G R O U N D F E V E R
  Slowakei & Wien
 

27.-30.03.2010 --- Slowakei & Wien
 
Sa. 27.03. 10:15 - Bratislava vs SK Plavecky Stvrtok 1:0 (Majstrovsto regiónu BFZ), 70 Zuschauer (?? Gäste)
Sa. 27.03. 15:15 - First Vienna vs SKNV St.Pölten 2:0 (Erste Liga), 1.650 Zuschauer (50 Gäste)
Sa. 27.03. 18:00 - Austria Wien vs SC Magna Wiener Neustadt (Bundesliga), 7.901 Zuschauer (15 Gäste)


4:00! Der Wecker schellt Sturm. Mühsam heb ich die Knochen aus der Kiste und frage mich zum wiederholten Male, warum ich mir das antue. Warum hab ich kein 'vernünftiges' Hobby? Ein letzter neidischer Blick auf mein Mädel. Ungerührt dreht die sich um, irgendwas murmelnd, was sich wie 'Komm gesund wieder' anhört, und pennt weiter wie n Igel im Winterschlaf. Scheiß drauf, in sieben Stunden wartet der erste Kick. Steffen ist pünktlich um 4:30 da und gemeinsam geht’s nach Weeze zum Flughafen, Ziel Bratislava. Die slowakische Hauptstadt sollte als Schlaf-Stützpunkt fungieren. Hatte mal wieder blind 5-Euro-Flüge gebucht und den Spielplan auf mich zukommen lassen. Ursprünglich sollte Slovan Bratislava an dem Wochenende 'heimspielen', aber da es in Osteuropa ja auch fett geschneit hat, fiel ein Spieltag komplett aus. Also wurden keine Nachholspiel-Termine gesucht, sondern einfach der ganze Spielplan eine Woche nach hinten verschoben. In dem Fall unser Glück, so wartete das Hass-Derby Spartak Trnava gegen Slovan auf uns. Steffen, ein Kumpel aus Bochum, war noch kurzfristig aufgesprungen. Brauchte wohl auch mal n bisschen Abwechslung von der Grütze, die sich sein VfL zusammenspielt.
 
Bild Mit dem Flug ging alles glatt und so waren wir dank den osteuropa-üblichen guten Nahverkehrsverbindungen um 9:00 in der City von Bratislava. Eigentlich wollte ich n günstiges Bett in nem Schlafsaal eines der dortigen schmucken Hostels nehmen, aber Kollege Steffen schläft halt lieber Bundesliga. Die wenigen Doppelzimmer, die die Hostels zu bieten haben, waren schon voll, also fiel die Wahl auf das Hotel Kiyev. Naja das war dann doch nicht so wirklich Bundesliga, denn der Name ist Programm . Ostblock-Charme pur inklusive fließend Wasser aus der Badezimmerdecke!! Naja, dafür billig und duschen wollten wir ja morgens eh. Bild Kurz eingecheckt und dann bei bestem Wetter als Aufwärmprogramm ab zum FC Ruzinov. Vierte Liga Slowakei bedeutet wohl ungefähr soviel wie Bezirksliga bei uns. Dafür aber ne nette Anlage zwischen sozialistischen Wohnblöcken inklusive einer feinen kleinen überdachten Tribüne. Nur das Catering fehlte komplett. Leider gestand uns der Zeitplan nur eine Halbzeit zu (Schande über uns!), dann mussten wir uns schleunigst mit dem Linienbus zum Busbahnhof an der 'Novy most' aufmachen, von wo der Expressbus nach Wien abfuhr.

Schon ne gute Stunde später waren wir dann in der Ösi-Hauptstadt. Ne kurze Sightseeing-Runde vom Stephansdom durch die Hofburg an der Oper vorbei und wieder zum Dom zurück. Kurz mit nem Döner die Geschmacksnerven abgetötet (ich sagte 'ein bisschen scharf', du Mokel, und nicht ‚Feuer frei!’) und mit der U-Bahn zu First Vienna gegen St.Pölten ins Stadion 'Hohe Warte'. Ein absolut geiles Teil, was ich schon immer mal machen wollte. Bild Bild Früher mal das größte Stadion Österreichs. Ein Naturstadion, was auf der Gegenseite in einen hohen Hang gebaut ist. Bild Heute besteht das Ding aus einer schmucken Haupttribüne und ner ungedeckten Stahltribüne auf der Gegenseite im unteren Bereich des Hanges. Die alten Stufen sind aber noch zu erkennen. Einfach eine sehr geile Kulisse. Der sportliche Nährwert war überschaubar. Vienna brauchte die Punkte dringend für den Klassenerhalt und holte diese auch. Die heimische Szene, etwa 150 bis 200 Leute, ist ähnlich verzeckt wie die von St.Pauli oder Altona 93. Nach dem Schlusspfiff schleunigst wieder in die U-Bahn und einmal quer durch die Stadt zum Franz-Horr-Stadion von Austria. Das klappte reibungslos und wir waren 20 Minuten vor dem Kick-off im Ground. Ein reines Fußballstadion, ein wenig asymmetrisch, da drei Tribünen in etwa gleich hoch sind, die Hintertortribüne, auf welcher der Heim-Mob tobt, allerdings doppelstöckig ist und den Rest des Stadions überragt. Bild Das Publikum ist an deutschen Verhältnissen gemessen ne Zweitliga-Kulisse, daher reicht der 13.000er für den Club vollends aus. Der Kick war ein Langweiler vorm Herrn. Der Gegner aus dem 40km entfernten Wiener Neustadt konnte sage und schreibe 25 Personen zur Mitreise mobilisieren. Hut ab! Nach dem Spiel stellte sich die Frage, hektisch den 20:30-Bus nach Bratislava zu nehmen oder entspannt zwei Stunden später. Wir entschieden uns für das Letztere und nahmen noch in Ruhe n paar Bier in ner urigen Pinte. Im Bus nach Bratislava pennten wir dann gnadenlos weg, das frühe Aufstehen forderte Tribut. Gut, dass Steffen seinen Handy-Wecker stellte, sonst würden wir wohl immer noch zwischen Bratislava und Wien hin und her fahren. Zurück in der slowakischen Hauptstadt reichte es müdigkeitsbedingt nur noch zu nem Dosenbier in unserem Luxuszimmer. Schlafen war nur bedingt möglich. Die Wände sind im 'Kiyev' dünn wie Papier und die ganze Nacht über trudelten volltrunkene Figuren lärmend in der Bettenburg ein.
 
