G R O U N D F E V E R
  Glasgow
 

04.-05.04.2008 --- Glasgow: Hail, Hail, the Celts are here!
 
Mitte März reifte der spontane Entschluss, meiner Auslandsliebe Celtic Glasgow FC einen Besuch abzustatten. Bei Auswärtsspielen auf europäischer Ebene schon oft gesehen, war ein Heimspiel bisher nicht vergönnt. Der bis dato einzige Versuch scheiterte 1997, als der Besuch des Old Firm anstand, Tickets schon besorgt waren und ich bereits in Glasgow angekommen war. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit mir und noch weniger allerdings mit Diana Spencer, bekannter als Lady Di, die in der Nacht vor dem Spiel tödlich verunglückt war. Da die Prinzessin in Schottland ein hohes Ansehen genoss, beschloss der schottische Verband aus Repekt den für den Tag nach dem Unfall angesetzten Spieltag zu verlegen. Meine damalige Gemütslage dürfte für jeden Gleichgesinnten nachzuvollziehen sein. Das Tüpfelchen auf dem 'i' war dann die Tatsache, dass die englische Liga ihr Programm durchzog, wie ich beim abendlichen Frustsaufen im Pub mit Blick auf die Grossbildleinwand feststellen durfte.
 
Anyway - lange her und nun wurde das Vorhaben eines Celtic-Heimspiels endlich in die Realität umgesetzt. Also mit Steffen am frühen Freitag-Morgen von Weeze nach Prestwick und von dort mit dem Zug nach Glasgow. Erstmal die Brocken in unserem auserwählten B+B am Rande des Stadtzentrums abgeladen und dann galt es den Tag zu planen, da ja noch kein Spiel anstand. Also wurde der Entschluss gefasst zunächst mal den 'Ibrox Park' anzusteuern. Bild Da das Wetter top und ausreichend Zeit war, beschlossen wir, die Sache fußläufig anzugehen. Also in aller Ruhe entspannt den River Clyde entlang, mittels Fußgängerbrücke auf die Südseite gewechselt und nach einer guten Stunde Fußweg war das Stadion des von den Kelten verhassten Stadtrivalen erreicht. Bild Zugegeben, das Teil sieht sowohl von außen als auch von innen absolut geil aus. Die rote Backsteinfassade der 'Stands' hat schon was. Erstmal den Ground umrundet, den 'feindlichen' Megastore unter die Lupe genommen und weiter ums Stadion rum. An der Ecke zwischen Main Stand und West Stand öffnete sich plötzlich ein Tor und Arbeiter rollten ein paar Werbebanden auf einem Anhänger heraus. Meinem zögerlichen Halsverrenken um einen Blick ins Innere zu erhaschen, halfen Sie mit einer freundlichen Aufmunterung zum Betreten des Innenraums nach und schon stand ich drin in dem Ding. Schon ein Glücksfall, wenn man bedenkt, Bild dass die Stadien auf der Insel normalerweise besser abgeriegelt sind als das Pentagon. Der Platzwart war grad mit der Pflege des Grüns beschäftigt. Schnell angefangen Fotos zu schießen, wie gesagt übt der Kasten durchaus Faszination aus. Drei Tribünen mit jeweils zwei Rängen, die Haupttribüne dreirängig, die Ränge dazu noch überhängend. Die Sitzschalen (natürlich ist das Stadion ein Allseater) sind alle in dunklem Blau gehalten. Schon schön! Leider wurde die journalistische Tätigkeit abrupt von einem Sicherheits-Heini unterbrochen, der mit der Einladung der Werbebanden-Kollegen überhaupt nicht einverstanden war. Über gute 40-50 Meter Entfernung wurde ich im 'freundlichsten' Glasgower Dialekt aus dem Ground gebeten. Schade, hätte mich gern länger aufgehalten und das Foto-Archiv weiter bestückt. Egal. Ibrox sieht mich irgendwann zu einem Spieltermin wieder.
 
