G R O U N D F E V E R
  Mittel- und Südamerika
 

17.03.-02.05.2017 --- Auf den Spuren der Inka, Maya und Azteken

Buenos dias, werte Leser. Da war es nun soweit - ein kleiner Traum wurde erfüllt, nämlich einmal eine mehrwöchige Reise zu unternehmen, sich mal für eine längere Phase aus dem Alltag zu lösen, abzuschalten, klassisch den Kopp frei zu bekommen. Der eine oder andere Profi-Hopper wird sich schütteln und meine Aufgeregtheit nicht nachvollziehen können, vor allem die Sorte, die dem Hobby hauptberuflich nachgeht. Aber für mich bedeuteten diese Wochen etwas absolut Herausragendes, da ich ja neben meinem zeitintensiven Hobby ein ganz normales Leben mit allen Rechten und Pflichten führe, meine Familie nicht vernachlässige, einem soliden wie geregelten Job nachgehe und - Achtung, anschnallen! - reichlich soziale Kontakte außerhalb der Fußballszene pflege. Oder anders gesagt: für mich ist das Hobby weder Pflicht noch Wettbewerb sondern es soll etwas Besonderes bleiben. Wie kam es nun zu dieser Unternehmung? Mit den 30 Urlaubstagen, die mir laut Arbeitsvertrag zustehen, war das Vorhaben nicht umzusetzen, zumal ich von diesem regulären Urlaub noch den Ansprüchen des oben skizzierten bürgerlichen Teils meines Daseins gerecht werden möchte. Also wurde mein Anliegen der Geschäftsführung vorgetragen, die sich erfreulich aufgeschlossen zeigte und sich eine Vertretungsregelung überlegte. Über einen Gehaltsverzicht wurden dann vier weitere Wochen Urlaub 'erkauft', so dass in Verbindung mit einigen Tagen Resturlaub aus dem Vorjahr und ein paar wenigen Tagen des neuen Urlaubsanspruches die für diesen Trip gewünschte Zahl an Urlaubseinheiten generiert werden konnte. Dann wurde mit dem Abteilungskollegen ein machbarer Zeitraum abgesprochen. Klingt alles einfach - war es eigentlich auch. Denn ich darf mich glücklich schätzen, in einer weitestgehend verständnisvollen und kulanten Umgebung meinem Broterwerb nachgehen zu dürfen. Nun fehlte aber noch das 'Okay' der wichtigsten Person, nämlich von der, die ihren Platz in meinem Herzen hat. Und auch bei ihr stoße ich ja immer und immer wieder auf Verständnis für meine Leidenschaft. Danke dafür! Du bist großartig!

Nun war mein Anliegen, den Trip so anzugehen, dass ich nicht dem latenten Druck nachgebe, in relativ kurzer Zeit möglichst viel zu sehen und es dadurch in unbewussten Stress ausarten zu lassen. Um es vorweg zu nehmen: so ganz klappte das nicht, aber letztlich habe ich doch einige Kompromisse geschlossen, die mir ein gutes Gefühl mit auf den Weg gaben. Ziele hatte ich viele im Sinn, doch der Wunsch, Südamerika zu bereisen war am stärksten. Besonders Peru lag mir am Herzen, da es mir immer ein Wunsch war, die legendäre Inka-Stadt 'Machu Picchu' zu besuchen. Also wurde eine grobe Route im Kopf kreiert. Beginn sollte in Venezuela sein, einem Land, von dem ich bis dato nur wenig wusste, dessen wilde Ost-Hälfte aber eine gewisse Faszination auf mich ausübt. Nun wird das Volk nicht nur von einer inkompetenten sozialistischen Regierung geplagt, sondern daraus resultierend auch von einer extrem hohen Inflation. Genauer gesagt ist Venezuela soagr das Land mit der aktuell höchsten Inflation auf dem Erdball. Diese wird für das abgelaufene Jahr mit über 500% beziffert! Kein Schreibfehler! Um diesem Wahnsinn Herr zu werden, hat die Regierung zumindest erkannt, dass langsam größere Banknoten benötigt werden, damit die Menschen nicht das zum Einkauf der wenigen verfügbaren Güter benötigte Bargeld in Reisetaschen (kein Scherz) mit sich herumtragen müssen. Diese Erkenntnis wurde aber überlagert von einem unfassbaren Dilettantismus bei der Einführung der neuen Noten. Das hier detailliert zu erläutern würde zu weit führen. Tatsache ist, dass zu dem Zeitpunkt, als ich langsam mal Flüge buchen musste, die Situation derart ungewiss war, wann die Bargeldversorgung wieder geregelt sein würde, dass ich den Venezuela-Plan erst einmal verschob. Damit war auch die weitere Route, die entspannt ohne wirklichen Zeitplan durch Brasilien führen sollte, hinfällig. Also wurde Plan A2, nicht Plan B, denn die Alternativ-Route war keinen Deut weniger reizvoll, aktiviert. Der Startpunkt sollte Mexiko City sein und die weitere Route ohne Zeitdruck durch Mittelamerika führen um von dort schließlich an die Westküste des südamerikanischen Kontinents zu fliegen. Für recht günstige 601 Euro konnte die Gabel DUS-MAD-MEX und LIM-MAD-AMS, durchgeführt von Iberia und mit erfreulich kurzen Umsteigezeiten in Madrid, erworben werden. Damit war schon mal die erste Herausforderung gemeistert, denn die meisten günstigen Flüge aus Europa nach Mexiko erfordern den Umstieg in den USA. Dafür würde ich aber ein Visum benötigen, da ich ja durch einen jüngeren Beschluss der US-Regierung aufgrund meiner Reisen in den Irak und Iran als potentiell terrorverdächtig gelte und nicht am ESTA-Verfahren teilnehmen darf. Abgesehen von den relativ hohen Kosten, muss man zum Erhalt des Visum persönlich beim US-Konsulat in Frankfurt vorsprechen. Nervig, umständlich, nein Danke. In den kommenden Wochen wurden weitere notwendige so wie die Reise erleichternde Flüge gebucht, Informationen über die zu bereisenden Länder aufgesogen und Spielpläne studiert. Mexiko macht es einem da ja recht einfach, da die Ansetzungen bereits vor Saisonbeginn alle gefixt werden. Mittelamerika erfordert da ein wenig Detektiv-Arbeit, aber auch hierfür konnten recht zügig die Fixtures gefunden werden, die teilweise schon Uhrzeit-genaue Ansetzungen zu bieten hatten. Peru zog irgendwann nach und sogar Bolivien. Nur Ecuador blieb da ein wenig geheimnisvoller. Außer den Liga-Partien kam aber auch noch der eine oder andere Kick in der 'Copa Libertadores', quasi die 'Champions League' des südamerikanischen Kontinentes, in Frage. Irgendwann stand dann das grobe Reisegerüst - der Tag der Abreise konnte kommen.

BildDieser war dann mein Geburtstag. Zunächst kam aber noch die Peronealsehne mit erhöhtem Aufmerksamkeitsverlangen um die Ecke. Diese setzt außen am Mittelfuß an und dank meines Senk-Spreiz-Knick-Beuge-Dehn-Schabbelfußes fühlte sich das Mistviech wohl überlastet und dankte es mit fiesem Schmerz, der ein normales Auftreten und Abrollen unmöglich machte. Abhilfe schafften Einlagen, welche die Situation zwar deutlich verbesserten, aber die Beschwerden nicht komplett verschwinden ließen. Jedenfalls hoffte ich, dass mir das Biest nicht meine geplanten Exkursionen versauen würde. Mit dem Abreisedatum hatte ich mir also das perfekte Geburtstagsgeschenk selber gemacht. Sich dann für mehrere Wochen von der gewohnten Umgebung und der Herzdame zu verabschieden, provozierte auf der einen Seite einen kleinen Kloß im Hals. Denn es ist dann doch was anderes, zwei Wochen auf Tour zu gehen oder mehr als das dreifache und ich würde lügen, wenn ich seit Feststehen der Reise nicht auch einige Male an der Richtigkeit der Entscheidung gezweifelt hätte. Aber das was da kommen sollte, die Erlebnisse, die auf mich warteten, sorgten natürlich für riesige Vorfreude. Trotzdem ist Abschied nehmen nie schön und ich könnte auf diese dann doch etwas emotionalen Momente auch gerne verzichten. Der Zubringer nach Madrid war schon beinahe Routine und kurz vor Mitternacht ging es dann auf die Langstrecke.

Sa. 18.03. 17.00 - CD Cruz Azul vs UANL Tigres 0:0 (Liga MX), 26.130 Zuschauer (5.000 Gäste)

Das einzige Kleinkind weit und breit in der Kabine befand sich natürlich nur drei Plätze neben mir. Das verfolgt mich ja so ein wenig, aber der Kleine hielt sich mit Unmutsbekundungen glücklicherweise weitenteils zurück. Der Flug führte über die Nordatlantik-Route, also über Neufundland und dann die Westküste der USA entlang - wenn das Onkel Donald gewusst hätte. Da ich einen Doppelsitz für mich allein hatte, gelang es mir auch recht gut zu schlafen. Das klappt im Flieger langsam auch immer besser. Um 5:00 Uhr Ortszeit, sieben Stunden hinter Mitteleuropa, betrat ich mexikanischen Boden. An der Einreise musste ich eine knappe Viertelstunde warten. Da sind sie nicht ganz so schnell, die kleinen Mexikaner. Eile hatte ich eh keine, da ja so früh mein Zimmer wohl kaum schon bezugsfertig war. Also in aller Ruhe mal orientiert, Pesos gezogen (knapp 20 Peso sind ein Euro) und eine mexikanische SIM-Karte gekauft. Das ging mit meinem Basis-Spanisch ganz gut. Meine Lehrerin Barara, die mir in den letzten Wochen den Einstieg in diese Sprache vermittelt hat, wäre stolz auf mich gewesen. Dann ab in die Metro-Linie 5 (5 Peso je Fahrt). Die war schon gut voll. Mit dem, wenn auch kleinen, Koffer musste ich mich ganz schon reinquetschen und hatte keine Chance mal aufs Handy zu schauen, wann ich denn raus muss. Also auf Verdacht raus, natürlich zu früh, in die nächste, die deutlich mehr Freiraum bot, drei Minuten später wieder rein und nach zwei Stationen wieder ausgestiegen. 15 Minuten Fußweg später stand ich vor dem Hotel 'Villa del Mar'. Interessanter Name, bis zum nächsten Meer sind es ein paar hundert Kilometer. Hier war es mit der Verständigung schon etwas schwieriger. Aber einige fragende Blicke meinerseits und einige zweifelnde Blicke des Portiers später konnte ich meine Behausung für die nächsten vier Nächte beziehen, ein ordentliches, modernes Zimmer mit Bad für 16 Euro die Nacht. Ein bisschen ausgeruht, ein wenig frisch gemacht und dann mal zum kleinen Einkaufs-Center um die Ecke, um ein paar Getränke besorgen und ein Ticket für das Länderspiel in der nächsten Woche zu kaufen. BildSold out eher nicht zu erwarten, aber auf jeden Fall eine gute Auslastung und ich wollte gern ein Ticket der günstigsten Kategorie. Das Leben in den Barrios erwachte langsam. An das Hotel angrenzend scheint das Autoservice-Viertel zu sein. Reifenservice, neben Schmieröl-Service, neben Ersatzteilhändler. Erinnerte irgendwie an Asien, wo sich auch oft alle Gewerbe auf einen Fleck knubbeln. An der Hauptstraße dann auch schöne Wohnblocks Marke Bulgarien oder Serbien. Scheiße Wohnen geht hier also nicht nur in den Armen-Vierteln. BildAber auch nicht verwunderlich. Die Metropolregion ist mit über 20 Mio Einwohnern eine der größten, wenn nicht sogar DIE größte der Erde. Mexiko-Stadt liegt auf durchschnittlich 2300 Meter, was mir aber nichts ausmachte. Keine kurzatmigen Phasen wie in Bogota damals. Das macht Mut für größere Höhen. Nach einem kurzen Stopp im Hotel machte ich mich auf zur Basilika 'Virgen de Guadeloupe'. Das ist zwar nicht der bekannteste christliche Wallfahrtsort, aber derjenige, der die meisten Menschen anzieht. 20 Mio Wallfahrer sollen jährlich herkommen, um ein Marienbild zu verehren, das auf Erscheinungen im 15. und 16.Jahrhundert basiert. Für mich war es ein Spaziergang von 40 Minuten. Ich sehe derartiges ja relativ neutral. Ich bin ja eh nicht der Vorzeige-Chirst, aber es fällt mir erst recht schwer an Marien- oder Christus-Erscheinungen zu glauben. Da muss nach meiner Meinung viel Phantasie in Verbindung mit tiefem Glauben im Spiel gewesen sein. Auch die Geschichte hinter diesem Wallfahrtsort kann - nach meiner bescheidenen Meinung - nur tiefgläubigen Christen glaubhaft vermittelt werden. Dass die Mexikaner aber ein sehr katholisches Volk sind, ist kein Geheimnis und dementsprechend viel war hier los. Die alte Basilika ist abgesackt und musste für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Der etwas zu modern geratene Neubau ist ein Riesenteil. So ne Art 'Aztekenstadion' der Kirchen, was die Größe angeht.

Nun wurde es aber ernst. Auf zum 'Estadio Azul', wo sich die Gastgeber von Cruz Azul mit den Tigres aus Monterrey messen sollten. Die Metro wollte ich nehmen, landete aber im Metrobus. Auch keine schlechte Lösung, denn diese monströs langen Bus-Viecher mit zwei Gelenk-Elementen sind ja völlig autark auf eigenen Spuren unterwegs. Man kommt also zügig voran. Zumindest halbwegs, denn gegen rote Ampeln können auch eigene Fahrspuren nix ausrichten. Im Bus war es ordentlich eng, was ja auch sprungfaulen Flöhen oder trickreichen Taschendieben ganz gut gefällt. Also immer Obacht. Dass es zu diesem Spiel kommen sollte, war eine Woche zuvor äußerst fraglich. Die Herren Schiedsrichter hatten sich entschlossen, in den Streik zu treten. Grund waren zu kurze Sperren für zwei Spieler nach Attacken auf die Unparteiischen. Unter anderem war ein Kopfstoß dabei. Es ist echt hart, was die Schiris in den lateinamerikanischen Ländern so einstecken müssen. Die Akteure wurden nur sechs und acht Wochen gesperrt, was dazu führte, dass die Arbitros die Arbeit niederlegten und der Schiedsrichter-Ausschuss Beschwerde einreichte. Der Verband reagierte prompt und erhöhte die Sperren unwesentlich auf je ein Jahr. Damit zeigte sich die Referee-Gilde zufrieden und legte den Ausstand bei. BildGute 90 Minuten vor Kick-off war ich am Ground. Das 'Azul' liegt so eng zwischen den umliegenden Häusern, wie man es von den alten spanischen Stadien kennt. War schon richtig was los und nach einer verdammt leckeren Portion Tacos betrat ich den ovalen Ground. Kein sehr spektakulärer Bau, aber trotzdem mit Charme. Alles unüberdacht bis auf einen kleinen Bereich für die wichtigen Menschen. Bild Die Cancha besteht aus einem hohen Unterrang und einem deutlich schmaleren Oberrang. Monterrey liegt 900 Kilometer nördlich und die Tigres hatten zur gelben Invasion aufgerufen, daher war der Away-Sektor wirklich gut gefüllt, auch wenn ich sogar noch mehr Gäste erwartet hätte. Optisch geht ja in Mexiko leider nicht viel. Beinahe alles an Tifo-Material ist verboten. Keine Zaunfahnen und erst recht keine Choreos oder Pyro. Zu Beginn waren die Gelben gut drauf und gaben einige typisch lateinamerikanische Klänge zum Besten. Das flachte aber schnell ab, so dass nur noch die Hauptgruppe vor sich hin trällerte. Die Blauen schleppten sechs oder sieben fette Trommeln mit diesem herrlich dumpfen Klang und denn kleinen Becken oben drauf in den Unterrang. Drumherum um die Combo gab es nur Geklatsche, Gesänge waren kaum zu hören, wenn überhaupt konnte das übrige Publikum mal zu 'Azul'-Rufen animiert werden. Der harte Kern befindet sich aber von der Staatsmacht abgeschirmt eh im Oberrang hinter dem Tor. Dort war zwar öfter Bewegung zu sehen, aber ausrichten konnten die Jungs auch nichts. Cruz Azul wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts als Betriebs-Team eines großen hiesigen Zement-Produzenten gegründet. Die ersten Jahrzehnte spielte der Club in Jasso, nördlich von Mexiko-Stadt und stieg in den frühen 60ern in die erste Liga auf. Anfang der 70er zog der Verein nach Mexiko-Stadt um, spielte zunächst im 'Estadio Azteca' und ab Mitte der 90er schließlich im 'Azul', das übrigens direkt neben der monströsen Stierkampf-Arena liegt.

Das Spiel war zum Abgewöhnen. Leider ungefähr so, wie ich mir das Gebolze in Mexiko vorgestellt hatte. Deutlich langsamer als bei uns, zu viele Einzelaktionen, kaum Torraumszenen. Bild Wenn es mal in den 16er ging, wurde die Chance entweder verdaddelt oder der Ball in den zweiten Rang gejagt. Übel. Da kann man sich nur wundern, dass die Tigres im Halbfinale der CONCACAF-Champions League stehen und das Tor zum Endspiel mit einem Hinspiel-Sieg über Vancouver weit aufgestoßen haben. Interessant wurde es eigentlich nur, wenn mal wieder ein Aktiver schauspielernd am Boden lag und sich der Gegner drüber aufregte. Dann hatte der Schiri gut zu tun und man konnte erahnen, dass der Job hier kein Zuckerschlecken ist. In der Halbzeit versuchte dann ein Animateur auf dem Rasen etwas Stimmung auf den Rängen zun entfachen. Ganz traurige Nummer. Sportlich änderte sich auch nix mehr, so dass das Spiel mit dem einzig logischen Resultat zu Ende ging. Insgesamt war die Nummer eher enttäuschend. Vor allem auf den Rängen hatte ich etwas mehr erwartet. Da geht zwar auch nur was bei besonderen Spielen, aber dieses war ja eigentlich eins. Klar, dass die Azul-Barra dann außerhalb noch singend, hüpfend, trommelnd eine kleine Fiesta anzettelte. Dort einige Minuten zugesehen und gelauscht, dann noch eine Portion Tacos am Grill meines Vertrauens und ab zur Metro. Was weiter war als aussah. Verdammt - Stadtpläne von Riesen-Städten können echt täuschen. Dazu meldeten sich meine Lendenwirbel extrem unangenehm. Diese Phasen habe ich ja ab und an. Schlimmer durfte das auf keinen Fall werden, sonst würden längere Fuß-Passagen nicht möglich sein. Um 21:00 Uhr war ich zurück im Hotel und verzehrte noch eine 1,2-Liter-Bombe 'Tecate', die ich von einem Mini-Markt mitgenommen hatte. Dabei tackerte ich diese Zeilen hier ins Tablet und holte noch ein paar Infos ein, bevor ich völlig kaputt ins Bett ging.

So. 19.03. 12.00 - Pumas UNAM vs Club América 2:3 (Liga MX), 43.600 Zuschauer (2.000 Gäste)
So. 19.03. 18.00 - Club Puebla vs CA Monarcas Morelia 0:1 (Liga MX), 21.181 Zuschauer (500 Gäste)


8:00 Uhr schellte der Wecker, in Ruhe fertig gemacht und los. Erstes Ziel war das 'Estadio Olímpico de Universitaria Coyoacán', das den Älteren von der WM 1986 geläufig sein dürfte. Mit der Metro ging es quer durch die Stadt in den Süden. Mit dem Metro-Bus wäre ich direkt vor dem Stadion gelandet, aber mit der Metro ist man doch schneller unterwegs, musste dann aber noch ein 'kleines' Stück laufen. BildBildAuch hier täuschte der Stadtplan wieder und es war noch eine gute halbe Stunde zu latschen. In der Unterführung vor dem Stadion sang sich die Barra gerade ein und zündete eine Rauchfackel. Sah ganz gut aus, klang auch gut. Ich erhielt Einlass im Unterrang der Gegengeraden. Was gut war, denn der Oberrang des Stadions überdeckt den unteren zum Teil, so dass ich mich in den Schatten zurück ziehen konnte. Die Sonne brannte wieder wie Teufel. Schon bei dem Kick am Vortag in der unüberdachten Cancha von Cruz Azul, konnte ich den Sonnenbrand nur vermeiden, indem ich mir bei 30 Grad meine Kapuzenjacke überzog. Die Mexikaner empfinden das aber kaum anders und versuchen sich auch so gut wie möglich mit allem was greifbar ist, zu schützen. Das 'Olimpico' ist eine richtig geniale, etwas betagte Schüssel mit ganz eigenem Stil. Die Kurven eher flach und die Oberränge der Geraden steigen dann zur Mitte hin an. Bild 52tsd Leute passen rein und zum heutigen Derby der beiden größten Vereine der Stadt kamen über 43tsd Interessierte. Der mexikanische Clasico findet ja zwischen den Chivas aus Guadalajara und América statt, aber im Hauptstadt-Derby steckt natürlich auch Brisanz. Auf Seiten der Pumas bildeten sich mehrere Support-Blöcke. Im Gästeblock sammelten sich gut 2tsd Américanisti, die ein paar Bänder spannten und diese typischen länglichen Luftballons in petto hatten, was zumindest im Ansatz nach lateinamerikanischem Flair aussah. Das ist ja schon fast das Maximum an optischen Accessoires, die hier erlaubt sind. Lediglich Schwenkfahnen sind noch die Steigerung, von denen die Pumas einige zu bieten hatten. Die Stimmung war heute deutlich besser als am Vortag. Wenn die Cancha nicht durch die weitläufige Bauweise der absolute Stimmungstöter wäre, hätte hier und heute richtig die Bude gebebt. BildTrotzdem klang das gut. Nervig waren allerdings diese Einflussnahme des Stadionsprechers inklusive Einspielern und Animation über die Anzeigetafel. Da sind die kleinen Mexis so anti-amerikanisch eingestellt und lassen dann doch diese Amerikanisierung zu und - viel schlimmer - steigen noch darauf ein. Ätzend. Sportlich war das auch um Längen besser als bei Azul. Bild Die Partie hatte deutlich mehr Tempo, allerdings waren auch hier oft genug Einzelaktionen Trumpf. Die Pumas waren zunächst am Drücker, aber América war mit seinen schnellen Außenstürmern brandgefährlich und ging nach 20 Minuten in Führung. Kurz vor dem Wechsel verdaddelten die Gastgeber die Riesen-Ausgleich-Chance, haderten mit sich selbst, was der Gegner zu nutzen wusste und mit einem schnellem Konter den zweiten Treffer erzielte. Party im Gäste-Sektor! Es stieg sogar eine dünne Rauchsäule auf. Mit frischem Mut kamen die Pumas aus der Kabine und konnten auch egalisieren. Sah auch so aus, als ob der Kick nun komplett kippte, aber América schlug noch mal zurück und netzte kurz vor dem Ende zum Sieg ein. Nun war endgültig Fiesta Mexicana im Away-Sektor. Für mich war etwas Eile geboten. Erst einmal einen guten Kilometer vom Stadion weg gelaufen, um eine Chance auf ein Taxi zu haben. Das gelang und es ging einmal quer durch die Stadt zum 'Terminal de Autobuses de Pasajeros de Oriente' oder kurz TAPO, eben 'Östlicher Busbahnhof'. Das ist eins der riesigen Bus-Terminals der Stadt. 'ADO-Group' bekam den Zuschlag und kurz danach saß ich für 190 Peso im Bus ins gut 120 Kilometer entfernte Puebla. Busse dorthin fahren ständig von verschiedenen Anbietern. Die Fahrt dauerte nicht ganz zwei Stunden und es boten sich wunderbare Perspektiven auf den 5400 Meter hohen Vulkan 'Popocatépetl' und seinen etwas niedrigeren Zwillingsbruder 'Iztaccíhuatl', leider etwas dunstig, aber das bleibt unweit der Smog-Metropole Mexiko-Stadt nicht aus. Der Vulkan ist in den letzten Jahren regelmäßig aktiv geworden und hat hohe Asche-Wolken ausgespuckt.

Eine Stunde vor Kick-off in Puebla angekommen, war ein Taxi von Nöten. Das lief über autorisierte Droschken, für die man sich an einem Schalter ein Ticket kaufen muss, wobei auch gleich der Fahrpreis festgelegt wird. 87 Peso kostete der Trip zum 'Estadio Cuauhtémoc'. Der Einlass wurde unkompliziert geregelt und dann hieß es 'Vorhang auf' für diese beeindruckende Cancha. Weltklasse-Teil und eines meiner absoluten Favorites. BildEs gibt einen rundherum geschlossenen Unterrang und auf jeder Seite sitzt ein autarker zweiter Rang, der mega-hoch, mega-steil und überdacht ist. Sicher einer der geilsten Grounds, in denen ich je war. Leider hat man im Zuge des Ausbau (die Oberränge hinter den Toren wurden erst in den letzten Jahren errichtet) auch dafür entschieden, das Stadion in eine blau-weiß karierte Hülle zu packen. Mal abgesehen davon, dass diese Farbkombination in den Augen brennt, raubt das der Bude etwas den brutalen Charakter. Dafür pusht es die Stimmung, da die eigentlich offenen Ecken nun geschlossen sind. Das Teil hat ein Fassungsvermögen von mehr als 50tsd und trotzdem nur etwas mehr als 20tsd vor Ort waren, was der miesen Tabellenposition der Gastgeber geschuldet sein dürfte, kam der Support teilweise nicht schlecht. BildAuf Heimseite waren eine stattliche Anzahl Schwenker zu sehen und der übliche Trommel- und Piepenchor gab ordentlich Gas. Auch absurd - daheim will man so was nicht hören, aber hier wippt man im Takt mit dem Knie mit. Weil es halt authentisch ist. Aus dem gut 450 Kilometer entfernten Morelia hatten sich knapp 500 Leute her bemüht, von denen mehr als die Hälfte ihr Team aktiv unterstützten. Auf dem Pitch war es wieder etwas schwächer als am Mittag. Puebla machte Druck und konnte sich auch gute Chancen erspielen, aber vor dem Tor war mal wieder Sense. Eigentlich unglaublich, wie schlecht sich die Stürmer im Abschluss offenbarten. Bild BildMacht aber vielleicht auch Sinn, einen Ball aus acht Metern mal überlegt einschieben zu wollen, statt die Murmel mit Mach 3 in den Oberrang zu jagen. Beim Biergenuss im Stadion gibt es in Mexiko zwei positive Aspekte. Zum einen wird einem das kühle Blonde hier konsequent an den Platz gebracht. Zum anderen bekommt man hier eine entspannte 0,7-Liter-Größe eingeschenkt. So geht's. Das Heim-Team schwächte sich kurz vor dem Ende durch eine Ampelkarte selber. Damit war dem zweiten torlosen Remis der Tour eigentlich der rote Teppich ausgerollt. In der Nachspielzeit gab es für die Monarcas noch einen harmlosen Freistoß aus dem Halbfeld. Die Flanke segelte in aller Ruhe in den 16er, wurde lang und länger und weil sich kein Puebla-Akteur für das Ding interessierte, nickte ein Morelianer (heißen vermutlich nicht wirklich so) die Kirsche aus wenigen Metern ein. Kollektives Ausrasten bei den neben mir befindlichen Gästen. In Sekunden-Bruchteilen stand die halbe Meute oberkörperfrei da und schmiss Shirts und Trikots durch die Gegend. Geiles Bild. Wenn die Sonne weg ist, wird es im Vergleich zur Tagestemperatur relativ kühl, aber was interessieren schon Grad-Zahlen während eines Adrenalin-Stoßes nach einem späten Siegtreffer?!

Nun brauchte ich wieder ein Taxi. Das ist hier unmittelbar an den Stadien nicht so einfach. Taxifahren ist billig in Mexiko, deshalb wird das gern genutzt. Dazu fährt nicht jeder Fahrer überall hin. Eine Beförderungspflicht gibt es nicht. Als ich endlich einen Taxista an der Angel hatte, rief der 200 Pesos bis zum Bus-Terminal auf. Das war mal mehr als 100% überteuert! Eine große Wahl hatte ich nicht, wenn ich nicht noch ewig hier warten wollte. Verhandlungsbereit war der Verbrecher auch nicht, also los. Dass die Angehörigen dieser Berufs-Gilde weltweit einen schlechten Ruf genießen, ist bekannt. Dass die meisten einen Hang zum Wahnsinn haben, auch. Mit hohem Tempo ging es auf einen Kreisverkehr, in dem hier der Einfahrende Vorfahrt genießt. Naturgemäß kann also in einem Kreisverkehr auch mal plötzlich ein wartendes Auto stehen. Das ist genau dann schlecht, wenn der Fahrer bereits den Kopf nach rechts gewendet hat und auf freie Fahrt hofft! Ein kurzer erschreckter Ausruf meinerseits lenkte den Blick von Gonzales wieder nach vorn und mit einem kleinen Ausweich-Manöver konnte die Kollision so gerade eben vermieden werden. Ich hab es schon mal geschrieben - so oder so ähnlich wird es wohl eines Tages zu Ende gehen. Für die Rückfahrt probierte ich es für ein paar Peso weniger mal mit 'Estrella Roja'. Roter Stern finde ich ja eh gut und die bezahlte Leistung wurde zur vollsten Kundenzufriedenheit erbracht. Um 23:00 Uhr war ich wieder in Ciudad de Mexico. Metro zum Hotel, noch eine Tecate-Bombe verkloppt und ab ins Reich der Träume.

Mo. 20.03. - Teotihuacán

Der Versuch auszuschlafen, scheiterte am rücksichtslosen Volk im Hotel. Die Bauweise in Lateinamerika ist ja nicht unbedingt auf Schallisolierung ausgelegt, dementsprechend hellhörig ist alles. Das 'Villa del Mar' bietet ja einen recht günstigen Kurs und das zieht ja leider zwangsläufig einfaches Volk an. Also noch ein bisschen rumgelegen und dann zum 'Terminal del Norte' aufgebrochen, dem größten der Stadt, das nur zwei Metro-Stationen entfernt ist. Von hier geht es in alle nördlichen Destination und es werden sogar Fahrten nach Los Angeles angeboten. Das sind 2500 Kilometer Luftlinie! Wahnsinn, wer tut sich das an?? Laut Vorab-Info fahren stündlich Busse zu den Pyramiden von San Juan de Teotihuacán. Ich stellte aber fest, dass alle paar Minuten bis auf den letzten Platz belegte Busse abfuhren, was mich wunderte, ich mir aber erst einmal nichts bei dachte. Dass man dann vor Abfahrt im Bus abgefilmt wird, gibt einem jetzt ja auch nicht gerade das totale Sicherheitsgefühl. Ob der Grund ist, dass die Busse zu den Pyramiden gern mal überfallen werden, um die Touris zum Teilen ihrer Habseligkeiten aufzufordern oder um im Falle eines Unfalls die Leichenteile besser zuordnen und identifizieren zu können, bleibt erst mal Spekulation. Am Ziel erschloss sich dann auch die hohe Bus-Frequenz. Es war brechend voll. Die Schlange vor den gerade mal vier Taquillas, den Ticketschaltern, war locker an die 150 Meter lang. Das würde dauern. Und zwar zu lange für den deutschen Heinz. Also eine asiatische Touri-Gruppe ausgeguckt und vorgedrängelt. Die sagen ja eh so gut wie nie was. Viel zu höfliches und zurückhaltendes Volk.Bild Die Anlage ist riesengroß und war trotzdem total überlaufen. Teotihuacán ist eine der bedeutendsten mittelamerikanischen prähistorischen Stätten. Mit der 'Pirámide del sol', der Sonnenpyramide steht hier die zweithöchste Pyramide der Welt, nur noch übertroffen von der in Cholula. Apropos Sonnenpyramide... die Sonne knallte mir wieder auf das Weißleder, dass nur mehrmaliges Nachcremen den totalen GAS (größter anzunehmender Sonnenbrand) verhindert werden konnte. Über zwei Kilometer Länge erstrecken sich hier große und kleine Stufenpyramiden und Opferplätze. BildDie Sonnenpyramide ist natürlich das zentrale Highlight. Wenn man dieses Monster so vor sich sieht, kann man kaum glauben, dass es nur 63 Meter Höhe messen soll. Eigentlich wollte ich da hoch, aber der Spot war total überfüllt. Der Aufstieg musste durch Ordnungspersonal geregelt werden. Am Fuße der Pyramide bildete sich eine mehrere(!) hundert Meter lange Schlange und wie ein Ameisenvolk schob sich der menschliche Wurm die steilen Stufen hoch. Nee, darauf hatte ich kein Bock. Wenn die Sonne mich also nicht will, dann vielleicht der Mond. Die 'Piràmide de la luna' kann man nur bis zur Hälfte erklimmen. Aber auch das hat es in sich und von oben hat man auch einen guten Überblick über das Gelände. Schon irre was die Azteken damals alles erbaut haben. BildNachdem ich den Mond wieder verlassen hatte, kraxelte ich noch auf eine kleinere seitliche Pyramide, auf der nicht so viele Leute rumhampelten, setzte mich hin und ließ das alles mal wirken. Es war in der Tat beeindruckend, aber dieser massive Menschenauflauf raubte natürlich jede Mystik. Schade drum, aber es warten ja noch weitere historische Stätten auf mich, mal sehen, wie es da ist. Nach knapp zwei Stunden hatte ich genug und latschte in der sengenden Sonne zurück zum Haupteingang, von wo die Busse nach Mexiko-Stadt zurückfahren sollten. Weil aber immer noch Verkehrs-Chaos herrschte, durfte ich erfahren, dass nun vom nördlichen Zugang abgefahren wird. Oh Amigo, da komm ich doch grad her, das ist unmittelbar an der Mondpyramide. Erst einmal ein Taco mit Käse überbacken zur Stärkung und dann den ganzen Weg lang zurück. Gegen halb sechs war ich zurück im Hotel, dass ich nur zum Abendessen noch einmal verließ. Erst mal musste ich den Staub des Tages runterduschen und dann gab es noch ein bisschen was zu organisieren, da ich festgestellt hatte, dass der anvisierte Zweitliga-Kick in Tapachula von Samstag auf Freitag vorgezogen worden war. Damit war dort keine Übernachtung mehr notwendig. Dann noch um Mexico City kümmern. Für die letzten beiden Nächte hatte ich ja auch wieder das 'Villa del Mar' gebucht. Das war mir aber zu unruhig. Daher stornierte ich die Buchung und legte ein paar Euro für eine kleinere Unterkunft mit guten Bewertungen drauf. Außerdem gab es schlechte Nachrichten aus Peru. Anhaltende starke Regenfälle bereiteten dem Land derzeit große Sorgen. Zwar betraf das eher die nördlichen Landesteile und die Ziele im Süden des Landes sind bereisbar, aber die Liga wurde erst einmal bis zur zweiten April-Woche ausgesetzt. Da galt es sich mal umfassend zu informieren.