So. 28.03. 14:30 - Spartak Trnava vs Slovan Bratislava 0:3 (Corgon-Liga), 9.863 Zuschauer (400 Gäste)
 
9:00 aus dem Bett gequält und erstmal zum Frühstück, das überraschend vielfältig und qualitativ gut war. Danach mal kurz über die Donau in den Wohnklotz-Stadteil Petrzalka (wer schon mal über die A4 an Jena vorbeigefahren ist und das mehrfach zum Quadrat hochrechnet, weiß wie es in Petrzalka aussieht) zum ehemaligen Stadion des FC Artmedia Petrzalka. Bild Um dorthin zu gelangen mussten wir den Bratislava-Marathon zweimal queren was die Ordner aber eher gelangweilt zur Kenntnis nahmen. Auch, dass Steffen dabei fast einen der Tempomacher umgerannt hätte. Der Ground ist zumindest an drei Seiten ein wirklich nettes Teil, das da vor sich hin verrottet. Kaum zu glauben, dass dort vor wenigen Jahren noch der ruhmreiche Celtic Glasgow FC mit fünf Dingern aus dem Stadion geschossen wurde. Ein Jammer das dieser Ground abgerissen werden soll um Platz für neue Wohnklötze zu schaffen. Danach ab zum Hauptbahnhof, wo wir den geplanten Zug nach Trnava knapp verpassten. Der nächste würde erst sehr knapp vor dem Anstoß eintreffen. Also Plan B, ab ins Taxi zum Busbahnhof. Wir bekamen noch so grad eben den Bus nach Trnava und knapp 50 Minuten später waren wir am Spielort. Dort erwartete uns ein Bullen-Aufgebot wie bei Gladbach gegen Köln. Also natürlich weniger uns als vielmehr den Gäste-Mob. Dass sich der Anhang beider Clubs nicht sonderlich mag, war mir bekannt, aber dass eine deartige Brisanz besteht, war mir bisher entgangen. Das Stadion ist nur fünf Minuten Fussweg vom Bahnhof entfernt. Lange Schlangen an den Kassen. Wir trafen zwei ortskundige Österreicher und fanden uns für fünf Euro auf einem Sitzplatz auf der Gegentribüne wieder. Ein wirklich geiles Stadion. Bild Zwar ein All-Seater, aber das wurde in den Supportbereichen nicht wahrgenommen. Reines Fussballstadion. Hauptseite teilweise, Gegentribüne voll überdacht. Auch dieser Ground ist bald Geschichte. In der nächsten Saison soll ein Einheitsteil Marke Paderborn entstehen. Merda! Die Heimseite geizte zum Einlauf der Teams,Bild Bild wie auch das ganze Spiel über nicht mit Pyro. Ausserdem n Haufen Kassenrollen und ne nicht ganz gelungene Choreo. Die Gäste unternahmen wohl eine Mottofahrt. Ein Großteil hatten blaue Clowns-Perücken auf und am Zaun prangte ein Riesentransparent 'Circus Slovan'. Bild Im Laufe der zweiten Halbzeit wurde dann eine Riesenblockfahne hochgezogen, die ein Zirkuszelt zeigte. Davon sollte noch zu reden sein. Das ganze Spiel über sangen beide Gruppen fast ununterbrochen. Vor allem die Gastgeber kamen genial laut mit mehrstrophigen Liedern rüber. Sportlich hatte Spartak leider fast keine Chance und der Tabellenfüher Slovan nahm die Punkte mit einem souveränen 3:0 mit. Schade, hätte gern nen ordentlichen Tor-Pogo des Heim-Pöbels gesehen. Nach dem Abpfiff dachte sich der Slovan-Mob wohl, dass es zu mühsam ist, die Blockfahne wieder mitzunehmen. Also fackelten sie diese kurzerhand ab. Zu kurz gedacht, wie sich zeigte. In nullkommanix brannten 20-25 Sitzschalen lichterloh. Die Polizei reagiert zum Glück richtig und ließ alle sofort aus dem Block. Die Feuerwehr musste dagegen einsehen,dass zwei 5-Kg-Pulverlöscher nix ausrichten. Erst ein Löschzug auf dem Rasen konnte mit einem C-Schlauch den Brand löschen. Bild Bild Das hätte auch alles ziemlich schief gehen können. Erinnerte ein wenig an den 2007er Hansa-Auftritt an der Essener Hafenstrasse. Nach dem Kick noch ein paar Bilder geschossen und ne Runde ums Stadion gedreht. Als wir wieder am Bahnhof ankamen, war Slovan leider schon abgereist und ganz Trnava atmete wohl auf. Die Wartezeit auf den Zug nach Bratislava mit nem Bierchen überbrückt und die Eindrücke Revue passieren lassen. Der Kick war auf alle Fälle ein Volltreffer. Man muss auch mal Glück haben! Zurück in Bratislava erstmal Bierchen und Fresschen und dann mit bei Suche nach ner vernünftigen Kneipe gescheitert. Auf 'topless cats' hatten wir irgendwie auch keinen Bock, also weg mit dem Flyer und im 'Irish Pub' gelandet, wo das Bier 'unverschämterweise' das Doppelte vom Normalpreis kostete. Der halbe Liter für zwei Euro, statt für einen. Skandal! Dafür Live-Musik und englischer und französischer Fusek auf der Leinwand.
 