Die Aktion hatte ganz schön durstig gemacht und der große Zeiger hatte die Zwölf auch schon ein gutes Stück passiert. Also den nächsten Pub angesteuert, wo wir auf einem Freitag-Mittag bei weitem nicht die einzigen Gäste waren, um zwei Mittags-Pint zu nehmen und sich mit dem nächsten Ziel des Tages zu befassen. Der 'Hampden Park' sollte begutachtet werden, die übliche Spielort der Nationalelf, Austragungsort der Cup-Finals und nebei noch Heimstatt des Dritt-Divisionärs (4.Liga) Queens Park FC. Auch wenn's schwer fällt zu glauben, aber dieser Verein darf tatsächlich seine Heimspiele vor ein paar Händen voll Anhängern in dieser genialen 52000er Schüssel austragen. Bild Der Wirt des Pubs schaute mich zwar auf meine Nachfrage, ob man per Bus direkt dorthin kommt, an, als ob der das erste Mal von einem Stadion namens Hampden gehört hatte, aber der fragende Blick fand seinen Grund wohl darin, dass er sich nicht erklären konnte, was man dort will, wenn nicht gekickt wird. Erklären konnte er leider auch nicht, wie man dort mit dem ÖPNV hin gelangt. Also zunächst per pedes der Paisley Road bis ins Zentrum gefolgt und von dort mit dem Bus nach Hampden hoch. Leider war das Rund vollständig verschlossen. So konnten wir lediglich ein Blick auf den benachbarten Trainingplatz des QPFC und ins Foyer werfen. Weiter wollte uns der Pförtner nicht lassen. Also zurück zur Haltestelle und die dort befindliche 'Fish n Chips'-Bude geentert. Mit dem Fraß an die Haltestelle gesetzt, was einen streunenden Köter nicht davon abhielt, sein Geschäft zwei Meter neben uns zu verrichten. Mahlzeit! Zurück in der City war es mittlerweile früher Abend geworden. Das hieß, sich langsam in diverse Pubs zu verkrümeln. Ein ansprechendes Etablissement wurde auch gefunden und dort den Abend über gemütlich verweilt, bis das Sandmännchen irgendwann auf den Plan trat.
 
Sa. 05.04. 15:00 - Celtic Glasgow FC vs FC Motherwell (Scottish Premier League), 58.624  Zuschauer (800 Gäste)
 
Da unser bescheidenes Gemach direkt neben dem Wirtschaftsraum mit Waschmaschine und ähnlichem lag, war an Ausschlafen nicht so wirklich zu denken. Dann eben in Ruhe das schottische Frühstück genossen und danach mal durch die Glasgower City geschlört, die ja nicht so wirklich viel zu bieten hat. Gegen Mittag war es dann an der Zeit Jimmy zu kontaktieren. Jimmy ist ein Bekannter eines Gladbacher Kollegen, der gute Kontakte zu einem Celtic Supporters Club pflegt. Der Gladbacher hatte Jimmy 'beauftragt' Tickets für uns zu organisieren, da schwer abzuschätzen war, Bild ob in der Endphase der Saison ein 'sold out' gegen den doch eher uninteressanten Gegner droht. Ich kannte Jimmy zwar vom Sehen von diversen UEFA-Cup-Auftritten der Schotten auf dem Festland auch lose, hatte aber nicht so intensiven Kontakt zu ihm. Bild Die Übergabe klappte reibungslos und wir begaben uns noch auf ein Bier in einen Pub, bevor wir mit dem Bus zum 'Celtic Park' fuhren. Dort erstmal ein paar Pins gekauft und mit dem Fastfood-Angebot befasst. Dan gingen wir die letzten 200 Meter zum Ground. Auf relativ freier Fläche erbaut wirkt das Ding recht imposant. Bis Mitte der 90er Jahre war das Stadion ein Oval. Nach der Modernisierung, bei der nur die Haupttribüne von der alten Bausubstanz erhalten blieb, ist es nun ein reines Fußballstadion mit Tribünen direkt am Spielfeld. Also nix wie rein in den Tempel. Bild Allerdings ist der Ground nicht sehr spektakulär, sondern zunächst einmal groß. Knapp 61.000 Klappsitze benötigen ihren Platz. Diese sind natürlich überwiegend in sattem Grün gehalten. Bis auf die Haupttribüne besteht das Viereck aus zwei Rängen. 58.624 Personen fanden sich zum Spiel gegen den Club aus der Nachbarstadt ein. Also war es nicht ausverkauft. Zu lachen hatten aber nur die Gäste etwas, die trotz 40minütiger Unterzahl das seltene Erlebnis genießen durften, drei Punkte aus dem 'Celtic Park' mitzunehmen. Die Stimmung war das ganze Spiel über sehr mau. Lediglich bei einigen Chants wurde es schön laut. Allerdings überraschte mich das nicht sehr, da bekannt war, dass nur noch bei den Derbys gegen die Rangers und bei Spielen im Europapokal gute Stimmung herrscht. Nach Spielschluss lehrte sich das Stadion recht schnell, so dass noch in Ruhe ein paar Bilder gemacht werden konnten. Danach wurde der Fanshop erobert und Dank dem Saisonende konnten diverse Bekleidungsstücke recht günstig erworben werden.
 