Di. 21.03. - Mexiko-City

Eigentlich wollte ich mir Mittags das 'Centro Storico' ansehen, aber ich musste noch ein paar Emails loswerden, Buchungen vollenden und dies und das im Internet checken. Daher entschied ich mich für 'easy going' und verschob den Altstadt-Besuch. Gegen halb eins eibelte ich mal los. Der Weg zur Metro war schon Routine. Ab in die 5, umgestiegen in die B und am TAPO-Busterminal raus. AU und ADO bieten direkte Fahrten nach Cuetzalán del Progreso an, mein Ziel am Mittwoch. Der Verlockung der Luxus-Klasse von ADO widerstanden und für den halben Preis den 'Directo Economico' von AU gebucht. Das ist der normale Reisebus, wie man in aus Europa kennt, und der sollte für die Fahrt von fünfeinhalb Stunden reichen. Für Hin- und Rückfahrt wechselten 539 Peso die Seiten, knapp 27 Euro. Damit war das billiger als im Internet angepriesen. Kennt man ja sonst auch nur andersrum. Die Nummer erledigte ich in feinstem Spanisch. Naja halbwegs. Aber ich wurde mutiger, auch wenn sicher nicht alles korrekt angewendet wurde. Es ist halt überall so - abgesehen davon, dass man in Lateinamerika ohne ein paar Brocken Spanisch einfach nicht klar kommt, weil keine Sau Englisch spricht (warum auch wenn (fast) der ganze Kontinent dieselbe Sprache spricht), zaubert man den Leuten einfach ein Lächeln auf die Lippen, wenn man sich bemüht ein paar Sätze in der Landessprache hinzubekommen. Zurück zur Metro und nun mit Linie 1 zum Kontenpunkt 'Pantitlan'. Wahnsinn, was da los war. Dort treffen sich vier Metro-Linien und unzählige Vorort-Busse. Als Fremder hat man absolut null Chance durchzublicken, welcher Bus wohin fährt. War mir aber auch egal, weil es für mich mit der Metro-Linie A weiterging. Nach drei Stationen sprang ich am Haltepunkt 'Tepalcates' raus. An den Metro-Station und Bus-Kontenpunkten befinden sich hunderte Stände, an denen man alles nur Denkbare erwerben kann. Auch Dienstleistungen wie Fotografie oder Friseure gibt es, die alle auf nur wenigen Quadratmetern Ihren Job machen. Bild Außerdem natürlich Fressstände ohne Ende. Ich mag dieses Gewusel. Und ich empfinde auch tiefen Respekt dafür, was die ärmere Bevölkerung einen Aufwand betreiben muss, um sich Ihren Unterhalt zu sichern. Sei es nun an den Straßenständen, die überall, nicht nur an Busbahnhöfen oder Metro-Stationen zu finden sind, oder die fliegenden Händler in den Metros. Zehn Minuten Fußweg waren es bis zur 'Ciudad Deportiva Francisco Madero' einem riesigen Sportareal mit Fitness-Parcours, Basketball- und Tenniscourts, einer Volleyball- und einer Gymnastikhalle und über vierzig Fußballplätzen, die alle über eine kleine fünfstufige Tribüne verfügen. Außerdem gibt es noch einen Platz mit zwei größeren überdachten Tribünen. Auf diesem sollte die Partie der Grupo 7 der 'Tercera Division', der vierten Liga, zwischen Halcones del Valle und Universidad de Futbol stattfinden. Wenige Minuten vor der auf der Website der 'Tercera' angegebenen Anstoßzeit von 15:30 Uhr war aber der einzige Aktive auf dem Feld der Platzwart, der dem verdorrten Grün mit Unmengen von Wasser einen Wiederbelebungsversuch gönnte. Der Spielort war - im Gegensatz zu anderen, schwieriger erreichbaren Partien - nicht klar definiert, so dass ich mich an vorherigen Partien orientiert hatte, die allesamt hier stattgefunden hatten. Mal zum etwas zotteligen Greenkeeper hingestiefelt. Nee, hoy nur entrenamiento, partido de Tercera erst am Sabado. Okay, kann man nicht ändern. Danke für nix, Amigo. Und eine bescheidene Meinung vom Gartenbau-Laien: dat wird hier nix mehr. Besser umgraben und neu einsähen.

Ich hatte durchaus Bock gehabt, entspannt einem bescheidenen Bolz beizuwohnen, aber eine Katastrophe war das jetzt auch nicht. Immerhin wurde mir vom Sportgelände ein Ausblick auf einen am Hang liegendes Barrio ermöglicht, in dem die Häuser alle bunt gestrichen waren. Schönes Bild. Bild Ich streunte dann mal ein wenig durch das benachbarte Viertel, um zu sehen, wie die Leute so wohnen. Einige Passanten schauten mich an, als wär ich grad aus nem UFO gestiegen, aber das Viertel war safe. Erinnerte ein wenig an englische Arbeiterviertel, nur dass die hier halt mexikanisch aussahen. Zurück an der Metro ließ ich mich an einem Taco-Grill nieder. Herrlich geiles Street-Food. Da könnte ich mich ja drin wälzen. In unmittelbarer Nähe war eine große Klinik und als ich da so auf der Bank sitze und meine Tacos verspeise, lässt sich plötzlich ein Weißkittel neben mir nieder. Sein Namensschild wies ihn als Chirurg aus. Hier wohl völlig normal, für meine westeuropäisch geordneten Augen völlig skurril. Mal eben Mittagspause zwischen Meniskus-OP und Bein-Amputation. Was solls's?! So ein paar Fettspritzer zwischen den ganzen Blut- und Plasmaspuren fallen doch gar nicht groß auf. Mit der Metro ging es mit Umstieg am 'Pantitlan' nach 'Cuauhtémoc' und zur 'Arena Mexico'. Hier findet beinahe allabendlich Catchen statt. Dieser Show-Sport ist ja in Mexiko ein großes Ding und ich war noch nie beim Catchen. Man muss ja alles mal gemacht haben. Für 50 Pesos gab es das günstigste Ticket. Am Einlass wurde man abgetastet und der Typ monierte doch tatsächlich meine doch wirklich nicht große Lumix. No camera! Bild Jeder Arsch hat ein Smartphone in der Tasche mit dem er bessere Videos und bessere Fotos machen kann, als ich mit der Lumix. Was? soll? das? Diskutieren half natürlich nix. Der kleine Gonzales hatte schon eine nummerierte Plastiktüte in der Hand, worin das gute Stück eingelagert werden sollte. Nee echt nicht und dem Heini klar gemacht, dass ich die Digi ins virtuelle Auto bringe. Also das alte Spiel - 50 Meter die Straße runter, Kamera in die Unterbuxe gestopft, zurück zum Einlass und rein in die gute Stube. Die Halle füllte sich nur zögerlich. Durch Vorhänge war der Zuschauerraum künstlich verkleinert worden und am Ende werden gut 800 Leute dort gewesen sein. BildIch hab für Catchen ja eigentlich nicht viel über, aber die Show war ganz unterhaltsam. Schon das Gepose beim Einmarsch der Gladiatoren mit den teilweise abstrusen Image-Anzügen ist großartig. Außerdem muss ich echt sagen, dass die Athletik, die hinter der Nummer steckt, echt bewundernswert ist. Selbst die etwas fleischigeren Akteure legen ja beachtliche Nummern hin. Im Laufe der Kämpfe ging dann auch ordentlich die Post ab und die Fights verlagerten sich auch in den Ring-Umlauf und auch der Ringrichter durfte mal kurz mitmischen. Ein Akteur hat sich aber - wohl etwas übler verletzt, denn der wurde mit Bahre und Halskrause aus dem Ring abtransportiert. Berufsrisiko. Auch hier gab es wieder Bier aus handlichen 0,7-Liter Bechern. Eigentlich wollte ich nichts mehr essen, aber auf dem Weg zur Metro-Station erlag ich wieder den Verlockungen eines Taco-Standes und schob mir noch mal ne doppelte Vierer-Rutsche rein. Dabei wurde ich dann Zeuge eines fiesen Verkehrsunfalls. Mensch gegen Metrobus kann nur einen Sieger kennen. Hoffentlich hat es den Hombre nicht zu übel erwischt. Nachdem ich mich bisher nur von Tortas und Tacos ernährt hatte, schaffte ich es beim Umstieg tatsächlich an einem Obststand zwei Bananen und zwei Äpfel zu kaufen. Hoffentlich war das nicht zu gesund - bisher hielt die Verdauung nämlich stand. Im Hotel dann noch die übliche Schlummer-Bombe Tecate und ab ins Bett.

Mi, 22.03. - Cuetzalán del Progreso

7:30 aufgestanden, kurz nach acht im Taxi und ab zur neuen Unterkunft 'Casa Indigo', wo ich Donnerstag bis Samstag nächtigen würde. Dort geklingelt und ein junger europäisch aussehender Typ begrüßte mich mit "Guten Morgen". Dieser stellte sich als Kaspar vor, einer von 13 Studenten aus Berlin, die ebenfalls dort weilten und die sich nach den ersten Gesprächen als in Ordnung herausstellten. Bild Melchior und Balthasar waren aber nicht anwesend. Dafür tauchte Abraham, der Besitzer, wenig später auf. Netter Kerl, des Englischen perfekt mächtig und nach ein wenig Smalltalk durfte ich wie per Email vereinbart meinen Koffer abstellen. Danke dafür und bis morgen. Mit der Metro zum TAPO und pünktlich um zehn legte der Bus gen Cuetzalán ab. Fünfeinhalb Stunden Busfahrt. Gute Gelegenheit hier mal wieder ordentlich in die Tasten zu hauen. Bild Damit war dann aber spätestens Schluss, als es von der Hauptstraße runter ging. Zwar bewegte ich mich von 2300 auf 980 Meter herunter, aber dennoch ist die Gegend um Cuetzalán deutlich gebirgiger als in den Metropolregionen, die ja eher auf einem flächendeckenden Hochplateau liegen. Die Landschaft wurde immer atemberaubender, die Straße bestand nur noch aus Kurven und wenn ich dann weiter aufs Tablet gestarrt hätte, wäre wohl Im-Bus-Kotz-Premiere angesagt gewesen. Abgesehen davon lohnte der Blick aus dem Fenster. Man konnte auch nur Gottvertrauen in den Busfahrer haben, dass er die Strecke kannte. Zwar hing der Mann absolut nicht am Gas, aber der kleinste Fahrfehler, hätte wohl das Aus bedeutet (siehe: so oder so ähnlich wird es eines Tages wohl zu Ende gehen). Etwas verspätet trafen wir am Zielort ein, der 175 Kilometer nordöstlich von Puebla und nur noch 65 Kilometer von der Karibik-Küste entfernt liegt. Bild BildMit der 'Posada El Valador' hatte ich einen Treffer gelandet. Sehr urig und die Gastgeber-Familie war unfassbar bemüht. Dazu war ich der einzige Gast im ganzen Haus und hatte meine Ruhe. Cuetzalán ist eine 10tsd-Einwohner-Stadt die zu den 'Pueblos magicos' gehört. Das sind Orte die sehr gepflegt sind und ihre Ursprünglichkeit gewahrt haben. Bis Sonnenuntergang war noch genug Zeit in aller Ruhe durch den Ort flanieren. Es gibt ein paar wenige Sights, allen voran den 'Zócalo', den Marktplatz, aber eigentlich machen die verwinkelten Gassen im Zentrum mit dem Kolonialstil den Ort aus. Nach dem Taco-Bombardement der letzten Tage gönnte ich mir mal ein richtiges Menü, Vorspeise, Hauptspeise, zwei Corona für nicht mal acht Euro, und genoß dann die Dämmerung auf dem Platz. Mit zwei 'Corona' verzog ich mich dann auf die Terrasse der Posada. War nahezu mystische Stimmung, wie der Hochnebel ins Tal zog und sich über die immer ruhiger werdende Stadt legte. Verdammt, das ist Urlaub! Eine Folge 'Fear the walking dead' half mir dann noch beim Einschlafen.

Do. 23.03. - Yohualichan

Ausschlafen wird auf der Tour vermutlich so gut wie nie funktionieren. Ich habe nicht den tiefsten Schlaf und wenn morgens mit dem Aufgehen der Sonne auch das Leben erwacht und es überall klappert und rumpelt, dann werde ich eben auch wach und schlafe nicht mehr allzu gut ein. Was soll's, esto es Mexico! Bild Also war um zwanzig nach acht die Nacht wieder vorbei. Ich konnte es aber locker angehen lassen, tat ich auch. Eigentlich hatte ich kein Früstück inklusive, aber Rosita bot mir an, mir ein kleines Omlett mit Gemüse und einen Kaffee zuzubereiten. Hab ich natürlich gern angenommen. Um viertel nach zehn latschte ich mal zum Abfahrtspunkt für die Minibusse. Zehn Peso kostete die Fahrt ins acht Kilometer entfernte Yohualichan. Dort wurde vor knapp 100 Jahren eine Aztekenstätte wiederentdeckt und Ende der 80er Jahre machte man sich an die Restaurierung. Die Anlage ist überschaubar groß, aber mit einem halben Dutzend schiefen und krummen Tempel-Pyramiden durchaus sehenswert. Bild BildIch hatte Glück und war, von einem Angestellten abgesehen, der einzige Besucher. Da wirken die Bauten ja gleich mal viel beeindruckender, wenn Ruhe und Stille herrscht. Erst als ich fast durch war, kam eine Schulklasse mit einem Reisebus. Schwein gehabt. Wie ich gekommen war, fuhr ich auch wieder zurück. Den Einwohnern hier in der Provinz ist ihre Indio-Abstammung deutlich anzusehen. Es sind ganz andere Gesichter als in den Mexiko-Stadt. Deswegen sind sie aber nicht weniger freundlich. Schon stark mit welcher Offenheit einem mal wieder begegnet wurde, wenn ich so an unserer verschlossene deutsche Art denke. Zurück in Quetzalan aß ich ein halbes Hähnchen vom Grill und musste dann meine Sachen aus der Posada holen. Rosita gab mir noch etwas Gebäck als Reiseproviant mit. Danke für alles, das war wirklich ein außergewöhnlich angenehmer Aufenthalt. Um 14:30 Uhr saß ich wieder im Bus nach Mexiko-Stadt. Das war echt ein gelungener Ausflug. Hätte man es mal vorher gewusst. Eine weitere Nacht wäre hier sinnvoll gewesen. Um 20:00 Uhr lief der Bus pünktlich am TAPO ein. Ab zur Casa. Abraham schrieb ich eine Whats App und er erwartete mich dann an der Unterkunft. Noch ein paar schön würzige alitos de pollo (Chicken Wings) vom Straßengrill um die Ecke und dann verzog ich mit einer Tecate-Bombe auf die Dach-Terrasse bis mich die Müdigkeit ins Bett zwang. Die Unterkunft erwies sich als das, was ich mir erhofft hatte. Vor allem gab es mal eine richtige Daunenbettdecke und nicht wieder so ein Woll-Viech. Luxus.

Fr. 24.03. 19.50 - Mexico vs Costa Rica 2:0 (WM-Qualifikation), 87.000 Zuschauer (8.000 Gäste)

Die 'Casa Indigo' war echt gemütlich und irgendwie ein völlig spezieller Bau. Leider aber auch sehr hellhörig. Die Metalltreppen, mit denen die verschiedenen Anbauten und Stockwerke verbunden sind, taten das Übrige dazu. Wenn da einer etwas zügiger runterging, schallte das durchs ganz Haus. Ergo no outsleeping again. Dann viel zu lange in der Casa rumgegammelt, raffte ich mich erst gegen 14:00 Uhr auf. Ein paar Peso musste ich noch ziehen und dann mal in einem kleinen Garagen-Restaurant eingekehrt. Das aus drei Gängen bestehende 'menu el dia' kostete inklusive Getränk ganze 90 Peso (4,50 Euro) Pappsatt wankte ich in Richtung des 'Centro Storico'. Bild So richtig überzeugen konnte das nicht. Ich zockelte zum 'Zocalo', eigentlich 'Plaza de la Constitución', an dem sich neben einigen Regierungsgebäuden die große Kathedrale befindet. Mitten auf dem Platz steht ein großer Mast, an dem eine monströse Landesfahne weht. Oder auch mal schlaff runterhängt. Auf dem Platz selber wurden riesige Zelte für eine Veranstaltung oder Kundgebung aufgebaut. Das raubte natürlich mal wieder die Atmosphäre. Der Kathedrale stattete ich noch einen Besuch ab und entzündete eine Kerze. Ein wenig Beistand von oben kann auf so einer Tour sicher nicht schaden. Vom 'Zocalo' nahm ich Metro Nummer 2 bis zur Endstation 'Tasquena'. Von dort fährt der 'Tren Ligero', eine Straßenbahn im eigenen Gleisbett, weiter nach Süden und am 'Estadio Azteca' vorbei. Wenn die Strecke nicht grad gewartet wird. Planung scheint nicht die mexikanische Stärke zu sein, denn damit fehlte ein wichtiges Transportmittel. Die Lösung hieß 'Colectivo', also Linienbus, was eine besondere Freude auf der verstopften Schnellstraße war. So fühlen sich also eingeschweißte Erdnüsse. BildKnapp zwei Stunden vor dem Kick-off war ich an diesem geschichtsträchtigen Ground. Als ich 13 Jahre alt war, schaute ich angespannt das WM-Finale im Fernsehen, bejubelte die Tore von Rummenigge und Völler zum Ausgleich der Zwei-Tore-Führung der Argentinier und erstarrte zur Salzsäule als Burruchaga frei vor Toni Schumacher auftauchte und den Siegtreffer für die Gauchos markierte. Mein Panini-Album hatte ich sorgefältig beklebt und schon damals die Stadien bestaunt. Allen voran das 'Azteca'. Mit dem intensiver gelebten Hobby war natürlich auch klar, dass ich dort mal ein Spiel sehen musste. Heute war es also soweit. Zunächst musste noch eine kleine Hürde genommen werden. Dafür schaute ich mir mal Eingangskontrollen aus der Nähe an. Wie ich es befürchtet hatte. Bisher hatte ich damit keine Probleme, aber hier musste man tatsächlich am Eingang seinen Gürtel abgeben. Offensichtlich hatten sich die kleinen Mexis in früheren Zeiten mit den Dingern zu oft die Fresse poliert. Das lief zwar alles ordnungsgemäß gegen einen Aufbewahrungsbon, war aber trotzdem indiskutabel. Also in eine stille Ecke verzogen, Gürtel in den Schuh gestopft und schon konnte ich die Kontrolle ohne Beanstandung passieren. An dieser Stelle mal 'Danke' an Bayer 04-Fan Daniel aus dessen altem Mexiko-Bericht ich diesen Hinweis entnommen habe, sonst hätte ich wohl blöde aus der Wäsche geschaut. Das Wetter spielte gerade nicht ganz so mit. Der Himmel hatte sich zugezogen und ich spürte die ersten Regentropfen der Tour auf meiner seidenen Haut. Als wären es Wetterfrösche, die genau wussten was passiert, wuselten plötzlich wie aus dem Boden gewachsen Verkäufer von Einweg-Regencapes herum. Absurderweise hatte ich zwei so Dinger im Gepäck rumfliegen, aber in diesem Moment natürlich nicht dabei, denn das Hostal hatte ich bei blauem Himmel verlassen. Vorsichtshalber erstand ich eins, was Blödsinn war, denn die Hütte ist ja überdacht.

BildEs wird sich nicht jedem erschließen, aber bei Betreten dieses riesigen Kessels bekam ich glatt eine Gänsehaut. Passiert mir selten. In diesem Fall hat es sicher mit der Erinnerung an das Finale von 1986 zu tun und mit dem Legenden-Status dieses außergewöhnlichen Stadions. Also erst einmal stehen bleiben, staunen, sacken lassen. In aller Ruhe ging ich ein wenig herum und suchte dann meinen Platz. Außerdem hatte ich wahnsinnig Bock auf eine Cerveza, um diesen Ground zu feiern. Ein wenig musste ich mich gedulden, denn Bier wird im Stadion erst eine halbe Stunde vor Beginn und auch nur bis zur 60. Spielminute verkauft. Offenbar schaut der eine oder andere Gonzales gerne mal zu tief in den 0,7er Becher und man versucht durch die zeitliche Einschränkung die Anzahl der Vollsuffis im Rahmen zu halten. Das 'Estadio Azteca' verfügt über mehrere Ränge. Über dem Unterrang liegen zwei schmale Logenränge, auf denen wiederum der mächtige Oberrang thront. BildUnter- und Oberrang sind noch mal mehrfach abgestuft, so dass sich optisch ein Bild von acht oder neun Rängen ergibt. Ist aber auch egal, dass Ding ist einfach mega! 95.500 Zuschauer fasst der Tempel. Beim Finale 1986 waren es noch 115tsd. Zur heutigen Quali-Partie für die Putin-WM waren 87tsd Menschen erschienen. Die locker 8tsd Ticos im Away-Sektor erstrahlten ziemlich einheitlich in rot. Der Durchschnitts-Mexikaner kommt ja est spät ins Stadion, gerne auch zu spät, denn die Stadien füllen sich hier meist erst weit nach Spielbeginn. Sinnlos. Wenn dann der Verband noch grüne Pappen auf die Sitze legt, die während der Hymne hochgehalten werden sollen, sieht das mit den vielen Lücken natürlich schwer beschissen aus. Zurecht verpassten die Spätkommer den frühen Treffer durch den Leverkusener Chicharito. BildDanach war aber Costa Rica am Drücker und die Ticos hatten drei richtig gute Situationen, in denen die Kirsche das Ziel nur denkbar knapp verfehlte. Dann bekamen die Gastegeber die Sache aber wieder in den Griff und erhöhten mit dem Pausenpfiff auf 2:0. Nach dem Wechsel kehrte schnell Langeweile ein, denn die Mexikaner kontrollierten den Kick souverän, so dass bald klar war, dass hier nichts mehr anbrennen würde. Interessant war noch, dass ein Spieler mit dem ur-deutschen Namen Jürgen Damm eingewechselt wurde. Dieser ist allerdings Mexikaner, hat aber wie unschwer zu erraten ist, deutsche Vorfahren. Um das Problem des Rück-Transportes in Grenzen zu halten, stürmte ich mit dem Abpfiff aus dem Stadion, da ich ein schweres Chaos an den 'Colectivos' befürchtete. Aber völlig überraschend standen die dort wartendene Mexis in Reih und Glied, wie man es sonst nur von Bushaltestellen in England kennt. Schon im zweiten Bus war ich drin und fuhr mit der Metro 2 durch bis 'Hidalgo', von wo ich noch zehn Minuten Fußmarsch hatte. Vorher gab es aber noch eine Abschieds-Portion Tacos. Wieder mega-lecker. Der Weg zur Unterkunft führte dann durchs Nutten-Viertel, wobei ich mir nicht sicher war, ob die auch alle das Geschlecht in der Buchse hatten das sie vorgaben, denn Transgender ist in Mexico City durchaus angesagt. In der Unterkunft gönnte ich mir noch ein Bier und ein wenig Smalltalk mit drei von den Berliner Chicas, die schon hart am Glas oder besser am Weißblech waren. Spucken offenbar nicht rein, die Mädels. Dann wurde es aber Zeit für die Nachtruhe.

Sa. 25.03. 20:15 - CS Deportivo Xelajú vs CD Marquense 2:1 (Liga Nacional de Fútbol de Guatemala), 4.000 Zuschauer (50 Gäste)

Denn um 5:00 Uhr klingelte schon der Wecker. Weil das Wasser irgendwie nicht warm wurde, fiel die Dusche ins Wasser MUAHAHAHA. Mit der Metro fuhr ich zum Flughafen und pünktlich um 8:20 Uhr hob Volaris-Flug Y4796 mit mir gen Tapachula ganz im Süden des Landes ab, wo wir überpünktlich landeten. Wenn man so will, begann die Tour ja nun erst richtig. Mexiko hat sich wie erwartet als 'easy going' erwiesen und jetzt kam mal langsam ein Schuss Abenteuer dazu. Der Flughafen ist etwas außerhalb der Stadt, eine Busverbindung gibt es nicht, so dass man auf die Taxi-Mafia angewiesen ist. Als ich mich umsah, wen man wohl danach fragen könnte, ein Taxi zu teilen, schien es mir nicht viele Optionen zu geben. Aber das saß sie ja, meine 50%-Ermäßigung. Anne aus Kanada hockte an einem Pfeiler und suchte via Smartphone eine Unterkunft am nahen Strand. Die gab es aber nicht. Anne war optisch die typische Traveller-Tanta in bunter Schlabberhose. Eigentlich nicht so meine bevorzugte Gesellschaft, aber es war halt nicht viel Auswahl. Bild Letztlich stellte sich das Mädel als weitestgehend okay heraus. Da Strand bei Tapachula nicht klappte, fand sie mein Ziel Quetzaltenango, oder kurz Xela, wie die Stadt in der Maya-Sprache heißt und der Einfachheit halber von allen genannt wird, plötzlich ideal. Also Taxi zum Busbahnhof, von dort für acht Peso mit dem Micro-Bus weiter zur Grenze, wo sich das typische Gemokel überraschender Weise arg im Rahmen hielt. Lediglich im Niemandsland zwischen den beiden Posten war mal wieder 'High Life', aber ich steh da ja irgendwie drauf. Es gibt keine direkte Verbindung von der Grenze 'Talisman/El Carmen' nach Xela. Hinter dem guatemaltekischen Posten ging es weiter mit dem nächsten Micro bis Malacatán. Ab sofort wurde in Quetzal bezahlt. Zehn davon sind 1,20 Euro und fünf Dinger mussten wir für die vielleicht 15 Kilometer berappen. Bild Von Malacatán ging es weiter mit dem Chicken-Bus, diesen alten Ami-Schulbussen, die - so könnte man meinen - zu 100% in Mittelamerika gelandet sind und dort den öffentlichen Nahverkehr auf den Mitteldistanzen sicherstellen. Die Dinger sind meist aufgemotzt, schön lackiert und mit fetter Musik-Anlage ausgestattet. Xela liegt auf 2300 Metern, wir fuhren also fast ständig bergauf. In den mittleren Höhenlagen ist Guatemala ziemlich grün, man sieht fast ausschließlich Regenwald-Gewächse, das sieht schon ziemlich toll aus. Die Straßen sind allerdings teilweise echt beschissen. Wenn der Bus über die Unebenheiten schoss, krachte und rumpelte es in der Kiste, als ob gleich alles auseinander fliegt. BildAlso fast wie Gelsenkirchen. 15 Quetzal dauerte die zweistündige Fahrt bis San Marco, wo wir das letzte Mal umsteigen mussten. Ich trug Anne mal Ihr Handy hinterher. Konnte Sie auf ihrer weiteren Reise - insgesamt drei Monate allein durch Mittelamerika und das mit gerade mal 20 Jahren - bestimmt noch brauchen. Sie erzählte dann, dass sie jeden Tag einen Artikel verliert, am Morgen hatte sie ihr Handtuch im Hostel liegen lassen. Das erinnerte mich prinzipiell an einen bestimmten Menschen aus Leichlingen, jetzt wohnhaft in Leverkusen. Die letzte Etappe von einer Stunde kostete zehn Quetzal. Also von der Grenze mit drei verschiedenen Transportmitteln für insgesamt 3,60 Euro bis ans Ziel. Da kommt man im Ruhrgebiet grad mal in die Nachbarstadt, wenn überhaupt. Am Busterminal herrschte das blanke Chaos. Dutzende Chicken-Busse hatten sich ineinander verkeilt. Es wurde ununterbrochen gehupt und geflucht. Einmal den angrenzenden Markt durchquert und dahinter warteten die Micros, um die verschiedenen Stadtteile der 150tsd-Einwohner-Stadt zu bedienen. Für uns ging es zum 'Parque Cental', in dessen Umfeld sich viele Low Budget-Unterkünfte befinden. Ich war nicht ganz undankbar nun 'Nice to meet you' sagen zu können, denn so richtig warm wurden Anne und ich nicht miteinander. Ich kann mit diesem Traveller-Volk einfach nichts anfangen.

Die wenige Tage zuvor gebuchte 'Casa Dona Mercedes' empfing mich freundlich. Mag daran gelegen haben, dass ich der einzige Gast war. War auch mal Zeit, etwas Wäsche zum Waschen abzugeben. Für 30 Quetzal übernahm das die Unterkunft. Quetzaltenango liegt umgeben von Vulkanen in einer gebirgigen Gegend. Der Stadtkern zeigt viele spanisch-koloniale Fassaden und insgesamt merkt man Xela die Ausmaße nicht an. Bild BildIch hatte ein wenig Zeit, mich etwas umzusehen und an den Streetfood-Ständen ein paar Fressalien zu testen. Der Versuch einen Hike auf den Vulkan Santa Maria bei einer Agentur zu buchen, klappte mangels zu wenig Interessierten nicht. Genauer gesagt war ich der einzige, was hatten mir auch schon zwei andere Agenturen per Email mitgeteilt hatten. Gegen viertel nach sieben lief ich mal die zehn Minuten zum 'Estadio Marco Camposeco', wo das Flutlicht zeichnete eine schöne Lichtkuppel in den Himmel zeichnete. Gegen 40 Quetzal gab es eine schöne Eintrittskarte und Einlass in diesen zusammen geschusterten Ground. Die Hauptseite bietet überdachte Stehplätze und aufgesetzt einen Presse-Bereich sowie einen Sitzplatz-Block für die wichtigeren Leute. Die Gegenseite hat nur fünf bestuhlte Reihen. Im Norden gibt es eine etwas verwinkelte Kurve und im Süden hinter dem Tor befindet sich die größte Tribüne der Gammel-Bude. Die Cancha füllte sich überraschend gut, auf der großen Hintertor-Tribüne und seitlich in der Kurve befanden sich aktive Blöcke, die leider jeder ihr eigenes Ding machten, aber schöne lateinamerikanische Klänge inklusive begleitenden Musikinstrumenten in den Nachthimmel posaunten.Bild Mehrfach wurde Pyro gezündet, womit ich mal überhaupt nicht gerechnet hatte. Bild Die Liga ist zwar relativ eng aber Xela brauchte dringend Punkte um den Tabellenkeller zu verlassen. Da stellte der Tabellendritte eine hohe Hürde dar. Die Gäste ließen sich auch von der wütenden Anfangsoffensive nicht aus der Ruhe bringen, warteten diese geduldig ab und schlossen einen Konter sauber zur Führung ab. Genauso wenig beirren ließen sich die Straßenhunde, von denen es hier einige gibt, und die durch das Stadion streunten um die Essensreste der Pausenverpflegung aufzuspüren. Sind halt auch nicht doof, die Viecher. In der zweiten Hälfte wurden die Gastgeber zielstrebiger. Der Ausgleich fiel schnell und Xela drückte weiter, allerdings war durch die dichte Gäste-Abwehr kaum ein Durchkommen. Die Hinchas supporteten unbeirrt weiter und wurden belohnt, denn zwei Minuten vor dem Ende fiel der Siegtreffer, was wieder für eine schöne emotionale Explosion auf den Rängen sorgte. Gibt kaum was Besseres als späte Tore mit entscheidendem Charakter. Arschkalt war es mittlerweile geworden. Tagsüber sind die Temperaturen in dieser Höhe angenehm, aber abends sind es dann kaum mehr als zehn oder elf Grad. Der Tag war lang und ich müde. Daher reichte es in einer Bar grad noch für eine Gute Nacht-Bombe 'Gallo', die man auch in der handlichen Größe von einem Liter bekommt.

So. 26.03. 11:00 - Deportivo Suchitepéquez vs Deportivo Carchá 3:1 (Liga Nacional de Fútbol de Guatemala), 3.000 Zuschauer (0 Gäste)

Warum auch immer hat sich mein Handy die europäische Zeitumstellung auch einverleibt, obwohl ich die diesbezügliche Einstellung deaktiviert habe. Zum Glück habe ich ganz altmodisch auch einen Wecker dabei (wegen meiner nicht auszublendenden Phobie, Abflüge oder Abfahrtenzu verschlafen), so dass der Fehler auffiel. Also noch mal rumgedreht, aber um 7:00 Uhr musste ich mal raus. Das Duschwasser war auch eher ne lauwarme Nummer. Mit dem Micro zum 'Minerva-Terminal', den noch fast leeren Markt durchquert und dort fing mich schon ein Tünnes ein, der mich in den Bus nach Mazatenango setzte. Die Dinger fahren alle 15 Minuten und füllen sich dementsprechend schnell. BildDas sieht dann so aus... Der Fahrer startet den Motor, eine Armada von Verkäufern stürmt den Bus und versucht alles mögliche an Lebensmitteln und Getränken zu verkaufen, während inzwischen die fette Bassbox angeschmissen wird. Latina-Klänge dröhnen durch die Hucke. Obwohl die Hälfte der Verkäufer noch im Bus ist, geht es los. Die Händler steigen dann an der ersten Ampel oder Straßenkreuzung aus und dackeln zurück zum Busbahnhof, wo das Spiel im nächsten Bus von vorn beginnt. Selbiges wiederholt sich dann in jedem Ort, wo gehalten wird, nur dass der Bus dann schon brechend voll mit Fahrgästen ist und alles in ein Riesengedränge ausartet. Was mir hier ja gefiel, ist dass einen keiner bescheißen wollte. Man zahlte für alles denselben Preis, wie die Einheimischen auch - zumindest noch. Mal abwarten. Da bin ich ja immer skeptisch. Mazate, wie hier kurz gesagt wird, liegt nur noch auf 370 Metern also ging es nun zwei Stunden stetig durchgeschüttelt bergab. Natürlich auch wieder durch die Regenwald-Zone, die mich schon schwer fasziniert. Das letzte Stück ging es über die Fernstraße 'CA2', die nur wenig Höhenunterschiede bietet und daher von vielen Lkw befahren wird. Dichter Verkehr und viele Abgase sind die Folge. In Mazate war es schon richtig heiß, war echt ein mächtiger Temperaturunterschied zwischen oben und unten. Mit dem TukTuk ließ ich mich zum 'Estadio Municipal Carlos Salazar Hijo' bringen. Zehn Quetzal kamen mir hierfür recht viel für, aber da der Rückweg später dasselbe kostete, war es wohl okay und es sind ja auch nur 1,20 Euro.