Mo. 29.03. 17:00 - HC Slovan Bratislava vs HC Nitra 4:0 (Eishockey-Extraliga, Playoff-Halbfinale, 1.Spiel), 3.380 Zuschauer (70 Gäste)
 
Stellte sich noch die Frage, was mit dem letzten Tag anzufangen sei. Die Überlegung nach Tschechien zu fahren, um dem Montags-Kick Ostrava-Slavia beizuwohnen wurde verworfen. Mit Bus und Zug war keine zeitgerechte Rückfahrt zu realisieren. Und Mietwagen Bild Bild wäre zwar recht günstig zu haben gewesen, aber keiner von uns beiden hatte Bock für den mittelprächtigen Kick die 300 km hin und wieder zurück zu fahren. Also war ein Alternativprogramm gefragt. Um 17:00 spielte Slovan das erste Halbfinale um die Eishockey-Meisterschaft gegen Nitra. Besser als nix. BildAlso erstmal ein wenig Sightseeing, rauf zur Burg, durch die Altstadt, die Fußgängerzone und dann mit der Tram erstmal zur Eishalle, um Tickets zu sichern. Angeblich drohte ein sold-out. Von der Eishalle waren es nur 20 Minuten zum 'Tehelne Pole', dem Nationalstadion, bekannt durch die Länderspiele, und gleichzeitig Heimground von Slovan. Bis vor kurzem zumindest, denn dort wird seit einigen Wochen nicht mehr gespielt, weil auch dieses geile Teil dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Scheiß Entwicklung!!! Slovan teilt sich nun die benachbarte Langweiler-Leichtathletik-Schüssel 'Pasienky' mit Artmedia. Eigentlich das Stadion von Inter Bratislava. Die haben aber Pleite gemacht und ihre Lizenz nach Senica verkauft, in Deutschland zum Glück nicht möglich. Bild Wir fanden am ‚Tehelne Pole’ ein offenes Tor und konnten den Ground nun in aller Ruhe spotten. Echt ein feines Stadion. Leere Grounds üben eine ungebremste Faszination auf mich aus. Danach in aller Ruhe auf anderer Route zurück Richtung Eishalle. Der Hopfen-Gott war uns wohlgesonnen und wir kamen am einen Biergarten vorbei der uns zum Verzehr eines kühlen Gerstensaftes zwang. Das Eishockeymatch traf meine Erwartungen überhaupt nicht. 3.380 Menschen in einer Bild4000er Halle bedeuten alles andere als 'ausverkauft' und die Stimmung hatte die Qualität eines deutschen Volleyball-Bundesligaspiels. Gääähn. Eishockey endlich vorbei - im letzten Drittel mit Tunnelblick fast weggepennt - und ab in die City. Erstmal im 'Backpackers' günstig gespeist und dann der Einfachheit halber wieder bei unseren irischen Freunden die Tour ausklingen lassen. Der folgende Abreistag wurde noch genutzt um auf dem Weg zum Flughafen das angesprochene 'Pasienky' zu begutachten. Zumindest fette kultige Flutlichtmasten hat das Dingen und dann wieder viel zu knapp am Flughafen (Alter, wie oft geht das noch gut?!) und zurück in unsere gelobte Republik. Das Auto stand noch unbehelligt. Die 'günstige' Variante des Parkscheins wurde gewählt und ab nach Hause.

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