut, dass ich die Berge schon hinter mir hatte. Ursprünglich hatte ich mal erwogen, die Nacht in Sarajevo zu bleiben und die ganze Strecke nach Zadar in einem wegzuknallen. Mit dem Wagen musste ich aber noch mal eine kleine Anhöhe überwinden. Wer weiß, wie es da aussah. Wie die Reifen auf dem Swift aussahen, wusste ich aber genau - das waren nämlich lupenreine Sommer-Pellen. Also mal fix fertig gemacht, das im Preis enthaltene Frühstück in Form eines Omelette in der Bar eingenommen und los ging es. Es schneite fröhlich weiter und blieb genauso fröhlich liegen, so dass die ganze Geschichte immer anspruchsvoller wurde und ich durch eine Kurve quer stehend driftete wie einst Real Madrid, ähm, wie einst Walter Röhrl - zum Glück folgenlos. In der Senke am 'Busko-See' angekommen, war es dann vorbei mit der weißen Pracht und Normalität kehrte auf der Straße ein. Die Grenze nötigte mir gerade mal sechzig Sekunden ab, so dass das Zeitpolster doch noch komfortabel war. BildDas ermöglichte mir noch, einen Hügel hinaufzufahren, auf dem ich von der Fernstraße aus eine kleine Burg entdecken konnte. Von da oben wurde mir nochmal ein prächtiger Ausblick geboten und zwischen den Wolken zeigte sich schon wieder etwas blauer Himmel. Bild Über die 'Autocesta' fuhr ich bis Benkovac. für die 120 Kilometer werden umgerechnet ca sechs Euro Maut gefordert. Arschteuer wie ich meine. Dann runter zur Küste, wo ich mir, bevor ich zum Flughafen fuhr, in einem Strandcafe noch einen abschließenden Kaffee gönnte. Ryanair hob pünktlich um 13:40 Uhr mit mir ab. Herr Ryan stellte mir freundlicherweise eine ganze Reihe zur Verfügung. Perfekt. Den Plan, eine Mütze Schlaf nachzuholen vereitelte dann aber eine Heulboje zwei Reihen vor mir, die ultra-like mit hochrotem Kopf neunzig Minuten alles gab. Fehlte nur noch der Doppelhalter. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, was ich von schreienden Babys im Flieger halte? Und warum sitzen die Biester immer in meinem direkten Umfeld? Mein Rat an die Eltern: kräftiges Schütteln soll ganz gut helfen! Obwohl ich Köln im Berufsverkehr passieren musste, kam ich gut durch und war um kurz nach 18:00 Uhr daheim.

Nun ist der Bericht wieder deutlich länger geworden, als es sein sollte. Im Nachhinein frag ich mich, ob für meine vermutlich überwiegend an Fußball interessierte Leserschaft meine Suche nach jugoslawischen Denkmälern wirklich interessant ist oder dass mir beim Umherschleichen an den Schanzen beinahe einer abging. Der ehrliche Antwort darauf lautet: Es ist mir scheißegal! Diese Art zu schreiben und vieles möglicherweise ein wenig zu ausführlich zu beleuchten, ist halt mein Stil. Mich selbst zu zwingen, es anders zu machen, wäre eine Verfälschung. Und ich schreibe die Berichte nicht nur für Euch sondern auch für mich, um mich in der Zukunft beim Lesen an ein paar erquickende Touren vergangener Tage erinnern zu können. Und es ist ja auch niemand gezwungen, meine Ergüsse zu lesen. Ich freue mich aber über jeden, der an meinen Erlebnissen Interesse zeigt. Petri Heil.

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(Manni Breuckmann)