BildGute zwanzig Minuten vor Kick-off war ich da. Ticket für die 'Preferencia', die Gerade gegenüber der Haupttribüne, und rein. Die Geraden der Zehntausender-Cancha sind überdacht, zumindest die oberen Reihen, ebenso die Hälfte einer Kurve, die restlichen Kurvenbereiche sind ungedeckt. Jeder der konnte, rettete sich in den Schatten, was auf den Tribünen, die teilweise gedeckt sind, etwas skurril aussah, weil sich die Zuschauer unter den Dächern knubbelten und der Rest leer blieb. Nur in der komplett ungedeckten Kurve brieten die Hinchas bei über 30 Grad in der Sonne. Support gab es heute keinen, außer ein wenig Trompeterei und Tröterei, aber wer hat bei der Hitze auch schon Bock auf Support. Das Spiel war aber erstaunlich gut und alles andere als langsam. Es handelte sich um das Keller-Duell zwischen dem Letzten und dem Vorletzten. Suchi, so wird der Club kurz genannt, war spielbestimmend und ging früh in Führung. BildDirekt nach der Trinkpause in der Mitte der ersten Hälfte - macht Sinn - konnten die Gäste aber überraschend ausgleichen, aber in der zweiten Hälfte setzten sich die überlegenen Gastgeber verdient durch. Damit war mein 500.Ground außerhalb Deutschlands eingetütet. Mit dem Tuk-Tuk ging es also wieder zurück zum Bus-Terminal, schnell ein Hühnchen-Teil eingeworfen und dann den nächsten Chicken-Bus zurück nach Xela bestiegen. Nun ging es also wieder knapp 2tsd Meter bergauf. Für die Karren ist das kein Problem, die sind alle mit fetten Turbodieseln ausgestattet, die sportlich vor sich hin pfeifen. Haben verdammt viel Kraft, die Biester. Bild Bild Nur dieses ständige Auf und Ab ist ja wie Fahrstuhl fahren. Der Bus füllte sich mehr und mehr und die Sitzreihen bieten noch weniger Beinfreiheit, als Sardellen im Glas haben. Wenn ich zurück bin, werd' ich wohl um neue Kniegelenke nicht herum kommen. Wenn man nach zwei Stunden aus so ner Büchse aussteigt, weiß man auch Bescheid. Zurück in Xela lief ich ein wenig rum und holte mir nen leckeren Snack an der Streetfood-Ecke, danach machte ich einen erneuten Versuch für den nächsten Tag den Hike auf den Vulkan zu organisieren. Aber es war nichts zu machen, für eine Person veranstaltet die Tour natürlich keiner. Es war echt zum Haare raufen. Es waren so viele Traveller in der Stadt und keiner außer mir wollte da hoch, weil die Affen nur in ihren Hostels rumhängen, nichts mit sich anzufangen wissen und vermutlich zu geizig sind, mal ein paar Quetzal für ne tolle Erfahrung in die Hand zu nehmen. Ich weiß schon warum ich diese Klientel nicht sonderlich leiden mag. Sehr schade, das wär sicher ne tolle Sache geworden. So buchte ich mir für den nächsten Tag eine Unterkunft am 'Lago Atitlan'. Zu spät begab ich mich auf Nahrungssuche. Die Bars schlossen schon langsam (un das um 22:00 Uhr!), daher wurde noch mal der Streetfood-Stand meines Vertrauens beehrt.

Mo. 27.03. - San Pedro la Laguna, Lago Atitlan

Um 8:00 Uhr wachte ich auf und fühlte mich sogar mal recht ausgeruht. Ich ließ es langsam angehen. Das Frühstück war einfach, aber okay... Cornflakes, Toast mit Marmelade, ein paar abgezählte Weintrauben, Kaffee. Um kurz nach zehn hieß es "Hasta luego, Fernanda". Die kleine Hostel-Maus war wirklich supernett und trotz unserer geringen sprachlichen Gemeinsamkeiten sehr bemüht. By the way - eigentlich kam ich bisher insgesamt mit meinen wenigen erlernten Brocken Spanisch ganz gut durch, den Rest regelte ich mit Händen und Füßen. Also wieder Micro zum Minerva, den Chaos-Markt durchquert und im anderen Chaos an den Chicken-Bussen angekommen. Aber man muss ja nicht suchen - der Bus findet früher oder später dich. Der Jokel, der den Fahrer im Bus unterstützt, war kein Mann der großen Worte. Meine Frage ob der Preis von 35 Quetzal richtig ist, bejahte er mit einem stummen Kopfnicken. Und die Frage nach der Fahrzeit war ihm das ebenso stumme Zeigen von drei Fingern wert. Nach der gestrigen Tour hatte ich etwas Grauen vor drei Stunden bis San Pedro, aber die saß ich letztlich auf einer Arschbacke ab. Der Bus wurde nicht voll und irgendwie hatte ich mehr Beinfreiheit als am Vortag. Ein Stück ging es die berühmte 'Panamericana' entlang, die hier äußerst gut, nahezu Autobahn-ähnlich, ausgebaut ist. Trotzdem regierte die Langsamkeit. 60 Kilometer sind es von Xela bis San Pedro, drei Stunden waren da schon happig. Allerdings verschlingen gerade die letzten zehn Kilometer, nachdem die Schnellstraße verlassen wurde, über eine Stunde. Es ging bergauf, bergab. Durch Serpentinen und zwar so enge, dass der Fahrer in mancher Kehre zurücksetzen musste, um die Schaukel um die Kurve zu bekommen. Die Fahrbahndecke war extrem schlecht, mehr eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern. Es war eine gewaltige Anforderung an den lenkenden Menschen und seine Maschine. Ziemlich genau um 14:00 Uhr kamen wir an.

Mit einem kleinen Verlaufer war mein Hotel 'El Delfin' schnell gefunden. Nach vier relativ einfachen Nächten mit Gemeinschaftsbad, allerdings waren die Leute in der Casa in Mexiko diszipliniert und in Xela war ich ja eh allein, hatte ich mir mal wieder eine etwas bessere Unterkunft mit eigenem Bad gegönnt. Direkt neben dem Hotel entdeckten meine entzündeten Augen ein kleines Fitness-Studio, in dem ich für ein paar Quetzal erst einmal eine Stunde ein paar Eisen verbog. BildIch versuch zwar beinahe jeden Morgen mit Liegestützen den Muskel ein wenig zu provozieren, aber das ist so eintönig wie semi-effektiv. Ich bin zwar nun wirklich nicht der Kleiderschrank vorm Herrn, aber das bisschen was man sich erarbeitet hat, wird während der Tour arg schrumpfen und da war mir ein vernünftiges Gym doch sehr willkommen. BildDanach geduscht und mal ein wenig durch den Ort. San Pedro la Laguna liegt am Westufer des Lago. Im Osten liegt Panajachel, das als Backpacker-Hölle verschrien ist, daher hab ich mir eben San Pedro ausgesucht. Aber besser ist das hier auch nicht, mindestens die Vorhölle. In den ufernahen Straßen, wo die billigen Unterkünfte, die Bars und Geschäft sind, taumeln überall diese Zauselgestalten durch. Bei manchen frag ich mich wer wohl mehr Flöhe mit sich rumträgt, die Zausel oder die zahlreichen Straßenhunde. Davon gibt es auch viel zu viele. Wenn man nur ein bisschen was für Tiere empfindet, dann tun einem die teilweise recht dürren Vierbeiner mit den meist traurigen Augen wirklich leid. In einer Bar am See aß ich ein Sandwich und kam mit der Bedienung ins Gespräch, einer Engländerin aus Essex. Eigentlich wollte sie nur reisen, ist dann aber in San Pedro etwas hängen geblieben, hat den Job in der Bar angenommen und nun hat sie eh Ihren Pass verloren und kommt erst mal nicht mehr weg. Meine Herrn, Leute gibt's. Ich wollte erst fragen, ob sie Anne heißt. Ich latschte mal durch das Viertel oberhalb der Travelle-Meile. Wenn man da in die eine oder andere Gasse guckt, lässt sich erahnen, dass das Leben hier für einige auch sicher kein Zuckerschlecken ist. Zum Abendessen gab es eine Quesadilla, einen pikanten Pfannkuchen mit Huhn, dann noch ein Bier in einem Pub, der mit Dundee United-Schals nur so zugepflastert war (woher da wohl der Besitzer stammt). Ein paar Zeilen ins Tablet getackert und dann war der Tag auch schon wieder rum.

Di. 27.03. - Guatemala City

Wach wird man hier ja irgendwie um acht rum immer von allein oder durch irgendwas. Nach der Körperpflege latschte ich auf die Backpacker-Meile, um zu frühstücken. Dann checkte ich aus und lief zum kleinen Pier, von wo aus Boote die am See liegenden Orte bedienen. Mein Zielhieß Panajachel. Alle 30 Minuten fahren Boote, in denen etwa 20 Personen Platz finden, gegen 25 Quetzal pro Nase quer über den See. Bild Der tolle Ausblick, den die Kulisse bieten soll, blieb mir auch heute wieder verwehrt. Es liegt einfach zu viel Dunst in der Luft, dabei ist alles andere als Regenzeit. Nach weniger als einer halben Stunde Fahrt erreichten wir die Kleinstadt am Ostufer des 'Lagi Atitlan'. Die Taxi-Mafia war hier generell sehr zurückhaltend. Mit einem einfachen "No, gracias" geben die sich zufrieden und weisen einem sogar noch den Weg zu den Bussen. Irgendwie lief das die ganze Reise über schon abenteuerlich gut. Ich musste nirgendwo länger als zehn Minuten warten.Bild Auch jetzt hatte ich mich grad erst an der Haltestelle organisiert, als hupend der Bus nach Guatemala City vorfuhr. Vier Stunden dauerte die Fahrt, großenteils wieder über die 'Panamericana'. Diese zu bauen, bedeutete ganz offensichtlich auch sehr viel Aufwand, denn es musste sehr viel Fels weggesprengt werden. Trotzdem bleibt die Strecke kurvig und man muss schon Vertrauen in die Bus-Lenker haben, denn die fahren absolut am Limit. Glücklicherweise war die Strecke sehr wenig befahren, aber man musste trotzdem hoffen, dass nicht hinter den recht scharfen Kurven nicht mal ein liegengebliebenes Fahrzeug stand. Im Bus erreichte mich dann die Nachricht, dass der glorreiche RWE es nach Lichtjahren mal wieder geschafft hatte, in Wuppertal zu gewinnen und damit den Einzug ins Finale des Niederrheinpokal perfekt gemacht hatte. So beschissen, wie es in der Liga läuft, so gut läuft es im Pokal. Bei den letzten zehn Teilnahmen acht mal im Finale und davon sechs Mal gewonnen. Und nun schon wieder im Endspiel. Nach vier Stunden kamen wir in der 3,5 Mio-Metropole, die auf 1300 Metern lieht, an. Nun begannen also die Tage der zwielichtigen Großstädte. Guatemala hat ja nicht den besten Ruf, vor allem Abends gibt es einen No-go-Areas, daher hatte ich durchaus Respekt. Taxi zum am Vortag gebuchten Hostel 'Tequila Sunrise', dass unmittelbar neben einem Business-Viertel liegt. Der Name ist Programm. Es wird zwar nicht hemmungslos gesoffen, aber alles ist in Orange gehalten und sogar die Zimmer duften nach der Frucht. Einzelzimmer für zehn Euro pro Nacht geht klar. Ich brauchte frische Devisen, neues Internet-Guthaben und eine Badehose, da mir aufgefallen war, dass ich dieses Kleidungsstück vergessen hatte und es drohte ja noch Badegefahr. Daher mal zur nächsten Mall gelatscht, wo ich alles bekam. Es war schon später Nachmittag, es herrschte Rush Hour, die Straßen waren verstopft. Es roch einfach nur noch nach Abgasen von den stehenden Fahrzeugen. Wenn mich hier keiner aufschlitzen würde, dann wäre der Tod durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung wahrscheinlich. In einer recht coolen Bar gönnte ich mir ein Nudelgericht, sammelte auf dem Rückweg zum Hostel noch ein paar Getränke ein und ließ den Abend dort ausklingen. Der erste Eindruck von der Stadt war gar nicht so schlecht, das hatte ich etwas abgefuckter erwartet.

Mi 29.03. 15:30 - Antigua GFC vs Deportivo Suchitepéquez 2:1 (Liga Nacional de Fútbol de Guatemala), 3.568 Zuschauer (5 Gäste)
Mi 29.03. 20:00 - CSD Comunicaciones vs CS Deportivo Xelajú 2:2 (Liga Nacional de Fútbol de Guatemala), 5.214 Zuschauer (0 Gäste)


BildTrotzdem das Hostel genau in der Einflugschneise des Flughafen liegt, aber das betrifft beinahe die gesamte Stadt, denn der Airport liegt im Süden und auch schön in Nord-Süd-Ausrichtung, konnte ich bis beinahe halb neun pennen. Das gilt hier ja fast als phänomenales Ausschlafen. Ich kam kaum aus dem Bett und die Arme zu heben fiel auch schwer. Der Muskelkater vom Training in San Pedro schlug voll durch. Offenbar hatte ich gut gearbeitet. Aber muss ja sein, wenn man nicht bald so ne Wanne vor sich her schieben will, wie es 80% der Angehörigen unserer Bewegung tun! Da hab ich wenig Bock drauf und bin dafür auch viel zu eitel. Etwas rumgetrödelt und nach elf mal los. Mit dem Metrobus zum 'Parque Centenario', der mit dem 'Plaza de la Constitucion' verschmilzt, und mit den umliegenden Gebäuden, vorrangig der großen Kathedrale und dem 'Palacio Nacional de la Cultura', eigentlich die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit ist. Der Metrobus verkehrt auf eigenen Fahrspuren unabhängig vom übrigen Straßenverkehr. Es gibt ein halbes Dutzend Linien und eine Fahrt kostet, egal wie weit, einen Quetzal, also 12 Cent! Ich deutete ja bereits an, dass ich mich in Guatemala Stadt nicht unsicher fühlte und dabei blieb es auch. Wenn man aber sieht, dass die vor jedem Supermarkt, Einkaufszentrum, Firmengelände und erst recht vor jedem öffentlichen Gebäude Sicherheits-Heinis alle ne Pump-Gun tragen, dann kann man erahnen, dass hier doch einiges im Argen liegt. Bild Kann man noch überlegen, ob es sich teilweise um Attrappen handelt, denn die Typen sehen teilweise nicht so aus, als ob sie wirklich mit den Dingern umzugehen wüssten. Bild Aber auch die Polizei ist hier durchweg schwer bewaffnet und viele Ordnungshüter haben ne fette Spritze um den Hals hängen. Dann also wieder Metrobus zur großen Kreuzung 'El Trebol', von wo die Chicken-Busse in die westlichen Destinationen abfahren. Aus den Bustüren hingen die Helfer der Fahrer und riefen die Ziele aus. Da viele Städte zu lange Namen haben, wurden nur die ersten beiden Silben gerufen, dafür aber fünf Mal hintereinander. Für Mazatenango klang das dass dann so: "MazaMazaMazaMazaMazaaaaaaaa!" oder eben für Guatemala "GuateGuateGuateGuateGuateeeeeeeee!" Wichtig ist, die allerletzte Silbe zu dehnen, sonst biste keiner. Für zehn Quetzal ging es ein Stündchen nach Antigua. Die Preise für die Hühner-Busse sind echt phänomenal günstig, das ist unschlagbar. Die Stadt heißt eigentlich 'Antigua Guatemala', also 'Alt-Guatemala', wird aber auf Antigua eingekürzt und hat 40tsd Bewohner. Sie war vom 16. bis ins 18. Jarhundert die Hauptstadt der spanischen Besetzer für alle zentralamerikanischen Kolonien. Aufgrund ihrer sehenswerten barocken Kolonial-Architektur ist die gesamte Stadt zum Weltkulturerbe erhoben worden. Ich lief ein wenig planlos durch die schachbrettartig angelegten Straßen und musste anerkennen, dass der Ort wirklich sehenswert ist. Ist natürlich mega touri-verseucht, aber das ist ja logisch. Man sieht einige Ruinen in der Stadt - Zeugen der vielen Erdbeben die in dieser Gegend passieren.

Am nördlichen Stadtrand liegt das 'Estadio Pensativo'. Hier spielt der Antigua GFC, einer der erfolgreichsten Vereine der letzten Jahre, in der Clausura, der Rückrunde, läuft es allerdings nicht so gut. Nach gutem Start wartet man nun schon länger auf einen Sieg. Das Estadio ist ein altes Oval, an dem auch nicht mehr viel zu retten ist. Es sieht so aus als ob die Haupttribüne mal ein neues Dach bekommen hat, aber ansonsten müsste man das Ding wohl eher einstampfen. Aber in Guatemala hat der Zuschauer auch keine Ansprüche, Business-Seats werden nicht benötigt und das Fassungsvermögen von 9tsd wird wohl auch nie ausgereizt, also wird wohl in der Cancha gespielt bis sie auseinander bricht. BildDen Gegner Suchi, in der Unfarbe Königsblau, hatte ich ja erst am Sonntag im Heimspiel gesehen, wo sie eine ganz ordentliche Leistung zeigten. Davon waren sie heute und auch die grün-weißen Gastgeber weit entfernt. Es würde ein fürchterliches Gebolze geboten. Spätestens der dritte Passversuch landete beim Gegner, es kam null Spielfluss zustande. Daher verkürzte ich mir die Zeit am Fressstand und zog mir zwei Chori-Sandwiches rein. Prinzipiell bin ich ja ein wenig skeptisch bei hektisch zusammen gebrutzeltem Stadionfraß, aber bisher hielt ja die Verdauung stand, wenn man mal davon absieht, dass ich ständig der Verlockung erliege, viel zu scharf zu essen und daher alles zwei Mal brennt. Kurz vor dem Seitenwechsel gingen die Gäste dank eines Aussetzers des linken Außenverteidigers überraschend in Führung. Fünf Leute sprangen auf und freuten sich. Support übrigens Fehlanzeige, von ein paar "Antigua"-Rufen abgesehen, was mich überraschte, denn jüngere Fotos zeigten eine aktive Szene. Nach der Halbzeit änderte sich nichts, bis auf das Seiten getauscht worden waren. Eine Viertelstunde vor dem Ende ein Konter der Gastgeber, endlich mal eine schöne Flanke und aus etwa zwölf Metern hämmert der langhaarige Spielmacher die Kirsche mit einem Bilderbuch-Seitfallzieher quer in der Luft liegend in die Maschen. Absolutes Traumtor und das nach dem bisherigen Gestolper. Plötzlich war Leben auf dem Pitch. Die Blanco-Verde gaben Gas und weil es so großen Spaß machte, nagelte der Langhaarige fünf Minuten später auch noch einen direkten Freistoß aus 25 Metern ins obere Eck des Gebälk. Danach war er kaum noch einzufangen und sollte sich das Kalenderblatt des heutigen Tages in einen güldenen Rahmen hängen, denn das macht der nie wieder so, da bin ich sicher.

BildAbpfiff, Spiel, Satz und Sieg. Ich hatte mir einen Riesen-Schachzug überlegt. Statt zum Bus-Terminal zu latschen, ging ich strammen Schrittes zur Ecke, wo die Ausfallstraße nach Guatemala aus der Stadt führt, um dort einen Bus nach abzufischen. Der Weg war derselbe und das sollte Zeit sparen, die Busse sonst erst noch langsam durch den Ort tingeln, um Fahrgäste zu akquirieren. Der Plan ging auf. Ich stand handgestoppte 15 Sekunden dort, als ich schon "GuateGuateGuateGuateGuateeeeeeeee!" hörte. Das lief ja wieder abenteuerlich gut. Trotz Rush Hour in Guate kamen wir nach weniger als einer Stunde an 'El Trebol' an. Ich hatte aber auch wieder nen völlig irren Fahrertypen erwischt. Sich seiner Macht bewusst absolut rücksichtslos die Spuren wechselnd, zur Not auch mal über eine Tankstelle abkürzend oder mit den rechten Rädern 100 Meter über den Bordstein. Also mit ihren Kisten umgehen können die definitiv. BildTrotzdem muss man dem Herrn jedes Mal danken, wieder unversehrt rausgekommen zu sein. Mit dem Metrobus in die Stadt und dann die paar hundert Meter zu Fuß zum 'Estadio Doroteo Guamuch 'Mateo' Flores', dem Nationalstadion Guatemalas, wo ich 40 Minuten vor Spielbeginn ankam. Warum auch immer spielt der CSD Comunicaciones in dieser Saison seine Heimspiele in der großen 30tsder Schüssel und nicht im 'Cementos Progreso' weit im Norden der Stadt. Kam mir sehr gelegen, denn das 'Flores' war nur wenige Blocks von meinem Hostel entfernt. Die Cancha ist ein großes Oval mit Laufbahn, nur ein kleiner Bereich auf der Haupttribüne ist überdacht, die Sitze sind in blau gehalten und ein Guatemala-Schriftzug hebt sich auf der Hauptseite daraus ab. Im Jahr 1986 wurde dieser Ort Schauplatz einer Tragödie, als bei einer Massenpanik bei der WM-Quali-Partie der Guatemalteken gegen Costa Rica 83 Menschen zu Tode kamen. BildEs waren aufgrund des Verkaufs gefälschter Tickets zu viele Menschen ins Stadion eingelassen worden. Für 30 Quetzales erwarb ich ein Ticket für die 'Preferencia', die Gegenseite. Als ich das Stadion dorthin umrundete, drangen schon erste Hincha-Klänge in mein Ohren. Mittig auf der Preferencia waren ein paar Bänder gespannt worden und es wurde trompetet, getrommelt und gesungen. Nicht ohrenbetäubend laut - je nach Lust und Laune machten zwischen 150 und 200 Leute mit, aber dafür bleibt es ja melodisch und im Zusammenspiel mich den Blechintrumenten und den dumpfen Trommeln entstand diese ganz spezielle lateinamerikanische Atmosphäre. Ich steh ja total drauf, platzierte mich auf dem oberen Umlauf hinter den Hinchas und konnte gar nicht anders als im Takt mit dem Bein mitzuwippen. BildZum Einlauf der Teams ging eine schöne Rauchwolke im Fanblockhoch. Diese hatte sich noch nicht ganz verzogen, da rappelte es schon im Karton. Die Cremas, wie Comunicaciones genannt wird, benötigten keine ganze Zeigerumdrehung um den Führungstreffer zu erzielen und noch vor Ablauf der zehnten Minute beulte sich das Netz hinter dem Xela-Schnapper ein zweites Mal. Kurz hoffte ich auf ein richtiges Schützenfest, aber nur kurz nach dem zweiten Tor hielten die Gäste die Spannung mit dem Anschluss-Treffer hoch. Dieser Torschnitt wurde natürlich nicht gehalten, aber es war auch so ein ganz anderer Kick, als zuvor. Hier wurde Fußball gespielt. Klar, es klappte nicht alles wie gewünscht, wir waren ja auch in Guatemala, aber die Nummer war richtig unterhaltsam. Die Cremas hatten die Sache eigentlich im Griff, waren dem dritten Treffer näher als Xela dem Ausgleich, aber trotzdem fiel dieser eine Viertelstunde vor dem Ende. Ich war offensichtlich, der einzige Zuschauer, der Xela auch am vergangenen Samstag live hat spielen sehen, denn es freuten sich nur die elf Mann auf dem Grün und das Personal auf der Bank. Vielleicht sollte mich Xela zum Ehren-Mitglied ernennen, denn wenn ich anwesend bin, läuft's ja. Die Liga ist verdammt eng. Vom Zweiten bis zum Vorletzten sind es ganze fünf Punkte. Hinter der 'Preferencia' liegt mal ne richtige Scheiß-Gegend, die erahnen ließ was Guatemala so drauf hat. Vor allem im Dunkeln. Also Kapuze über den Kopf, Blick nach unten und los. Nur zwei Blocks weiter besserte sich das Bild schon und ich hatte eh nur 15 Minuten Fußweg. Noch die drei kleinen 'Cerveza Morelo' verschluckt, die ich am Vorabend (von insgesamt sechs! Ich werde alt!) nicht gepackt hatte und ab in die Falle.

Do. 30.03. - Copán Ruinas

BildFür halb acht den Wecker gestellt, brauche ich ja nicht zu erwähnen, dass ich noch ein paar Minuten vorher aufwachte. Das Frühstück war nicht besser als am Vortag und um 9:00 Uhr ging es los. Metrobus Linea 12 bis 'Plaza Barrios' und dort Umstieg in Linea 18. An der Endstation raus und mit dem Moto oder TukTuk weiter bis zum Bus-Terminal 'Centra Norte'. BildAlter Vadder, der Moto-Hincha hatte ne Bassbox verbaut, dass mir fast die Gläser aus der Sonnenbrille flogen. 'Rutas Orientales' bedient zu vertretbaren Preisen mit etwas ausgelatschten Reisebussen den Osten des Landes - der Name des Unternehmens ist also Programm. 45 Peso kostete der 170 Kilometer-Trip bis Chiquimula, der letzten größeren Stadt vor dem Grenzübergang 'El Florido' und dreieinhalb Stunden wurden auf der von Baustellen übersähten Strecke benötigt. Das war okay aber nun wurde es zäh. Zunächst aber einmal wieder dieser abenteuerliche Anschluss. Keine zwei Minuten musste ich warten. Die letzten 40 Kilometer bis zur Grenze mit dem Minibus dauerten aber noch einmal zwei Stunden. An jeder Kokospalme wurde gehalten. Die Grenze gestaltete sich mega-easy, wenn man vom riesigen Lkw-Chaos absieht, völlig easy. Ich war auch irgendwie der einzige Fußgänger der rüber machte. Der guatemaltekische Posten begrüßte mich schon aus zehn Metern mit "El Aleman" als ob ich angekündigt war. Für 20 Lempira - umdenken, neue Währung, 25 Lempira sind ein Euro - ging es die letzten Kilometer per weiterem Minibus bis Copán. Völlig durchgeschwitzt stieg ich aus. Es. War. Unsagbar. Heiß!! Da in den unklimatisierten Bussen die Schiebefenster offen waren, hatte ich mir das schon gedacht, denn selbst den Fahrtwind empfand man, als wenn einem jemand einen Fön ins Gesicht hält. Im am Vortag gebuchten 'Hostel Bekarah' ins Einzelzimmer mit eigenem Bad für 15 Euro eingecheckt - geht so - Kohle gezogen und mal in Ruhe vernünftig Essen gegangen. Danach noch auf drei Cerveza in eine Bar, wo ich mit zwei Ami-Tanten aus New Orleans ins Gespräch kam, die erstaunlich sympathisch waren und sogar wussten was außerhalb ihrer Landesgrenzen so passiert, und dann fiel ich richtig müde bei immer noch 25 Grad ins viel zu warme Bett.

Fr. 31.03. 19:15 - CD Honduras Progreso vs CD Real Sociedad de Tocoa 0:0 (Liga Nacional), 1.000 Zuschauer (0 Gäste)

Bild Da ich am Abend mal früher im Bett war, konnte ich auch mal früher raus. Also noch früher als sonst eh. Der Plan war, möglichst mit Öffnung der Anlage an den 'Copán Ruinas' zu sein, um den Besucherströmen aus dem Weg zu gehen. Schon gegen acht Uhr war es wieder fürchterlich heiß. Mit umgerechnet 15 Euro ist der Eintrittspreis recht hoch und es wird auch zwischen Einheimischen und Touristen unterschieden, Honduraner zahlen nämlich nur einen Bruchteil davon. Sowas mag ich ja gar nicht! Nach dem Ticketkauf werden am Eingang alle Besucher auf einer Liste eingetragen. Ich war Nummer vier, also schnell an den dreien, die vor mir dort waren, vorbei gehuscht und als erster in die recht weitläufige antike Maya-Stadt. Das war schon sehr beeindruckend und wirkte im Licht des frühen Morgens nahezu magisch, wenn niemand außer einem selber zwischen den verschiedensten Bauten herumläuft. Bild Bild Im Unterschied zu 'Teotihuacan' und 'Yohualichan', kann man hier beinahe jede Pyramide und jedes Bauwerk auf ausgewiesenen Wegen betreten, was das Erlebnis noch deutlich spannender gestaltet. In den Bäumen um den groß Platz, der die Stadt in Nord- und Südhälfte teilt, leben Papageien, die fröhlich hin und her flogen. Allerdings wissen die Tiere natürlich auch, warum sie dort leben, denn es gibt Futterplätze. Ich vermute auch stark, dass die Vögel nicht generell dort leben, sondern als kleine Attraktion angesiedelt wurden. Trotzdem eine tolle Sache, die absolut nicht scheuen Tiere aus der Nähe betrachten zu können. Nach eineinhalb Stunden hatte ich alles gesehen und ließ mich mit dem Moto den knappen Kilometer zurück in den Ort bringen. Den Direkt-Bus nach San Pedro Sula um 11:00 Uhr sollte es angeblich nicht geben. Es stand aber ein Mini-Bus für die Teilstrecke bis zum Knotenpunkt 'La Entrada' abfahrbereit, also rein da. Die Landschaft entlang des Copán-Flusses war wieder äußerst sehenswert und 70 Lempira ärmer stieg ich zwei Stunden später in den Bus nach San Pedro um, der wiederum nach nur wenigen Minuten abfuhr. Trotzdem zieht es sich immer wie Kaugummi, bis man wirklich mal auf Kurs ist, denn es werden noch alle erdenklichen Nebenstraßen und Sammelpunkte abgeklappert, um die Kiste vollzukriegen. Da der Verkehr auf San Pedro zu immer dichter wurde, kamen wir erst kurz nach 16:00 Uhr an. Und wieder bekam ich sofort Anschluss nach El Progreso, meinem heutigen Ziel. Das Bus-Terminal von San Pedro ist niegelnagelneu und liegt an der südlichen Stadtgrenze. Natürlich eierte der Minibus aber nun erstmal in die Stadt und es wurde auch noch der letzte Quadratzentimeter Raum mit einem Fahrgast vollgequetscht. Das dauerte mal wieder ewig, so dass für die 30 Kilometer deutlich mehr als eine Stunde benötigt wurden.

Als meine Straßenecke auftauchte, an der ich aussteigen musste, wurde es hektisch. Ich war recht weit hinten im Bus und musste mich mit Koffer und Rucksack durch die Leute quetschen. Beim Aufstehen war mir wohl mein Handy aus der Hosentasche gerutscht und als ich im Türrahmen stand, tippte mir jemand auf die Schulter und hielt es mir unter die Nase. Vergelt's Gott, schön, dass es auch hier in diesem Land mit doch recht bescheidenem Ruf ehrliche Leute gibt. Nur ein paar Blocks zu Fuß waren es zum 'Hotel Plaza Victoria' w,as auch besser klingt, als es war. Trotzdem die bisher luxuriöseste Bleibe der Tour. BildEl Progreso liegt fernab der Touri-Ströme, viele Hotels gibt es nicht, man konnte nur zwischen Rattenloch und gehobenem Niveau entscheiden, daher für umgerechnet 26 Euro im Victoria eingebucht. Zum 'Estadio Humberto Micheletti' waren es nur zehn Minuten Fußweg. So richtig oft scheinen sich aber Bleichgesichter nicht hierhin zu verirren. Einige schauten mich an, als wäre ich soeben aus einem UFO gestiegen, anderen schauten etwas argwöhnisch, aber die meisten lächelten und grüßten freundlich. Bild Genauso lief es nachher auch in San Pedro und Tegucigalpa. Die größeren Städte in Honduras sind alle mit Vorsicht zu genießen, vor allem nach Einbruch der Dunkelheit, aber prinzipiell sind alle Leute aufgeschlossen und freuen sich, dass sich mal ein Fremder für ihre Heimat interessiert. Um Probleme zu bekommen, muss man unvorsichtig sein oder Pech haben. Beides versuchte ich zu vermeiden. Die Cancha sehr einfach, nur auf einer Seite ausgebaut mit einer Kombination aus Wellblech und bröckelndem Beton. Ich wette nicht auf Fußballspiele. Heute hätte ich es tun müssen. Der Platz war in derart schlechtem Zustand, dass ein torloses Spiel unumgänglich war und so kam es auch. 1tsd Zuschauer werden es wohl letztlich gewesen sein, die aber einfach nur das Gebolze schauten und Bier bestellten. Der Zuckerwatte-Verkäufer ging heute abend leer aus - die Leute wollten einfach nur saufen. Zurück im Hotel war der Plan, früh im Bett zu sein, aber aus der dem Hotel angeschlossenen Lounge drang laute Latino-Musik, da ging doch noch ein Bier. Im Bett war ich letztlich um halb drei. Vielleicht zwanzig Gäste waren in der Bar. Den Mädels mal beim Tanzen ein wenig auf die Ärschchen zu schauen, machte ja Laune, denn die bewegen sich hier ja doch ein wenig anmutiger. Mühsam kam ich mit einem jungen Typen ins Gespräch, der mir dann eine Cerveza ausgab, wofür ich mich revanchierte. Daraus folgte das Bierchen-wechsel-dich-Spiel. Wie gaben uns fröhlich gegenseitig einen aus. Völlig sinnlos, aber das macht Bekanntschaften.