Da wir unser Gepäck freundlicherweise in unserer Unterkunft für die erste Nacht unterstellen durften, blieb die Frage, was mit der Zeit bis zur Abfahrt des 3-Uhr-Busses zum Flughafen Prestwick anzufangen sei. Saufen, saufen oder saufen? Wir entschieden uns für alle drei Optionen und spazierten unter Aufsuchen des einen oder anderen Pubs die London Road in Richtung Zentrum zurück. Dort landeten wir in einem Flüssigkeit ausschenkenden Lokal, in dem ein Karaoke-Wettbewerb stattfand, den wir erst einmal 'genossen' und begossen. Als wir auch dahingehend bedient waren, wollten wir uns ein wenig durch die Discos und Music-Clubs schlagen, hatten dabei aber ein leider entscheidendes Detail übersehen. Kollege Steffen hatte sich mit weißen Turnschuhen geschmückt, was von Türstehern ja bekanntermaßen nicht gerade als Einlass-Argument verstanden wird. Also fingen wir uns zunächst Mal ein paar Absagen bis wir dann doch irgendwo zögerlich eingelassen wurden. Das stimmte uns zugegebenermaßen recht froh, da die Temperaturen sich nur noch um die 5-Grad-Marke bewegten. Leider währte der Freude nur kurz, da nach einer halben Stunde die Musik aus und die Lichter angingen. Zum Glück brannte die eigene Lampe auch schon recht ordentlich. Jetzt nur noch nen Laden für die letzten zwei Stunden finden und alles ist gut. Schließlich in einem Schuppen gelandet der im Erdgeschoß Disco und im ersten Stock Billiard-Cafe war (merkwürdige Kombination) und den schottischen, für diese Temperaturen erstaunlich leicht bekleideten Hühnern ein wenig auf den Allerwertesten geschaut, bis es Zeit war aufzubrechen. Die Rucksäcke abgeholt, zur Buchanan Bus Station rüber gelatscht und "Bye-Bye Glasgow". Der Alkoholkonsum forderte seinen Tribut und wir pennten satt weg. Durch Zufall zwei Minuten vor Halt am Airport wach geworden. Schwein gehabt. In der nicht allzu großen Halle waren die besten Plätze schon belegt. Also lümmelten wir uns irgendwie in zwei noch freie Sessel eines Cafes, wo uns die Bedienung dann gegen 6 Uhr 'sanft' weckte. Stell ich mir auch toll vor, jeden Morgen meinen Arbeitsplatz erst einmal von teilweise halb besoffenen schlafenden Fluggästen zu säubern. Um kurz vor Sieben hob der Flieger pünktlich mit uns ab und 90 Minuten später hatten wir wieder deutschen Boden unter den Füssen.

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(Manni Breuckmann)