Sa. 01.04. 19:00 - CD Real Espana vs CD Marathon 1:1 (Liga Nacional), 8.000 Zuschauer (2.500 Gäste)

Entsprechend mühsam kam ich morgens aus dem Bett. Ich konnte mir aber Zeit lassen und stieg gegen halb elf mal in den Minibus nach San Pedro Sula. Die Fahrt war deutlich entspannter als der umgekehrte Weg am Vortag. Irgendwo in der Innenstadt war Ende und ich quälte mich mit dem Rollkoffer durch die vollen Straßen zum gestern noch hektisch gebuchten 'Hotel San Juan', einfaches Zimmer mit Bad und Klima für 16 Euro. BildManchmal kann man sich nur fragen, wie Hotels an Bewertungen kommen. Booking schmiss eine 9,2 für den Schuppen raus. Okay mit der Sauberkeit wird es in den einfachen Läden nicht so genau genommen. Aber die Klima lief so laut wie ein Reisebus und die Abdeckung davor baumelte schief herum. Der Raum war wieder der Inbegriff der EInfachheit und in der Straße, an der das Hotel liegt, buhlte die eine oder andere Dame des horizontalen Gewerbes um Kundschaft. Was soll's - nur eine Nacht. Dafür riss es die kleine Rezeptionistin raus, die herausragend freundlich war. Ich hatte viel Zeit, draußen herrschten 37 Grad, daher blieb ich erst einmal im Zimmer, es gab ja auch ein bisschen was umzustricken. Durch die verheerenden Regenfälle im Norden Perus war das Leben dort und auch in den Armen-Vierteln Limas ziemlich durcheinander geraten, wenn man es sanft ausdrücken will. Daher setzte die Liga aus, der Spielplan wurde angepasst und ich musste ein wenig was stornieren und neu buchen und ein paar Infos einholen. Ich hab ja kaum was vorab gebucht, für die Osterwoche in Peru war das aber notwendig, da das eine traditionelle Urlaubszeit dort ist, deshalb nun die Mühe. Gegen halb fünf latschte ich mal die paar Blocks zum 'Parque Central'. Hört sich wild an, ist aber nur der etwas begrünte Platz vor der überschaubar schönen Kathedrale. San Pedro Sula war halt irgendwie das erwartete Drecksloch, nur die große Gefahr verspürte ich nicht. Immerhin ist die Stadt an Position zwei der Welt, was die Mordrate pro Einwohner angeht (San Salvador auf Platz drei kommt ja noch), aber man muss auch bedenken, dass das hauptsächlich eine Problematik der Banden-Kriminalität ist, da muss man es als Fremder erst einmal schaffen, dazwischen zu geraten. Dürfte gar nicht so einfach sein. Die latente Gefahr eines Raubüberfalls besteht natürlich generell, aber das tut sie auch in Essen-Katernberg. Nebenbei - laut Statistik liegen 42 der 50 gefährlichsten Städte der Welt in Lateinamerika.

Bild BildAn einem Streetfood-Stand gönnte ich mir ein Choripan, gegrillte Mettwurst im Fladenbrot. Da gibt es ja meistens Sitzgelegenheiten und ich kam mit den anderen Gästen ins Gespräch. Dabei fiel mir schon auf, dass einer ein Real Espana-Shirt trug und erwähnte leichtsinnig, dass ich zum Spiel will. Miguel beleitete mich die sieben oder acht Blocks zum 'Estadio Francisco Morazán' und half beim Kartenkauf auf der Straße. Irgendwie eigentlich auch egal ob auf der Straße oder an der Taquilla, denn die Hombres auf der Straße verhökern ihre Socio-Tickets knapp unter Originalpreis. Feilschen unnötig, denn die Preise bewegen sich zwischen drei und fünf Euro, da wäre jedes Handeln verschwendete Energie. Am Eingang verabschiedete er sich dann. Es war aber noch früh und ich lief noch ein wenig rum, traf ihn wieder und fragte ob er auf der selben Tribüne sei. Er sagte, er geht erst zur Halbzeit rein, dann wäre es umsonst. Da schnallte ich erst, dass er gar keine Kohle für den Eintritt hat. Okay Amigo, kauf ich Dir halt n Ticket. Er nahm das Geld und sagte ich müsste mir keine Mühe machen, er kauft das schon selbst. Klar, er steckte die Kohle ein, aber das war auch okay, er wusste schon, welche Prioritäten er setzen musste. Bild Bild Ich ging mal rein. Eigentlich ne schöne angeranzte Cancha, nur fehlt hinter einem Tor eine Tribüne. Ansonsten reines Fußballstadion, 18tsd passen rein, zwei Tribünen unüberdacht, Haupttribüne überdacht. Spitzname 'La Bombonerita'. Es handelte sich um den zweitbesten Kick, den das Land bietet, Bild Bildnämlich den Clasico zwischen den beiden örtlichen Teams. Real Espana war heute Gastgeber, aber beide Clubs teilen sich die Bude. Espana in schwarz und gelb gehörte die Gegengerade. Kurz vor Beginn war kaum was los obwohl der Block schön geschmückt und die Tribüne mit Zaunfahnen übersäht war und es wollte sich schon Enttäuschung breit machen, als dann die 'Mega Barra' ganz klassich mit Regenschirmen und Pauken und Trompeten einzog. Sehr schön und kurz danach stürmte auch ein 200 Mann starker Haufen von Marathon die Hintertor-Tribüne, die allerdings gänzlich ungeschmückt blieb. Die Stimmung war dann recht ordentlich auf beiden Seiten, wobei Espana aufgrund der Instrumente im Vorteil war und den insgesamt besseren Auftritt bot. Es wurde auch immer mal Pyro gezündet, das war alles schon mehr als ich erwartet hatte. Auch das Spiel war ganz interessant. Real Espana war Tabellenführer, Marathon an vierter Position. Die Schwarz-Gelben waren klar spielbestimmend, machten vor allem in der zweiten Halbzeit richtig Druck, vergaben haufenweise dickste Chancen und leisteten sich auch noch den Luxus eines verschossenen Elfers. Es blieb aber bei einem Treffer für jedes Team. In der Halbzeit vertrat ich mir die Beine und da stand dann Miguel wieder neben mir. Dummerweise war er nun zehn Bier weiter als ich, wurde dann nach und nach etwas nervig und betonte alle drei Minuten, dass wir Amigos sind. Ja ist ja gut jetzt, Hombre. Er wollte mich dann unbedingt noch zum Hotel bringen, damit mir nichts passiert, musste dann aber mal austreten, was ich nutzte, um mich unbemerkt in der abwandernden Menge aus dem Staub zu machen. Das hätte ja nur noch anstrengender werden können. Einige eindeutige Angebote der überwiegend etwas zu drallen Damen umschiffend, nahm ich noch zwei Cerveza mit aufs Zimmer und danach war Bettruhe.

So. 02.04. 16:00 - CD Motagua vs Club Olimpia Deportivo 1:1 (Liga Nacional), 10.000 Zuschauer (4.000 Gäste)

Für 7:00 Uhr hatte ich den Wecker gestellt. Um kurz nach halb acht war ich raus aus der Butze, für 100 Lumpen mit dem Taxi zum Busbahnhof und dort bei 'El Rey' ein Ticket für 178 honduranische Währungseinheiten nach Tegus, wie hier alle Tegucigalpa nennen, gebucht. Tegus hat etwas über eine Millionen Einwohner und liegt umringt von bewaldeten Bergen selbst auf einigen Hügeln. Bild BildDie Bus-Frequenz zwischen den beiden größten Städten des Landes ist natürlich recht hoch und ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass mein Bus abfahrbereit stand. 'El Rey' operiert mit großen Bussen, manche sind neuer, viele älter und einige ganz alt. Ich hatte leider das Museums-Fahrzeug erwischt. El Rey, der König!? Die Karre war völlig verwohnt, zwei fette Steinschläge (oder Einschüsse?) begrenzten die Sicht des Fahrers. Na würde schon gut gehen. Ein Wachmann filzte Rucksäcke, Taschen und Personen vor dem Einstieg, das sagt ja auch schon alles. Die Fahrt verratzte ich großenteils und nach viereinhalb Stunden kam wir in Tegus an. Es gibt kein zentrales Bus-Terminal, sondern die Gesellschaften operieren alle von ihrem eigenem kleinen Hof. Blöderweise liegen diese in einem der übelsten Barrios der Stadt. Bei Tageslicht kein Problem, aber ich wollte ja am nächsten Morgen mit dem ersten Bus um halb sechs wieder weg. Ich hatte mir das 'Hotel Palace' ergoogelt, nur 100 Meter von 'El Rey' entfernt, also dort mal hin. Das war auch mit Zäunen, Stacheldraht und Sicherheitstüren besser gesichert als Fort Knox, aber die Räume waren wieder so dunkel und kosteten zu viel. Nee, ich wollte etwas mehr Atmosphäre. Ein Taxi zum gut bewerteten 'Palmira-Hostel' und am nächsten Morgen zurück zum Bus-Hof, sowie ein Bett im Dorm waren auch deutlich billiger als das Hotel. Also Schlafsaal für acht Euro, hasse ich wie die Pest und hab ich ewig nicht gemacht, aber fürdie kurze Nacht wäre ein eigenes Zimmer völlig verschenktes Geld. Und wenn schon dann richtig - 16er Dorm war angesagt. Dafür war das Hostel wirklich richtig fein, der Besitzer hilfsbereit und der Schlafsaal nur zur Hälfte belegt. Viel Zeit war nicht, ich hatte Termine. Von Tegus selber sah ich außer dem Weg zum Stadion überhaupt nichts. Das hier war ein reiner Fußball-Stop und wirklich sehenswert scheint die Stadt ja eh nicht.

Bild Bild Das Viertel um das Stadion ist auch richtig übles Pflaster, das war ich ja schon dankbar, dass die Partie am Nachmittag über die Bühne ging. Der 'Clasico Hondureno' stand an, der beste Kick des Landes zwischen den beiden Clubs der Hauptstadt. Mit den Ansetzungen hatte ich bisher ja echt Glück. Als ich am Ground ankam, waren grad ein paar Riots gegen die Policia Nacional im Gange. Die zeigte sich aber wenig interessiert an längeren Auseinandersetzungen und geizte nicht mit Reizgas-Patronen. Roch und schmeckte gar nicht mal so gut, machte aber die Nase frei. Das 'Estadio Nacional Tiburcio Carias Andino' enspricht vom Alter und der Bausubstanz der hiesigen Stadion-Landschaft. Das 35tsd Zuschauer fassende Oval hat schon bessere Tage gesehen, aber so war das ja wieder charmanter als in einem Neubau, für den der Staat sowieso kein Geld hätte. Länderspiele werden hier nur noch selten absolviert, die gehen meist im größeren 'Olimpico Metropolitano', dem zweiten Stadion von San Pedro über die Bühne. Die Motagua-Hinchas schmückten ihren Block schön mit Zaunfahnen und Bändern, während auf Seiten von Olimpia,dem erfolgreichsten Verein des Landes, keine optischen Mittel verwendet wurden. Auch hier teilen sich die Clubs das Stadion. Olimpia hatte heute ein 'Auswärtsspiel', da kann man sich nach den gestrigen Eindrücken fragen, Bild Bild ob die Gäste-Hinchas in Honduras einem Materialverbot unterliegen, denn bei diesen waren auch Musikinstrumente Fehlanzeige. Gut 10tsd Zuschauer werden sich dann eingefunden haben, für honduranische Verhältnisse nicht so schlecht. Zu Beginn qualmte es ganz ordentlich im Olimpia-Block und auch im späteren Verlauf der Partie gab es auf beiden Seiten Pyro-Einlagen. Die Stimmung war insgesamt top. Ich konnte Motagua besser vernehmen, weil sie den instrumentalen Vorteil hatten und mir auch näher waren, aber auch Olimpia war immer in Bewegung. Das Treiben auf dem staubigen Grün war auch wieder ganz ordentlich. Olimpia ging Mitte der ersten Hälfte in Führung und Motagua musste kurz vor dem Seitenwechsel einen Platzverweis verkraften. Aber wie so oft im Fußball fiel die zahlenmäßige Überlegenheit nicht groß ins Gewicht. Mit einer vergebenen Riesenchance eine Viertelstunde vor dem Ende läutete Motagua trotz Unterzahl die Schlussoffensive ein. Die Stimmung im Block war nun auf dem Siedepunkt und für den Einsatz wurden Hinchas und Mannschaft mit einem Elfmeter in der Schlussminute belohnt. Drin das Ding, totale Ekstase und zwei Minuten später Abpfiff. Große Feierlichkeiten blieben aus, Motagua sowieso eher im Mittelfeld der Tabelle und für Olimpia war es eine gefühlte Niederlage. Schnell in der letzten Helligkeit durch das Ghetto durch und zurück zum Hostel. Dort hackte ich dann wieder ein paar Zeilen ins Tablet und trank mir mit einem Sixpack ein wenig Bettschwere an, denn mit Nächten in Schlafsälen hab ich ja so meine Probleme.

Mo. 03.04. - Livingston

Um halb fünf sollte der Wecker schellen, die innere Uhr weckte mich aber ein paar Minuten früher. Neun von 16 Betten waren belegt im Saal und sich die Leute mega-diszipliniert verhalten, das kenne ich von früher auch durchaus anders. Kurz die Fünf-Mark-Stück-große Schabe im Licht der Taschenlampe gegrüßt und ab zur Rezeption, mit der ich vereinbart hatte, dass um 5:00 Uhr ein Taxi kommen soll. Um fünf nach schaute ich den Nacht-Portier mal an, der mir bedeutete, dass der Fahrer bestimmt verschlafen hat. Danke Amigo, aber hilft mir nur bedingt, die Info. Nämlich dahingehend, dass ich selber tätig werden muss. Also ab zu nahen Hauptstraße und dort eine Droschke abgefischt. Heute stand ein schöner Ritt bevor. 'El Rey' hatte sich wieder Mühe gegeben, eins der miesesten noch im Einsatz befindlichen Modelle bereitzustellen. Schon bitter, wenn neben der Karre, in der man Platz nehmen muss, ein nagelneues Fahrzeug bereit steht. Ob sich die Mühle einfach nicht mehr vernünftig fahren ließ oder ob der Lenker es nicht drauf hatte, weiß ich nicht, aber ich hatte bei Ankunft in San Pedro Sula nach viereinhalb Stunden defintiv die Schnauze voll. Man sieht hier an jeder Ecke Reifen-Fuzzis, sicher ein lohnendes Geschäft bei den Straßenverhältnissen, aber ich würde mal empfehlen, dass sich jemand auf den Austausch von Stoßdämpfern spezialisiert. Abfahrten nach Puerto Cortez gibt es jede Viertelstunde, daher wunderte mich nicht, dass sofort ein Anschluss gefunden wurde. Im Bus war dann wieder so ein Hobby-Prediger, das hatte ich nun schon das dritte Mal. Plötzlich steht einer auf und erzählt minutenlang einen von der Verheißung ohne dass ihn irgendjemand dran hindert, dabei wirkt auch kein anderer im Bus so, als ob er den Senf wirklich hören will. Bild Mini-Busse von Puerto Cortez zur Grenze nach Corinto fahren nur jede Stunde, daher war es mal wieder abenteuerlich, dass man offenbar nur auf mich gewartet hatte. Ich hatte das zweite Bein noch nicht nachgezogen, da hieß es schon Abfahrt. Die Landschaft war mittlerweile wieder richtig geil, von wildem Regenwald in küstennahe Vegetation übergehend. Nach nur etwas mehr als einer, statt der angekündigte zwei Stunden erreichten wir die Grenze. Absolute Nebenstrecke. Dann hieß es "Bye bye Hinduras". Du bist ein schönes Land, aber in den Städten leider viel zu verrotzt und schmierig. Der Grenzübergang ist so mickrig, dass die Guatemalteken dort nicht mal ein Büro unterhalten. BildDie Einreise wird erst zehn Kilometer im Landesinneren in einer kleinen Bretterbude vollzogen. Mit dem Micro-Bus dann noch mal eine Stunde bis Puerto Barrios, wo wir um 15:00 Uhr eintrafen. Von dort fahren ein paar Male täglich Linien-Boote für 50 Quetzales nach Livingston, einem Ort, der nur über Wasser erreichbar ist. Der Plan ging auf, das anvisierte und letzte Boot um 17:00 Uhr wurde locker geschafft. Wenn genug Leute zusammen kommen, wird aber auch schon mal zwischendurch abgelegt. Das war der Fall und um halb fünf stieg ich am Pier von Livingston aus. Das ist ein schwer zu beschreibendes Nest. Es herrscht das übliche Gewusel, aber der Ort hebt sich durch den karibischen Einfluss stark vom bisher erlebten Guatemala ab. Mehr als die Hälfte der Leute ist dunkelhäutig und das schlägt sich auch im Leben wieder. Der Ort teilt sich auch in einen überwiegend von karibisch- und einen überwiegend von spanisch-stämmigen Menschen bewohnten Teil. Schon im Bus hinter der Grenze hatte ich Big Mama kennengelernt, die in Livingston lebt und dementsprechend denselben Weg hatte. Big Mama entwickelte sofort Big Mama-Gefühle für den kleinen, schüchternen Aleman und nahm mich an die Hand. Außerdem empfahl sie mir leider auch ein Hotel in ihrer Straße im überwiegend karibischen Einflüssen unterliegenden Teil der Stadt. Ich wollte eigentlich mal was Besseres, aber weil es ja schon später Nachmittag war, nahm ich ein Zimmer im 'Hotel Garifuna', das an Einfachheit nicht zu überbieten war. Ich sparte auch noch an der Klima-Anlage, was sich noch als Fehler herausstellen sollte, denn es kühlte sich von über 30 Grad überhaupt nicht mehr ab. 8,50 Euro für das Einzelzimmer mit Bad sagt ja auch alles. Daher war die erste Aufgabe, eine bessere Bleibe für die kommende Nacht zu finden, was mit dem 'Hotel Gil Resort' auch gelang. Mit 35 Euro dann auch die teuerste Nacht der Tour bisher, aber direkt an der Küste, nicht absolut high-end, aber wirklich gemütlich und ich hatte Verlangen nach Wohlfühl-Faktor. Den restlichen Tag schlurfte ich ein wenig rum, trank mal ein Bier in einer Bar, aß ein vernünftiges Fischgericht und kam auf dem Rückweg an einer nach Spelunke aussehenden Bar vorbei, in der ein Dutzend Dunkelhäutige laute Musik hörten und Bier und Schnaps tranken, aber die Eltern auch ihre Kinder mitgebracht hatten, die miteinander spielten. Na das war doch genau meine gewünschte Umgebung, also rein da und ein Bier geschlürft. Man wollte mir direkt nen billigen Fusel-Brandy spendieren, aber da verzichtete ich mal dankend. Danach zurück zum Hotel. Auf den Straßen fand noch das Leben statt, es war ja auch noch nicht spät, die Familien saßen vor ihren Häusern, drinnen war es viel zu warm, draußen aber auch. Mir gefällt das ja, wie in den einfacheren Ländern mit den Kindern umgegangen wird. Ob das jetzt so richtig ist, dass die Kinder mit in die Bar genommen werden und lange wach bleiben sei dahin gestellt, aber dieses völlig übertriebene Umsorgen, das in Deutschland Einzug gehalten hat, ist es sicher auch nicht. Hier dürften die Kinder sicher auch noch Eiszapfen von den Auto-Stoßstangen abbrechen und lutschen, wenn es jemals welche gäbe. Ich verzog mich nach dem langen Tag früh ins Bett und schwitzte mich in den Schlaf.

Di. 04.04. - Livingston

Nach der Körperpflege verließ ich die Unterkunft zügig. Nicht ohne der Big Mama des Hotels noch den Kunststoffstuhl zu zeigen, den ich am Vorabend mit meinem muskulösen Oberkörper beim ausgedehnten Zurücklehnen in seine Einzelteile zerlegt hatte. Big Mama schaute verzweifelt bis amüsiert und stotterte sich dann ein "Veinte Quetzales?" raus. 2,40 Euro. Für einen Gartenstuhl. Da gab es nix zu diskutieren und Big Mamas Gesichtszüge entspannten sich wieder. Dann lief ich die zehn Minuten zum 'Gil Resort' rüber, dass schöne mit Holz vertäfelte Zimmer mit eigenem Bad bietet. Und ganz wichtig: mit Klima-Anlage, denn die Temperaturen, die hier herrschten, waren echt Wahnsinn. Bild Bild Ich hatte mich entschieden an einer Tour zur 'Playa Blanca' teilzunehmen. In und um Livingston gibt es keinen wirklich Strand, die Vegetation reicht bis ans Meer, der einzige Strand weit und breit ist eine halbstündige Fahrt mit dem Boot entfernt. 100 Quetzales kostet der halbtägige Trip und beinhaltet einen Sandwich, Früchte und Trinkwasser. Bild Auf dem Weg dorthin vergnügten sich plötzlich zwei Delphin-Familien um das Boot herum. Diese Tiere hatte ich vorher auch noch nie in freier Wildbahn erlebt. An der Playa erst Mal ins Wasser und dann ab in die Hängematte. Das Wasser war so unfassbar aufgeheizt, ich denke es war noch wärmer als damals in Costa Rica oder Tanzania. So vergingen Mittag und früher Nachmittag dann mit Lesen und Dösen. Auf Empfehlung eines jungen Kanadiers aus Quebec ließ ich mir vom Kokosnuss-Verkäufer mal einen 'Coco Loco' mixen, dabei wird ein Teil des Kokos-Wassers aus der Nuss entfernt und diese dann mit Rum wieder aufgefüllt. Das kann schon was. Gegen 15:00 Uhr ging es mit leicht angebruzzeltem Weißleder-Pelz zurück zurück. Ich ließ mich aber einem Steg absetzen, um die letzten paar Kilometer zu laufen. Keine gute Idee, der vermeintlich schöne Weg den Strand entlang versank im Müll. Das war unglaublich anzusehen, wieviel Müll hier angeschwemmt wurde - eine absolute Schande. Als ich über eine Hängebrücke einen kleinen Fluss überqueren musste, waren dort Jugendliche in heller Aufregung. Als ich näher kam, sah ich eine etwa eineinhalb Meter lange giftgrüne Schlange, die allerdings von den Jungs mit Steinen schon übel bearbeitet worden und schwer verletzt war. Trotzdem sprangen sie sofort respektvoll zurück, wenn sich das Tier bewegte. Scheint nicht die harmloseste Art gewesen zu sein. Richtig schön war das Erlebnis ja nicht, mir erschloss sich aber nicht, ob das nun ein sinnloser Gewaltausbruch gegen die Schlange oder reiner Selbstschutz war. Der Weg zog sich dann doch etwas und klatschnass geschwitzt kam ich an. Erstmal ne Dusche, dann ein paar Notwendigkeiten erledigt, wie Sachen aus der Wäscherei holen, Geld ziehen, neues Internet-Guthaben kaufen. Schließlich latschte ich zu einer Karibianer-Bar mit Terrasse oberhalb der Küste, wo ich mir auch einen leckeren Fisch brutzeln ließ. Nach zwei Cerveza verzog ich mich dann ins Hotel.

Mi. 05.04. - Finca Tatin


Um 7:30 Uhr schellte der Wecker. In der Nacht hatte ich noch einen kleinen Machtkampf mit einer nicht zu kleinen Schabe, der so ein wenig im Comedy-Sektor endete. Ich wurde von lautem Rascheln wach, dachte an eine Maus, knipste das Licht an und griff zur Tüte mit den Wasserflaschen. Da saß das Vieh auch schon auf meiner Hand, die ich erschreckt weg zog und das Insekt flog natürlich in hohem Bogen in mein Bett. Also das Laken unter dem ich pennte ausgeschüttelt und wenn es scheiße läuft, dann auch richtig, denn ich schüttelte La Cucaracha direkt in meinen geöffneten Koffer. Also den Koffer ausgeräumt, die Schabe hinausgebeten, die sich dann beleidigt unter das Bett verzog. Da konnte sie bleiben. Also ich steh nicht total auf die Viecher, aber sie jagen mir auch keinen Schrecken ein, daher muss ich die nicht zwingend umbringen. In diesen Breiten bucht man sich das Gezumpel halt dazu, egal ob man nun im letzten Loch absteigt oder im Hilton. BildUm 9:30 Uhr saß ich im Boot nach Rio Dulce. Bis wir mal aus dem Ort wegkamen... an jedem Steg wurde gehalten und der nächste Passagier stieg ein. Das war ja nicht besser als mit den Mini-Bussen. Nach nur zwanzig Minuten Fahrt stieg ich in einem Seitenarm an einem kleinen Anleger der 'Finca Taton' aus. Ich hatte mir eine Nacht in der 'Finca Tatin' gebucht, einem Camp mitten im Ur-Wald. Dschungel-Camp also, nur dass mit der Verzehr von Känguruh-Hoden oder ein Käfer-Bad erspart blieben. Die Anlage besteht aus einem Haupthaus mit Restaurant und Common Area und recht weitläufig verstreuten Schlaf-Hütten im Urwald. Absolut geniale Anlage, absolut entspannte Atmosphäre, viele Ecken zum Abhängen, Hängematten, Sessel. Und absolut freundliches Personal. Bild Das von mir monierte Moskito-Netz wurde im Handumdrehen gegen ein nagelneues, größeres Netz ausgetauscht. Kurz nach dem Check-in kam ich mit dem Wahl-Hamburger Tony ins Gespräch. Als gebürtiger Mecklenburger natürlich der Hansa-Kogge zugetan, das macht schon mal grundsätzlich sympathisch. Sympathisanten von Pöbel-Clubs sind mir grundsätzlich lieber als Anhänger von semi-erfolgreichen Friede-Freude-Eierkuchen-die-Welt-ist-so-schön-Vereinen. Muss wohl an der eigenen Vereinsliebe liegen. Tony, elf Monate durch Mittelamerika unterwegs, hob sich auch so sehr angenehm von der üblichen Traveller-Gilde ab. Sah sogar aus wie ein normaler Mensch, hatte Ansichten wie ein normaler Mensch und man konnte sich mit ihm sogar unterhalten wie mit einem normalen Menschen. Sehr willkommene Bekanntschaft! So vereierte ich den Tag. Man quatschte hier und da mal rum und nutzte das am Steg angebrachte Lianen-Seil um sich im hohen Bogen in den Fluss zu schwingen. Der ursprüngliche Plan, ein Kayak zu mieten, wurde schnell verworfen. Es war zu warm und die Location viel zu relaxt, um sich in irgendeiner Form mehr zu bewegen als notwendig. Auch die übrigen Gäste waren weitestgehend angenehm. Eine etwas schräge Amerikanerin in den 60ern geriet etwas anstrengend, aber die tat auch keinem was. Für das Abendessen gibt es eine feste Zeit und nur ein Menü für alle. Man kann sich also nur dafür oder dagegen entscheiden. War aber absolut genießbar. Da sitzt man dann mit alle Mann, nicht am Ballermann, aber an der langen Tafel zusammen, wie im Pfadfinder-Lager. War irgendwie eine gute, entspannte Atmosphäre. Nach dem Essen gesellte sich noch Lisa zu uns und wir quatschten so in den Abend rein, bis die Müdigkeit siegte. In meinem kleinem Raum die ganzen Dschungel-Geräusche sortiert und dann total zufrieden eingeschlafen.

Do. 06.04. - Flores

BildDas Wecken überließ ich der Vogel-Welt des Urwalds. Noch ein bisschen gedöst und um halb acht aus dem Moskito-Netz gewunden. Zum Frühstück ließ ich mir richtig gute Pancakes und Früchte servieren und gegen zehn Uhr hieß es verdammt noch mal viel zu schnell "Adios!". Die 'Finca Tatin' landet direkt auf Platz zwei hinter dem 'Beach Crab Resort' in Tansania im Rating der besten bisher erlebten Unterkünfte. BildNachher ist man halt immr schlauer - ich hätte Livingston auslassen und direkt zur Finca reisen sollen. Tony verabschiedet - wenn Du zurück bist, trinken wir in Hamburg ein Bier miteinander, wenn ich meine Schwester besuche - und dann stieg ich um viertel nach zehn in das aus Livingston kommende Shuttle-Boot. Das Ziel hieß Rio Dulce, Knotenpunkt der Provinz, von hier gehen Busse in alle Richtungen und entprechendes Chaos herrscht. Rush-hour in Rom ist ein Scheißdreck dagegen. 'Fuentes del Norte' brachte mich mit einem betagten aber bequemen Bus in etwas weniger als vier Stunden nach Flores, wo ich dann um zwanzig nach vier ankam. Das heißt, der Bus kam am Terminal in Santa Elena an, die Stadt auf dem Festland vor Flores, so dass noch ein TukTuk erforderlich war, um mich auf die Insel zu bringen, die mit einem Damm mit Santa Elena verbunden ist. Flores liegt auf der Insel San Andrés im Petén-Itzá-See. Unterkunft hatte ich noch keine und ließ mich im von Tony empfohlenen Hostel 'Mirador del Lago' nieder. Nix spannendes, funktionell, Einzelzimmer mit eigenem Bad für 100 Quetzales, ich musste auch mal die Kröten zwischendurch ein wenig zusammen halten. Ein wenig durch den Ort gestreunt und ein einfaches typisches Mahl, Huhn, Bohnensoße, Reis für 25 Quetzales eingenommen. Danach verzog ich mich auf die Terrasse des Hostels und traf ein paar Vorbereitungen für die nächsten Tage.

Fr. 07.04. - Tikal

Bild Um 7:00 Uhr musste ich aufstehen, der für acht gebuchte Shuttle-Bus nach Tikal kam aber natürlich erst gegen halb neun. Eine gute Stunde Fahrt ist es bis dorthin, dann taucht ein pompöser Torbogen auf, an dem man den Eintritt von 150 Quetzales (Guatemalteken zahlen natürlich nur 25 Quetzales) entrichten muss und dann geht es nochmal 15 Kilometer durch den Dschungel bis zum Park-Eingang. Tikal ist eine antike Maya-Stadt in der Region Petén im nördlichen Guatemala. Die Stadt ist bekannt durch ihre mächtigen Stufentempel, die weit verteilt in den Regenwäldern liegen. Tikal erstreckt sich über ein Gebiet von etwa 65 Quadratkilometern, wovon der zentrale Bereich rund 16 Quadratkilometer einnimmt, wovon wiederum circa vier Quadratkilometer ausgegraben und für den Tourismus zugänglich gemacht wurden. BildIch kann es eigentlich gar nicht in die richtigen Worte fassen. Wenn man sich für das mittelamerikanische Altertum begeistern kann, ist es einfach eine phantastische Wirkung. Das Areal ist auch groß genug, dass sich die Besucher ausreichend verlaufen. Klar, die wichtigen Spots sind entsprechend belebt, aber die etwas aufwändiger zu erlaufenden Tempel und Pyramiden sind wenig besucht und nicht weniger sehenswert. An einigen Orten war ich gar der zu diesem Zeitpunkt einzige Besucher. Man darf fast jedes Bauwerk erklettern und wenn mal ein Verbotsschild angebracht ist, muss einen das trotzdem nicht kümmern, weil keiner vor Ort ist, der einen vom Betreten abhalten kann. Der wichtigste Ort ist der 'Plaza grande' an dem sich zwei hohe Stufentempel gegenüber stehen, die von weiteren mächtigen Bauwerken flankiert werden. Bild Ein weiterer Höhepunkt ist der 'Tempel 4' den man ersteigen kann und von dem man einen Wahnsinnsblick über die Baumwipfel und die Landschaft, sowie auf einige durch die Baumkronen durchstechende Tempel hat. Ich bin bei 35 Grad vier Stunden durch den Park getigert, habe Tempel und Pyramiden erklettert und war nachher völlig kaputt. Bis dahin war der Tag Weltklasse und dann begann ein kleines Drama. Nachdem ich den Park verlassen hatte, kam ich auf die prima Idee, meine Sonnenbrille aufzusetzen und setzte meine normale Fernsichtbrille schlauerweise oben auf mein Cap. Von einem Getränkestand abgelenkt, wo ich mir eine eisgekühlte erfrischende Kokos-Milch gönnte, nahm ich im Schatten das Cap vom Kopf. Einige Minuten später bemerkte ich an einem Souvenirstand die fehlende Brille und der Schreck fuhr mir in die Knochen. Okay, Ruhe bewahrt und die letzten Wege abgelaufen. Am Getränkestand gefragt, die Guides gefragt, einen älteren Mann, der die Wege fegte interviewt - nix, nada. Der Boden war üblerweise mit viel trockenem Laub bedeckt, findet da mal eine beige Brillenfassung. Meinen Shuttle-Bus zurück nach Flores ließ ich sausen, irgendwie kommt man immer weg. Als ich den Weg langsam das vierte Mal ablief und beschlossen hatte, dass ich den Verlust danach akzeptiere, lag das Biest plötzlich vor meinen Füßen. Schwein gehabt!!! Kurz danach fuhr auch ein 'Collectivo' nach Flores für den ich dann noch einmal 30 Quetzales abdrücken musste, aber das war sicher besser als das 150fache davon für ein neues Sehwerkzeug. Leute, wenn ihr keine Brille tragen müsst, dann hofft, dass es dabei bleibt. Mit den Viechern hat man nur Theater.

Um 17:00 Uhr war ich zurück am Hostel und ärgerlicherweise gab es keine Chance zu duschen, das würde ja eine schöne Fahrt werden. Aber besser ich stinke selber, als mein Nebenmann. Ich unterhielt mich noch ein wenig mit einem sympathischen irischen Pärchen, aß nochmal was an einem Straßenstand und fuhr dann mit dem TukTuk zum Bus-Terminal. Bei Ankunft am Vortag hatte ich schon den Nachtbus von 'Linea Dorada' nach Guetamala-Stadt gebucht, ein Fahrzeug der 'Primera Class' mit vernünftigen Sesseln für 205 Quetzales. Der Bus war auch okay, aber ich hatte mit mehr Beinfreiheit gerechnet. Außerdem war der Karton bis auf den letzten Platz voll, was die Fahrt ziemlich ätzend machte. Zwei Folgen 'Fear the walking dead' machten mich müde und ich schlief auch erst einmal ganz gut, bis ich irgendwann wach wurde und feststellte, dass wir standen. Und das dann noch mehr als eine halbe Stunde. Ein Unfall mit Personenschaden, stoppte den Verkehr in beide Richtungen. Der arme Kerl, der da auf der Fahrbahn lag, bewegte sich auch nicht wirklich, hoffe mal, dass er nur bewusstlos war. Es gab dann später noch eine weitere Vollsperrung aus mir nicht ersichtlichem Grunde. Ich war überhaupt überrascht, wieviel Verkehr -hauptsächlich durch Lkw - nachts herrschte.

Sa. 08.04. 17:00 - Santa Tecla FC vs CD Aguila 0:0 (Primera Division), 2.500 Zuschauer (1.500 Gäste)

Jedenfalls kosteten mich die Zwischenfälle den frühen Anschluss nach San Salvador, der normalerweise locker zu schaffen ist, weil wir erst deutlich nach 7:00 Uhr mit zwei Stunden Verspätung eintrafen. Ich hatte vor, eine der vier Gesellschaften zu nutzen, die 'Primera Clase'-Busse einsetzen. Die nächsten Abfahrten waren erst am Nachmittag, sechs Stunden in Guatemala abzuhängen war aber absolut keine Option. Den Taxi-Djangos, die vor dem Terminal der Busgesellschaft warteten, erklärte ich mein Anliegen und sie wussten von einem weiterem Anbieter, der allerdings mit etwas älteren Gefährten unterwegs ist und die Grenze bedient. Zwanzig Minuten später sprang ich an einer Straßenecke aus dem Taxi und genau in dem Moment verließ ein Bus mit Richtungsschild 'La Frontera' den Hof. Also mitten auf der Kreuzung in den Bus gesprungen, ohne überhaupt zu wissen, zu welchem Übergang es geht. San Cristobal war es dann, wo mich der ausgediente US-Greyhound vier Stunden später gegen den Tausch von 50 Quetzales entsorgte. Bild Die Grenze war wieder völlig easy, wenn man vom totalen Truck-Chaos absieht. Die Guatemalteken stempelten mich fröhlich aus - Adios Guatemala, du hast mir sehr, sehr gut gefallen - und der salvadorische Posten schaute sich interessiert die ganzen Visa im Pass an, einen Stempel waren ihm diese aber nicht wert. Endlich wieder Chicken-Bus. Es dauerte ein wenig bis es los ging. Das heißt, so richtig los ging es irgendwie gar nicht. Ich saß im lahmarschigsten Hühner-Bus Mittelamerikas. Für die 30 Kilometer bis Santa Ana brauchten wir eineinviertel Stunden. Wenn das Automatik-Getriebe mal in den dritten Gang rutschte, war ich fast versucht mich festzuhalten, weil ich einen Geschwindigkeitsrausch befürchtete. Dagegen war damals der Ritt in der vollgestopften Bus-Schaukel über Tansanias Sandpiste ein echtes Formel 1-Rennen. Amigo, Du musst mal bei deinen Kollegen in Guatemala in die Lehre, dann weißt Du wie es geht. Dann stieg auch wieder so ein Prediger ein, der alles bisher in dieser Form dagewesene toppte, als er anfing Psalme zu singen. Das war dann endgültig der Zeitpunkt, als ich mir die Knöppe des MP3-Player in die Ohren stopfte. Auf einmal bewegte sich die Tüte, welche die Frau neben mir auf dem Schoß hatte und ein Huhn schaute mich interessiert an. Lebendiges Huhn in ner Plastik-Tüte - kann man mal machen. Auf dem Boot auf dem Rio Dulce transportierte die Frau neben mir ein Ferkel in einem Plastiksack. Nun das Huhn. Was kam noch? In Peru rechne ich dann mal stark mit einem Lama auf dem Nebensitz. Verdammt - war diese Fahrt nun scheiße? Nein, sie war irgendwie geil. Solche kleinen Anekdoten machen das Reisen doch aus. Dass wir so langsam unterwegs waren, dass uns der nachfolgende Bus mit lautem Gehupe überholte - geschenkt.

Der Fahrer, der mich im Collectivo das letzte Stück nach San Salvador bringen durfte, brachte dann wieder eine normale Leistung und um kurz vor halb vier, klopfte ich nach 19 Stunden Fahrt an das Tor des 'Hostal Dona Marta', das in einer der Straßen liegt, die mit fettem Tor und Wachpersonal abgesichert sind. 20 Dollar für ein Zimmer mit eigenem Bad und Frühstück. In Ecuador ist der US-Dollar die Landeswährung, nicht einmal eigene Münzen prägt man, sondern nutzt auch das US-Gerümpel. Bild Erstaunlicherweise stellte ich auch fest, dass kaum ein Salvadorianer schlecht auf die Amis zu sprechen ist, dabei hatten die hier im Bürgerkrieg der 80er Jahre nun wirklich keine sehr ruhmreiche Rolle gespielt. Kurz geduscht und dann ging es wieder los, zum Kick ins benachbarte Santa Tecla. Bild Hatte das Spiel nach dem verpassten Direkt-Bus nach San Salva, wie die Einheimischen die Stadt kurz nennen, eigentlich abgeschrieben und war nach dem Ritt auch recht müde, aber man ist ja Profi. Ein Taxi war allerdings nötig, aber acht Dollar für 20 Kilometer sind in Ordnung. Mit dem Anpfiff betrat ich die die Heim-Kurve des 'Estadio Las Delicias', das irgendwie zusammen gewürfelt aussieht. Überdachte Haupttribüne, eine Kurve ausgebaut und auf der Gegenseite eine ungedeckte Tribüne, die baulich dem vorhandenen Platz angepasst ist. Die andere Kurve dient als Parkplatz. Deutlich mehr Alarm als die kleine etwa 40köpfige aktive Gruppe der Gastgeber - das 'Infierno Verde' war eher ein glimmendes Feuerchen - machten die Gäste, die deutlich in der Überzahl waren. Von der Gegentribüne klang das typische Liedgut herüber. Der CD Aguila stammt aus dem circa drei Stunden Autofahrt entfernten San Miguel, was für dieses kleine Land schon eine weite Strecke ist. Der Dritte der Tabelle empfing den Vierten. Spielerisch war das nicht so schlecht, aber keiner der Mannschaften gelang es wirkliche Torgefahr zu kreieren. Wenn es mal eine Chance gab, wurde diese kläglich vergeben, von einem Kopfball an den Pfosten mal abgesehen. Nach dem Schlusspfiff suchte ich noch einen Taco-Imbiss auf und fuhr mit dem Bus zurück nach San Salva. Kostete nur 35 Cent statt acht Dollar. In der Unterkunft kam ich dann mit dem Neffen der Gastgeber ins Gespräch, der sehr ordentliches Englisch zu bieten hatte. Gar nicht so uninteressant, vom Alltag eines salvadorianischen jungen Menschen und dessen Träumen und Erwartungen vom Leben zu erfahren.

So. 09.04. 15:15 - Alianza FC vs AD Isidro Metapan 0:0 (Primera Division), 6.000 Zuschauer (40 Gäste)

Nach dem Frühstück musste ich erst einmal noch ein paar Dinge für Peru klären und einige Infos einholen. Mittags machte ich mich dann mal mit dem Bus auf ins Zentrum von San Salvador. Bild Die Stadt liegt auf knapp 700 Metern umringt von grünen Hügeln und Vulkanen. Eigentlich hat San Salva nur 300tsd Einwohner, durch das Zusammenwachsen der umliegenden Städte kommt die Metropolregion aber auf 1,7 Mio Menschen und ist damit eines der dichtbesiedelsten Gebiete Mittelamerikas. San Salva genießt auch einen zweifelhaften Ruf und belegt mit 108 Morden je 100tsd Einwohner Platz drei in diesem wenig ruhmreichen Ranking. Auch hier liegt dieses aber hauptsächlich in der Gang-Problematik begründet. Erst vor wenigen Tagen kamen fünf Menschen bei einem Schusswechsel zu Tode. Aber um dahingehend Probleme zu bekommen, muss man erst mal in den miesen Vierteln der Stadt und dann noch im falschen Moment am falschen Ort sein, daher ist Panikmache auch hier völlig unbegründet und unter Berücksichtigung der generellen Vorsichtsmaßnahmen kann einem prinzipiell nicht viel passieren. Bild Bild Ich habe mich jedenfalls völlig sicher gefühlt und empfand die Stadt auch angenehmer als San Pedro Sula und Tegucigalpa, schon allein weil sie nicht so schmierig und abgefuckt wirkt. Zudem kam man hier aus dem Grüßen kaum raus, egal ob in der Stadt oder im Stadion. Jeder der mich entdeckte lächelte mich an und grüßte mich und gab mir das Gefühl, willkommen zu sein. Das Centro hat leider ebenso wenig zu bieten, wie in den anderen mittelamerikanischen Metropolen. Es gibt die übliche fette Kathedrale, ein pompöses Regierungsgebäude und das war es. Dazu ist das Stadtzentrum und leider auch die beiden Plazas derzeit eine große Baustelle, was auch noch das letzte Körnchen Atmosphäre raubt. Bild Mit dem Taxi ließ ich mich zum 'Estadio Cuscatlan' befördern, dass im Süden der Stadt liegt, auch auch als Spielstätte für die Nationalelf dient und 45tsd Zuschauer fasst. So sieht es zumindest die FIFA. Der salvadorianische Verband gibt ein Fassungsvermögen von deutlich über 50tsd an. Die Cancha ist schon ein ordentliches Brett. Durch die vier Balkon-Stockwerke, die sich über der Hälfte der normalen Ränge aufbauen, kommt ein ziemlich brutales Bild zustande. Sah gut aus und war ein schöner Appetitmacher auf das, was da noch in den nächsten Wochen auf mich wartet. Ich hatte wieder mal Glück mit dieser Partie, denn es handelte sich um das Spitzenspiel der Liga zwischen den Gastgebern von Alianza, das die Tabelle anführt und den Gästen aus Metapan im Norden des Landes, die auf dem zweiten Rang liegen. Vor dem Stadion sang sich die Barra schon mit Pauken und Trompeten ein, das weckte Hoffnungen. Am Ende schleppten die Hinchas zwölf dicke Trommeln und was weiß ich wie viele Begleitinstrumente in die Cancha. Das war schon ordentlich und gab auch einen richtig guten Sound, der meine Füße nicht stillhalten ließ. Wer es kennt, wird mich verstehen, man muss einfach im Takt mitwippen. Das Spiel erinnerte stark an den Vortag. Es war ganz gut anzusehen, nicht mit höchstem Tempo, aber technisch ordentlich, nur Torgefahr wollte einfach nicht entstehen. Allerdings hatte ich mir auch nicht das torreichste Wochenende ausgesucht. An diesem Spieltag fielen in den sechs Partien ganze drei Tore! Aber ich will nicht klagen, die ganze Geschichte war unterhaltsam, die Stimmung war durchgängig top und aus dem Zapfhahn floss eiskalte Cerveza, was bei dieser Hitze den Durst ja doch am besten löscht.

Nach dem Spielhatte ich Zeit und wollte einfach mal ein wenig durch die Gegend laufen und Eindrücke sammeln. Als Ziel wählte ich die Deutsche Botschaft aus. So ne richtig fiese Gegend konnte ich nicht entdecken, Bild die befinden sich auch mehr im Osten der Stadt, ich durchquerte eher Viertel der Besserverdienenden und der Mittelschicht. Viel sehen kann man aber nicht, weil die Häuser mit hohen Zäunen oder Mauern gesichert sind, das sieht auch bei der Botschaft nicht anders aus, aber das ist ja auch in jedem Land so. Nach dreieinhalb Wochen ausschließlich einheimischem Essen hatte ich nun unglaubliches Verlangen nach einem Burger. Eines der guten Grillrestaurants dafür zu betreten, konnte ich mich aus Kostengründen nicht überwinden. Der Tagesdurchschnitt, was die maximal erlaubten Ausgaben angeht, näherte sich durch die Eintritte und Transferkosten der letzten Tage bedrohlich dem maximal Zulässigen, daher habe ich mir ein paar Tage des Sparens auferlegt. Burger King hatte ich favorisiert, war aber in der Nähe nicht zu finden, und als das gelbe 'M'dann vor mir aufleuchtete war die Entscheidung gefallen. Unglaublich, wie gut so ein 'Big Mac' schmecken kann. Der Collectivo brachte mich schon einmal grob in die Richtung meiner Unterkunft. Das letzte Stück lief ich, nahm noch ein Six-Pack Bier mit - ich wollte nur drei Dosen, aber die Verkäuferin überzeugte mich mit dem unwiderlegbarem Angebot des Mengenrabatts. Im Hostal war dann eine Dusche nötig und als ich frisch umgezogen in den Aufenthaltsraum kam, lachte mich die Gastgeberin an und rief fröhlich "Earthquake, earthquake"! Und ich dachte noch, wer rappelt da so unverschämt an meiner Tür. So richtig wild war es aber nicht, hier wohl eh Routine. Da hat die Region schon verheerendere Schüttelei erleben müssen. Beim Verzehr der Hälfte des flüssigen Einkaufs hackte ich dann mal ein paar Zeilen ins Brett.

Mo. 10.04. - El Boquerón

Um halb neun stand ich auf, nichtsahnend was der Tag noch so für Überraschungen für mich zu bieten hatte. Das Frühstück gestalteten sie hier abwechslungsreich, allerdings hätte ich morgens keine Tacos gebraucht, denen ich ja am Abend vorher noch krampfhaft aus dem Weg gegangen war. Aber ich muss hier mal ne Lanze für meine Gastgeber brechen - die gesamte Familie war wirklich superfreundlich und hilfsbereit. Der obere Griff meines Koffers drohte abzureißen und ich frug nach einem Schuster. Zunächst versuchte der Patron des Hauses die Geschichte selber auszubessern, was aber natürlich nicht gelang. Also setzten sich Patrona und ihre Schester mit mir ins Auto und fuhren zu einem Schuster, der sein Handwerk in einer Blechhütte an der Straßenecke verrichtet. Der Mann schaute sich das kurz an, nickte dann und rief nach meinem Empfinden relativ heftige acht Dollar auf. Aber ich war froh, dass der Schaden behoben würde und stimmte zu. Eine Stunde später sollte das gute Stück fertig sein. Warten war keine Option, daher zogen wir von dannen und da ich ja noch was vor hatte, erklärte sich der Bruder bereit, den Koffer später für mich abzuholen. Muchas gracias, Amigas und Amigos, die ganze Aktion war keine Selbstverständlichkeit. Bild 'El Boquerón' rief mich nun, eine Vulkan oberhalb von San Salva, leider nur ein kleiner Ersatz für den in Xela verpassten 'Santa Maria', aber besser als gar kein Vulkan. Mit dem Bus nach Santa Tecla zu kommen, war kein Problem, dorthin geht es alle paar Minuten. Mir war auch bekannt, von wo dort die Busse auf den 'Boquerón' fahren, verpasste es aber auszusteigen und musste dann umständlich zur entsprechenden Ausfallstraße laufen. Dort kam dann Ewigkeiten kein Bus. Bild Schatten Fehlanzeige, also Daumen raus und schon der zweite Wagen hielt an, ein Lieferwagen mit zwei Monteuren drin. "Parque El Boquerón, si, claro!" und schon saß ich drin und wurde an der Straße, die auf den Berg zum Parkeingang führt, wieder entlassen. Zweieinhalb Kilometer bergauf hieß es nun und die Temperaturen waren wieder unmenschlich. Nach etwa zwei Dritteln kam ein Pick up vorbei und der Fahrer bedeutete mir, auf die Ladefläche zu steigen. So fuhr ich nun zwischen Blumen, Bananen, Wasserflaschen und einem skeptisch blickenden Hund die letzten paar hundert Meter mit. Für zwei Dollares darf man den Park dann betreten. So richtig spannend ist das dann wie erwartet leider nicht, es geht noch ein wenig bergauf und dann führt der ausgewiesene Weg an ein paar Spots am Kraterrand vorbei. Letztmalig ausgebrochen ist der Vulkan vor einhundert Jahren. Der Krater misst schätzungsweise 800 Meter im Durchmesser und dürfte an die 150 Meter tief sein. In dessen Mitte hat sich ein zweiter kleinerer Krater gebildet. An einer Stelle besteht die Chance den abgesteckten Weg zu verlassen. Dort steht ein warnendes Schild, dass man ab nun auf eigene Gefahr unterwegs ist und man es besser bleiben lassen sollte. Das ist der Pfad der hinunter in den Krater führt. Ich sparte mir das bei diesen klimatischen Bedingungen. Man kann dann mal ne halbe Stunde von hier und da ein wenig in die Caldera glotzen, dann reicht es aber auch. Beim Abstieg zog sich der Himmel schon verdächtig zu. Dieses Mal kam dann auch ein Bus, der mich wieder runter nach Santa Tecla brachte, wo ich direkt in einen der vielen Colectivos nach San Salva sprang und kaum war ich drin, gab es einen ordentlichen Regenguss, der aber bei Ankunft in der Hauptstadt wieder vorbei war.

Ja und dann wurde es noch einmal komisch. Ich saß im 'Wendys' und mampfte einen Burger, als es auf einmal einige Sekunden richtig wild anfing zu wackeln. Meine Fresse, war das komisch. Also ob man nen verwackelten Film schaut. Ich hab das erst gar nicht so ernst genommen, vermutlich weil ich damit einfach zu unerfahren bin, und stopfte weiter Pommes in meinen Mund. Aber die ja eigentlich erdbebenerprobten Salvadorianer sprangen alle erschreckt auf, als hätten Sie den Leibhaftigen gesehen. Scheint also doch ne größere Nummer gewesen zu sein. Das Personal schickte auch alle sofort auf die Straße, wo dann viele, teilweise etwas geschockte Leute herumliefen, weil alle aus den Gebäuden geflüchtet waren. Das Leben stand einige Minuten still, auch der Verkehr auf den eh schon verstopften Straßen der rush hour kam in Gänze zum Erliegen. Es kam dann aber nichts mehr nach und alles nahm wieder seinen normalen Lauf. Beschädigungen habe ich auf dem Fußweg nach Hause keine gesehen. Das finde ich ja beachtlich, dass zumindest die höheren Häuser bei diesen Erschütterungen nicht einfach umfallen. Als ob der Himmel sein Bestürzen über das Beben ausdrücken wollte, ergoss es sich wenig später richtig heftig aus dem fies zugezogenen Himmel. Ich flüchtete in eine Toreinfahrt, aber weil diese abschüssig war und die Kanalisation binnen kürzester Zeit überlief, konnte ich absehen, dass das nicht gut ging. Binnen Sekunden stieg der Pegel und ich musste einen Spurt zu einem nahen Supermarkt hinlegen, aber selbst diese vielleicht 100 Meter haben ausgereicht, um mich komplett zu durchnässen. Nach zwanzig Minuten war der Spuk vorbei und als ich die Einfahrt wieder passierte, stand die auch fett unter Wasser. Also ich wäre nicht ertrunken, aber kniehoch hätte ich drin gestanden in der Suppe. Der Patron lachte mich fröhlich an, als er mich nass wie ein Fisch im Türrahmen sah. Eine Dusche und frische Brocken brachten mich in den Ursprungszustand, danach kümmerte ich mich weiter um ein paar Sachen für die nächsten Tage.

Di. 11.04. - Adios Central America!

Da ich nicht so spät im Bett war, wurde ich vor der anvisierten Zeit wach, packte schon mal den Krempel in den frisch genähten Koffer und nahm mein Frühstück zu mir. Es war noch ein wenig Zeit, also fuhr ich mal zum 'Metrocentro', einer großen Mall. Irgendwie schon erstaunlich, wie schnell man sich in an dieses Bussystem gewöhnt, dass ja nicht auf festen Abfahrtszeiten sondern eher auf geordnetem Chaos basiert. Das gesuchte Postamt wurde gefunden, nur zum Kauf eines T-Shirts konnte ich mich nicht durchringen. Die Preise wichen ja mal überhaupt nicht von denen ab, die man aus Westeuropa gewohnt ist. Kann man sich wieder fragen, wie das alles so funktioniert in einem Land, das als arm gilt. Aber es gibt eben nicht nur die Bedürftigen und die, welche so eben über die Runden kommen, sondern auch eine breite Mittel- und eine Oberschicht, die finanziell ordentlich aufgestellt ist. Zurück im Hostal hieß es dann Abschied nehmen von einer wirklich sympathischen Gastgeber-Familie. Der neue internationale Flughafen liegt gut 50 Kilometer südöstlich der Stadt. Das kann man mit dem Taxi für 30 Dollar erledigen oder mit dem Airport-Shuttle für fünf Dollar. Oder man nimmt sich die Zeit und fährt erst einmal mit dem 27er zum 'Plaza Barrios' und dann mit dem 138er zum etwas sperrig benannten 'Aeropuerto Internacional de El Salvador Monsenor Òscar Arnulfo Romero y Galdámez' und zahlt dafür insgesamt gerade mal 85 Cent! Hier hieß es dann "Adios El Salvador, Adios Central America!". Insgesamt hat es mir gut gefallen. Honduras war jetzt nicht so der Kracher, aber El Salvador und vor allem Guatemala sind sehr reizvolle Ziel. BildMit Nicaragua - Belizé interessiert mich eher nachrangig - bleibt ja ein weißer Fleck, der vielleicht einmal nachgeholt wird. Avianca-Flug 929 brachte mich und das uruguayische Frauen-Hockeyteam sicher nach Lima. Wenn man im internationalen Hockey keine große Rolle spielt, muss sich halt mit der 'Economy' zufrieden geben. Mit einer Stunde weniger Zeitunterschied zu Deutschland wurde ich belohnt. Vor der geplanten Ankunftszeit landeten wir um halb neun Ortszeit. Die Einreise ging zügig und mein Köfferchen fuhr auch direkt auf dem Band an mir vorbei. Den Taxi-Mann handelte ich von 80 auf 60 Soles (10 Soles sind etwa 2,90 EUR) runter, was aber kein großer Erfolg war, denn das ist der normale Preis für die Fahrt nach Miraflores, der so in der großen weiten virtuellen Welt kommuniziert wird. Die Gurkerei durch diese 8 Mio-Einwohner-Metropole nahm aber auch kein Ende. Miraflores ist ein bei Touristen und Backpackern beliebtes Viertel nah an der Küste, sicher, aufgeräumt und mit hunderten Unterkünften in allen Preisklassen darauf eingestellt. Unter der angegebenen Adresse des 'Akapana Hostel' fand sich zwar nur ein Eisentor, aber da dieses unverschlossen war, latschte ich mal durch und stand dann auch nicht viel schlauer im Innenhof. Aus einem Fenster schaute ein junger Typ mit einer Lockenpracht, die schwer an einen Adlerhorst erinnerte. Kurz danach stand er auch schon neben mir und stellte sich als Carlos und Inhaber vor. Ich hatte für die heutige Nacht eine Buchung und für die Nacht von Donnerstag auf Freitag, was ihn wohl verwirrt hatte, mich aber nicht weiter wunderte, da er zugekifft war bis unter das Vogelnest. Letztlich war aber absolut in Ordnung und am Joint gezogen haben wir ja alle mal mehr oder weniger oft und heftig. Die Rechnung ging auf - das erst gestern gebuchte Vierer-Dorm hatte außer mir keinen weiteren Gast zu beherbergen, also hatte ich meine Ruhe. Der Laden natürlich nix Dolles, einfach und funktionell, aber für acht Euro die Nacht möchte ich mich nicht beklagen.

Mi. 12.04. - Paracas

BildUm 6:00 Uhr war die Nacht wieder vorbei. Carlos tauchte entgegen meiner Erwartung auf, um meinen Koffer entgegen zu nehmen und eine Nacht einzulagern. Entweder er hatte die Nacht durchgekifft oder eine erstaunliche Disziplin. Das Return-Ticket mit 'Perubus' nach Paracas, vier Stunden südlich von Lima, hatte ich ja schon ein paar Tage vorher gebucht. Bild Der Frühbucher-Bonus ließ mich mit knapp 100 Soles, also etwa 34 Euro, davon kommen. Der Bus war nagelneu und absolut erste Sahne. 'Cruz del Sur' hätte mich auch direkt nach Paracas gebracht, aber für deutlich mehr Soles. Für die günstigere Rate musste ich dafür am Abzweig von der 'Panamericana' nach Pisco aussteigen. Mit dem Microbus fuhr ich dann die paar Kilometer für einen Soles nach Pisco, wo die doppelte Investition nötig war um noch die letzten 15 Kilometer bis Paracas zurückzulegen. Die Region Piscowar beim starken Erdbeben derStärke 8,0 vor zehn Jahren mit am stärksten betroffen. Über 80% der Häuser und Infrastruktur wurden zerstört und über 200 Tote waren zu beklagen. Die Stadt hat sich erholt, aber Spuren der Katastrophe sind immer noch sichtbar. In Paracas, einem kleinen Ort mit 2tsd Einwohnern, checkte ich im 'Paracas Backpacker House' - hört sich schlimmer an, als es war - für 47 Soles im Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad ein. Es war auch hier wahnsinnig heiß und der Rest des Tages verlief dann so... zum Strand, dann kaltes Bier im Supermarkt holen, wieder zum Strand, mal durch den Ort laufen, wieder zum Strand, neues Bier holen, mal auf den Pier laufen, noch ein Bierchen holen, im Hostel duschen, in Ruhe einen guten gebratenen Fisch essen, zwei Mojito in einer Bar am Strand, noch ein Bier aus dem Supermarkt auf der Hostel-Terrasse und dann leicht angezählt und nicht zu spät ab ins Bett.

Do. 13.04. - Las Islas Ballestas

Denn um viertel nach sieben wuchtete ich mich schon wieder aus den Federn. Vor der Küste von Paracas liegen die 'Islas Ballesteras', ein aus mehreren felsigen Inseln bestehender Archipel, der zum Naturreservat ernannt wurde. BildDort leben neben Seelöwen viele Vogelarten, welche die Inseln zu Hunderttausenden bevölkern. Es nisten dort auch Humboldt-Pinguine, die wir aber leider nicht zu Gesicht bekamen. Das Hostel bot die Tour für 25 Soles an und damit fünf Soles günstiger als die meisten Agenturen. 34 Leute hatten sich dafür angemeldet, die vom Guide abgeholt und die 200 Meter zum Pier gelotst wurden. BildHier ging der Ärger dann los. Ich war vorbereitetet, da ich mich vorher eingelesen hatte, aber die meisten staunten nicht schlecht, als sie weitere fünf Soles für die Benutzung des Pier und zehn Soles Eintritt für den Naturpark, den man ja de facto gar nicht betritt, sondern nur drum herum schippert, abdrücken mussten. Einige versuchten sich in sinnloser Diskussion, aber das brachte natürlich keinen Erfolg. Aber die Tour-Anbieter sind ja auch bescheuert, warum wird das nichtr vorher offen kommuniziert oder direkt in den Tour-Preis inkludiert. Aber dann würde man sich ja Ärger ersparen, das wäre wohl zu langweilig. Es wird in offenen Booten mit je 40 Plätzen gefahren. Das dürfte ein Grund sein, warum die Boote alle um 8:00 Uhr herum starten, denn knallt die Sonne nicht ganz so erbarmungslos vom Himmel. War mir vorher bekannt, daher trug ich als Einziger ein Longsleeve, während sich andere ihr Weißleder in übles Rot gefärbt haben dürften. Die Boote sind mit zwei Außenbordern bestückt und gehen ganz gut nach vorne. Mütze festhalten hilft bei viel Fahrtwind. Brauchte der Typ vor mir aber nach drei Minuten nicht mehr machen. Bild Nach etwa 15 Minuten fährt wird ein Stopp vor der Paracas-Halbinsel eingelegt, um die 'Candelabro' zu bestaunen, eine denn Nazca-Linien ähnelndes Gebilde, über dessen Ursprung sich die Gelehrten streiten. Von dort geht es dann noch einmal eine Viertelstunde Nordnordwest zu den Inseln. Welche Anzahl an Tieren dort zu sehen ist, ist schon beeindruckend. An die teilweise auf den Felsen dösenden Seelöwen kommt man so nah ran, dass man sie beinahe anfassen kann. Die intensivste Wahrnehmung ist aber dieser unglaublich beißende Geruch von Tonnen an Vogelscheiße, die an den Inseln klebt. Alle paar Jahre wird diese sogar durch Reinigungstrupp entfernt, bei der Anzahl an Vögeln ist der Archipel aber natürlich schnell wieder zugeschissen. Bild Neben der Fauna kann man noch verschiedene Felsformationen bestaunen, welche die rauhe Brandung in die Inselstruktur gespült hat. Nach etwas weniger als zwei Stunden war der Spuk dann vorbei. Ich ging erst einmal frühstücken und hing dann noch im Hostel ab, wo mich das miese WLAN aber nicht das machen ließ, was ich gern wollte. Gegen zwölf fuhr ich mit dem Sammel-Taxi nach Pisco. Der Versuch mir dort eine peruanische SIM-Karte zu kaufen, ging ebenso schief wie in Paracas. Ich wurde vertröstet, dass in Lima über die Bühne zu bringen. Warum ist das so ein Akt?? Mit einem weiteren Sammel-Taxi fuhr ich zur 'Cruce Pisco', dem Abzweig wo ich am Vortag ausgestiegen war, und wo 'Perubus' ein kleines Terminal unterhält. Mein VIP-Bus hatte leider eine Stunde Verspätung, daher ging es erst gegen 15:00 Uhr los. Um kurz nach halb sieben kamen wir wieder am Terminal an der 'Avenida Mexico' an. Die Taxi-Mafia wurde erfolgreich umschifft, stattdessen stellte ich mich mal der Herausforderung des öffentlichen Nahverkehrs. Lima verfügt auch über ein Metrobus-System, also Busse auf eigenen Spuren, dass die Stadt von Norden nach Süden durchschneidet. Ein freundlicher Mitarbeiter half mir, dem Automaten die notwendige wiederaufladbare Karte zu entlocken und dann musste ich noch durch das Liniensystem durchsteigen. Es gibt zwar nur eine Route, allerdings verschiedene Linien, die dann nicht alle Haltestellen bedienen, also als Express fungieren. Den letzten Kilometer zum 'Akapana' leistete ich mir ein Taxi. Carlos hatte meinen Koffer parat, aber leider auch zwei weitere Gäste in meinem Zimmer. Basti aus Leipzig mit seiner kolumbianischen Freundin waren eingezogen. Die beiden waren ganz in Ordnung, wollten sich für ein paar Monate in Lima niederlassen und waren auf der Suche nache einem Appartment. Basti wollte sich außerdem einen Job suchen. Na, viel Erfolg dabei, er sprach kaum ein Wort Spanisch, ohne dieses dürfte man hier kaum eine Chance auf Arbeit haben. In einer nahen, richtig guten Sandwich-Bar aß ich zu Abend, nahm ein paar Getränke aus dem Minimarkt mit und ließ den Abend mit den beiden Mit-Insassen gemütlich auf der Dachterasse ausklingen.

Fr. 14.04. 13:15 - Sporting Cristal vs Club Alianza Atlético Sullana 4:1 (Torneo de Verano), 6.000 Zuschauer (0 Gäste)

Ich schlief ganz gut, hab ja sonst auch gern mal Probleme, wenn fremde Menschen im Raum sind. Gegen zehn zog ich mal ab und frühstückte in dieser genialen Sandwich-Bar vom Vorabend. Ein paar Blocks lief ich noch und zog dann die Taxi-Karte bis zum 'Miraflores Guesthouse'. Gastgeberin Fernanda öffnete die Tür und mein Zimmer war schon bezugsfertig. Lange hielt ich mich nicht auf, sondern latschte das Viertelstündchen zur Metrobus-Station. Das ist echt ne gute Sache, schneller kann man kaum vom Fleck kommen. Keine halbe Stunde später Bild Bild stieg ich beinahe auf der anderen Seite der Stadt am 'Estadio Alberto Gallardo' aus. Eingerahmt von Schnellstraßen, einem stinkenden Fluß und einem nicht allzu sicher erscheindenden Barrio liegt die kleine Cancha von Sporting Cristal nördlich des Stadtzentrums. Ein einfaches reines Fußballstadion für 18tsd Zuschauer, lediglich ein kleiner Bereich auf der Hauptseite verfügt über ein schützendes Dach und Sitzschalen. Bis auf die flachere südliche Hintertortribüne, sind die Ränge gleichhoch. Bis kurz vor Anpfiff waren nur ein paar hundert Leute im Stadion, was verwunderte, weil außerhalb der Cancha eine ganze Menge los war. Dann strömten aber noch Massen hinein, so dass letztlich gut 6tsd Leute drin waren. BildDie aktive Hinchada teilt sich in drei Gruppen, die größte mittig hinter dem nördlichen Tor, eine weitere daneben und noch eine kleinere Gruppe auf der 'Preferencia'. Jede Gruppe macht ihr eigenes Ding, völlig sinnlos, so war das durchaus vorhandene Potential verschenkt. Sporting Cristal, übrigens Eigentum der 'Cristal'-Brauerei und natürlich deshalb diesen Namen tragend, war aber gut drauf, spielte die Gäste in der ersten Hälfte in Grund und Boden und ging mit einem hochverdienten 4:0 in die Pause. Solche Halbzeit-Spielstände stellen sich aber leider oft als Gift für die zweiten 45 Minuten heraus. Und so war es auch, nach dem Wechsel kam der Kick nicht mehr wirklich in Schwung. Vielleicht auch den hohen Temperaturen geschuldet, nahmen die Gastgeber das Tempo raus, was aber den Gästen aus dem Norden des Landes nicht half. Jedenfalls wussten Sie das nicht zu nutzen, wenn man vom Ehrentreffer durch einen Elfmeter kurz vor dem Ende absieht. Vor Beginn der Partie hatte ich den Wahl-Schweizer Sven im Stadion enttarnt. Durch das phantastischste aller phantastischen sozialen Netzwerke, wusste ich, dass er in Lima weilt und so lag die Vermutung auch nah, dass er diese Partie besuchte, die dann gemeinsam verlabert wurde. Unsere Wege trennten sich aber nach dem Spiel erst einmal. Aus dem Metrobus sprang ich an der 'Estacion Central' wieder raus und sah mich mal ein wenig im Zentrum um. Bild Bild Der Justizpalast ist ein beeindruckendes Gebäude und auch die 'Plaza San Martin' mit den umliegenden Gebäuden ist sehr sehenswert. Das dahinter liegende 'Centro Storico' hob ich mir für einen anderen Tag auf. Mit dem Metrobus ging es dann zurück nach Miraflores, wo ich in der Unterkunft den Schweiß des Tages runterduschte und dann zum 'Larcomar' flanierte, einem Einkaufszentrum mit gehobenem Niveau, das in die Steilküste am Malecon oberhalb der Playa gebaut wurde. Von dort lief ich dann gemütlich zum 'Parque Kennedy', wo, wie überall heute, mächtig viele Leute unterwegs waren. Ostern wird in Lateinamerika zu einem riesigen Fest und am heutigen Karfreitag fanden die Nachstellungen des Kreuzweges Jesu statt. Auch hier wurde ein großes Kreuz feierlich von Musik begleitet umher getragen. Außerdem trieben sich im Parque und den umliegenden Straßen viele Vergnügungssüchtige rum, die es in die Bars und Restaurants zog. Ich holte mir etwas zu essen und eine Cerveza und verzehrte das auf einer Parkbank, als ein junger Peruaner auftauchte und nach ein wenig Smalltalk nebenbei den Satz "I have cocaine" fallen ließ. Ja schön für dich und jetzt verpiss Dich, Du Vogel. Such dir für die Drogen-Akquise jemand anderen. Scheint aber ein entsprechender Umschlagplatz zu sein, denn den Stoff bekam ich den folgenden Tagen noch öfter angeboten. Nicht zu spät verzog ich mich in die Unterkunft und ins Reich der Träume.

Sa. 15.04. 15:30 - CD Universidad de San Martín de Porres vs Academica Deportiva Cantolao 1:2 (Torneo de Verano), 40 Zuschauer (2 Gäste)
Sa. 15.04. 20:00 - Club Universidad de Deportes vs Club Alianza Lima 3:0 (Torneo de Verano), 30.340 Zuschauer (0 Gäste)


Gegen acht stand ich mal auf, machte mich fertig und ging los, um ein paar Sachen zu erledigen. Musste aber feststellen, dass zwar auch hier früh am Morgen das Leben auf den Straßen beginnt, aber die Geschäfte trotzdem noch geschlossen waren. Die Wäscherei war noch zu, ebenso wie die Shops der Mobilfunk-Anbieter, also latschte ich mal ein wenig rum und wartete, bis sich um halb zehn die Tür öffnete. Bild Ja, SIM-Karte wäre eigentlich kein Problem, aber die seien aus und die neue Lieferung käme erst gegen elf. Ja leck mich doch, ist das hier in Peru ein Akt sich ein wenig Online-Freiheit zu erkaufen. Immerhin fand ich dann einen Supermarkt, wo ich neues Duschgel kaufen konnte. Der Sonnenmilch-Nachkauf wurde vertagt. Knapp 15 Euro für das Zeug schreckten ab, allerdings stellte sich bei Prüfung in anderen Geschäften heraus, dass dies ein Standard-Preis ist. Wahnsinn, nee dann musste ich mit dem vorhandenen Stoff sparsamer umgehen. Die Wäscherei, die direkt neben dem Guesthouse lag, war nun auch offen. Bitter nötig, ich trug langsam die letzten frischen Brocken auf. Ja und dann schellte es gegen halb elf und Nobbi, Grüni und der Schiri standen wie geplant vor der Tür. Die drei rockten ja nun auch zwei Wochen durch Peru und Ecuador und da taten wir uns natürlich weitestgehend zusammen. Erst einmal gingen wir zum 'Malecon', der Uferpromenade. Bild Dieser liegt oberhalb der Küstenstraße und der davor liegenden Playa. Hier fällt das Land steil zum Meer ab. Den Weg an die Playa hätten wir uns sparen können, da wir dort nicht das erhoffte Café für ein Kaltgetränk fanden. Also mit dem Taxi wieder hoch - laufen wäre bei der Hitze reine Energieverschwendung gewesen und mit vier Leuten hielt sich die Investition in Grenzen. Im Larcomar aßen wir was und dann war es Zeit in Richtung des Stadtteils Callao aufzubrechen, was wir mit dem Taxi für 40 Soles erledigten. Bild Im 'Estadio Miguel Grau' empfing San Martin das Team aus Cantolao. Prinzipiell ist das ein Mini-Clasico, da beide Teams aus benachbarten Stadtteilen Limas stammen. De facto verfügen aber beide nicht über eine große Anhängerschaft. Trotzdem hat es bei San Martin für einen Zuschauerausschluss gereicht. Das fast eine Stunde vor dem Spiel an der Cancha noch nix los war, irritierte erst einmal nicht. Dass das Rumgeblödel, dass bestimmt keine Zuschauer erlaubt sind, Realität würde, hätten wir nie gedacht. Normalerweise würde ich mir so ne Veranstaltung dann schenken, was soll ich in einem Stadion ohne Zuschauer? Aber wir waren irgendwo in Limas Westen und es gab rein gar nichts, das wir nun Sinnvolles bis zum Abendspiel hätten tun können. Also mit dem Touri-Bonus Zutritt verschafft und die nächsten drei Stunden mehr oder weniger relaxt und gequasselt. Der Ground ist in seiner Einfachheit gar nicht so übel. Zwar mit Laufbahn versehen, aber einen gewissen Charme kann man dem Oval nicht absprechen. Oft ist es so, dass die Rahmenbedingungen das Spielniveua beeinflussen. So schien es auch hier zu sein, denn die Qualität des Gesehenen hielt sich arg in Grenzen. Die Gäste konnten die drei Punkte für sich verbuchen, worüber sich die zwei anwesenden Sympathisanten eher gemäßigt freuten.

Der Taxi-Amigo, den wir direkt vor dem Ausgang anhielten, schien es eher als Scherz aufzufassen, als ihm die vier Gringos das gewünschte Ziel 'Estadio Monumental' nannten und grinste sich eins, denn die Cancha liegt exakt auf der anderen Seite der Stadt, kurz vor einem mächtigen Bergrücken. Nee, nee, Hombre, das ist schon ernst gemeint. Er schien gar nicht recht zu wissen, was er für die 25 Kilometer aufrufen soll und nannte eigentlich viel zu niedrige 50 Soles. Sollte uns aber recht sein. Der Fahrer war ein junger Typ, der erstaunlich gemäßigt im hiesigen Straßenverkehr unterwegs war und immer wieder Unverständnis für den aggressiven Fahrstil anderer Verkehrsteilnehmer äußerte. Allen voran können das ja die Minibus-Fahrer ganz gut und so war er sich auch nicht zu schade an einer Ampel aus dem Fahrzeug zu steigen und einen dieser Amigos, der ihn geschnitten hatte, übelst zur Sau zu machen, was diesen wiederum reumütig zu einer Entschuldigung rührte. BildWeit über eine Stunde vor dem Spiel war am 'Monumental' natürlich schon ordentlich was los. Schon Kilometer vorher hielten uns Tickethändler durch das geöffnete Fenster ihre Boletos unter die Nase. Von außen sieht das Stadion eher ungewöhnlich, gar nicht so recht wie ein Fußballstadion aus. Auch die Größe lässt sich noch nicht erahnen, da das Teil ein gutes Stück in den Boden hinein gebaut ist. 80tsd Zuschauer fasst die beeindruckende Hütte und damit ist sie nach dem Umbau des 'Maracana' die größte des Kontinents. Die leicht geschwungenen Ränge um das Spielfeld herum werden von mehrstöckigen Logen-Balkon komplett umgeben. BildDas ist ein Stil des Stadionbaus, wie es ihn auch nur in Südamerika gibt. Die senkrecht aufsteigenden Balkone erschlagen einen förmlich. Nach fast zehn Jahren Bauzeit wurde das dem Verein gehörende Stadion im Jahr 2000 eröffnet und ersetzte die alte Spielstätte. 'Clasico de Peru' also, das wichtigste Spiel des Landes. Die beiden Clubs sind die erfolgreichsten Perus, die Rivalität ist riesig und in den letzten Jahren waren Gäste-Fans bei diesen Partien in der Regel verboten, da es immer wieder zu blutigen Ausschreitungen kam. So auch heute, aber das war uns bekannt. Die riesige Cancha füllte sich spät und in die Heimkurve strömten bis weit in die erste Hälfte immer noch Zuschauer, so dass dieser Bereich beinahe komplett gefüllt war. Alle die, die zu spät kamen verpassten den frühen Führungstreffer für 'La U'. Was macht man, wenn man keine Anspielstation findet? Bild Genau! Man haut einfach aus 25 Metern halbrechter Position drauf und näht das Ding in den linken Giebel. Traumtor und alle einmal ausrasten bitte. Die Gesänge wurden danach ohrenbetäubend laut, aber das legt sich leider schnell wieder. Im zentralen Bereich wurde zwar in der ersten Spielhälfte immer gesungen, aber in dem großen Kessel ohne Dach fehlte der Widerhall. Da in Peru Materialverbot herrscht und auch keine Instrumente erlaubt sind, fehlt so ein wenig die Seele der Kurve. Aber ich will das nicht schlecht schreiben. Das war insgesamt schon ganz erbaulich. Kurz vor dem Seitenwechsel erhöhte Universitario verdient auf 2:0. Den Gastgebern, die bisher keine berauschende Saison spielten, war offensichtlich bewusst, dass sie mit einem Derby-Sieg den Anhang gnädig stimmen konnten, waren mit richtigem Feuer in der Partie, kämpften um jeden Grashalm und kauften Alianza damit den Schneid ab. Nur kurz nach dem Wechsel nutzte 'La U' einen katastrophalen Querpass der Alianza-Deckung zum Konter und dem daraus resultierenden dritten Tor. Damit war die Nummer durch, auch wenn noch weitere Treffer möglich waren. Auch auf den Rängen kam die Geschichte nicht mehr so richtig in Gang. Bisher aber sicherlich der unterhaltsamste Kick der Tour. Ein Taxi nach dem Spiel zu bekommen, stellte sich einfacher dar als befürchtet. Für 50 Soles ging es zurück nach Miraflores. Die drei Experten ließ ich vom Fahrer an ihrem Hostel absetzen und mich selbst am zentralen 'Parque Kennedy'. Da Nobbi und Co am nächsten Morgen früh nach Cusco flogen, stellte sich die Frage nach weiterem Abendvergnügen nicht. Also traf ich mich mit Sven und einer einheimischen Dame - Andrea mit Namen - die er kennengelernt hatte, in einem Pub und es wurde dann bei ein paar Cerveza länger als erwartet. Ich glaube, ich war um halb vier im Bett.

So. 16.04. - I believe I can fly

Lange schlafen war nicht vergönnt. Zwar konnte ich mich nach dem ersten Erwachen noch mal erfolgreich umdrehen, aber dann war um zwanzig nach neun die Nacht vorbei. So nett wie Guesthouse und Gastgeberin waren - die Wände waren einfach zu dünn. Man hörte unaufgefordert und unfreiwillig einfach alles, auch den Zeitvertreib des Pärchens aus dem Nebenraum. Er war zwar sehr schweigsam, aber ihr schien es gefallen zu haben. Oder hat sie sich etwa mit sich selbst beschäftigt? Man weiß es nicht. Ich musste aber eh die Unterkunft wechseln. Leider war im 'Miraflores Guesthouse' zum Zeitpunkt der Buchung nur für zwei Nächte was frei. Ich hatte mir dann was über 'AirBnB' gesucht, einziger Nachteil, dass es eher im Norden von Miraflores und damit nicht mehr fußläufig zur Küste gelegen war. Hernán stellte sich als aber als herausragender Host heraus und ich war auch der einzige Gast und hatte mein eigenes Bad und Zimmer und das für 12 Euro die Nacht, gelegen im siebten Stock eines Appartment-Hauses mit eigenem Portier, gegenüber der alten deutschen Botschaft. Der Bundesadler ist immer noch ins Eingangstor eingearbeitet, nur die die passenden Leute dazu befinden sich mittlerweile einige Blocks weiter. Ich trödelte dann nach dem Umzug ziemlich rum und verließ das Haus erst um halb zwei. Dann gelang es mir doch tatsächlich endlich eine SIM-Karte zu erstehen und diese konnte sogar belebt werden, wenn auch mit Mühe. Gegen 15:00 Uhr wurde ich dann mal am Stand von 'Perufly' vorstellig, die Paragliding über der Steilküste von Miraflores anbieten. Leider war nicht genug Wind, so dass nur Personen mit einem Gewicht von maximal 70 Kilogramm fliegen durften. Da sich die Bedingungen aber jederzeit ändern konnten, hieß es zu warten. Mit diesem Schicksal war ich nicht alleine. Ein Kolumbianer, ein meganerviger Japaner, der mich stark an Chow aus den Hangover-Filmen erinnerte, und ein ganz cooler Argentinier aus Buenos Aires, Racing-Anhänger, leisteten mir Gesellschaft. Um halb sechs starten die letzten Piloten und wir warteten und warteten und warteten.

Der Kolumbianer gab um 17:00 Uhr auf und ich entschied nach Rücksprache mit dem Mann am Info-Desk kurz danach, auch das Weite zu suchen und es am Folgetag wieder zu versuchen. Ich kaufte mir dann hundert Meter weiter noch ein Eis und als ich das so verspeiste, dachte ich mir, verdammt, da ist doch irgendwie mehr Wind. Bild Also zurück und als mich der Typ am Desk sah, fing er direkt hektisch an zu winken und rief "You can fly". Schnell das 'Ich-nehm-alles-auf-meine-Kappe-Formular' unterschrieben und an den mir zugewiesenen Piloten Akita 260 Soles bezahlt. Das sind knapp 73 Euro. Ich hab nicht wirklich Ahnung, aber ich denke, dafür bekommt man in Deutschland keinen Paragliding-Flug. Dazu dieser ganz spezielle Ort bei nun ganz speziellem Licht während des Sonnenuntergangs. Bild Anders als beim Fallschirmsprung wird man dann mit seinem Geschirr direkt an den Schirm und nicht an den Piloten eingehakt und hat dazu seinen eigenen Sitzsack unter dem Arsch. Akita richtete den Schirm mit einem Ruck im Wind auf, ein paar unbeholfene Hopser zur Kante und schon ging es los. Was soll ich sagen?! Es fehlte zwar der Adrenalinstoß im Vergleich zum Fallschirmsprung damals, weil man eben den Kick des freien Falls nicht hatte. Aber an der Steilküste entlang zu gleiten, an den hohen Häusern mit den Luxus-Appartments entlang und darüber hinweg, sich in der verspiegelten Fassade des 'Marriott' zu sehen, dann hinaus auf's Meer, alles aus der Vogelperspektive zu beobachten und trotzdem jedes Geräusch wahrzunehmen, war schon ein verdammt geniales Erlebnis. Der etwas mehr als zehnminütige Flug erschien mir komischerweise deutlich länger. Ein Video war inklusive, die SD-Karte aus der 'GoPro' bekam ich kurz nach der Landung direkt in die Hand gedrückt. Beseelt vom Erlebten fuhr ich in aller Ruhe mit dem Minibus zurück zum Appartment und belohnte mich für die zweistündige Warterei mit einer Dusche. Erfrischt ging es dann wieder rein nach Miraflores, zunächst etwas essen, und dann wieder in den Pub vom Vorabend, wo ich mich erneut mit Sven und Andrea traf. An Spaß mangelte es nicht, aber nach der recht kurzen vorherigen Nacht, verabschiedete ich mich gegen Mitternacht in den nächtlichen Ruhestand.

Mo. 17.04. - Miraflores
Heut schlief ich mal ziemlich lang. Die wirklich vorhandene Privatsphäre gab mir offenbar die nötige Ruhe und so rollte ich mich gegen halb elf mal aus dem Bett. Stress war ja auch unangebracht, denn das Tagesprogramm hieß beinahe ausschließlich 'Gammeln'. Zunächst nahm mich aber Hernán ein paar Blocks mit und zeigte mit den gewünschten Schuster. An den Trekking-Schuhen löste sich vorne die Sohle und für sage und schreibe einen Sol wurde diese wieder fixiert. Weltmännisch verdoppelte ich das Salär des Flickmeisters. Zurück in der Wohnung trödelte ich erst einmal ein wenig rum und informierte mich im Internet, was so in der großen weiten Welt passiert ist. Irgendwann am frühen Nachmittag fuhr ich mal mit dem Metrobus nach Rimac, einem Stadtteil nördlich des Zentrums, wo das Vereinsgelände von Sporting Cristal liegt. Die letzten Kilometer mussten mit dem Minibus zurück gelegt werden, aber wie schon in Mittelamerika erwirbt man da recht schnell ein gewisses Gespür. Die angefragte Reservierung für das Copa-Spiel am nächsten Tag lag schon bereit, so dass ohne große Umschweife der Rückweg angetreten wurde. Zurück in Miraflores lief ich direkt zur Playa runter und schmiss mich mal in die Wellen des Pazifik. Richtig fette Brandung, die einen ordentlich hin und her schmiss und durchaus mit Vorsicht zu genießen, zumal die Playa nicht aus Sand sondern Kieselsteinen besteht. Bild Bild Die Wassertemperatur war natürlich angenehm und ich döste danach noch ein wenig in der sinkenden Sonne. Dann war der Zeitpunkt gekommen, die Treppe zur Steilküste wieder hinter sich zu bringen und den Sonnenuntergang zu bestaunen. Aus dieser Perspektive versinkt der große Gasballon hinter der 'Isla San Lorenzo', die gegen Abend eine Wolkenschicht um sich versammelte. Das ergab dann schon ein paar interessante Bilder und auch nachdem die Sonne hinter dem Horizont abgetaucht war, bildeten sich unglaubliche Farbtöne am Himmel. Und dann hatte ich noch ein spezielles Abendmahl auserkoren. Mein Host Hernán hatte mir einen Tipp gegeben, wo ich die andinische Spezialität bekomme, ohne den Touri-Abzockbonus zahlen zu müssen. Der Weg dorthin war etwas zeitaufwendig, umso ärgerlicher dass das Restaurant wegen Umbaus geschlossen war, aber das konnte Hernán ja auch nicht wissen. Google half mir ein anderes Etablissement zu finden und da lag es dann vor mir, das 'Cuy', in Deutschland eher als Meerschweinchen bekannt. In Anbetracht der Tatsache, dass wir zu Hause selber zwei von den Viechern rumrennen haben, wirkte die Mahlzeit vor mir auf dem Teller zugegebenermaßen etwas bizarr. Geschmeckt hat es, zart war es, schwer zu beschreiben woran es erinnert, irgendwie liegt der Geschmack zwischen Huhn und Schwein. Zurück im Appartment hackte ich dann noch ein paar Zeilen dieses Berichts ins Tablet und verkloppte dabei zwei Cerveza 'Cusqueno'.

Di. 18.04. 19:45 - Sporting Cristal vs Club The Strongest 0:0 (Copa Libertadores), 6.000 Zuschauer (50 Gäste)

Bild Bild Ich schlief wieder so lang es ging, das war so circa halb zehn. Auch heute gab es keinen Grund zur Eile. Herrlich entspannte Tage hier in Lima. Gegen 11:00 Uhr machte ich mal auf, um der Sandwich-Bude aus der Vorwoche noch mal einen Besuch abzustatten und nahm dort mein Frühstück und einen köstlichen frischen Melone-Papaya-Saft ein zu mir. Dann lief ich mal rüber zum 'Inka-Market', der aber wie erwartet rein touristisch war. Es gab mindestens 100 Läden, die aber alle mehr oder weniger dasselbe anboten, ziemlich sinnlos. Mit dem Metrobus fuhr ich dann ins Zentrum, stieg an der Station 'Quilca' aus und lief rüber ins 'Centro Storico'. Vom 'Plaza San Martin' nahm ich die Fußgängerzone zum großen und sehenswerten 'Plaza de Armas'. Dort befinden sich die große Kathedrale und eine Regierungsgebäude. Dann lief ich weiter zum 'Parque La Muralla' um ein wenig im Schatten zu entspannen und dann war es auch schon langsam Zeit sich zum Treffpunkt zu bewegen, den ich mit den anderen, die ja inzwischen aus Cusco zurückgekehrt waren, ausgemacht hatte, denn wir wollten ja vor dem Spiel noch auf den 'Cerro San Cristobal'. Bild Bild Bild Das ist ein 400 Meter Berg nördlich des Stadtzentrums, auf dem ein großes Christuskreuz steht und von dem man einen Rundum-Blick über diese riesige Stadt hat. Mit dem Touri-Bus ging es für zehn peruanische Dinger nach oben. Der Berg ist arm an Vegetation, aber reich an armen Leuten. Dementsprechend sieht man am Fuße des Berges und an seinen Flanken Viertel mit überwiegend sehr ärmlichen Behausungen, das sah schon teilweise ziemlich beschissen aus, wie die Leute dort wohnen müssen. Um den Berg zu erreichen, durchquert der Bus, der ein verkürzter Doppeldecker mit offenem Oberdeck ist, eines dieser Barrios. Das ist eigentlich völlig skurril, dass man sich schön auf dem Deck in der Sonne aalen konnte und dann Häuser passiert, welche die Frage aufwerfen, wie deren lose aufgeschichtetes Fundament überhaupt halten geben kann. Nicht ohne Grund waren diese Viertel die einzigen, die im Großraum Lima von den schweren Regenfällen des Frühjahres betroffen waren. Ja und von oben blickt man dann in alle Himmelsrichtungen über ein Wahnsinns-Häusermeer. Das ist schon schwer beeindruckend. Lima wächst ja täglich, wirklich genau kann die Population niemand beziffern, da viele Hütten und Behausungen illegal gebaut werden.

Bild Wieder unten in der Stadt nahmen wir ein Taxi zum 'Estadio Nacional de Lima'. Dort muss Sporting Cristal seine Heimspiele in der 'Copa Libertadores' austragen, dem südamerikanischen Pendant zur europäischen 'Champions League'. Sicherheits-Aspekte aber auch mangelndes Flutlicht zwingen Cristal zum Umzug. Der Modus des Turniers wurde in diesem Jahr geändert. Bisher ging die Copa in der ersten Jahreshälfte über die Bühne, nun wurde das Turnier auf das ganze Kalenderjahr gestreckt. Außerdem werden die Drittplatzierten nach der Gruppenphase sowie die beiden besten in der Quali-Phase ausgeschiedenen Clubs in die in der zweiten Jahreshälfte stattfindende Copa Sudamericana - vergleichbar mit der UEFA Europa League - eingegliedert. Da hat wohl jemand von den Verantwortlichen des CONMEBOL ein wenig bei der UEFA hospitiert. Das 'Estadio Nacional del Perú' erinnert mit seinem Fassungsvermögen von 50tsd Zuschauern stark an eine verkleinerte Ausgabe des 'Monumental' mit dem Unterschied, dass dem 'Nacional' noch ein Dach aufgesetzt wurde. Es liegt zentral in der Stadt und ist gut erreichbar. Für die heutige Veranstaltung war die Schüssel völlig überdimensioniert, da nicht mehr Zuschauer in die Cancha kamen, also zu normalen Liga-Spielen ins eigene Stadion. Bild Leider teilten sich auch hier die aktiven Hinchas in drei Gruppen auf. Ich frage mich, ob die Jungs wissen, was sie damit für einen Einfluss verschenken. Gerade hier mit dem Dach über dem Kopf hätten alle gemeinsam eine beachtliche Lautstärke entwickeln können, Bilddas wurde schon beim Support, der größten Barra deutlich, denn das schepperte teilweise schon ganz gut durch den Laden. Aus der bolivianischen Hauptstadt La Paz hatten es 50 Leute her geschafft, die natürlich seltenst zu vernehmen waren. Das Spiel wurde auf relativ bescheidenem Niveau geführt. Es war nicht kompletter Mist, aber gemessen am Stellenwert des Wettbewerbs, war es eine schwache Partie mit nur wenigen Torchancen. Daher auch nicht weiter verwunderlich, dass die Quote der torlosen Spiele aufpoliert wurde. Das Ergebnis half den Gästen jedenfalls mehr als Cristal, die damit eine sehr schlechte Ausgangsposition hatten, was den Verbleib in der Copa anging. Für 20 Soles nahmen wir ein Taxi zurück nach Miraflores, wo sich unsere Wege trennten. Für den folgenden Tag hatte die 'Grupo Nobbi' einen Inlandsflug bis Chiclayo gebucht und fuhr von dort mit dem Bus weiter. Das ganze aus Kostengründen, denn grenzüberschreitende Oneway-Flüge sind in Lateinamerika nur selten günstig zu bekommen und kosten meist dasselbe wie der Return. Da hatte ich es mit der gebuchten Gabel einfacher.

Mi. 19.04. - Guayaquil auf Umwegen

Um halb acht stand ich mal auf, machte mich fertig und packte meine Sachen. Von Hernán, der als Feuerwehrmann heute seiner Schicht nachgehen musste, hatte ich mich am Vorabend schon verabschiedet. Mit dem Taxi fuhr ich runter zum Kreisel am 'Kennedy'. Dort hatte ich am Vortag zufällig noch das 'Quick Llama' entdeckt, ein günstiges Airport-Shuttle für 15 Soles. 'Dunkin Donut' verschaffte mir mein Frühstück, das erste Mal überhaupt, dass ich diese Kette nutzte. Um 9:15 Uhr ging es los, es wurden noch drei andere Haltepunkte angefahren, doch ich blieb der einzige Fahrgast - lohnenswerte Tour für den Dienstleister. Durch den relativ dicken Verkehr war das 'Quick Llama' eher ein 'Slow Llama' und benötigte über eine Stunde bis zum Aeropuerto 'Jorge Chavéz'. Check-in, Immigration und Security-Check verliefen problemlos und schnell, so dass ich noch über eine Stunde am Gate abzusitzen hatte, bis das Boarding startete. Allerdings stören mich diese Wartezeiten so gut wie nie - immer ne gute Möglichkeit, am Bericht zu werkeln. Der Flug mit LATAM, aus der Fusion von LAN und TAM entstanden und damit nun eine der größten Airline der Welt, ging überpünktlich und so erreichten wir den Luftraum über Guayaquil deutlich vor der viel zu großzügig bemessenen Ankunftszeit. Als wir dann die vierte oder fünfte ausgedehnte Schleife flogen, schöpfte ich langsam Verdacht und kurz danach war es auch so weit: Flugzeug umgeleitet nach Quito "due to bad weather conditions". Nicht so schön, ließ mich aber erstaunlich kalt, hatte ich eh keinen Einfluss drauf. 35 Minuten später setzten wir auf dem 'Aeropuerto Mariscal Sucre' auf und rollten an den Finger am Terminal. Aussteigen war aber natürlich nicht erlaubt und die Nachfrage bei der Crew ergab, dass der Vogel nur betankt wird und der Aufenthalt so kurz wie möglich gehalten werden soll, man also nur auf das "Okay" aus Guayaquil wartete. Das kam nach weniger als einer Stunde und es ging wieder in höhere Luftschichten. Gegen 17:40 Uhr landeten wir dann auf dem 'Aeropuerto Simón Bolivar' in Guayaquil und es regnete immer noch. Da leider achtzig Maschinen gleichzeitig angekommen zu sein schienen, war es an der Migration brechend voll und ich benötigte beinahe 45 Minuten, um die Prozedur hinter mich zu bringen. Ich glaube, dass war der erst Flughafen außerhalb Westeuropas, an dem nicht direkt die Taxi-Mafia auf mich zu stürmte. War mir aber egal, da ich eh keins brauchte. Auch in Guayaquil gibt es ein Metrobus-System und eine Linie führt am Flughafen vorbei. Man benötigt eine aufladbare Karte, die ich mir aber für die zwei notwendigen Fahrten nicht kaufen wollte. Also den erstbesten angequatscht, ihm die 30 Centimos für die Fahrt in die Hand gedrückt und auf dessen Karte durch das Drehkreuz geschlüpft. Am 'Parque Centenario' rausgesprungen und die drei Blocks zur 'Casa Romero' gelaufen. Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad war gebucht, aber ich erlag dem Werben des Rezeptionisten und leistete mir das Upgrade zum eigenen Bad. Dafür waren dann insgesamt 27 Dollar fällig - dieser fungiert auch in Ecuador als Landeswährung - eigentlich zu viel, aber da ich heute ja kaum Geld ausgegeben hatte, war das okay. Das Zentrum von Guayaquil stirbt zum Abend hin komplett aus. Nix mehr los auf den Straßen, wenn man von der 'Avenida 9 de Octubre' mal absieht, wo noch ein paar Filialen der bekannten Fastfood-Ketten, andere Restaurants und ein paar Farmacias geöffnet haben. Ich schob mir in einem etwas schmierig aussehendem kleinen Garagen-Restaurant ein überraschend leckeres Gericht rein, latschte mal zum Malecon, der Uferpromenade am Fluss, wo aber auch nichts mehr los war, und dannn zurück zur Unterkunft.

Do. 20.04. 19:45 - Barcelona SC vs Botafogo FR 1:1 (Copa Libertadores), 45.000 Zuschauer (50 Gäste)

Bild Um halb neun rollte ich mich mal aus dem Bett. Das Frühstück war mal richtig gut und die Nachricht über die Ankunft der drei anderen Gestalten hatte mich auch schon erreicht. Also wieder die Sachen zusammen gesucht und drei Blocks weiter zum eher abgehalfterten 'Hotel La Torre', wo zwei Doppelzimmer gebucht waren. Zwar ein klarer Komfort-Verlust, aber dafür auch deutlich billiger. Bild Während 'Brigade Nobbi' schon mal ein wenig durch die Stadt schlich, verwirklichte ich endlich den seit Tagen geplanten Friseurbesuch. Es sollte nur ein zweckmäßiges Seiten, Hinterkopf kürzen, Nacken rasieren und Bart stutzen sein, aber der Figaro fühlte sich in seiner Berufsehre verletzt und bestand darauf hier und da ein wenig was zu machen. Also schnitzte er sich einen zurecht und danach sah ich aus wieder aus wie ein Mensch. Zehn Dollar waren fällig, das war okay. Mein erster Friseurbesuch seit über zwanzig Jahren, denn daheim schmirgel ich mir die Murmel ja mit der Maschine selber zurecht. Danach traf ich die anderen dann wieder und wir flanierten mal ein wenig am Malecon entlang. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit hatten einen unbezwingbaren Pakt geschmiedet uns den Schweißfilm dauerhaft auf der Haut stehen zu lassen. Welch ein Klima. In einer kleinen Bar kehrten wir für ein Mittagsmahl ein und die ausgewählte 'Encebollado Mixta' war lecker. Dabei handelt es sich um eine einfache Fischsuppe, die als Nationalgericht Ecuadors gilt. Bild Nach der Stärkung liefen wir zum Barrio 'Las Penas', einem eher ärmlichen Stadtteil auf einem Hügel, der aber zum Teil restauriert und touristisch aufgewertet wurde. Wir wollten aber wohl den falschen Einstieg nehmen, denn zwei Frauen, die uns entgegen kamen, warnten uns mit eindeutigen Gesten, wie einem Griff an die Gurgel, eindringlich davor, diesen Weg zu nehmen. Okay, wollten wir mal glauben. Der richtige Weg war etwas weiter zum Flußufer hin, von dort führen 444 Stufen auf die Kuppe des Berges, wo eine kleine Kapelle und ein begehbarer alter Leuchtturm stehen. Nobbi kniff aufgrund der Hitze, Bild also machten wir uns zu dritt an den Aufstieg. Ein Bier auf halber Höhe mobilisierte neue Kräfte und von oben hat man dann einen recht guten Überblick über Guayaquil. Im Ballungsraum leben deutlich über drei Mio Einwohner und damit ist die Stadt größer als die Hauptstadt Quito. Gelegen an der Mündung des Flusses Guayas in den Pazifik ist sie auch der wichtigste Hafen des Landes. Das Klima ist das ganze Jahr über recht konstant. 26°C Durchschnitts-Temperatur und eine durchschnittliche Luftfeuchtigkeit von 75% sprechen für sich. Wieder unten angekommen teilte sich die dezimierte Gruppe noch einmal. Grüni und der Schiri präferierten das Taxi und ich schlenderte am Malecon zurück und macht dann noch einen Schlenker durch die Stadt. Guayaquil hat durchaus einige sehenswerte Gebäude zu bieten. Allen voran ist die große Kathedrale zu nennen. Im Park davor laufen Leguane frei herum. Natürlich haben sich diese nicht von allein hier angesiedelt, sondern stellen hier eine kleine Attraktion für die Bevölkerung dar. Die Tiere sind zahm, lassen sich anfassen und füttern. Die Viecher sind sogar schon so versaut, dass sofort die Fressluke aufgeht, sobald man eine Handbewegung in ihre Richtung macht. Trotzdem natürlich eine ziemlich spezielle Sache, obwohl ich mir nicht im Klaren darüber bin, ob das für die Ekuadorianer nicht ähnlich spannend ist, wie für uns das Füttern der Enten im Stadtpark.

Zurück in der Unterkunft war noch ein wenig Zeit zum Gammeln und dann machten wir uns auf zum 'Estadio Monumental Isidro Romero Carbo', der Heimstatt des Barcelona Sporting Club. Die Angehörigen der Bewegung wissen, dass das Wappen des ekuadorianischen Clubs dem des berühmteren katalanischen stark ähnelt. Nicht weiter verwunderlich, denn der Verein wurde von spanischen Einwanderern gegründet. Wie der spanische Verein hat auch der BSC weit über 100tsd Mitglieder und ist damit einer der mitgliederstärksten Clubs der Welt. Mit dem Taxi fuhren wir so nah an die Cancha heran, wie es der dichte Anreiseverkehr zuließ. Bild Noch ein paar hundert Meter gelaufen und dann tauchte die Bude im letzten Schimmer der Dämmerung auf. Die Cancha verfügt über einen geschlossenen unteren Ring, auf den auf den Geraden fünfstöckige Balkone gesetzt wurden, die sich bis in die Ecken ziehen. Die Oberränge der Hintertrotribünen überragen selbst die hohen Balkone noch. Richtig brutale Optik, ganz sicher eines der beeindruckendsten Stadien, in denen ich je gewesen bin. So ein bisschen hatte ich vor der Tour die Hoffnung, dass diese Partie der 'Copa Libertadores' ein Highlight werden könnte. Mit solchen Hoffnungen muss man erfahrungsgemäß vorsichtig sein, aber dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. BildDas 57tsd Zuschauer fassende Stadion füllte sich sehr gut und von Anfang an, war Feuer in der Bude. Einen richtigen Stimmungskern mochte man gar nicht lokalisieren. Klar, die Hintertortribünen hatten Führungsrollen, aber oft genug stimmte beinahe jeder in die Gesäng ein. Es wurde teilweise abartig laut. Auf der 'Sur' rasteten einige komplett aus und schmissen sich gegenseitig durch die Gegend und stürzten sich wie beim Stagediving in die Gleichgesinnten. Auf der 'Norte' wurde ein kleiner Bereich durch Ordner und Policia für die 50 oder 60 Gäste abgetrennt, die aber nur optisch mit ein paar Bannern zu bemerken waren. Nach gerade mal zwei Spielminuten gab es Elfmeter für die Gäste aus Rio. Der BSC-Schnapper wehrte den gut geschossenen Straßstoß noch besser ab und hielt auch noch den Nachschuss, was die gesamte Hütte explodieren ließ. Das Spielgeschehen war dann rcht ausgeglichen, aber Botafogo hatte die eindeutig fetteren Chancen, die der top aufgelegte Schnappix aber alle vereitelte. Bild Mitte der ersten Hälfte schloss Barcelona einen sehenswerten Konter zur Führung ab. Einmal alle durchdrehen bitte, einfach geil diese Emotionen mitzuerleben. In der zweiten Halbzeit setzte sich das Geschehen ähnlich fort. Botafogo mit riesigen Chancen, aber die Gastgeber hatten einen heute unbezwingbar scheinenden Schlussmann zwischen den Stangen und fighteten um jeden Ball. Das Stimmungslevel fiel keinen Millimeter, das war eine der wenigen Partien, in denen es die Zuschauer schafften ohne nachzulassen auf höchstem Niveau Bambule zu machen. Sehr geile Nummer. Drei Minuten vor dem Ende bekamen die Gäste einen weiteren Elfer zugesprochen. Dieser war dann dieses Mal drin und unverdient war der Ausgleich sicher nicht, aber ich hätte Barcelona gern siegen sehen. Eigentlich konnte ich mit dem Club vorher nichts anfangen, aber mit diesem Auftritt auf dem Rasen und auf den Rängen, haben sie sich Sympathien erworben. Wenn ich solche intensiven Spiele erleben darf, weiß ich warum ich dieses Hobby so mag. Zugegeben - solche Erlebnisse sind nicht die Regel, aber sie rechtfertigen jede Strapaze und machen jedes Ananas-Spiel wieder wett. Die Grill-Mafia wurde vor dem Stadion noch um ein paar Chori-Spieße erleichtert und dann machten wir uns auf den Rückweg, zunächst per pedes, dann mit einem Collectivo. Mehr als ein Bier war nach diesem aufgrund des Klimas irgendwie anstrengenden Tag nicht mehr drin und noch deulich vor Mitternacht ging es ins Reich der Fußballträume.

Fr. 21.04. - Langsamkeit ist keine Sünde, nervt aber!

Ich stand um 7:00 Uhr auf. Grüni, mit dem ich den Raum teilte, konnte liegen bleiben. Grupo Nobbi hatte sich einen Inlandsflug für den heutigen Ortswechsel geleistet, während ich den Bus nahm. Acht Stunden wurden für die 280 Kilometer veranschlagt. Zunächst aber zu Fuß zum 'Parque Centenario' und von dort mit dem Metrobus zum Busterminal. Ich leistete mir etwas Comfort und wählte die vermeintlich beste Gesellschaft 'Transportes Ecuador', die nagelneue Doppeldecker mit fetten Sesseln und viel Beinfreiheit einsetzen. Dafür musste ich dann zwölf statt der üblichen zehn Dollar investieren, aber das sollte es wohl wert sein. Eine Viertelstunde zu spät ging es um kurz nach halb zehn los. Bis man dann erst mal aus dem Ballungsraum raus war, hatte ich schon ein gutes Stück des Reise-Nervenpolsters verbraucht. Dann bog der Fahrer auch noch panne ab, was die lungernde Policia auf den Plan rief. Ermahnung und Knolle kosteten die nächste Viertelstunde. Bild Dann ging es einigermaßen zügig voran. Rechts und links der Straße sah man überflutete Flächen und teilweise im Wasser stehende Häuser, die starken Regenfälle hatten also nicht nur den Norden Perus getroffen. In den größeren Städten wurden die Busbahnhöfe angefahren, was wieder Zeit kostete und beim letzten Halt vor dem Ziel in Santo Domingo war es dann richtig scheiße. Das Terminal am Arsch der Heide und dazu dichter, zäher Verkehr. Diese Stopp kostete eine satte Stunde und die Pause kurz danach weitere dreißig Minuten, weil der Fettsack von Fahrer eine halbe Ewigkeit brauchte, um seinen Teller Reis mit Huhn zu verspeisen. Bild War kurz davor, ihm den Teller wegzunehmen. Alter! Geduld ist echt keine herausragende Eigenschaft von mir. Danach verließen wir endgültig die tiefer liegenden Regionen des Landes und es ging in die Berge. Quito liegt in einem langezogenen Tal-Kessel auf durchschnittlich 2.850Metern Höhe, da muss man ja von Meereshöhe erst einmal hinkommen. Das ist dann schon schön anzusehen, die Landschaft wurde immer atemberaubender und die Strecke ist teilweise gut ausgebaut, aber eben nicht komplett. Wenn dann in einspurigen Bereichen ein Lkw mit zehn Stundenkilometern den Berg hoch kroch, war es essig mit dem schnellen Vorankommen. Wenn es aber zügig ging, war es auch wieder eine Herausforderung, denn Kurve reiht sich an Kurve, das ging schon ein wenig aufs Innenleben. Schon weit nachdem die angesetzte Fahrzeit aufgebraucht war, erreichten wir die ersten Ausläufer von Quitos Vorstädten. Das Busterminal liegt weit im Süden und trotzdem dauerte es noch eine geschlagene Stunde bis wir endlich dort anlegten. Damit wurden fast zehn statt acht Stunden für die Fahrt benötigt. Bei 25 Cent für die Busverbindung gegen 15 Dollar für das Taxi bis zur Unterkunft, war es dann keine Frage mehr, sondern ein Befehl. Also eine weitere Stunde bis in den Stadtteil 'La Mariscal', erst mit dem Trolley-, dann mit dem Metrobus. Noch ein paar Minuten Fußweg und dann traf ich nach insgesamt zwölfeinhalb Stunden genau in dem Moment am Guesthouse ein, als die drei anderen vom Essen kamen. Ich checkte kurz ein und tat es ihnen dann gleich. Spät wurde es dann nicht mehr, denn obwohl man ja bei so ner Busfahrt eigentlich nur blöde rumsitzt, ist man danach ja immer mega im Arsch.

Sa. 22.04. 18:30 - Club Liga Deportiva Universitaria vs CD El Nacional 2:2 (Primera A), 15.000 Zuschauer (2.000 Gäste)

Nach dem Frühstück der Marke 'geht so' brachen wir auf ins 'Centro Storico'. Mit dem Taxi ließen wir uns zur 'Basilica del Voto Nacional' bringen, einer ziemlich großen neogothischen Kirche. Zwei Dollar Eintritt will man sehen, wenn man aber stattdessen im Shop unterhalb des Eingangs eine Kerze für 50 Cent kauft, kommt man auch so rein. Bild Von dort liefen wir mehr oder weniger planlos durch die Altstadt bis wir keine Lust mehr hatten und uns in einem Cafe niederließen. Dort erreichten die beiden Gladbach-Vögel dann tatsächlich, dass im Fernseher die Live-Übertragung des Duells der beiden Borussias gezeigt wurde, nun ja, mit dem besseren Ende für die jüngere Borussia. Das wollte ich aber nicht sehen, also seilte ich mich ab und fuhr mit dem Taxi zum 'TeleferiQo', einer Seilbahn, die bis auf über 4.000 Meter auf eine Flanke des Vulkanes 'Pichincha' führt. Die Zufahrt zum 'TeleferiQo'ist mit einer Schranke abgesichert, wo man ein Parkticket lösen muss. Bild Der Fahrer war sich nicht sicher, ob er auch ein Ticket lösen musste oder nicht, daher entschied ich mich, das letzte Stück zu laufen. Also stieg ich dann aus dem Taxi und lief mal los und wollte aufs Handy schauen, wie weit es wohl ist. Der Griff in die Hosentasche ging aber ins leere und da durchfuhr es mich mal richtig. Der sofortige Blick zurück klärte mich auf, dass das Taxi schon von dannen war. Scheiße! Hinter mir kamen zwei Mädels angelatscht, denen ich mein Problem begreiflich machte, die aber keine internationalen Anrufe tätigen konnten. Also das nächste ankommende Taxi gestoppt. Sowohl Fahrer als auch Fahrgast erklärten sich bereit, das Handy anzurufen, aber sie hatten kein ausreichendes internationales Guthaben. Damit schwanden die Chancen weiter. Der Berg war natürlich abgehakt und ich nahm ein Taxi zurück zur Unterkunft, wobei ich mich äußerst schwer damit tat, dem Fahrer zu erklären wo ich hin wollte. Vor drei Jahren hatte ich so nen Knochen noch nicht einmal, aber mittlerweile befinde ich mich in einer latenten Abhängigkeit von dem Ding. Vor allem im Ausland ist das Smartphone mit dem Kartenmaterial elementar wichtig für meine Orientierung geworden. Abgesehen davon, dass nun alle Kontakte futsch waren. Kurz gesagt - scheiß auf's Handy an sich, aber der Verlust von Funktion und Daten ging mir ganz schwer auf den Sack. Jung und Mädel an der Rezeption waren sehr bemüht und versuchten mehrfach das Telefon anzurufen, aber die Anrufe sprangen sofort in die Mailbox. Auch der Ortungsversuch über das Tablet ging schief. Letzte Ortung am Morgen des Tages und zwar genau dort,wo ich gerade stand. Das Ding war offensichtlich aus. Da der Akku voll geladen war, musste es also ausgeschaltet worden sein, entweder vom Fahrer oder vom nächsten Fahrgast. Ich vermute letzteres, denn im Blickfeld des Fahrers war das Ding auf der Rückbank liegend ja nicht. Ich versuchte später noch mal einen Anruf und die Ortung, aber der Status Quo veränderte sich nicht. Die Laune war natürlich im Sinkflug, aber es war ja nicht zu ändern. Also hieß es, den Verlust zu akzeptieren. Prinzipiell war etwas eingetreten, was nicht eintreten kann, denn ich bin zwar vergesslich, aber ich verliere eigentlich nie etwas. Aber auf einer fast siebenwöchigen Tour, geht halt auch schon mal was schief und dann verliere ich lieber ein Handy als dass ich mir ein Bein breche oder so. Zunächst überlegte ich, die restliche Tour dann eben ohne Smartphone zu absolvieren, mit dem Tablet ist ja auch einiges möglich. Dann machte ich mich aber auf in ein 'Centro Comercial', wo ich ein gebrauchtes 'S3 Mini' für 50 Dollar erstand. Kein Plan, ob der Kurs für so ein relativ altes, aber meiner Meinung nach solides Gerät okay war. Ich hab halt nicht wirklich Ahnung davon, aber die Auswahl an gebrauchten Handys war auch gering. Genauer gesagt lag sie bei Null. Egal in welchem der unzähligen Läden ich fragte, es gab nur neue Geräte. Einzig ein Ladenbesitzer verstand mein Problem offenbar richtig und so kaufte ich letztlich das gebrauchte Gerät seines Sohnes. Im Guesthouse machte mich ein wenig mit dem Teil vertraut, aber es war kaum Zeit, wir hatten noch einen wichtigen Termin.

Es musste wieder ein Taxi her, denn das 'Estadio Casa Blanca' von Liga Deportiva Universitaria liegt weit im Norden der Stadt, allerdings ist Taxifahren in Ecuador auch alles andere als teuer. Da muss man sich manchmal fragen wo da noch der Verdienst für den Fahrer herkommt. Bild Bild Die 'Casa Blanca' sieht dem 'Monumental' in Guayaquil sehr ähnlich, wirkt allerdings kleiner, dabei weicht das Fassungsvermögen kaum ab. LDU ist einer der erfolgreichsten Clubs des Landes und konnte 2008 sogar die 'Copa Libertadores' für sich entscheiden. Der Gegner El Nacional, ebenfalls aus Quito, ist die Mannschaft der Armee, in der nur Spieler mit ekuadorianischer Herkunft aktiv sind. Auf Landesebene ist El Nacional nicht weniger erfolgreich als LDU. Als Clasico geht die Partie trotzdem nicht durch, dieses ist das Duell mit SD Aucas aus dem Vorort Chillogallo. Bild Dieser Club macht allerdings derzeit harte Zeiten durch und spielt derzeit nur in der zweiten Liga, der Primera B. Aber auch die beiden hier aktiven Clubs erleben grad eine Durststrecke - Drittletzter gegen Vorletzter hieß die Paarung. Im Unterrang der 'General Sur' der südlichen Hintertor-Tribüne sammelte sich die Hinchada von LDU und legte richtig gut los. Das war doch schon mal verdammt viel mehr, als ich erwartet hatte. In der anderen Kurve befand sich eine weitere, kleinere Gruppe, die aber aufgrund der Lautstärke aus der 'Sur' keine große Aufmerksamkeit erregen konnte. Der gar nicht mal so kleine Gäste-Anhang, auch da hatte ich viel weniger erwartet, war sinnigerweise im Oberrang der 'Sur', also über den LDU-Hinchas, untergebracht und als beim Ausgleichstreffer zwei Fackeln gezündet wurden, wurden diese natürlich in den Unterrang entsorgt. Natürlich völliger Scheiß, aber bei so einer Orga auch nicht verwunderlich. Spielerisch war es ganz unterhaltsam und LDU konnte trotz zahlreicher vergebener Chancen mit viel Aufwand die erneute Führung erzielen. Aber nur drei Minuten später war nach einem überflüssigen Foul-Elfmeter wieder alles dahin. Die Partie ging aus Gästesicht mit einem vielleicht etwas glücklichen, aber nicht völlig unverdienten Remis zu Ende. Taxi zurück und dann machte ich einen allerletzten Anruf- und Ortungsversuch meines Handys bevor ich das Teil endgültig für verloren erklärte. Wir aßen noch was und dann eierte der Abend so zu Ende.

So. 23.04. 12:00 - SD Aucas vs Muhnuc Runa SC 4:1 (Primera B), 1.800 Zuschauer (2 Gäste)

Nach dem Frühstück splittete sich heute die Gruppe. Nobbi zog es zur Erstliga-Partie von Universidad Catolica ins 'Estadio Atahualpa', während wir drei Verbliebenen mal dem bereits angesprochenen strauchelnden Traditionsclub Sociedad Deportiva Aucas einen Besuch abstatten wollten. Bild Bild Da in Quito, wie in vielen anderen lateinamerikanischen Großstädten, sonntags für mehrere Stunden einige große Straßen für Fahrradfahrer gesperrt werden, war ein Riesen-Umweg nötig, so dass wir erst kurz vor Anpfiff am 'Estadio Gonzalo Pozo Ripalda' ankamen. Ich wusste nicht so recht was uns erwarten würde, da empfand ich fast 2tsd Zuschauer und eine aktive etwa 100-köpfige Hinchada hinter dem Tor, die dazu noch die Kurve im typisch südamerikanischen Stil schön geschmückt hatte, als positiv überraschend. Das reine Fußballstadion ist jetzt nicht hochspektakulär, aber es wirkt authentisch, wie die ganze Szenerie. Diejenigen, die anwesend waren, liebten ihren Club ganz offensichtlich unabhängig von der sportlichen Situation. Bild Ein Sachverhalt der mir persönlich sehr bekannt vorkam. Nicht authentisch, dafür aber dilettantisch war das Gestolper auf dem Rasen. Okay, der Untergrund war nicht der beste, die Sonne knallte, das Bemühen war allen Akteuren nicht abzusprechen und es war jetzt nicht die völlige Katastrophe, aber dass diese beiden Teams nicht zu den Top-Mannschaften der Primera B gehörten, war offensichtlich. Vor allem vor dem Tor wurde es wieder abenteurlich. Dementsprechend musste schon ein Elfer für die Pausenführung der Gastgeber herhalten. Nach dem Wechsel gewann Aucas zumindest spielerisch die Oberhand, vergab aber einige gute Dinger, was sich rächte, denn die Gäste erzielten 20 Minuten vor dem Ende den etwas überraschenden Ausgleich. Das sorgte für Unruhe im Publikum und als sich der Unmut langsam in Pfiffen und Zischenrufen äußerte, bekamen die Rot-Gelben einen weiteren Elfer zugesprochen. Drin dss Ding, noch zwei Konter erfolgreich gesetzt und den verdienten Sieg eingefahren. Für uns der Zeitpunkt abzufahren. Natürlich wieder mit dem Taxi und zwar zum 'TeleferiQo'. Bild Zweiter Versuch. Grüni und der Schiri kniffen dann aber und ich machte mich alleine auf die 8,50 Dollar teure Reise. Prinzipiell war das auch eher eine durchschnittliche Idee, denn die Wartezeit war kurz vor zu lang. Dabei hatte ich sowohl bei der Berg- als auch bei der Talfahrt das Glück, als Einzelperson vorgezogen zu werden, wenn mal ein Platz in einer Kabine frei blieb. Oben ist die Aussicht dann natürlich gewaltig. Ich war auch grad noch rechtzeitig hochgefahren, denn unten in der Senke zog es sich langsam zu. Auf kapp 4.100 Metern war es dann nicht nur kalt, sondern die Luft auch schon spürbar dünn. In den schon recht hoch gelegenen Städten, in denen ich bisher auf der Reise war, brauchte ich zwar schon mal nen Atemzug mehr, aber es war alles kein Problem. In dieser Höhe meldete sich dann aber auch der Kreislauf und bat darum, alles etwas langsamer anzugehen. Zurück in der Unterkunft wurden nur die Sachen gegriffen, denn die drei anderen zogen in ein Hostal nahe des 'Centro Storico' um. Ich fuhr noch mit rüber, wir gingen noch was essen und tranken noch ne Flasche Bier und dann musste ich mich verabschieden. Macht's gut Jungs, viel Freude noch. Taxi zum alten Flughafen, von wo der Airport-Bus zum neuen Flughafen fährt, der über 40 Kilometer weit außerhalb liegt. 50 Minuten dauert die Fahrt, um zwanzig nach zehn war ich dort. Bei Abflug um 4:15 Uhr war also noch ein Minütchen Zeit. Gut, dass ich so bescheuert bin und immer Bericht schreibe, denn so hatte ich genügend Zeit um Fotos auszuwählen, diese hochzuladen und ein paar Absätze zu schreiben.

Mo. 24.04. - Cusco

LATAM hob pünktlich ab. Der Flieger war relativ voll, aber ich hatte das Glück, dass meine Reihe mir vorbehalten blieb. Also machte ich mich lang und holte das Maximum an schlaf raus, bis wir zur Landung in Lima ansetzten. Dort reiste ich wieder nach Peru ein, holte mein Gepäck und latschte rüber in die Abflughalle. Bei Peruvian eingecheckt, noch ein bisken Zeit tot gehauen und dann war auch schon Boarding. Als dann alle in der engen Maschine saßen, meldete sich der Capitano und vermeldete, dass wir noch eine halbe Stunde warten müssen. Die Starterlaubnis kommt mehr oder weniger aus Cusco. Der Flughafen dort ist alt, mitten in der Stadt und zu klein für die Touri-Massen, die hier mittlerweile abgefertigt werden wollen. Also landeten wir erst um halb eins in Cusco. Der Anflug ist schon spektakulär, wenn man auf Augenhöhe mit den grünen Gipfeln ist und diese beinahe greifen kann. Umdenken, nun sind wieder Soles angesagt. Bild Und eigentlich zum ersten Mal auf der Tour lief die Taxi-Mafia zur Höchstform auf. Der erste wollte 40 von den Dingern, der zweite 30. Diese Typen ließ ich unbeachtet. Mit 20 und 15 kamen wir langsam in die richtige Region und für zehn schlug ich dann zu. Keine zehn Minuten später war ich dann im 'Hostal Intikahuarina', wo ich für wenig Soles ein kleines Zimmer mit einem eigenen Bad gebucht hatte. Eine schöne warme Dusche vertrieben Müdigkeit und die Geister des Transpirismus. Es war nun früher Nachmittag und ich machte mich mal auf in Richtung Zentrum, das ja durchaus nett anzusehen ist. Leider war heute einer der ganz wenigen Tage, an denen das Wetter nicht mitspielte und es regnete mal mehr oder weniger fest. Um den großen 'Plaza Mayor' befinden sich Cascaden, so dass ich mich nicht im Regen aufhalten musste. Die wenigen trockenen Phasen nutzte ich dann, um meinen Standort zu wechseln. Bild Cusco hat 350tsd Einwohner und liegt auf sportlichen 3400 Metern, aber wenn ich mich nicht zu hektisch bewegte, machte mir die Höhe nicht viel aus, weil ich mich ja in den vergangenen Wochen immer wieder in Höhen deutlich über 2000 Metern aufgehalten hatte. Offenbar war der Akklimatisierungs-Prozess schon gut fortgeschritten. Viele der Einwohner hier zeigten schon sehr indigene Gesichtszüge. Dann versuchte ich mal eine neue peruanische SIM-Karte für zu erstehen. Das dieses nicht unbedingt einfach werden würde, wusste ich ja noch aus Lima. Da 'Claro' recht teuer gewesen war, versuchte ich es mal bei 'Movistar'. Der Laden war aber so voll, dass tatsächlich Warte-Nummern ausgegeben wurden. Nach zehn Minuten des Wartens war aber auch klar, dass das zu lange dauern würde. Nächste Ansprechpartner waren die Leute von 'Entel', die aber offenbar noch nie eine SIM an einen 'Extranjero', einen Fremdländischen Menschen verkauft hatten und schon an meiner Fragestellung scheiterten. Also doch zu 'Claro'. Dort war man zwar auf meine Frage vorbereitet, aber die Aktivierung der eingelegten SIM wollte nicht funktionieren und man redete mir der Einfachheit halber ein, dass das Telefon ein Branding hat. Schwachsinn. Also später noch einmal zu 'Movistar', wo die Taktik erst kurz vor Geschäftsschluss aufzukreuzen aufging und ich schnell dran war. Die kleine, hübsche Peruanerin war sehr bemüht und wusste auch was zu tun war, aber was für ein Aufwand hier betrieben wurde! Mein Pass wurde kopiert und sogar einen Fingerabdruck musste ich abgeben. Seitenweise wurden Dokumente ausgedruckt, von denen ich mehrere Durchschläge unterschrieb und die dann in verschiedene Fächer gepackt wurden. Dann musste ich zur Kasse und dort ganze acht Soles, keine drei Euro, für die SIM inklusive Guthaben bezahlen. Unglaublich. In einem kleinen Restaurant, in dem nur Einheimische saßen, aß ich unterdurchschnittlich und verzog mich einigermaßen früh ins Bett

Di. 25.04. - Aguas Calientes

Dass ich nicht durchschlief, hatten drei Ami-Schlampen zu verantworten, die mitten in der Nacht lärmend ins kleine Hotel stürmten und sich laut unterhielten und lachten. Da muss man sich fragen, was sich manche Leute so denken. Man muss mir ja schon schwer auf den Sack gehen, bis ich was sage, aber hier war der Zeitpunkt schnell gekommen. Nachdem ich dann freundlich nachgefragt hatte, ob sie nen kompletten Schuss haben, war Ruhe. Um halb sieben musste ich aber raus, da ich um zehn nach sieben abgeholt werden sollte. Den Koffer ließ ich in der Unterkunft und packte nur den Daybag. 50 Soles, knapp 14 Euro, kostete mich der sechsstündige Transfer nach 'Hidroelectrica'. Prinzipiell hätte ich auch auf eigene Faust erst einmal zum regulären Abfahrtspunkt der Minibusse nach 'Hidroelectrica' begeben können, aber dafür hätte ich noch früher aufstehen müssen und das Taxi dorthin hätte den Gewinn wohl eh fast aufgefressen. Bild Dass aus zehn nach Sieben stattdessen zwanzig vor acht wurde, war in dieser Region der Erde nur konsequent. Aguas Calientes, der Ort unterhalb von Machu Picchu ist nur mit dem Zug oder mit den eigenen Füßen zu erreichen. Letzteres nur im Rahmen des Inka-Trails, einer mehrtägigen Wanderung, die in verschiedenen Varianten angeboten wird, oder eben ab Hidroelectrica in zweieinhalb Stunden. Der Normalo-Touri wählt generell den Zug, den man sich individuell über die gut gemachte Seite von 'Perurail' selber oder über einen Tour-Veranstalter buchen kann. Letzteres ist natürlich noch teurer, als eh schon ist. Denn der Zug stellt mehr oder ein weniger ein Monopol dar und Monopolisten ist bei der Abzocke Tür und Tor geöffnet. Um Kosten zu minimieren, aber auch um nicht nur den ausgetretenen Touri-Pfaden zu folgen, entschied ich mich daher, den Hinweg über die umständlichere Variante zu beschreiten. Bis Ollantaytambo lief noch alles normal. Dahinter wurde es dann spektakulär, denn die Straße windet sich in unzähligen Serpentinen rauf auf den 'Abra Malaga', eine Passstraße mit einem höchsten Punkt auf über 4.300 Metern, unterhalb des fast 5.900 Metern hohen Gipfels 'Nevado Verónica'. Genauso wie man rauf fährt, fährt man auch wieder runter - nur dass bergab ja alles noch viel schneller möglich ist. Bild Das bekam einem französischen Mitfahrer gar nicht gut, denn der quietsch-orangene Fruchtsaft, den er während der Fahrt getrunken hatte, ergoss sich in exakt derselben Farbe in eine durchsichtige Plastiktüte, die dem Spender von einem Fahrgast gereicht wurde. Lecker. Nach fünf Stunden Fahrt verließen wir dann in Santa Maria die gut ausgebaute Straße. Eine weitere Stunde fuhren wir über eine von zahlreichen Schlaglöchern durchsetzte Schotterpiste bis nach Hidroelectrica. BildDort endet die Straße und die Zugstrecke beginnt. Ursprünglich als Versorgungsstrecke für das Wasserwerk erbaut, begriff man irgendwann den touristischen Wert. Man kann also auch von hier, von der 'anderen' Seite mit dem Zug nach Aguas Calientes fahren. Oder man spart sich das Geld und absolviert den Weg eben auf Schusters Rappen. Dieser verläuft dann mit leichtem Anstieg über den Pfad neben der Bahnstrecke, die sich durch das Tal des Flusses 'Urubamba' zieht. Man muss nicht meinen, dass man dort romantisch alleine unterwegs ist. Der ehemalige Geheim-Tipp ist mittlerweile gut frequentiert, so dass man vor oder hinter sich eigentlich immer irgendwen sieht oder jemanden passiert. Ich legte mal ein paar Kohlen drauf, so dass ich die neun Kilometer in etwas unter zwei Stunden abspulte und gegen viertel vor fünf am Zielort eintraf. Ich hatte extra eine Unterkunft am Ortsrand dieses zu 100% auf Touristen ausgelegten Ortes ausgewählt, um früh zur Ruhe kommen zu können, aber dabei hatte ich dien Rechnung ohne den über ein paar Stromschnellen rauschenden Fluss gemacht, der durch die dünnen Wände eine Geräuschkulisse wie eine dauerhaft laufende Waschmaschine abgab. Ein wenig durch den Ort gelatscht, ein paar Mitbringsel für die Familie gekauft, ein 'Lomo Saltado' gegessen und dann ab ins Bett. Der Wecker sollte ja früh klingeln.

Mi. 26.04. - Machu Picchu

Für 4:20 Uhr hatte ich den Wecker gestellt. Ursprünglich hatte ich vor, die knapp 500 Meter Höhenunterschied zu Fuß zu überwinden. Da ich aber nach dem Marsch von Hydroelektrica nach Aguas Calientes irgendwie ziemlich kaputt war und ja zum Machu Picchu-Eintritt noch den Zutritt zum Berg 'Huyana Picchu', den nur 400 Besucher täglich betreten dürfen, dazu gebucht hatte, schien es mir vernünftig, mit dem Bus hoch zu fahren. Der erste Bus fährt um halb sechs und dann alle paar Minuten und schon lange davor stellen sich die ersten am Abfahrtspunkt an. Die Inka-Stadt wird um 6:00 Uhr geöffnet und ich wollte früh rein um die Anlage zumindest anfänglich noch nicht so überlaufen zu erleben. Deshalb der ursprüngliche Plan hochzulaufen, um vor dem ersten Bus oben zu sein, aber der Aufstieg hat es wohl auch in sich. Als ich aus dem Fenster schaute, hätte ich anfangen können zu weinen. Es regnete. Und zwar kräftig. Half ja nix, zumindest wusste ich in dem Moment, warum ich immer diese Einweg-Regencapes mit mir rum schleppe. Lunchpaket eingesackt und ab zur Haltestelle. Im sechsten oder siebten Bus war ich dann drin und dann geht es 25 Minuten in Serpentinen den Berg hoch. Oben angekommen hatte der Regen dann etwas nachgelassen. Erst war ich mir nicht sicher, ob ich mich nicht noch etwas unterstellen soll, aber ich wollte keine mir zur Verfügung stehende Minute verschenken. Also rein da. Bild Die tägliche Anzahl an Eintrittskarten ist auf 2.500 beschränkt. In der Nebensaison, die aktuell war, kann man meist auch am Vortag noch ein Ticket ergattern. Das bringt aber preislich keinen Vorteil. Der Eintritt in die Stadt kostet knappe 40 Dollar, wenn man der Huayna dazu bucht kommen noch einmal ein paar Dollar hinzu. Und da man auf dem Online-Auftritt des Kulturministeriums sehr sicher und einfach durch das Kauf-Menü geführt wird, hatte ich das Ticket schon lange im Voraus erworben. Zumal ich ja auch auf den Berg wollte und der ist halt irgendwann sold-out, daher war die frühzeitige Versorgung alternativlos. In dem Moment, als mein Ticket gescannt wurde, hörte es auf zu tröpfeln. Bild BildDer Weg führte zunächst etwa 70 oder 80 Meter durch ein Wäldchen und dann wurde der erste Blick auf die Stadt frei, durch die noch die Nebelschwaden zogen. Was soll ich sagen? Es! War! Beeindruckend!!! Ihr müsst denken, ich hab sie nicht alle (was generell stimmen mag), aber die Leser, die schon dort waren, wissen was ich meine. Diesem Ort wird ja eine tiefe Mystik nachgesagt und ich kann nur sagen, dass das in keiner Silbe gelogen ist. Wer sich für solche bedeutenden geschichtlichen Stätten begeistern kann, wird sofort von dieser Stimmung ergriffen, wenn er den ersten Blick auf die Stadt werfen darf. Ich ließ den ersten Eindruck erst einmal einige Minuten mehr oder weniger bewegungslos auf mich wirken. Dann erstieg ich eine höhere Ebene, von der man einen besseren Überblick hat und schließlich zu dem Punkt, von wo diese typischen Fotos mit dem Huayna Picchu im Hintergrund gemacht werden. Die Nebelschwaden lösten sich zwischendurch immer mal auf, so dass der Blick auf die komplette Stadt frei wurde. Machu Picchu wurde um 1450 erbaut und nur etwa 50 Jahre bewohnt. Nachdem die Stadt verlassen wurde, überwucherte sie die Vegetation im Laufe der Jahrhunderte. Obwohl mehrere Forscher die Stadt teilweise schon Ende des 18.Jahrhunderts erreichten und diese auch auf Karten exakt verzeichnet wurde, gilt 1911 als das Jahr der Wiederentdeckung, als der US-Amerikaner Hiram Bingham die Stadt mit einer aufwendigen gesponsorten Expedition erklomm und diese Ruinen ließ. Für den Huayna kann man zwischen zwei Zeitfenstern wählen. Ich hatte mich für das frühere mit Zutritt zwischen 7:00 und 8:00 Uhr entschieden. Also lief ich mal in Ruhe quer durch die Stadt zum Eingangstor. Kur vor diesem ist eine Futterstelle für Lamas und Alpakas. Die Tiere sind die Touristen natürlich gewöhnt und lassen alle Foto-Wünsche geduldig bis genervt über sich ergehen. Am Huayna-Eingang muss man sich in ein Buch eintragen, damit man am Ende des Besuchstages einen Überblick über die Verluste hat.

Der Aufstieg auf den Berg verlangt einem dann einiges ab und da zahlte sich die Entscheidung aus, dass ich mich für den Bus entschieden hatte. Denn ich fühle mich ausgeruht und es mangelt zwar an Kondition aber dank 25 Jahren aktivem Fußballsport und ausreichendem Beintraining in der Fitness-Schmiede ist meine Muskulatur fit und ich konnte den Aufstieg ohne große Unterbrechung überwinden. Es sind zwar nur ein wenig mehr als 300 Meter Höhenunterschied von der Stadt, die auf 2.340 Metern liegt und dem Gipfel auf 2.667 Metern, aber es geht überwiegend über in den Fels gehauene, völlig unregelmäßige bis zu 40 Zentimeter hohe Stufen steil nach oben und das ging echt an die Substanz. Ich passierte deutlich mehr Menschen, als ich passieren lassen musste. Manche Leute, an denen ich vorbei stratzte, sahen schon völlig fertig aus, teilweise waren diese auch einfach körperlich nicht in der richtigen Verfassung für diese Anstrengung oder einfach zu alt. Bild Bild Bild Vor allem Asiaten scheinen gut darin zu sein, sich zu überschätzen. Die Zugangsbeschränkung ist übrigens eine gute Idee, denn so sind Weg und Berg nicht zu überfüllt. Wenn man es dann nach einer knappen Stunde geschafft hat, wird man für alle Mühen belohnt. Der Blick von oben auf die Stadt und auch auf das umliegende Bergpanorama ist einfach phantastisch. Ich suchte mir ein Plätzchen auf einem der Felsen des kleinen Gipfel-Plateaus und saß dort lange, ohne die Verweildauer beziffern zu können. Ich konnte mich kaum satt sehen. Es zogen immer mal wieder Nebelschwaden und Wolken durch die Stadt, dann setzte sich mal die Sonne durch. Es ergab sich alle paar Minuten ein neues Bild. Irgendwann machte ich mich an den Abstieg. Der Rückweg ist zu zwei Dritteln ein anderer als der Aufstieg und man kommt noch an diverse Spots, von denen man immer wieder andere Perspektiven auf die Stadt geboten bekommt. Es war schon nach 11:00 Uhr als ich die Stadt wieder betrat, so blieben mir noch zweieinhalb Stunden. Das ist schon fast zu wenig Zeit, um ausgiebig umherzulaufen. Natürlich war Machu Picchu nun recht voll mit den Touristen des Tages, aber insgesamt ist das alles erträglich und es verläuft sich ganz gut. Ich kletterte dort rauf und sah mir dies an, lief ohne Plan durch die Gegend, einfach der Nase nach. Das ist meine Art der Besichtigung. Bild Mit einem Guide kann ich selten was anfangen, das wird mir meist irgendwann langweilig und ich höre gar nicht mehr zu. Um viertel nach eins war es dann leider langsam Zeit, sich an den Abstieg zu machen. Machu Picchu war von vornherein als absolutes Top-Highlight meiner Reise deklariert und es hat mich nicht enttäuscht. Es ist schon faszinierend bis unglaublich, was die Inkas vor fast 600 Jahren hoch oben auf einem schwer zugänglichen Berg gebaut haben. Mit diesem Besuch ging ein persönlicher Traum in Erfüllung. Per Pedes ging es wieder herunter nach Aguas Calientes und selbst bergab war der Weg schon anstrengend. Ich will nicht komplett ausschließen, dass Aufstieg nach Machu Picchu und der Aufstieg auf den Huayna Picchu für mich machbar gewesen wären. Aber es hätte mich sicher der Möglichkeit beraubt, den Besuch auf größtmögliche Weise zu genießen, daher war die Bus-Entscheidung goldrichtig. Ich holte den Rucksack, den ich im Hostal gelassen hatte, aus diesem ab und ging zum Bahnhof. Für den Rückweg hatte ich vorher den teuren Zug gebucht. Es wäre auch möglich gewesen, den gleichen Weg zurück zu bestreiten wie den Hinweg, aber das wäre nach dem anstrengenden Machu-Besuch wohl noch mal eine hohe Belastung, die ich mir ersparen wollte. 92 Dollar hatte mich das Online-Ticket für die 90 Minuten Fahrt bis Ollantaytambo gekostet und das war noch eines der billigeren. Wer ein Monopol bedient, kann Mondpreise bestimmen, aber zugegebenermaßen ist die Strecke anspruchsvoll und sicher wartungsintensiv, das wird schon einiges kosten, diese zu unterhalten. Man kann auch bis Cusco buchen, aber dann wird es noch einmal deutlich teurer, daher hatte ich nur ein Ticket bis Ollantaytambo gebucht und nahm von dort den Bus. Auf der eigentlich nur 90 Minuten dauernden Fahrt fuhr der Zug 30 Minuten Verspätung ein. Dabei ist der Betreiber doch 'Peru-Rail' und nicht die Deutsche Bahn. Da auch die anschließende Busfahrt zwei Stunden statt normaler 90 Minuten dauerte, war ich erst um kurz vor acht wieder im 'Intikahuarina'. Mit Duschen, Essen gehen und anderen Tätigkeiten war es halb zwölf bis ich endlich das Licht aus machte.

Do. 27.04. - La Paz

Also wieder eine kurze Nacht, denn um 5:00 Uhr musste ich raus. Eine halbe Stunde später latschte ich mit meinen Brocken zur Hauptstraße runter und bekam zum Glück schnell ein Taxi, denn es war noch nicht viel los auf Cuscos Straßen. Am Aeropuerto war genauso wenig los, also in Ruhe eingecheckt und einen vernünftigen Kaffee geholt. Als ich danach in den internationalen Abflug-Bereich, war dies nicht möglich. An der Verbindungstür hing auf einem alten zerschlissenen Bürostuhl ein verpennter Mitarbeiter, der bei Abflugzeit 7:40 Uhr ganz entspannt meinte, ich solle um sieben noch mal wieder kommen. Obwohl der Flug nach La Paz weniger als eine Stunde dauert, zeigte die Uhr 9:30 Uhr, denn Bolivien befindet sich in einer anderen Zeitzone. Der Flughafen befindet sich nicht direkt in La Paz, sondern in El Alto. Die Stadt ('Die Höhe') macht ihrem Namen alle Ehre, denn während sich La Paz in einem langezogenen, zerklüfteten Canyon auf durchschnittlich 'nur' 3600 Metern befindet liegt El Alto auf 4100 Metern in der Hochebene des 'Altiplano'. El Alto ist mit 850tsd Einwohnern etwas bevölkerungsreicher als La Paz, bildet aber mit diesem zusammen die größte Metropolregion Boliviens. La Paz ist übrigens der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. Per Taxi absolvierte ich für 60 Bolivares (10 Bolivar = 1,30 EUR) die knapp halbstündige Fahrt zum 'Terminal de Autobuses'. Bild Dort wollte ich mich um möglichst kurzfristige Anschluss nach Uyuni bemühen, aber die Direkt-Busse verkehren bei knapp zehn Stunden Reisezeit nur morgens und abends. Auch die Idee erst einmal einen der ständig abfahrenden Busse bis Oruro zu nehmen und sich dort um Anschluss zu bemühen, wurde nicht gewürdigt, da man von Oruro heute eben auch nicht mehr wegkommen würde. Also die Klamotten im Büro der auserwählten Busgesellschaft 'Panasur' eingelagert und mal aufgemacht in die Stadt. Vor drei Jahren wurde in La Paz ein 'Teleferico', ein Seilbahn-System eingeweiht. Um den Bewohnern die Fortbewegung zu erleichtern wurden drei Seilbahn-Linien erbaut. Diese übernehmen quasi die Funktion eines Metro-Systems und befördern verkehrsunabhängig relativ viele Personen in relativ kurzer Zeit über relativ große Distanzen. Die topographische Lage von La Paz lassen weder den Bau einer Untergrundbahn noch den Ausbau der chronisch verstopften Haupt-Verkehrsadern zu, so dass man sich für dieses Fortbewegungsmittel entschieden hat. Es sind weitere Seilbahn-Linien zur Erschaffung eines kleinen Netz-Systems geplant. Bild Aus touristischer Sicht ist das eine schöne Sache, denn für den Fahrpreis von drei Bolivares, keine 25 Cent, kann man das System nutzen und sich La Paz aus der Vogelperspektive anschauen. Eine Linie führt rauf bis an die Plauteau-Kante El Altos. Von dort hat man einen wirklich phantastischen Blick über die Stadt, der bis zu den schneebedeckten Gipfeln des 6500 Metern hohen 'Illimani'-Massivs reicht. Am oberen Rand von La Paz sieht man wieder beinahe ausschließlich unverputzte Backstein-Häuser, deren Bewohner der ärmeren Schicht angehören. Generell gilt in La Paz, das einen innerstädtischen Höhenunterschied von mehreren hundert Metern zu bieten hat, dass, je höher die Lage des Stadtteils ist, desto ärmer dessen Bewohner sind. Ich hielt mich recht lange da oben auf, lief etwas umher, aß mal etwas, und hatte dann auch eine etwas bedrückende 'Begegnung' mit einem völlig vom Klebstoff zugedröhnten armen Typen, der völlig benommen auf mich zu wankte, stürzte, und regungslos liegen blieb. Ich überzeugte mich, dass er noch atmete und ließ ihn dann schlafend liegen, wie er war. Dem war in dieser Situation schlicht nicht zu helfen oder ich wusste zumindest nicht wie. Solche Eindrücke holen mich dann immer etwas auf den Boden zurück und ich weiß in diesen Momenten zu schätzen, wie gut es mit geht. Ich fuhr mit dem Teleferico wieder runter nach La Paz, verbracht etwas Zeit in einem Café und begab mich dann zurück zum Bus-Terminal. Noch ein wenig bis zur Abfahrt um 20:30 Uhr rumgebracht und dann den geräumigen Bus mit seinen fetten, bequemen 'Cama'-Schlafsesseln geentert. Das kannte ich ja noch aus Argentinien - es gab nur drei Sitze pro Reihe und diese konnte man locker auf bis zu 30 Grad nach hinten klappen. Zwei Folgen FTWD verliehen mir die notwendige Müdigkeit.

Fr. 28.04. - Salar de Uyuni

Um viertel vor sechs weckten mich die lauten "Uyuni, Uyuni"-Rufe des Busbegleiters. Pünktlich zum Sonnenaufgang waren wir eingetrudelt und bis auf die Pinkel-Pause mitten in der Nacht hatte ich die Fahrt bestens verpennt. Ich brauchte erst einmal ein wenig, um wach zu werden und stand ein wenig an der Straßenecke des Bus-Sammelpunktes rum, als mir eine ältere Dame eine Karte eines Tour-Veranstalters in die Hand drückte. Da das Büro keine hundert Meter entfernt war, ließ ich mich direkt dort hin schleifen und buchte für 200 Bolivares den Tages-Trip in die Salzpfanne des 'Salar de Uyuni'. Bild Bis zur Abfahrt um halb elf war nun noch reichlich Zeit, die ich nutzte, um in aller Ruhe frühstücken zu gehen. Dort saß ich mit zwei Flamen aus Antwerpen am Tisch, die sich auf einer mehrmonatigen Reise befanden. Der eine hatte sich schwer am Fuß verletzt, dachte aber nicht dran, die Tour abzubrechen und schleppte sich auf Krücken durch die Gegend, während sein Kumpel beide Rucksäcke trug. Hut ab für das Durchhaltevermögen und eine offensichtlich funktionierende Freundschaft. Aus dem Frühstücks-Café buchte ich mir das 'Hostal Liliana' für die folgende Nacht, wobei das wichtigste Buchungskriterium der vorhandene Heizlüfter war, denn in Uyuni sinken die Temperaturen in der Nacht auf den Gefrierpunkt und tiefer. Gegen halb elf wurde ich dann wieder im Agentur-Büro vorstellig, wo auch mein Gepäck über den Tag stehen blieb. Bild Kurz darauf hielt ein 8-Sitzer-Offroader aus asiatischer Herstellung vor der Tür, in dem noch genau ein Platz frei war. Angemessener Weise war dies der Beifahrersitz und ich gesellte mich zu fünf Argentiniern, einem Mexikaner und dem bolivianischen Fahrer. Der überwiegende Teil der beschriebenen Personen gehörte der Traveller-Kaste an. Dreadlocks und Schlabberkleidung sprachen eine eindeutige Sprache. Zunächst befürchtete ich, dass ich in dieser Gruppe mit Leuten, die sich alle in ihrer Muttersprache verständigen konnten, isoliert sein würde, aber das stellte sich schnell als falsch heraus, denn über die drei des Englischen mächtigen und meine paar Brocken Spanisch, mit denen ich ungewollt einige Male zur Erheiterung beitrug, wurde ich voll integriert. Auch meine Befürchtung, dass aufgrund unterschiedlicher Ansichten und Denkweisen zur Traveller-Gilde keine wirkliche gemeinsame Basis bestünde, war Quatsch. Alle waren richtig lustig und in Ordnung und es wurde wirklich ein großartiger und kurzweiliger Tag. Bild Der erste Weg führte zum 'Cementerio de trenes', dem Eisenbahnfriedhof am Ortsrand von Uyuni. In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts erlebte die Gegend ihre wirtschaftliche Blütephase, da viele Rohstoffe abgebaut wurden. Diese wurden mit Zügen abtransportiert. Als in den 40er Jahren die Abbau-Industrie zusammenbrach wurden Infrastruktur und Fahrzeuge nicht mehr gebraucht und einfach zurück gelassen. Im Laufe der Jahrzehnte sind die alten Dampf-Loks und Waggons mittlerweile völlig mit einer Korrosionsschicht überzogen, was der Szenerie einen Touch von Endzeit-Filmen verleiht. Bild Bild Nach einem Halt auf dem Souvenir-Markt in Colchani, den ich nutzte, um ein 'Chicharron' vom Lama zu verspeisen, ging es zum Salzsee. Mit über 10tsd Quadratkilometern ist der Salar de Uyuni die größte Salzpfanne der Erde und halb so groß wie das Bundesland Hessen. Ein Teil des Salar war noch mit dem Wasser der Regenzeit bedeckt, dorthin fuhren wir zuerst. Wenn das Wasser auf dem See steht, kann man wunderbare Fotos mit Spiegelbildern machen. Das Wetter hätte auch besser nicht sein können - ein wolkenloser blauer Himmel soweit das Auge schauen konnte, war zu sehen. Leider ging ein ganz leichter Wind, welcher der Wasseroberfläche etwas Unruhe verlieh, so dass keine Spiegelung möglich war. Zum Lunch kehrten wir im Salzhotel inmitten des Sees ein. Ein Gebäude aus Salt, mit Stühlen aus Salz, Tischen aus Salz und so weiter. Unser kleiner knubbeliger Fahrer Walter - der hieß wirklich so - war übrigens ein absolut witziger Kerl. Vom Salzhotel fuhren wir zur 'Isla del Pescado', eine der Inseln im See, die mit den charakteristischen Stab-Kakteen bewachsen ist. Die Insel hat eine Höhe von 170 Metern und von oben bekommt man noch mal einen Eindruck von der Dimension der Salzfläche. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch ein paar bekloppte Photos mit zwanzig Zentimeter großen Gummi-Sauriern gemacht, die man durch die perspektivische Täuschung, die auf der weiten, weißen Fläche möglich ist, riesengroß aussehen lassen kann. Von der 'Fischinsel' machten wir uns auf den Rückweg, hielten an, um den Sonnenuntergang zu bestaunen und begutachteten in der letzten Dämmerung ein paar stinkende warme Quellen, bevor uns Walter gegen 19:00 Uhr wieder in Uyuni ablieferte. Toller Tag, hat Spaß gemacht. Ich ging noch etwas essen und verzog mich dann in die Unterkunft. Die Temperaturen in Uyuni nach Einbruch der Dunkelheit luden nicht unbedingt zum Verweilen an der frischen Luft ein.

Sa. 29.04. 15:00 - Club Real Potosi vs CD Universitario de Sucre 1:0 (Liga FPB), 1.800 Zuschauer (80 Gäste)

Um 7:00 Uhr war Aufstehen angesagt. Der Besitzer des Hostals hatte für mich das Frühstück eine halbe Stunde vorziehen lassen. Sehr nett. Um 8:00 Uhr war ich an der Bus-Station und checkte für 30 Bolivares in den nächsten Bus ins 150 Kilometer entfernte Potosi ein. Ein dicker Hongkong-Mann - wie bezeichnet man die Einwohner Hongkongs eigentlich... Hongkongianer? Hongkongesen? Hongikongis? - machte mich auf das linke Vorderrad aufmerksam und ich blickte auf eine Konstruktion in völlig desolatem Zustand. Eine Radmutter-Aufnahme war abgebrochen, eine völlig vergammelt, so dass die Mutter schief darauf saß. Immerhin - die anderen vier Muttern schienen festgezogen zu sein. Da rückte das völlig herunter gefahrene Profil, doch komplett in den Hintergrund. Eigentlich hatte ich mir geschworen in solche Seelenverkäufer nicht einzusteigen, aber da bisher alle Transfers ziemlich reibungslos geklappt hatten, setzte ich mich im trügerischen Gefühl der Unantastbarkeit rein in die Schaukel. King Kong - jetzt fällt es mir ein... Hongkong-Chinesen nennt man die - und ich waren auch die einzigen Nicht-Bolivianer im Bus, weshalb wir immer wieder teilweise verstohlen, teilweise neugierig offen beobachtet wurden. Bild Die Bevölkerung in den entlegenen Regionen Boliviens ist sehr indigen durchsetzt. Die beiden etwas älteren auf der anderen Seite des Mittelganges neben mir sitzenden und Koka-Blätter kauenden Indios schauten mich an wie einen Geist, als ich anfange von der Digi die Fotos auf das Tablet zu ziehen. Um die Situation aufzulockern bot ich einen Keks an. Kommentarlos, ohne ein Wort des Dankes zu verschwenden, nahmen beide das Angebot an. Ich wertete das trotzdem nicht als Unfreundlichkeit. Die rauhe, zerklüftete Steppenlandschaft erinnerte manchmal an die schottischen Highlands und dann wieder an Kapadokien. In ihrer Einfachheit wirkte die Natur hier sehr abwechslungsreich. Überall weideten Lamas und Alpakas und rangen dem kargen Boden die wenigen Halme ab. Nach knapp drei Stunden Fahrt wurde in einem kleinen Ort tatsächlich der Zustand der angesprochenen Radaufnahme verbessert. Offenbar war es den Verantwortlichen doch selber nicht ganz geheuer. Zur Mittagszeit kamen wir in Potosi an. Die 180tsd-Einwohner-Stadt liegt durchschnittlich auf knapp über 4tsd Metern und ist an einem Hang unterhalb des 'Cerro Rico' erbaut. Der 'Reiche Berg' machte die Stadt im 17.Jahrhundert mit seinem Silberreichtum zu einer der größten und wohlhabendsten Städte der Welt. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen, wenn man von der recht sehenswerten kolonialen Altstadt einmal absieht, obwohl auch heute noch unter unmenschlichen Voraussetzungen und haarsträubenden Sicherheitsbedingungen geschürft wird. Dazu empfehle ich die entsprechenden Artikel im Internet, da stehen einem echt die wenigen Haare zu Berge. Agenturen bieten Touren in die Minen an. Zum einen sind die aber halt nicht ungefährlich, zum anderen finde ich es pervers einen Touri-Ausflug an die Orte zu machen, wo sich Menschen, die täglich durch das Einatmen des Staubes ihre Lebenserwartung verkürzen, mühsam ihre Bolivares verdienen, die Familie durchzubringen.

Bild Abgesehen von der Altstadt erinnern die Barrios Potosis an La Paz. Man sieht nur backsteinrot. Putz kann sich wohl auch hier kaum einer leisten. Für nen Zehner fuhr ich mit dem Taxi zum Busbahnhof und sicherte mir bei 'Bolivar' ein Ticket für 90 Bolivares für den Nachtbus nach La Paz und lagerte meinen Koffer im Büro der Busgesellschaft ein. Mit dem Minibus fuhr ich zurück in die Stadt und dann war es schon Zeit zum 'Estadio Victor Augustín Ugarte' zu schleichen, wo mir im Tausch gegen 25 Bolivares ein Ticket für die Curva Norte übereicht wurde. Die Cancha ist schon ne Wucht. Auf 3.960 Metern übrigens einer der höchstgelegenen der Erde. Die Haupttribüne setzt sich vom übrigen Rund etwas ab. Nur die oberen Reihen sind durch ein Dach geschützt, das auf die Presse- und VIP-Boxen aufgesetzt ist. Die übrigen Ränge rund um die Laufbahn sind durch einen breiten Umlauf mittig in Ober- und Unterrang geteilt. Der Oberrang erfreut sich über ein Dach, dass in den Ecken zugunsten der Lichtmasten unterbrochen ist. Bild Den Luxus der Überdachung genießt die Bude auch noch nicht lange, das beweisen Fotos aus dem Netz. Das Stadion füllt sich nur spärlich. Ich hatte eh nur mit einer dreistelligen Zuschauerzahl gerechnet, letztlich wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Für den 'Clasico del Sur' gegen das Team aus dem relativ nahen Sucre natürlich trotzdem dürftig. Die Potosi-Hinchas hatten ihre Kurve wunderschön geschmückt, aber leider verloren sich hinter den Bannern nur etwa 50-60 aktive Fans. Nach etwa 15 Spielminuten traf dann tatsächlich noch eine Ladung Gäste ein, damit hatte ich mal überhaupt nicht gerechnet. Das Geschehen auf dem Rasen war zwar nicht komplett schlecht, aber irgendwie eher ein Langweiler. Die Torraum-Szenen wurden derart dilettantisch abgeschlossen, dass einfach keine Spannung aufkommen wollte. Das änderte sich ungefähr nach einer gespielten Stunde. Die Gastgeber wurden zwingender und zielstrebiger und damit einhergehend viel dem Gäste-Schnapper ein, dass als Tabellenletzter ein Auswärts-Punkt ja gar nicht so schlecht ist und er begann ein übelstes Zeitspiel, das vom Referee zunächst ungeahndet blieb. Bild Jede Szene wurde genutzt, um wieder ein paar Sekunden herauszuholen - echt, der Typ ging komplett auf den Sack. Dann trat doch der Arbitro auf den Plan und überbot die vom vierten Offiziellen empfohlenen vier Minuten Nachspielzeit deutlich. Irgendwann tief in der Extra-Time erzielte Real dann doch noch den Siegtreffer. Zugegebenermaßen nach einer grenzwertigen Aktion gegen den Torwart, aber der hatte sich die Kirsche für sein Zeitspiel einfach verdient, was wohl auch der Schiri so sah. Nun hatten die Gäste-Spieler natürlich ein paar Fragen an das Gespann. Die Folge waren hektische und aggressive Diskussionen, was sogar die Policia auf den Plan rief, um die aufgebrachten Sucre-Akteure von den Unparteiischen fernzuhalten. Klar, dass nun die Heim-Mannschaft in den verbleibenden Spiel-Szenen keine Eile mehr hatte und genauso klar wie absurd, dass sich die Gäste fürchterlich darüber aufregten. Am Ende war das eine äußerst amüsante und unterhaltsame Begegnung, wenn es auch ein wenig dauerte, bis sie in Fahrt kam. Ich latschte mal hoch in die Altstadt. Die Höhe machte mir erstaunlich wenig Probleme, allerdings hielt ich mich ja nun auch seit einer Woche konstant in Höhen um, die 3tsd Meter auf, da stellt sich ja auch der untrainerteste Körper dann mal ein wenig drauf ein. Das 'Centro Storico' ist recht weitläufig und hat einige sehenswerte Ecken zu bieten. Irgendwann war es genug mit dem Rumlaufen. Auf einer Bank auf einer kleinen Plaza schlürfte ich mal ein Döschen Cerveza, aß dann noch ein fürchterlich zusammen gebrutzeltes Stück Huhn und fuhr mit dem Minibus wieder zum 'Nuevo Terminal', dass ziemlich am Stadtrand liegt. Pünktlich um 22:00 Uhr legte der Bus mit diesen wunderbaren Schlafsesseln ab.

So. 30.04. 17:15 - Club The Strongest vs Club Petrolero de Yacuiba 5:1 (Liga FPB), 9.000 Zuschauer (0 Gäste)

Ich hatte wieder super gepennt. Nach einer Folge 'Fear the walking dead' schlummerte ich selig ein, konnte mich auch beim Pinkel-Stop nicht erheben und erwachte erst in der Peripherie von La Paz. Um halb sieben waren wir dann am Bus-Terminal und ich machte mich auf die zwanzig Minuten Fußweg zum 'Hilton' ... ähm 'Milton'. Außer der Namensähnlichkeit hatte der Schuppen nix mit den Hütten von der guten Paris gemein. Ein etwas in die Jahre gekommener Bau mit ebensolchen Zimmern. Aber das Hotel war gut bewertet, hatte alles was man braucht und - ganz wichtig - man konnte ab 7:00 Uhr einchecken. Ich kaufte mal das Frühstück für den Anreisetag dazu, genoss dieses und haute mich dann noch was auf's Ohr. Bild Zur Mittagsstunde wollte ich eigentlich aufstehen, das klappte aber nicht so recht und nach Duschen und Körperpflege verließ ich das Hotel erst nach 14:00 Uhr. Erst einmal was gegessen und dann schlurfte ich mal hier hin, mal da hin, und dann zur 'Plaza Murillo', an dem sich die Regierungsgebäude befinden. Von dort sind es dann nur zehn Minütchen bis zum 'Estadio Hernan Siles', dem Nationalstadion Boliviens, dass unter anderem auch vom Club The Strongest als Heimstatt genutzt wird. Das Nationalteam ist hier auf 3.600 Metern Höhe gegenüber eigentlich sportlich besseren Mannschaften im leichten Vorteil, weshalb hier die Großen auch mal den einen oder anderen Ausrutscher hinnehmen müssen. Für 30 Bolivares ging es auf die 'General', die Gegengerade. Bild Ich bin ja eigentlch kein großer Freund von Stadien mit Laufbahn, aber auch diese Cancha ist mit ihrem überhängenden Oberrang irgendwie endgeil. Die Tribünen sind richtig schön steil und dadurch wirkt das Oval trotz der Leichtathletikbahn schön eng. Die Haupttribüne ist ein eigenständiger Bau, was die Optik noch verbessert. Ich konnte nicht so recht einschätzen, was man an Zuschauern erwarten kann. Dass Petrolero, aus Yacuiba, ganz im Süden an der Grenze zu Argentinien liegend, und punktgleich mich dem Letzten aus Sucre, nichts mitbringen würde, war mir schon klar. Insgesamt hatte ich mit 4-5tsd Zuschauern gerechnet doch am Ende kamen doppelt so viele. Die 'Glorioso Ultras del Sur' beflaggten ihre Kurve ordentlich. In der Mitte versammelte sich die Kapelle aus drei Trompeten, zehn Trommeln und ein paar Snare bestehend. So war die Kurve flächendeckend aber lückenhaft belebt. Schade, dass nicht alle zusammen rückten, das wäre eine gute Bande gewesen. Aber ich will nicht klagen - das war insgesamt schon ein ganz guter Auftritt und vor allem deutlich mehr als ich erwartet hatte. Bild The Strongest, einer der Vorzeige-Clubs des Landes und nach mäßigem Saisonstart wieder in der Spur, waren von Anfang an deutlich überlegen. Die Gäste aus dem Süden kamen nur mit seltenen Kontern zur Geltung, während das Team aus La Paz dicke Chancen im Minutentakt kreierte. Zur Pause stand es trotzdem nur 1:0. Die Petroleros hätten kurz nach dem Wechsel beinahe den Ausgleich erzielt, aber danach kannte das Spiel wieder nur eine Richtung. Zwei schnelle Tore entschieden die Partie früh. Danach begann das Schaulaufen. Die Gäste ergaben sich ohne weitere Gegenwehr, es sah teilweise aus wie eine Trainingsspiel so einfach konnten sich The Strongest durch die gegenerische Abwehr kombinieren. Dass dabei nur zwei weitere Treffer herauskamen, verdankten die Gäste ihrem guten Torwart, der als einziger mit vollem Einsatz dabei zu sein schien und seine Abwehr ein ums andere Mal zusammenschiss. Eigentlich hätte die Partie doppelt so hoch ausgehen müssen. Der Ehrentreffer stand dem Team aus Yacuiba eigentlich gar nicht zu und doch hatte sich der Schütze diesen individuell verdient. Bei einem direkten Freistoß kurz vor dem Sechzehner meldete nämlich besagter Torwart Ansprüche an, nahm konzentriert Maß und versenkte das Ding mit einer schönen Bogenlampe im Giebel. Auch so ne Sache, die es nur in Südamerika gibt. Danach war Schluss. Die Kurve wollte ihr Team feiern, dieses sich aber nicht so recht feiern lassen, denn kleine Gruppen im Publikum hatten es tatsächlich gewagt, Unmut zu äußern, wenn bei Ballbesitz mal der Weg über den Schlussmann gesucht wurde. Zugegeben - bei fünf erzielten Treffern, dürfen sich die Fans auch einfach mal nur freuen, aber als Spieler gleich beleidigt ne Schüppe zu ziehen, ist auch wieder so ne Sache. Luxusprobleme. So läuft es halt bei den FC Bayerns dieser Fußballwelt. Ich spazierte nach an der nahen Botschaft mit dem Bundesadler vorbei, was ich ja in fremden Ländern immer gerne mache, wenn der Umweg nicht zu groß ist. Keine Ahnung warum, vielleicht weil es ein Stück Heimat bedeutet. Bei einem Italiener - ich brauchte mal was anderes als Huhn, damit mit nicht noch Federn wuchsen - gab es eine durchschnittliche Lasagne und einer Oma in einem kleinen Laden kaufte ich noch zwei Buena-Noche-Cerveza ab.

Mo. 01.05. - Lima

Um sieben schmiss ich mich aus dem Bett, Katzenwäsche, Frühstück und mit dem Taxi hoch zum Flughafen nach El Alto, der für offenbar größere Aufgaben derzeit ausgebaut wird. Irgendwann vor ein paar Wochen erreichte mich eine Email von 'Peruvian', dass mein Direktflug von La Paz nach Lima zu einem Flug mit Stopover in Cusco mutiert war. Der Zwischenstop in Cuzco ging dann megaumständlich über die Bühne. Statt die Passagiere nach Lima sitzen zu lassen, mussten alle raus. Die Lima-Menschen wurden dann zur Migration geführt an den dort wartenden, bestimmt 200 Personen vorbei, die natürlich schwer staunten, und wurden bevorzugt abgefertigt. Der Zoll wollte auch noch mal nachfragen und dann gingen alle im Gänsemarsch durch eine Schleuse aus dem Ankunfts- in den Abflugbereich und boardeten den Flieger erneut. Da wir aber aus La Paz schon zu spät weg gekommen waren und in Cusco alles zu lange dauerte, war es nicht mehr möglich, das Ankunftszeitfenster in Lima zu treffen. Das hieß nichts anderes als auf ein neues 'Okay' aus Lima zu warten und so pimmelten wir fast eineinhalb Stunden auf dem Rollfeld in Cusco ab, bevor es los ging. Nervte. Bild Nach einer Flugstunde setzten wir dann in Lima auf. Für die letzte Nacht vor dem Heimflug hatte ich mir eine Unterkunft in La Punta, auf der westlichen Zipfel-Halbinsel im Stadtteil Callao gebucht. Das war nicht so weit vom Flughafen weg wie Miraflores und ich wollte halt auch noch was anderes sehen. 45 Soles sollte das Taxi vom Flughafen kosten, aber das war keine Überlegung wert, man ist ja Profi und außerdem hatte ich Zeit. Also mal die 200 Meter zur Hauptstraße vor dem Aeropuerto gelaufen und abgecheckt, was die Richtungsschilder der Minibusse so mitteiltenl. Und nach zehn Minuten kam doch das Gefährt, das ich brauchte. Kostete dann auch nur zwei Soles statt 45. 45 war trotzdem Trumpf, denn so viele Minuten dauerte die Fahrt, aber das war egal, denn ich hatte keine Eile. Im 'Ocean Park' wurde ich schon erwartet. Das ist ein kleines Hotel mit einem Dutzend Zimmern in einem alten kolonialen Bau direkt an der Pazifik-Küste. Nicht gerade modern, aber mit Stil und die Besitzerin war supernett. Mittlerweile war es17:00 Uhr geworden und ich ging mit einem Eis bewaffnet zum Malecon und suchte mir ein Plätzchen um den Sonnenuntergang zu beobachten. Die Suche nach einem Restaurant für das Abendmahl gestaltete sich dann schwieriger als erwartet. Das erste war bereits zu, das zweite hatte eine geschlossene Gesellschaft und so landete ich mal wieder beim Streetfood. Die marinierten Spießchen waren lecker und auf einer Bank am Meer sitzend teilte ich meine bescheidene Mahlzeit mit einer sehr hübschen, hungrig und ängstlich blickenden Mischlingshündin. Der Abend klang dann bei ein paar 'Cusquena' auf dem Hotel-Balkon oberhalb des Meeres aus.

Di. 02.05. - Heimreise

Da ich am Vorabend schon um kurz nach 23:00 Uhr im Bett verschwand, war um 8:00 Uhr die Nacht wieder vorbei. Auf dem Balkon wurde ein recht gutes Frühstück serviert. Danach machte ich mich gemächlich auf zum 'Fortaleza Real Felipe'. Das klappte erst im zweiten Versuch, da mich kurz nach Verlassen der Unterkunft eine Drecks-Taube mit ihren Exkrementen an der Schulter erwischte. Ich unterstelle Vorsatz! 'Real Felipe' wurde Mitte des 18.Jahrhundert von den Spaniern als Verteidigungsanlage gegen Piraten errichtet. Bild Es ist die größte Festungsanlage, die von den Spaniern auf dem amerikanischen Kontinent erbaut wurde. Da Teile des Forts noch militärisch genutzt werden, kann die Anlage nur im Rahmen einer Führung besichtig werden. Wusste ich nicht, hatte ich keine Lust drauf und da die Führungen in spanischer Sprachen stattfinden, hätte es auch wenig gebracht. Daher wurde mir eine Mitarbeiterin für einen fünfzehnminütigen Schnelldurchlauf gestellt. Danach spazierte ich in aller Ruhe durch 'La Punta'. Der Stadtteil steht komplett im Zeichen des Miguel Grau, einem peruanischen General und Nationalheld, der in den Seekriegen gegen Chile von sich reden machte. La Punta gilt als Stadtteil der oberen Mittelklasse. Das mag wohl sein und es fällt auf, dass alle Häuser Putz tragen und dass viele ältere koloniale Häuser und Gebäude gut gepflegt sind, aber die ungepflegten Bauten zerstören das mögliche richtig schöne Stadtbild. Vor dem Packen der Sachen verwirklichte ich noch das letzte Vorhaben, nämlich eine 'Ceviche' zu essen, ein typisches peruanisches Gericht, bestehend aus rohem Fisch, Zwiebeln, Süßkartoffeln, Reis und Limettensoße. Ja und dann brach wirklich die absolute Schlussphase an. Ich gönnte mir eine Dusche, verzehrte das letzte vom Vorabend übrig gebliebene 'Cusquena' und packte meine Sachen. Der Minibus brachte mich dann zurück zum Airport. Der Fahrer war wieder einer von der ganz irren Sorte. Ich versteh ja, dass es um jeden Soles geht und man möglichst jedes Fahrzeug, dass die gleiche Route bedient überholen muss, um Passagiere abzufischen, aber an der roten Ampel an fünfter Position dauerhaft auf der Hupe zu stehen, macht wenig Sinn. 50 Minuten dauerte der Ritt trotzdem, denn an den Knotenpunkten ist der Verkehr zu dicht. Da hilft kein Hupen der Welt. Iberia-Flug 6650 brachte mich zunächst sicher und pünktlich nach Madrid, von wo es keine zwei Stunden später nach Amsterdam weiter ging. Dort konnte ich dann meine Herzdame in die Arme schließen. Eine für mich wahrhaft einzigartige Reise ging zu Ende. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich deshalb nicht ein bisschen Wehmut empfunden hätte und bei aller Freude über das Wiedersehen, wäre es mir nicht schwer gefallen den Trip weiter fortzusetzen. Kurz- und mittelfristig wird Vergleichbares auch sicher nicht wieder möglich sein, aber vielleicht gelingt es mir in ein paar Jahren noch einmal, meinen Arbeitgeber zu überzeugen.

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(Manni Breuckmann)